Die Anatomie des Dr. Tulp

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The Anatomy Lesson.jpg
Die Anatomie des Dr. Tulp
Rembrandt van Rijn, 1632
Öl auf Leinwand, 169,5 cm × 216,5 cm
Mauritshuis

Die Anatomie des Dr. Tulp ist ein Gemälde des niederländischen Malers Rembrandt. Das 1632 fertiggestellte Werk mit den Maßen 216,5 cm x 169,5 cm hängt heute im Mauritshuis in Den Haag.

Hintergrund[Bearbeiten]

Zwei Personen auf diesem Gemälde sind besonders exponiert: Der eine ist der Arzt Dr. Nicolaes Tulp, der den anwesenden Zuschauern die Skelettmuskulatur erklärt. Der andere ist der Tote: Adriaan Adriaanszoon war ein gewalttätiger Straßenräuber, er wurde wegen seiner Verbrechen gehängt. Die anderen Personen sind Jacob Jansz Colevelt, Adrian Cornilsz Slabberaen, Mathys Evertsz Calkoen, Jacob Jansz de Witt, Jacob Dielofse Block und Frans van Loenen, welches sowohl durch die Auftragslage, als auch das mittig in der Hand gehaltene Papier wahrscheinlich wird. Anatomie-Vorführungen waren im 17. Jahrhundert ein gesellschaftliches Ereignis: Sie fanden in hörsaalähnlichen sogenannten anatomischen Theatern statt; das Publikum, oft Zunftkollegen, Studenten und Honoratioren, musste Eintritt bezahlen. Mit dem eingenommenen Geld wurden die an der Schaustellung beteiligten Personen entgolten.

Das Gemälde[Bearbeiten]

Die abgebildeten Zuschauer sind dem gesellschaftlichen Anlass entsprechend feierlich gekleidet, es sind ebenso wie Dr. Tulp Mitglieder der Amsterdamer Gilde der Barbiere und Chirurgen. Dass Tulp im Rang höher steht, zeigt sich darin, dass er im Saal den Hut aufbehalten hat. (Dies ist jedoch eine spätere kompositorische Lösung, da Röntgenaufnahmen in tieferen Malschichten einen Hut bei der am höchsten sitzenden Person offenbarten.) Bei der Person links im Bild sowie der, die im Hintergrund über allen anderen Zuschauern steht, wird angenommen, dass diese Figuren erst nachträglich in das Bild eingefügt worden sind. Eine Person fehlt ganz: der Präparator. Dr. Tulp war ein Mann der Wissenschaft, nicht des alltäglichen Geschäfts, dazwischen wurde im 17. Jahrhundert fein unterschieden. Die Wissenschaft erklärte, das blutige Handwerk mussten andere verrichten. Folgerichtig gibt es in diesem Bild auch keine Schneideinstrumente, stattdessen schließt es im rechten unteren Rand mit einem gewaltigen Buch ab, es wird ein Lehrbuch der Anatomie sein. Interessant an dem Gemälde ist ein Fehler: Der angehobene Muskel (Musculus flexor digitorum superficialis) müsste eigentlich auf der Innenseite des Ellenbogens liegen (er setzt hier im Gemälde außen an, müsste aber laut der Nomenklatur auf der Innenseite seinen Ursprung haben.) Rembrandt war erst 25 Jahre alt, als er das Bild malte. Doch schon in diesem, nämlich bei der Person des Toten, zeigt sich eine Besonderheit, die Rembrandt in späteren Jahren immer öfter praktizierte: das Abschatten von Gesichtern, die Andeutung der umbra mortis.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Goscinny und Uderzo parodierten das Gemälde im Asterix-Band Der Seher. Der Seher „liest“ hierbei aus einem auf dem Tisch liegenden Fisch die Zukunft, während die Dorfbewohner um das Tischende herumstehen. Sebald beschäftigt sich in Die Ringe des Saturn (S. 22 ff) ausführlich mit dem Gemälde, insbesondere auch mit dem anatomischen Fehler. In einem Werbetrailer des Computerspiels Deus Ex: Human Revolution wurde das Bild als Variation in einer computergenerierten Animation umgesetzt. Es dient als Parallele für das Ersetzen der Arme durch kybernetische Prothesen. Im Spielfilm Barbara von Christian Petzold (2012) interpretiert der Arzt André Reiser den Fehler so, dass Rembrandt die Hand absichtlich falsch gezeichnet hat – als eine zweite rechte Hand. Alle Ärzte schauen auf das Lehrbuch der Anatomie und sehen die Hand so, wie sie diese sehen wollen – wie im Lehrbuch abgebildet – nicht aber so, wie sie in der Realität vorliegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heckscher, William S.: Rembrandt’s Anatomy of Dr. Nicolaas Tulp – An Iconological Study. New York: New York University Press. 1958.
  • Schupbach, William: The Paradox of Rembrandt’s ‚Anatomy of Dr. Tulp’. Medical History, Supplement No. 2. London: Wellcome Institute for the History of Medicine. 1982.
  • Imdahl, Max: Sprechen und Hören als szenische Einheit – Bemerkungen im Hinblick auf Rembrandts Anatomie des Dr. Tulp. In: Stierle, Karlheinz und Warning, Rainer: Das Gespräch. München: Wilhelm Fink Verlag. 1984. S. 286–296.
  • Mitchell, Doris: Rembrandt’s The Anatomy Lesson of Dr. Tulp. A sinner among the righteous. In: Artibus et historiae, 15. 1994, No. 30, S. 145–156.
  • Rose-Marie und Rainer Hagen: Meisterwerke im Detail, Band 2, Taschen Verlag, Köln 2003
  • Volkenandt, Claus: Rembrandt – Anatomie eines Bildes. München: Wilhelm Fink Verlag. 2004. Zugl. Diss. Univ. Basel, 1996/1997.
  • Steiner, Gary: The cultural significance of Rembrandt’s „Anatomy Lesson of Dr. Nicolaes Tulp“. In: History of European Ideas, 36. 2010, S. 273–279.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Anatomie des Dr. Tulp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien