Fachbibliothek

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Fachbibliotheken oder Spezialbibliotheken sind Bibliotheken, die sich in ihrem Sammelschwerpunkt im Gegensatz zu Universalbibliotheken auf ein Fachgebiet spezialisiert haben. Fachbibliotheken sind in der Regel Teile einer anderen Einrichtung, beispielsweise eines Forschungsinstitutes, eines privaten Unternehmens, eines Museums, Archives oder einer größeren Bibliothek. Sie werden deshalb auch als interne Dienstleistungseinrichtungen bezeichnet, deren Dienstleistung im Beschaffen und Verwalten von Informationen in einem Unternehmen in der Wirtschaft oder in einer Forschungseinrichtung liegt.

Struktur und Aufgaben[Bearbeiten]

Fachbibliotheken gibt es nur im Bereich der Wissenschaftlichen Bibliotheken. Gleichzeitig sind die meisten wissenschaftlichen Bibliotheken auch Fachbibliotheken, da die Aufgabe der Sammlung aller Fachgebiete nicht mehr von einer Institution erfüllt werden kann. Im Gegensatz dazu besitzen Öffentliche Bibliotheken in der Regel einen allgemeineren Bestand mit einem Schwerpunkt auf die Belletristik. Nur in Einzelfällen besitzen Öffentliche Bibliothek auch spezialisierte Sondersammlungen.

Die Bibliothek ist als Abteilung, Dezernat, Fachgebiet oder Stabsstelle innerhalb der übergeordneten Trägerinstitution organisiert und in aller Konsequenz, d.h. von der Aufgabenbestimmung, Finanzierung bis zur Existenzfrage an die Mutterorganisation gebunden. Dabei sind Bibliotheken selbst als Trägerorganisation ausgenommen.

Während in anderen Ländern noch die Nationalbibliothek diese Aufgabe erfüllen kann, existiert in Deutschland neben der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) eine verteilte Nationalbibliothek, bestehend aus der Sammlung Deutscher Drucke und den Sondersammelgebieten, die eine Aufteilung nach fachlichen Sammlungsschwerpunkten vereinbaren.

Sachbibliotheken: Kleine Schwester der Fachbibliotheken[Bearbeiten]

Von den wissenschaftlichen Fachbibliotheken zu unterscheiden sind die Sachbibliotheken, die ebenso keine Belletristik, sondern allgemein verständliche Sachbücher und nur teilweise akademische Fachbücher sammeln. Ihre Buchbestände sind frei zugänglich, von den kleineren Präsenzbeständen abgesehen. Eine Sachbibliothek kann aber auch Funktionen erfüllen wie etwa die einer Redaktionsbibliothek, einer christlichen Bibliothek oder einer Firmen- und Betriebsbibliothek.

Eine Sachbibliothek kann sich aber auch bewusst an einen eingeschränkten Nutzerkreis richten. In diesem Fall wird sie von aussen eher als Spezialbibliothek wahrgenommen. Dies ist der Fall, wenn die Benutzenden durch eine Bibliotheksregel bewusst eingeschränkt werden, zum Beispiel auf Inhaber einer bestimmten beruflichen Qualifikation, auf Mitglieder in einem Sachbuch-Lesezirkel oder auf Angehörige einer bestimmten Überzeugungsfamilie, die als Vorbedingung für eine Buchausleihe etwa die Pflicht haben, eine bestimmte Zeitschrift zu abonnieren.

Virtuelle Bibliothek[Bearbeiten]

Mit der zunehmenden Vernetzung und fehlenden finanziellen Mitteln werden Fachbibliotheken verstärkt als so genannte Virtuelle Fachbibliotheken im Internet zusammengefasst, die als Portal für ein Fachgebiet dienen. Die Grenzen zwischen Fachbibliotheken und Fachinformationszentren oder anderen Dokumentationseinrichtungen sind fließend. Eine Bibliothek dient jedoch in erster Linie der Erfassung von im Buchhandel erschienener Literatur. Sogenannte Graue Literatur (Magisterarbeiten, Briefe etc.) wird nur sporadisch gesammelt.

Zielgruppe[Bearbeiten]

Spezialbibliotheken bedienen eine sehr unterschiedliche Klientel, die stets in Beziehung zur Trägerorganisation steht. Viele Spezialbibliotheken, vor allem Unternehmensbibliotheken, sind ausschließlich den Mitarbeitern des Unternehmens zugänglich. Außenstehende können die Bibliothek nur in Ausnahmefällen auf besonderen Antrag nutzen. Andere Spezialbibliotheken, vor allem an aus öffentlichen Mitteln finanzierten Einrichtungen, wie z.B. Parlaments- oder auch Museumsbibliotheken, sind zwar vorrangig für die primäre Zielgruppe, die Mitarbeiter der Trägerinstitution, tätig, stehen daneben aber auch der interessierten Öffentlichkeit zur eingeschränkten Nutzung zur Verfügung.

Dienstleistungsabteilung[Bearbeiten]

Innerhalb der Institution nimmt die Spezialbibliothek den Status einer Dienstleistungsabteilung ein. Der Auftrag ist ausgerichtet an den Aufgaben und Zielen der Institution. Die Bibliothek trägt mittels bedarfsorientierter Informationsversorgung für die Mitarbeiter bei ihren täglichen Aufgaben und Projekten zum Erfolg der Organisation bei. Der Begriff der Dienstleistungsabteilung bringt zum Ausdruck, dass die Spezialbibliothek auf der Basis betriebswirtschaftlicher Grundlagen plant und handelt.

Informationsversorgung[Bearbeiten]

Im Sinne der Kundenorientierung ist die Spezialbibliothek zentrale Anlaufstelle für alle Informationsanfragen der Kunden, die unter Nutzung in- und externer Quellen aus allen Dokument- und Medienarten beantwortet werden. Zunehmend entwickeln sich viele Spezialbibliotheken zu aktiven Informationsdienstleistern und bieten nach genauer Ermittlung des Informationsbedarfs ihrer Kunden maßgeschneiderte Informationsprodukte an. Zur Zielerreichung werden gleichermaßen bibliothekarische wie dokumentarische Kenntnisse, Arbeitsweisen und Methoden eingesetzt. Damit weisen Spezialbibliotheken einen hohen Grad an Integration der Bereiche Bibliothek und Dokumentation auf. Spezialbibliotheken sind damit stärker kunden- und informationsorientiert als bestandsorientiert. Die Funktion verschiebt sich deutlich von der bloßen Verwaltung von Medienbeständen in Richtung der aktiven Informationsvermittlung der Informationsberatung und des Informationsmanagements.

Spezialisierung[Bearbeiten]

Die Spezialisierung beim Bestandsaufbau bedeutet meist eine Begrenzung auf eine Wissenschaftsdisziplin, ein Fachgebiet, eine Branche, ein Thema oder einen interdisziplinären Wissenschaftsausschnitt. Selten wird ein Fachgebiet in seiner ganzen Breite gesammelt, häufiger werden einzelne Forschungsbereiche in besonderer Tiefe gepflegt. Da sich das Bestandsmanagement der Spezialbibliothek grundsätzlich an der zukünftigen Arbeit der Institution ausrichtet, werden Themen abgeschlossener Projekte nicht länger verfolgt. In anderen Fällen führt die Interdisziplinarität eines Forschungsprojektes oder die Aufgabe einer Institution auch zum Aufbau eines interdisziplinären, in Einzelfällen sogar universellen Bestandes.

Typen[Bearbeiten]

nach Fachgebiet[Bearbeiten]

Gerichtsbibliothek des Landgerichts Ravensburg

nach Trägerinstitution[Bearbeiten]

  • Parlaments- und Behördenbibliotheken
  • Bibliotheken an Bundesanstalten und an staatlichen Forschungsanstalten
  • Bibliotheken der Bundeswehr
  • Gerichtsbibliotheken
  • Bibliotheken an Kammern
  • Bibliotheken an Forschungsinstitutionen
  • Bibliotheken von Parteien, Stiftungen, Vereinen und Verbänden
  • Bibliotheken an Medieneinrichtungen und Rundfunkanstalten
  • Museumsbibliotheken
  • Kirchenbibliotheken
  • Unternehmensbibliotheken
  • Bibliotheken an internationalen Organisationen

nach Herkunftsland[Bearbeiten]

In einigen Fällen bieten Vereine oder Privatpersonen Bücher zur Ausleihe an, die aus einem bestimmten Herstellungsgebiet stammen, wie z.B. die über 8.000 Titel umfassende Bibliothek mit Druckwerken aus der SBZ und der aus ihr hervorgegangenen DDR:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DDR-Bücherstube

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Forum Spezialbibliothek: Eine interaktive Informationsquelle für Spezialbibliothekare, für Informationsspezialisten, Studenten, Schüler und Auszubildende, sowie alle, die sich für das Thema Spezialbibliotheken interessieren. Die Website wurde im Studiengang „Informationsmanagement“ an der Fachhochschule Hannover erstellt.