Karl Marx

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Karl Marx (1875; Fotografie von John Mayall jun.)
Karl Marx’ Unterschrift

Karl Marx[1] (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Bis heute werden seine Theorien kontrovers diskutiert.

Leben

Jugend und politische Anfänge (1818–1843)

Karl Marx wurde 1818 als drittes Kind des Anwaltes Heinrich (Heschel) Marx (1777–1838) und von Henriette Marx (1788–1863, geborene Presburg) in Trier (Rheinpreußen) geboren.[2]

Heinrich Marx stammte väterlicher- und mütterlicherseits aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie.[3][4] Er war von 1811 bis 1813 Gerichtsdolmetscher und vereidigter Übersetzer im damals französischen Osnabrück, im Département Hanséatique Oberems. 1812 schloss er sich dort der französischen Freimaurerloge „L’Etoile Hanséatique“ (Der Hanseatische Stern) an.[5] Zwischen 1816 und 1822 konvertierte der Vater zum Protestantismus,[6] da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt als „Avoué“ / „Advokat-Anwalt“ nicht hätte weiterführen dürfen. Am 26. August 1824 wurden die Kinder Sophia, Hermann, Henriette, Louise, Emilie, Caroline und auch Karl in der elterlichen Wohnung getauft. Die Mutter von Karl ließ sich erst am 20. November 1825 taufen, da sie fürchtete, ihre Familie, allen voran ihr Vater, würde dies missbilligen.

Stammbaum väterlicherseits
Kreidezeichnung von Hellmut Bach 1953 (Deutsches Historisches Museum, Objekt 500772) nach der Zeichnung von David Levy Elkan: angeblich Marx als Student[7]
Karl-Marx-Haus in Trier (Geburtshaus, Museum, Brückenstraße 10)
Marx’ Gymnasiallehrer Johannes Steininger
Wohnhaus der Familie Marx in Trier, Simeonstraße 8

Von 1830 bis 1835 besuchte Karl Marx das Gymnasium zu Trier,[8] wo er zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Edgar von Westphalen mit 17 Jahren das Abitur mit einem Durchschnitt von 2,4[9] ablegte. Besondere Zuneigung fühlte Marx zu seinem Direktor Johann Hugo Wyttenbach. Einer seiner Lehrer war Johannes Steininger, ein Naturwissenschaftler und Geologe von internationalem Ruf. Steininger war ein Anhänger von Alexander von Humboldt. 1836 verlobte sich Marx in Trier mit Edgars Schwester Jenny von Westphalen (1814–1881).

1835 ging er zum Studium der Rechtswissenschaften und der Kameralistik nach Bonn. Ob er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat, ist letztlich nicht beweisbar.[10][11] Bekannt ist aber, dass er wegen „nächtlichen Lärmens und Trunkenheit“ verurteilt wurde[12] und gegen ihn wegen „Tragens eines Säbels“ ermittelt wurde. In Bonn besuchte er juristische Vorlesungen bei Ferdinand Walter, Eduard Puggé und Vorlesungen bei Friedrich Gottlieb Welcker und August Wilhelm Schlegel. Nach Mitteilungen von Moriz Carrière schloss Marx sich einem poetischen Kränzchen an, dem Carrière, Marx, Emanuel Geibel, Karl Grün, Karl Ludwig Bernays, Theodor Creizenach, Heinrich Bernhard Oppenheim angehört haben sollen.[13][14]

Ein Jahr später wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) nach Berlin und besuchte juristische Vorlesungen bei Eduard Gans (Kriminalrecht und Preußisches Landrecht), Friedrich Carl von Savigny (Pandekten), Henrich Steffens (Anthropologie), August Wilhelm Heffter (Kirchenrecht, gemeiner deutscher Zivilprozess), Georg Andreas Gabler (Logik), Carl Ritter (allgemeine Geographie), Adolf August Friedrich Rudorff (Erbrecht), Bruno Bauer (Jesaja) und Carl Eduard Geppert (Euripides), ließ aber das Jura-Studium gegenüber Philosophie und Geschichte in den Hintergrund treten. Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer („Doctorclub“), deren bedeutendste Vertreter die Brüder Bruno Bauer und Edgar Bauer waren. Freundschaft knüpfte er mit Karl Friedrich Köppen und mit Adolf Friedrich Rutenberg.

Hegel, der 1831 starb, hatte zu seiner Zeit einen starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland. Das hegelianische Establishment (auch bekannt als „Alt- oder Rechtshegelianer“) sah den preußischen Staat als Abschluss einer Serie von dialektischen Entwicklungen: eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten weitere dialektische Änderungen, eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie Armut, staatlicher Zensur und der Diskriminierung der Menschen, die sich nicht zum lutherischen Glauben bekannten, zu befassen hatte.

Nach dem Tod seines Vaters Heinrich Marx am 10. Mai 1838 bekam Marx, weil er erst mit 25 Jahren volljährig wurde, als gesetzlichen Vormund Johann Heinrich Schlink.[15]

Am 15. April 1841[16] wurde Marx in absentia an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie[17] zum Doktor der Philosophie promoviert. Auf eine Professur rechnend, zog Marx hierauf nach Bonn; doch verwehrte die Politik der preußischen Regierung ihm – wie Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer und anderen – die akademische Laufbahn, galt Marx doch als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer. Unter seinem Namen veröffentlichte er im Januar 1841 in der junghegelianischen Zeitschrift Athenäum zwei Gedichte unter dem Titel Wilde Lieder.[18]

Um diese Zeit gründeten liberale Bürger in Köln die Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe als gemeinsames Organ der verschiedenen oppositionellen Strömungen von monarchistischen Liberalen bis zu radikalen Demokraten. Marx wurde ein Hauptmitarbeiter des Blattes, das am 1. Januar 1842 erstmals erschien. Am 15. Oktober 1842 übernahm Marx die Redaktion der Zeitung, welche von da an einen noch radikaleren oppositionellen Standpunkt vertrat. Marx, Arnold Ruge und Georg Herwegh gerieten zu dieser Zeit in einen politischen Dissens zu dem Kreis um ihren Berliner Korrespondenten Bruno Bauer, dem Marx vorwarf, das Blatt „vorwiegend [als] ein Vehikel für theologische Propaganda und Atheismus etc. statt für politische Diskussion und Aktion“ zu benutzen.[19] Als Friedrich Engels, der als ein Freund und Parteigänger der Berliner Linkshegelianer galt, am 16. November 1842 die Kölner Redaktion besuchte und erstmals mit Marx zusammentraf, verlief die Begegnung daher relativ kühl.[20]

Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse unterlag das gesamte Pressewesen der Zensur, die hinsichtlich der Rheinischen Zeitung besonders streng war. Die preußische Obrigkeit schickte zunächst einen Spezialzensor aus Berlin. Als dies nicht half, musste jede Ausgabe in zweiter Instanz dem Kölner Regierungspräsidenten vorgelegt werden. Weil Marx’ Redaktion auch diese doppelte Zensur regelmäßig unterlief, wurde schließlich das Erscheinen der Zeitung zum 1. April 1843 untersagt. Marx trat am 17. März als Mitarbeiter und Redakteur zurück, weil die Eigentümer hofften, durch Änderung der Linie des Blattes bei der Zensurbehörde eine Aufhebung des Verbotes erreichen zu können.[21]

Übergang zum Kommunismus (1843–1849)

Ebenfalls 1843 heiratete Marx seine vier Jahre ältere Verlobte Jenny von Westphalen in Kreuznach.[22] Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen nur die drei Töchter Jenny, Laura und Eleanor überlebten.

Karl Marx’ Frau Jenny (1864)

Am 11. oder 12. Oktober 1843 trafen Marx und seine Frau in Paris ein und er begann dort, zusammen mit Arnold Ruge, die Deutsch-Französischen Jahrbücher herauszugeben. Von Mitte Oktober bis Januar 1844 wohnte er im Haus „31, Rue Vaneau“ und bei seiner Ausweisung Februar 1845 in dem Haus „38, Rue Vaneau“. 1843 lernte er auch German Mäurer in Paris kennen.[23] Während der Arbeit begann auch der briefliche Kontakt mit Friedrich Engels, der zwei Artikel beigetragen hatte.[24] Von der Zeitschrift erschien allerdings nur ein Doppelheft und dieses auch nur in deutscher Sprache, weil Louis Blanc und Proudhon keine Artikel lieferten. Die Fortsetzung scheiterte aus verschiedenen Gründen: Julius Fröbel wollte die Zeitschrift nicht mehr finanzieren, ein großer Teil der Auflage wurde an der Grenze konfisziert, und zwischen den beiden Redakteuren traten bald prinzipielle Differenzen zutage.[25] Ruge blieb der hegelschen Philosophie und der bürgerlichen Demokratie verpflichtet; Marx begann, sich mit politischer Ökonomie zu beschäftigen und durch Kritik an den französischen Sozialisten einen eigenständigen Standpunkt zu entwickeln.

Ende 1843 lernte Marx in Paris den Dichter Heinrich Heine kennen. Zeitlebens blieben sie freundschaftlich verbunden.

Die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte aus dem Jahre 1844 sind Marx’ erster Entwurf eines ökonomischen Systems, der zugleich die philosophische Inspiration deutlich macht. Marx entwickelt dort erstmals ausführlich seine an Hegel angelehnte Theorie der „entfremdeten Arbeit“.

Allerdings beendete Marx diese sogenannten „Pariser Manuskripte“ nicht, sondern verfasste kurz darauf auf dem Höhepunkt der zeitgenössischen Diskussion um den Junghegelianismus zusammen mit Friedrich Engels das Werk Die heilige Familie. Über die gemeinsame Arbeit an den Deutsch-Französischen Jahrbüchern hatte sich mit Engels – der ihn im September 1844 auch einige Tage besuchte – ein reger Briefwechsel entwickelt, der schließlich zu einer lebenslangen Freundschaft sowie einer engen politischen und publizistischen Zusammenarbeit führte. Deren erstes Ergebnis war die im März 1845 veröffentlichte Schrift Die heilige Familie, die sich als Streitschrift „gegen B.[runo] Bauer und Konsorten“ verstand, zu der Engels allerdings nur zehn Seiten beigetragen hat. Marx polemisiert hier gegen die Berliner Junghegelianer um seinen ehemaligen Mentor Bruno Bauer; einen wichtigen Angehörigen dieser Gruppe erwähnt er zunächst aber nicht: Max Stirner, dessen Buch Der Einzige und sein Eigentum im Oktober 1844 erschienen war und von Engels in einem Brief an Marx (19. November) zunächst vorwiegend positiv eingeschätzt wurde.

Marx sah Stirners Buch kritischer als Engels und überzeugte diesen in einer Antwort auf den genannten Brief von seiner Auffassung. Gleichwohl schien er sich Stirners Kritik an Feuerbach partiell zu eigen zu machen und verfasste im Frühjahr 1845 seine berühmten, aber erst postum veröffentlichten Thesen über Feuerbach. Erst im Herbst 1845, nachdem Marx die Verteidigung Feuerbachs gegen die Kritik Stirners an ihm sowie Stirners Replik darauf gesehen hatte, entschloss er sich, selbst eine Kritik Stirners zu verfassen: das Kapitel „Sankt Max“ in der 1845–1846 gemeinsam verfassten Streitschrift Die deutsche Ideologie, das aber erst nach Marx’ Tod veröffentlicht wurde.

Im ersten, der Kritik des junghegelianischen Religionskritikers Ludwig Feuerbach gewidmeten Kapitel der Deutschen Ideologie entwickeln Marx und Engels ein Modell des „praktischen Entwicklungsprozesses“ der menschlichen Geschichte, die sie im Gegensatz zu den Hegelianern nicht als Entwicklungsgang des Geistes, sondern als Geschichte menschlicher Praxis und der sozialen Beziehungen verstehen: „es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt“ (MEW 3:26). Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei der Moment der Teilung der Arbeit als des bestimmenden Faktors der geschichtlichen Entwicklung. Dem ebenfalls materialistisch argumentierenden Feuerbach werfen sie dabei vor, den Menschen als etwas Wesenhaftes, nicht aber als Subjekt sinnlich-praktischer Tätigkeit verstanden zu haben.

Die weiteren Kapitel der Deutschen Ideologie beinhalten eine scharfe Kritik der übrigen Junghegelianer als Vertreter einer – so Marx und Engels – wesentlich idealistischen Gesellschaftskritik. Auch den Vertretern des sogenannten „wahren Sozialismus“ (vor allem Karl Grün) ist ein Kapitel gewidmet. Zu Lebzeiten Marx’ wurde allerdings – nach einigen fehlgeschlagenen Veröffentlichungsversuchen – nur das Kapitel über Karl Grün abgedruckt (1847 in der Zeitschrift Das Westphälische Dampfboot), das vollständige Werk erschien erst 1932 im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA).

Marx’ und Engels’ in Abgrenzung gegen die zeitgenössischen sozialistischen und junghegelianischen Strömungen entworfene Grundlegung eines „historischen Materialismus“ stellt durch die Betonung der sozialen und materiellen Triebkräfte der Geschichte einen unmittelbaren Vorläufer der Soziologie dar.

Marx hatte sich außerdem an der Redaktion des in Paris erscheinenden deutschen Wochenblattes Vorwärts! beteiligt, das den Absolutismus der deutschen Länder – besonders Preußens – angriff, unter Marx’ Einfluss bald mit deutlich sozialistischer Ausrichtung. Die preußische Regierung setzte deswegen seine Ausweisung aus Frankreich durch, so dass Marx Anfang 1845 nach Brüssel übersiedeln musste, wohin Engels ihm folgte. Bei einer gemeinsamen Studienreise nach England im Sommer 1845 knüpften sie Verbindungen zum revolutionären Flügel der Chartisten. Marx gab Anfang Dezember 1845 die preußische Staatsbürgerschaft auf und wurde staatenlos,[26] nachdem er erfahren hatte, dass die preußische Regierung vom belgischen Staat seine Ausweisung erwirken wolle. Spätere Gesuche, seine Staatsbürgerschaft wiederherzustellen (1848 und 1861), blieben erfolglos.[27]

In Brüssel veröffentlichte Marx 1847 die Schrift Misère de la philosophie. Réponse à la philosophie de la misère de M. Proudhon,[28] eine Kritik der ökonomischen Theorie Pierre-Joseph Proudhons und darüber hinausgehend der kapitalistischen Gesellschaft selbst. Außerdem schrieb er gelegentlich Artikel für die Deutsche-Brüsseler-Zeitung.

Anfang 1846 gründeten Marx und Engels in Brüssel das Kommunistische Korrespondenz-Komitee, dessen Ziel die inhaltliche Einigung und der organisatorische Zusammenschluss der revolutionären Kommunisten und Arbeiter Deutschlands und anderer Länder war; so wollten sie den Boden für die Bildung einer proletarischen Partei bereiten. Schließlich traten Marx und Engels in Verbindung mit Wilhelm Weitlings sozialistischem Bund der Gerechten, in dem sie 1847 Mitglieder wurden. Noch im selben Jahr setzte Marx die Umgründung zum Bund der Kommunisten durch und erhielt den Auftrag, dessen Manifest zu verfassen. Es wurde im Revolutionsjahr 1848 veröffentlicht und ging als Kommunistisches Manifest (eigentlich: Manifest der Kommunistischen Partei) in die Geschichte ein. Am 15. September 1850 stellte Marx den Antrag, die Zentralbehörde nach Köln zu verlegen und in London zwei Kreise des Bundes zu bilden. Der Beschluss wurde gegen die einzige Gegenstimme von Karl Schapper angenommen.[29] Am 17. September 1850 traten Marx, Engels, Liebknecht und andere aus dem Londoner Arbeiterbildungsverein aus.[30]

Kurz darauf löste die französische Februarrevolution 1848 in ganz Europa politische Erschütterungen aus; als diese Brüssel erreichten, wurde Marx verhaftet und aus Belgien ausgewiesen. Da ihn inzwischen die neu eingesetzte provisorische Regierung der Französischen Republik wieder nach Paris eingeladen hatte, kehrte er dorthin zurück; nach Ausbruch der deutschen Märzrevolution ging Marx nach Köln. Dort war er einer der Führer der revolutionären Bewegung in der preußischen Rheinprovinz und gab die Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie heraus, in der unter anderen erstmals die unvollendet gebliebene Schrift Lohnarbeit und Kapital abgedruckt wurde. Die Zeitung konnte am 19. Mai 1849 zum letzten Mal erscheinen, bevor die preußische Reaktion ihr Erscheinen unterband.

Londoner Exil (1849–1864)

Friedrich Engels und Karl Marx (stehend); vorn die Töchter Laura, Eleanor und Jenny (vor Juni 1864)

Marx kehrte zunächst nach Paris zurück, wurde aber schon einen Monat später vor die Wahl gestellt, sich entweder in der Bretagne internieren zu lassen oder Frankreich zu verlassen. Marx ging daraufhin mit seiner Familie ins Exil nach London, wo er vor allem anfangs in dürftigen Verhältnissen von journalistischer Tätigkeit sowie finanzieller Unterstützung vor allem von Engels überlebte, welcher Marx nach England folgte. Politisch widmete er sich der internationalen Agitation für den Kommunismus, theoretisch entwickelte er wesentliche Elemente seiner Analyse und Kritik des Kapitalismus.

In London erschien zunächst Marx’ Werk Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850 (als Artikelreihe 1849–1850); daran anknüpfend Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852) zur Machtergreifung Napoleons III.

Von 1852 an war Marx Londoner Korrespondent der New York Daily Tribune und jahrelang deren Redakteur für Europa. Die Artikel sind keine gewöhnlichen Berichte, sondern umfassende Analysen der politischen und ökonomischen Lage einzelner europäischer Länder, oft als ganze Artikelreihe. 1853 publizierte Marx The Story of the Life of Lord Palmerston in der New York Daily Tribune und in England im People’s Paper in mehreren Artikelserien; 1855/56 erfolgte ein Nachdruck in der Londoner Free Press des David Urquhart, eines ehemaligen britischen Diplomaten in Konstantinopel, der in England für das Osmanische Reich und gegen die Politik Russlands eintrat. Die Zusammenarbeit mit David Urquhart, der eine größere Kampagne gegen den britischen Politiker Lord Palmerston führte, der angeblich heimlich russische Interessen verfolge, erklärte Marx in einer Fußnote seines 1860 erschienenen Werkes Herr Vogt so:

Die erste Frucht dieser Studien war eine Reihe Leitartikel in der „New York Tribune“ (Ende 1853), worin ich Palmerstons Zusammenhang mit dem Petersburger Kabinett aus seinen Transaktionen mit Polen, der Türkei, Zirkassien etc. nachwies. Kurz nachher ließ ich diese Arbeiten in dem von Ernest Jones redigierten Chartistenorgan „The People’s Paper“ abdrucken und fügte neue Abschnitte über Palmerstons Tätigkeit hinzu. Unterdes hatte auch der „Glasgow Sentinel“ einen dieser Artikel („Palmerston and Poland“) abgedruckt, der die Aufmerksamkeit des Herrn D. David Urquhart auf sich zog. Infolge einer Zusammenkunft, die ich mit ihm hatte, veranlaßte er Herrn Tucker in London zur Herausgabe eines Teils jener Artikel in Pamphletform. Diese Palmerston-Pamphlets wurden später in verschiedenen Auflagen zu 15[.000] bis 20.000 Exemplaren vertrieben.
Herr Vogt, Marx-Engels-Werke. Band 14, S. 469.

Die Mitarbeit an der Tribune endete, als Charles Anderson Dana die Mitarbeit von Marx wegen inneramerikanischer Angelegenheiten am 28. März 1862 kündigte. Marx wurde Korrespondent der Wiener Presse und stürzte sich in das Studium der politischen Ökonomie. 1861[31] versuchte er, auch mit gerichtlichen Mitteln und unterstützt von Ferdinand Lassalle, seine preußische Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen, doch die preußische Regierung verweigerte dies. Während des Januaraufstands 1863 nahm Marx Kontakt zu polnischen Aufständischen auf und veranlasste den Deutschen Arbeiterbildungsverein in London, sich an der Unterstützung der Polen zu beteiligen.

Arbeit am Kapital und die Internationale

In der Folge entstanden Marx’ ökonomische Hauptwerke. Als erste systematische Darstellung der marxschen ökonomischen Grundgedanken erschien 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie, das ursprünglich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt war. Doch Marx war mit der Detailausführung des Gesamtplans noch nicht zufrieden, und so begann er seine Arbeit von neuem. Erst 1867 erschien der erste der drei Bände seines Hauptwerks Das Kapital.

Im selben Jahr hielt sich Marx von April bis Mai als Gast des Arztes Louis Kugelmann in Hannover auf;[32] hier entstanden zwei Porträt-Fotografien durch Friedrich Karl Wunder.

Während er das Kapital ausarbeitete, bot sich Marx auch wieder Gelegenheit zu praktischer Tätigkeit in der Arbeiterbewegung: 1864 beteiligte er sich federführend an der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (kurz „Erste Internationale“) und leitete sie bis zur faktischen Auflösung 1872 (durch Verlegung der Zentrale in die USA, formeller Auflösungsbeschluss 1876). Marx entwarf die Statuten und das grundlegende Programm, die „Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation“, das so disparate Sektionen wie deutsche Kommunisten, englische Gewerkschafter, Schweizer Anarchisten und französische Proudhonisten zusammenführte. Aus zwei 1865 gehaltenen Vorträgen bei Sitzungen des Generalrats entstand die von seiner Tochter Eleanor 1898 veröffentlichte Schrift Lohn, Preis und Profit.

In den deutschen Staaten trieb Marx zunächst die Schaffung einer revolutionären sozialistischen Partei voran; dies geschah in Abgrenzung zum sozialreformerisch ausgerichteten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein des früheren Marx-„Schülers“ Ferdinand Lassalle, mit dem er sich in den politischen Zielen entzweit hatte. In Verbindung mit Marx gründete Wilhelm Liebknecht 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, welche sich 1875 mit den Lassalleanern zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands vereinigte, der späteren Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Ab 1871 arbeitete er an der von Liebknecht herausgegebenen Zeitschrift Der Volksstaat mit.

Auch nach der Auflösung der Ersten Internationale blieb Marx in ständiger Verbindung mit fast allen wichtigen Figuren der europäischen und amerikanischen Arbeiterbewegung, die sich oft mit ihm persönlich berieten.

London (1872–1883)

Karl Marx, Aufnahme E. Dutertre, Algier, Ende April 1882
Marx’ Haushälterin Helena („Lenchen“) Demuth
Grab von Karl Marx
auf dem Highgate Cemetery

An der Vollendung seiner stetig vorangetriebenen ökonomischen Arbeiten hinderte Marx seine zunehmende Kränklichkeit. In den Jahren von 1862 bis 1874 litt er an einer Hautkrankheit, die ihn stark behinderte. Um sicher nach dem Kontinent zu reisen, stellte Marx am 1. August 1874 einen Antrag auf die britische Staatsbürgerschaft, der aber am 17. August abgelehnt wurde mit der Begründung, er sei ein “notorius agitator, the head of the International Society, and an advocate of Communistic principles. This man has not been loyal to his own King and Country”.[33] 1874, 1875 und 1876 war Marx zu Kuraufenthalten in Karlsbad[34] und 1877 in Neuenahr.[35]

Am 2. Dezember 1881 starb seine Frau Jenny Marx, am 11. Januar 1883 „die vom Mohr am meisten geliebte Tochter“ Jenny.[36] Marx verstarb am 14. März 1883 im Alter von 64 Jahren in London und wurde am 17. März 1883 auf dem Highgate Cemetery beigesetzt. Friedrich Engels hielt eine Trauerrede. Am Grab standen Eleanor Marx, Carl Schorlemmer, Ray Lankester, Wilhelm Liebknecht, Charles Longuet, Paul Lafargue, Friedrich Leßner, Georg Lochner, Edward Aveling, Helena Demuth und Gottfried Lembke. Marx selbst hatte sich „die Theilnahme an dem Begräbniß auf die Familie und die intimsten Freunde“ gewünscht, was von seinen Töchtern Laura und Eleanor sowie Friedrich Engels befolgt wurde.[37]

1954 wurde Laurence Bradshaw von der Kommunistischen Partei Großbritanniens beauftragt, eine Büste für Marx’ Grab zu schaffen. Am 23. November 1954 wurde das Grab umgebettet und am 14. März 1956 enthüllte Harry Pollitt das neue Grabmal.[38] Der Gedenkstein trägt die Inschrift: „Workers of all lands, unite!“[39]

Nachkommen

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Jenny hatte Karl Marx sechs Kinder:

Marx war auch der Vater des in eine Pflegefamilie gegebenen unehelichen Sohns Frederick Demuth seiner aus Deutschland stammenden Haushälterin Helena Demuth.[41] Vier von Marx’ Kindern starben noch im Kindesalter; Jenny starb als Erwachsene 1883, gerade zwei Monate vor ihrem Vater. Die beiden ihn überlebenden Töchter beendeten ihr Leben durch Freitod.

Die drei Töchter Jenny, Laura und Eleanor waren wie ihre Eltern in der sozialistischen Bewegung tätig. Laura heiratete 1868 Paul Lafargue, Jenny 1872 Charles Longuet, Eleanor lebte ab 1884 zusammen mit Edward Aveling; alle drei Schwiegersöhne Marx’ betätigten sich als sozialistische Agitatoren, die ersten beiden in Frankreich, der dritte in Großbritannien.

Überblick über die marxsche Theorie

Karl Marx gilt als einflussreichster Theoretiker des Kommunismus, dessen Schriften die Arbeiterbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts weltweit, von den sozialistisch-kommunistischen Bewegungen Russlands und Deutschlands (SPD, KPD) bis zu denen Lateinamerikas und Ostasiens, entscheidend, wenngleich auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben. In der modernen Volkswirtschaftslehre wird er den Nationalökonomen zugeordnet. Auch die Philosophie und andere Geisteswissenschaften sowie die Sozialwissenschaften beeinflusste Marx, wobei die Anhänger seiner Theorie in verschiedenen Disziplinen oft unter dem Begriff des Marxismus zusammengefasst werden.

Wie viele Philosophen des 19. Jahrhunderts war Marx von der Philosophie Hegels geprägt. Hegel, der als einer der bedeutendsten Philosophen der Neuzeit angesehen wird, vertrat eine idealistische, teleologische Geschichtsphilosophie. Die Schüler Hegels spalteten sich in Linkshegelianer und Rechtshegelianer, wobei letztere den Geschichtsprozess mit der bürgerlichen Gesellschaft als zur Vollendung gekommen und abgeschlossen betrachteten, während die Linkshegelianer die letzte Erfüllung des Geschichtsziels als noch ausstehend einstuften. Marx’ philosophische Position ging insbesondere aus den heftig geführten Auseinandersetzungen innerhalb des Linkshegelianismus hervor, an denen unter anderem Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer und Max Stirner, aber auch Michail Bakunin teilnahmen.

Marx übernimmt von Hegel die Denkfigur der Dialektik sowie die Annahme einer Gesetzmäßigkeit der Geschichte. Diese führt er jedoch anders als Hegel nicht auf die Entfaltung des „Weltgeists“ zurück, sondern auf materielle, soziale Bedingungen und Auseinandersetzungen innerhalb der Gesellschaft. Hier wird Marx’ zweiter bedeutender philosophischer Einfluss sichtbar: der Materialismus, insbesondere derjenige Feuerbachs. So versucht Marx, die hegelsche Dialektik durch eine Verbindung mit dem Materialismus in Form eines „dialektischen Materialismus“ quasi „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen:

„Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegentheil. Für Hegel ist der Denkproceß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des Wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle.“

Nachwort zur 2. Auflage des Kapitals vom 24. Januar 1873, Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung II. Band 6, S. 709 (MEW Band 23, S. 27).

