Die schlesischen Weber

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Das Gedicht Die schlesischen Weber (auch: Weberlied) von Heinrich Heine ist beispielhaft für die politische Lyrik des Vormärz. Es handelt vom Elend der schlesischen Weber, die 1844 einen Aufstand gegen Ausbeutung und Lohnverfall wagten und damit auf die im Rahmen der Industrialisierung entstandenen Missstände aufmerksam machten. (Siehe auch: Weberaufstand/Soziale Frage.)

Entstehung und Reaktionen[Bearbeiten]

Titelblatt des Vorwärts! vom 10. Juli 1844

Das sogenannte Weberlied wurde unter dem Titel „Die armen Weber“ am 10. Juli 1844 in Karl Marx' Vorwärts! erstmals veröffentlicht und als Flugblatt in einer Auflage von 50.000 Stück in den Aufstandsgebieten verteilt. Spätestens ab 1846 trug es in Flugblättern den heutigen Namen „Die schlesischen Weber“.

Das Königlich Preußische Kammergericht verbot das Gedicht wegen „seines aufrührerischen Tones“. In Berlin wurde 1846 ein Rezitator, der es trotzdem gewagt hatte, es öffentlich vorzutragen, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Interpretation[Bearbeiten]

Anders als viele Gedichte dieser Zeit beklagt das so genannte Weberlied nicht nur die Ausbeutung durch die Fabrikbesitzer, sondern wendet sich auch an Autoritäten, kritisiert allgemeine politische Umstände und drängt auf Veränderung.

In den drei Binnenstrophen werden nacheinander Gott, der König und das Vaterland angeklagt. Die Weber sind sehr enttäuscht, dass sie trotz verzweifelter Bitten keinen Beistand von Seiten Gottes erfahren haben. Der König wird beschuldigt, statt sich des Leides der Arbeiter anzunehmen, die Reichen zu unterstützen und gegen Protestierende mit roher Gewalt vorzugehen.

In den Rahmenstrophen wird deutlich, dass die Weber bereit sind, selbstbewusst für ihre Interessen einzutreten, und beharrlich an einer grundlegenden Veränderung Deutschlands arbeiten. Dieser Eindruck wird durch den Refrain „Wir weben, wir weben!“ verstärkt.

Das Gedicht zeigt, dass Heinrich Heine die Anliegen der Arbeiter im 19. Jahrhundert für berechtigt hält und vor allem das politische System für ihre Misere verantwortlich macht. Die Märzrevolution von 1848 bestätigt seine Einschätzung, dass eine tiefgreifende Veränderung Deutschlands bevorsteht.

Die schlesischen Weber ist das bekannteste Beispiel für die vielfältige zeitgenössische literarische Auseinandersetzung mit dem Weberaufstand 1844, der das öffentliche Bewusstsein für die Soziale Frage weckte.

Rezeption[Bearbeiten]

Die deutsche Metalcore-Band Heaven Shall Burn ließ sich von diesem Gedicht zum Titel ihres Albums „Deaf to our prayers“ inspirieren. Das Gedicht Die schlesischen Weber wurde zudem von einigen Musikinterpreten vertont, darunter sind die Folkband Liederjan auf ihrem Album „Mädchen, Meister, Mönche“, die Folkband Bergfolk, die Folkpunkband Die Schnitter, die Gothic-Metal-Band Leichenwetter, die Deutschpunkband Kapitulation B.o.N.n. auf dem Album „Feuer!“ und die Oi-Punk-Band KandesBunzler oder auch die Düsseldorfer D.I.Y.-Punkrockband Die Schwarzen Schafe. In der Liederjan-Vertonung gehört es heute zu den am weitesten verbreiteten und am häufigsten gesungenen Liedern in Pfadfinder- und bündischen Gruppen. Im Rahmen der 2. Station des sozialhistorischen Werkes Proletenpassion der österreichischen Schmetterlinge, „Die Revolution der Bürger“, wird das Gedicht leicht verändert vertont. Zwar gehört es nicht zu der Thematik der Französischen Revolution, die hier vorwiegt, und auch nicht ganz zur bürgerlichen Wirtschaftsordnung, sondern ist eher auf Deutschland bezogen, aber es schließt den Beginn der Industrialisierung, die doch z. T. angesprochen wird, ab.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Die armen Weber – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Die schlesischen Weber – Quellen und Volltexte