Die zentrale bewegende Kraft im bisherigen historischen Entwicklungsprozess der menschlichen Gesellschaft sieht Marx – neben der Auseinandersetzung mit der Natur – im Klassenkampf:

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“

– MEW Band 4, S. 462.

Eine besondere Rolle spielen dabei revolutionäre Umwälzungen: „Die Revolutionen sind die Locomotiven der Geschichte.“ (Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Band 10, S. 187; MEW Band 7, S. 85.) Indem er auf diese Weise die Geschichte auf ihre materiellen Bedingungen zurückführt, setzt Marx an die Stelle des hegelschen Idealismus einen „historischen Materialismus“.

Eine bekannte Theorie in diesem Kontext ist das Basis-Überbau-Schema, nach dem die gesellschaftlichen Institutionen (Staat, Justiz, Kultur, Wertvorstellungen) ein „Überbau“ einer tieferliegenden „Basis“ von ökonomischen Produktionsverhältnissen (und zugleich Klassen- und Herrschaftsverhältnissen) und Produktivkräften seien und bei aller Selbständigkeit an deren Eigentümlichkeit gebunden wären. So braucht die kapitalistische Produktionsweise beispielsweise einen bestimmten Rechtsrahmen, damit freie Warenbesitzer am Markt ihre Produkte tauschen können, unabhängig von anderen gesetzlichen Regelungen. Dieser muss wiederum von einer über den Warenbesitzern stehenden Gewalt in Form eines Staates gesichert werden, und so weiter. Insbesondere die Entwicklung jener ökonomischen Basis wäre neben den Klassenkämpfen die in der bisherigen Menschheitsgeschichte treibendste Entwicklungskraft für die gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse.

Das Basis-Überbau-Schema wurde oft als starres Modell zur Reduktion aller politischen und ideologischen Phänomene auf ökonomische Kategorien missverstanden. Marx’ berühmte Formulierung, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimme (vgl. MEW 13:9), leistet diesem Missverständnis noch Vorschub. Tatsächlich aber betont Marx explizit die Dialektik der Wechselwirkung zwischen Sein und Bewusstsein. Auch das Bewusstsein kann das Sein verändern – gerade die Möglichkeit von Revolutionen beruht ja auf dieser Freiheit des Menschen, die Verhältnisse bewusst umzugestalten, anstatt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Obwohl sie nicht frei von entsprechenden Tendenzen ist, versteht Marx’ Geschichtsphilosophie sich doch nicht als mechanistischer Determinismus, sondern als Versuch der Verwirklichung der menschlichen Freiheit. Aber diese Freiheit ist eben stets an ihre materielle und soziale Umgebung gebunden.

Kritik der politischen Ökonomie

Karl Marx in Hannover (1867; Foto von Friedrich Karl Wunder)

Um die Bedingungen für eine kommunistische Bewegung zu erfassen, aber auch, um die bestehenden Verhältnisse adäquat kritisieren und damit bekämpfen zu können, bemühte sich Marx zeit seines Lebens um eine grundlegende ökonomische Analyse der kapitalistischen Gesellschaft. In seinem insgesamt 2200 Seiten umfassenden dreibändigen Hauptwerk Das Kapital (Bd. 1: 1867, Bd. 2 und 3 postum) unternimmt Marx eine fundamentale „Kritik der politischen Ökonomie“. Dies beinhaltet einerseits die Analyse der Warenform, des Werts, des Kapitals und der kapitalistischen Produktions- und Distributionsverhältnisse, in welche die Produktion des gesellschaftlichen Reichtums in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft eingebettet ist. Andererseits beinhaltet die Kritik der bürgerlichen Ökonomie auch die Kritik an den klassischen bürgerlichen Theoretikern der Ökonomie wie Adam Smith oder David Ricardo, die Marx mit zum Teil scharfer Polemik angreift. Eine der zentralen Thesen der marxschen Theorie des Kapitalismus ist der unversöhnliche Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie, auf dem der innerhalb der bestehenden Verhältnisse unüberwindbare Antagonismus der kapitalistischen Gesellschaft beruhe. Diese Aufteilung der Gesellschaft in Kapitalisten und Arbeiter ist einerseits nach Marx Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise – es muss eine „freie“ Arbeiterschaft geben, die gezwungen ist, ihre Arbeitskraft an die Produktionsmittelbesitzer zu verkaufen. Andererseits ist die Klassenspaltung zwingendes Resultat der auf allgemeiner Warenproduktion und dem Verkauf der Arbeitskraft als Ware beruhenden Produktionsweise. Im scharfen Gegensatz z. B. zu Proudhon betont Marx deshalb, dass eine revolutionäre Überwindung von Ausbeutung und Klassenherrschaft nur möglich ist, wenn auch die ökonomischen Basiskategorien des Kapitalismus überwunden werden, welche – unabhängig vom Willen der Akteure (Kapitalisten, Arbeiter) „hinter ihrem Rücken“ – zu Ausbeutung und Klassenherrschaft führen. „Ebensowohl könnte man den Papst abschaffen und den Katholizismus bestehen lassen.“ (Marx, Das Kapital, MEW Bd. 23, S. 102 Fn. 48.)

Titelblatt der Originalausgabe des ersten Bands des Kapitals (1867)

Marx und Engels prägten maßgeblich den Begriff der „kapitalistischen Produktionsweise“ bzw. des Kapitalismus, der am systematischsten in Marx’ Hauptwerk Das Kapital dargestellt wurde.[42] Unter Kapitalismus verstehen sie eine Wirtschaftsordnung, die sich durch Privateigentum an Produktionsmitteln, durch Produktion für einen den Preis bestimmenden Markt, beständiger Profitmaximierung und den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital auszeichnet. Nach Marx verändert sich im Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus zwar die gesellschaftliche Produktionsweise bedeutend, jedoch behält sie ihren Klassencharakter bei. Marx beschreibt die kapitalistische Gesellschaft als Gesellschaft des Elends, der Ausbeutung und der Entfremdung.

Aufbauend auf den Theorien der Vertreter der Klassischen Nationalökonomie, allen voran Adam Smith und David Ricardo, interpretiert Marx die Arbeitswerttheorie neu und formuliert sie um zu seiner Arbeitswertlehre, mit deren Hilfe er die Ausbeutung des Proletariats durch das Kapital zu beschreiben versucht.

Kapitalismus als Klassengesellschaft

Gedenktafel zum Druck der Erstausgabe Das Kapital in Leipzig

Marx definiert zwei Hauptklassen der Gesellschaft:

  • Einerseits die Bourgeoisie bzw. die Klasse der Kapitalisten, welche die zur Produktion notwendigen Produktionsmittel (Boden, Fabriken, Maschinen etc.) besitzen und die heute im Allgemeinen Arbeitgeber genannt werden. Diese Klasse setzt Marx auch mit der „herrschenden Klasse“ gleich, nach deren Interessen die Gesellschaft strukturiert sei und deren Gedanken die öffentliche Meinung und Ideologie bestimmen: „Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse“ (MEW 4:480).
  • Andererseits das Proletariat, d. h. die Klasse der Arbeiter, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen und deshalb gezwungen sind, Lohnarbeit zu verrichten, um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Auch Angestellte zählen in diesem Sinne zur lohnarbeitenden Klasse. Dieser Lohn sei in etwa so bemessen, dass der Lohnarbeiter seine Arbeitskraft „reproduzieren“ kann (Essen, Wohnen, Erholung), jedoch andererseits nicht selbst Produktionsmittel kaufen kann, wodurch er von der Lohnarbeit abhängig bleibe. Marx bezeichnet die Lohnarbeit deswegen auch oft als eine verschleierte Form von „Zwangsarbeit“.
  • Eine dritte Klasse ist das Kleinbürgertum, d. h. die Klassen der Kleinunternehmer und Selbständigen. Diese Klasse jedoch werde vom Großbürgertum zunehmend verdrängt und letztlich ins Proletariat hinabgedrängt. Außerdem existiere ein Sub- oder Lumpenproletariat aus Obdachlosen, Bettlern und Tagelöhnern, dem er ebenso wie dem Kleinbürgertum keine gesellschaftliche oder gar revolutionäre Bedeutung beimisst.

Formell sind in der bürgerlichen Gesellschaft alle Mitglieder frei und rechtsgleich. De facto aber können für Marx die Proletarier nur wählen, an wen sie ihre Arbeitskraft verkaufen, d. h. von welchen Ketten sie sich fesseln lassen. Solange das bürgerliche Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln herrsche, bedeute juristische Gleichheit zwangsläufig soziale Ungleichheit, die durch die Anerkennung der bürgerlichen Ordnung und des bürgerlichen Staates reproduziert und aufrechterhalten werde.

Gesellschaftlicher Widerspruch und Krise

Die Anhäufung (Akkumulation) des gesellschaftlichen Reichtums erfolge im Kapitalismus also stets nur über die Ausbeutung fremder Arbeitskraft als Lohnarbeit. Der Kapitalist zahle dem Arbeiter nur einen Teil des von ihm im Produktionsprozess geschaffenen tatsächlichen Wertes als Lohn aus – das reale Mehrprodukt der gesellschaftlich verrichteten Arbeit komme aber nicht der Gesellschaft insgesamt zugute, sondern werde privat als Mehrwert angeeignet. Diese private Aneignung des Mehrprodukts, aber auch der schöpferischen Arbeitskraft der Individuen überhaupt, prangert Marx deshalb als Ausbeutung an.

Die vom Kapitalisten gewonnene Profitrate sinke nach Marx jedoch immer weiter, wie er in seinem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate darstellt. Einerseits sei dieser Fall der Profitrate durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen bedingt, da nach der Arbeitswertlehre die wertschöpfende Instanz einzig in der menschlichen Arbeitskraft liege, welche durch den Einsatz von Maschinen kontinuierlich abnehme (Fixes Kapital vs. Variables Kapital). Andererseits sinke die Profitrate auch aufgrund der Konkurrenz der Kapitalisten untereinander, die sich stets unterbieten müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Um diese durch stetig sinkende Einnahmen entstehenden Kosten auszugleichen, müsse der Kapitalist auf der anderen Seite Ausgaben einsparen – vornehmlich durch Senkung der Produktionskosten, d. h. durch Lohnsenkungen der Arbeiter oder durch Verlängerung der Arbeitszeit sowie Steigerung der Arbeitsproduktivität.

Der aus dieser Konstellation unvermeidliche Widerspruch zwischen dem Verwertungsinteresse des Kapitals und den Bedürfnissen des Proletariats bestimmt nach Marx den grundsätzlich antagonistischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und sei letztlich die Ursache für die regelmäßig auftretenden Krisen des Kapitalismus, die schließlich auch zu revolutionären Erhebungen der Arbeiter führen müssen. Mit der durch die ökonomischen Widersprüche des Kapitalismus bedingten Unausweichlichkeit revolutionärer Aufstände schlage schließlich die weltgeschichtliche Stunde der kommunistischen Revolution. Das Kapital produziere seine eigenen „Totengräber“.

Entfremdung der Arbeit

Marx mit seiner Tochter Jenny (1869)

Nicht nur in der Ausbeutung des Arbeiters und im unversöhnlichen Widerspruch der Klasseninteressen besteht für Marx das Problem des Kapitalismus. Die ganze Existenz des Menschen, sein Menschsein selbst, sieht er durch die kapitalistischen Verhältnisse entfremdet und geknechtet. Das „Wesen“ der menschlichen Existenz lokalisiert er, im Anschluss an Hegel sowie an Feuerbachs Begriff des „Gattungswesens“, in der Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt schöpferisch und frei zu gestalten. Die zentrale Kategorie der marxschen Philosophie ist deshalb der Begriff der Arbeit, welche Marx als „Stoffwechsel mit der Natur“ definiert. Arbeit ist für ihn, wie schon für Hegel, die Universalkategorie der menschlichen Existenz:

„Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.“

– MEW 23:57

Im Kapitalismus aber sei die Arbeit auf grundlegende Weise entfremdet und pervertiert. Denn Arbeit im Kapitalismus werde nicht im Interesse der Schaffung von Gebrauchswerten verrichtet und noch weniger zur Verwirklichung kreativer Schöpferkraft, sondern lediglich zur Erzielung von Tauschwerten. Der Arbeiter könne über seine Arbeitskraft nicht frei verfügen, sondern müsse sie nach den Vorgaben des Kapitalisten einsetzen, für den er arbeitet. Die Güter, die er so produziert, erlebe der Arbeiter nicht mehr als seine eigenen, sondern als fremde; er könne sich in den Ergebnissen seiner eigenen Tätigkeit nicht wiedererkennen. Diesen Prozess bezeichnet Marx, auch hierin Hegel folgend, als „Entfremdung“ bzw. „Entäußerung“.

„Worin besteht nun die Entäußerung der Arbeit? Erstens, daß die Arbeit dem Arbeiter äußerlich ist, d. h. nicht zu seinem Wesen gehört, daß er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt, keine freie physische und geistige Energie entwickelt, sondern seine Physis abkasteit und seinen Geist ruiniert. Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen.“

Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW Ergänzungsband I:514

Ob die Kategorie der „Entfremdung“ für Marx’ späteres Werk, insbesondere für seine ökonomiekritischen Schriften, noch eine Rolle spielt oder ob er seine ursprüngliche Konzeption von „Entfremdung“ später aufgegeben hat, ist unter Marxisten sehr umstritten. Festgestellt werden kann, dass Marx nach 1845 nicht mehr vom „Wesen“ des Menschen sprach, vielmehr die Vorstellung eines überzeitlichen Gattungswesens „Mensch“ in der 1845 erschienenen Schrift „Die deutsche Ideologie“ ausdrücklich verwarf und seine früher benutzten Begriffen als „traditionell unterlaufende philosophische Ausdrücke wie ‚menschliches Wesen‘, ‚Gattung‘ pp.“ bezeichnete (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 218).

Fetischcharakter der Ware

In seinem späteren Werk tritt an die Stelle des philosophisch voraussetzungsvollen Entfremdungsbegriffs (der ja implizit die Vorstellung einer nicht-entfremdeten Arbeit voraussetzt) der Begriff des „Warenfetischismus“, wie er im ersten Band des Kapitals im berühmten Kapitel über den „Fetischcharakter der Ware und ihr Geheimnis“ entwickelt wird. Damit ist die Verschleierung der geleisteten menschlichen Arbeit gemeint, die man einem fertigen, als Ware zirkulierenden Produkt nicht mehr ansieht. Auch dies ist der Sache nach eine Form der Entfremdung, dient im Kontext des Kapitals jedoch nicht mehr so sehr zur Bestimmung des Elends der Arbeiter, sondern zum Verständnis der ideologischen Struktur der kapitalistischen Gesellschaft. Der marxistische Theoretiker der Verdinglichung, Georg Lukács, sieht die Bedeutung des Kapitels über den Fetischcharakter der Ware darin, dass sich in ihm der ganze historische Materialismus verberge.[43] Den verborgenen Gehalt des Fetischkapitels als Erkenntnis der kapitalistischen Gesellschaft herauszuarbeiten, unternimmt er in seinem viel zitierten Aufsatz Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats von 1923.

Je weniger die Menschen sich in den Produkten ihrer Arbeit wiedererkennen und sie als von ihnen selbst gemachte Produkte begreifen können, desto selbständiger erscheinen ihnen diese Produkte selbst. Insbesondere in der Form des Geldes und des Kapitals – beide nichts weiter als akkumulierte, angehäufte Waren in abstrakter Form – erscheinen die Produkte der menschlichen Arbeit als verselbständigte, „automatische Subjekte“ (MEW 23:169). Die Verwandlung von Geld in mehr Geld, auf dessen Prinzip der Kapitalismus beruhe, erscheine als selbständige Bewegung des Geldes (etwa in der Form des scheinbar selbsttätigen Zinses), nicht als Resultat menschlicher Arbeit. Dadurch werden, so Marx, die dinglichen Objekte zu Subjekten, und umgekehrt die menschlichen Subjekte zu ohnmächtigen Objekten. Die Warenproduzenten werden von ihren Produkten beherrscht: „Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, anstatt sie zu kontrollieren“ (MEW 23:89). Die kapitalistische Gesellschaft beruht auf einer grundlegenden Verkehrung, sie steht gewissermaßen auf dem Kopf.

So werden die Produkte zu Fetischen, zu scheinbar magischen Gegenständen. Gleichwohl sei ebendieser Anschein bloßer Schein. Auch wenn die Arbeit nicht mehr wahrgenommen wird, bleibe sie die wertschöpfende Instanz und die Ursache aller Bewegung. Der Fetischcharakter der Ware sei eine Täuschung, obgleich diese Täuschung kein bloßer Irrtum sei, sondern eine praktische Ursache besitze: die Teilung der Gesellschaft in Arbeitende und Arbeiten-Lassende, d. h. in jene, die Produkte herstellen, und andere, denen diese Produkte gehören.

Den sich aus der Warenform ableitenden Warenfetisch analysiert Marx auch als einen hinter den Rücken der Menschen ablaufenden Vergesellschaftungsmodus, der konkrete private Arbeiten in abstrakte gesellschaftliche Geldwerte verwandelt und so gesellschaftliche Warenproduktion erst ermöglicht.

Religionskritik

Die Aufgabe der Philosophen, die Marx als Ideenproduzenten beschreibt,[44] sieht er in der Aufhebung der Philosophie, das heißt in ihrer praktischen Verwirklichung:

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern.“

Thesen über Feuerbach, MEW 3:7

Marx kritisiert alle Formen einer idealistischen Philosophie und insbesondere der Religion, die nach Marx dazu dient, die Existenz des Menschen durch Träumereien und Trost im Jenseits erträglich zu machen und so das faktische Elend zu legitimieren. In einem berühmten Ausspruch bezeichnet Marx die Religion deshalb als „Opium des Volkes“.[45] Gleichwohl vermöge die Religion nicht anzugeben, was es mit dem Elend auf sich hat, dessen Ausdruck sie ist – im Gegenteil, so Marx, täuscht sie darüber mit Hirngespinsten und jenseitigem Trost hinweg. Insofern sei sie ein falsches Bewusstsein, also reine Ideologie von sich selbst entfremdeten Menschen.

„Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.“

Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1:378

Der Verkehrung der praktischen Verhältnisse entspricht für Marx das falsche Bewusstsein der Religion, welche nichts weiter als der „richtige“ (d. h. angemessene) Ausdruck einer falschen Gesellschaft sei. Die Religion sei die „Mystifikation“ (MEW 23:838) einer Welt, die selbst quasi-mystische Züge trage. In der Religion „scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten [zu sein]. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand“ (MEW 23:86). So sei Religion nicht nur Täuschung, sondern besitze auch eine innere Wahrheit:

„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“

Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1:378

Die Überwindung des religiösen Hirngespinstes bedarf jedoch nicht nur der theoretischen Kritik, sondern der materiellen Veränderung jenes Lebens, das die Religion als „Stoßseufzer der bedrängten Kreatur“ erst nötig macht:[46]

„Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“

Weil Religion und Gesellschaft also wesenhaft zusammenhängen, nimmt die Religionskritik eine zentrale Stellung bei Marx ein: „die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“ (ebd., MEW 1:378). Jedoch könne die Kritik am falschen Bewusstsein nur dazu dienen, die Ursache des Irrtums zu erkennen, und dadurch die Möglichkeit seiner praktischen Aufhebung ins Bewusstsein rücken. Klassenbewusstsein bedeutet in diesem Sinne für Marx, die sozialen Verhältnisse „objektiv“ wahrzunehmen und die Beteiligung des Menschen an der Reproduktion der kapitalistischen Herrschaft zu erkennen und zu kritisieren. Sie müsse an die Stelle der Mystifikation und des religiösen „Nebelschleiers“ (MEW 23:94) die Bedürfnisse der Menschen selbst stellen, für deren Verwirklichung sie zu kämpfen habe. Die Philosophie müsse zur „revolutionären Praxis“ (MEW 3:7) werden.

„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.“

– MEW 1:385

Die Religionskritik, die Marx von Ludwig Feuerbach übernahm und weiterführte, wurde von Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud weiterentwickelt. Gemeinsam mit Friedrich Engels war Marx Taufpate von Karl Liebknecht.

Geschichtsphilosophie

Die marxsche Geschichtsphilosophie wurde als Historischer Materialismus bekannt. Nicht die Ideen werden dabei als grundlegende Bewegungskraft der Geschichte angesehen, sondern die materiellen Verhältnisse, die die Hervorbringung der Ideen grundsätzlich bestimmen.

„Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“

– Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13:9

Philosophische Ideen seien daher nicht allezeit gültig, sondern hätten historisch-materielle Ursprünge. Ändern sich diese Ursprünge, so ändern sich auch die Ideen. Die vorherrschenden philosophischen Ideen würden dabei in jeder Epoche die Gedanken der herrschenden Klasse widerspiegeln, die Marx als jene Klasse definiert, die die Verfügungsgewalt über die materiellen Arbeitsmittel besitzt.

Wie die materiellen Verhältnisse sich auf die Herrschaftsformen auswirken, so wirken auch die Herrschaftsformen auf die materiellen Verhältnisse zurück. Der Historische Materialismus beschreibt deshalb keinen Determinismus des Materiellen, sondern eine dialektische Wechselbeziehung zwischen Sein und Bewusstsein, Notwendigkeit und Freiheit:

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbst gewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“

Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, MEW 8:115

Marx definiert anhand der materiellen und der Herrschaftsverhältnisse verschiedene Phasen der Menschheitsgeschichte. Die sozioökonomische Entwicklung hätte von der „freien“ Urgesellschaft über (in Europa) Sklavenhalter- und Feudalgesellschaft, zur bourgeoisen (industriellen kapitalistischen) Gesellschaft geführt und solle über den durch Revolution zu erreichenden Sozialismus hin zum Kommunismus führen. Befördert wird diese Revolution durch die Eigengesetzmässigkeiten der kapitalistischen Produktion in Form zunehmender Macht- und Kapitalkonzentration (Akkumulation). Spiegelbildlich zur durch arbeitsteilige Wirtschaftsorganisation zunehmenden Selbstentfremdung der Ausgebeuteten organisiert sich das Kapital in Monopolen und repressiven Überbaustrukturen (Staat), welche durch Klassenkampf und Revolution in der industriellen Gesellschaft überwunden werden.

Mit der sozialen Revolution wäre die „Vorgeschichte“ der Menschheit beendet, die Menschen würden von nun an bewusst, gemeinschaftlich und rational die Produktion ihres gesellschaftlichen Lebens und ihrer weiteren Geschichte gestalten, und nicht von ihnen unbekannten gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten beherrscht werden.

„In großen Umrissen können asiatische, antike, feudale und modern bürgerliche Produktionsweisen als progressive Epochen der ökonomischen Gesellschaftsformation bezeichnet werden. Die bürgerlichen Produktionsverhältnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, antagonistisch nicht im Sinn von individuellem Antagonismus, sondern eines aus den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervorwachsenden Antagonismus, aber die im Schoß der bürgerlichen Gesellschaft sich entwickelnden Produktivkräfte schaffen zugleich die materiellen Bedingungen zur Lösung dieses Antagonismus. Mit dieser Gesellschaftsformation schließt daher die Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft ab.“

– Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13:9

Klassenkampf und Revolution

„Proletarier aller Länder vereinigt euch.“ Titelblatt der Originalausgabe des Manifests der Kommunistischen Partei (1848)

Das Subjekt der Veränderung der Welt erblickt Marx in der sozialen Klasse des Proletariats, das als diejenige Klasse der Gesellschaft, die auch ihre Güter produziert, als einzige die Macht besitze, eine kommunistische Umwälzung erfolgreich zu vollziehen. Auch sei das Proletariat diejenige Klasse mit dem größten Interesse an einer Revolution, da es durch die kapitalistischen Verhältnisse strukturell und praktisch unterdrückt, ausgebeutet und entfremdet sei. So endet das programmatische Manifest der kommunistischen Partei von 1848 mit den Worten:

„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.“

– MEW 4:493

Der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie vollzieht sich nach Marx als „Diktatur des Proletariats“, als Herrschaft der unterdrückten Mehrheit über die ehemaligen Unterdrücker, als „Expropriation der Expropriateure“, d. h. als „Enteignung der Enteigner“. Die Übergangsphase der Diktatur des Proletariats setzt Marx auch mit dem Sozialismus gleich; der Begriff des Kommunismus ist dabei vor allem die Bezeichnung für das fortgeschrittenere Stadium der klassenlosen Gesellschaft, in welcher der Staat und mit ihm alle Unterdrückungsgewalt unnötig geworden und abgestorben sein würden und die sich „auf ihre Fahne“ geschrieben hat:

„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Kritik des Gothaer Programms, MEW 19:21

Kommunismus und klassenlose Gesellschaft

Hauptartikel: Kommunismus (Marxismus)

Zusammen mit seinem lebenslangen Freund und Mitstreiter Friedrich Engels bemühte sich Marx um die Entwicklung eines „wissenschaftlichen Sozialismus“, den er vor allem gegen die idealistischen Utopien des Frühsozialismus abgrenzt. Marx versucht nicht, eine fertige Utopie des Kommunismus zu entwerfen,[47] sondern begreift das Ziel des Kommunismus als etwas, welches sich aus den materiellen und historischen Bedingungen entwickelt. Die kommunistische Bewegung begreift Marx dabei als „die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl“ (Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4:472). Träger einer notwendigen revolutionären Umwälzung sei das in einer Arbeiterpartei organisierte Proletariat (die Arbeiterklasse), welches die Pflicht habe, die politische Macht zu erobern[48] und die Kapitalistenklasse zu enteignen. Diese Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln (Boden, Fabriken, Maschinen etc.) sei die Hauptbedingung für eine Entwicklung zum Kommunismus. Nach und nach würden die Klassengegensätze und die Klassen selbst verschwinden. Die genauen Konturen einer kommunistischen, klassenlosen Gesellschaft wurden dabei aber oft nur vage umrissen; eine berühmte Formel lautet:

„An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

– MEW 4:482

Überblick über das Werk

Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, veröffentlicht in der Zeitschrift Die Revolution, New York 1852

Marx’ Werk wird oft in zwei Phasen unterteilt: „Frühschriften“ (bis 1848) und „reifer Marx“, wobei umstritten ist, inwieweit diese beiden Phasen einen wirklichen Bruch im Denken darstellen. Während lange Zeit sowohl von der Sozialdemokratie wie vom Marxismus-Leninismus nur die späteren, vorwiegend ökonomisch orientierten Schriften rezipiert wurden, hat insbesondere die Neue Linke um 1968 die philosophisch orientierten Frühschriften wiederentdeckt, die zum Teil erst 1932 veröffentlicht worden waren.

Im Zentrum der Frühschriften stehen Fragestellungen in der Auseinandersetzung mit der Philosophie Hegels, insbesondere die Frage nach der Entfremdung des Menschen und der Möglichkeit ihrer Aufhebung zugunsten einer politischen Emanzipation. Bedeutende Werke des frühen Marx – zum Teil gemeinsam mit Friedrich Engels verfasst – sind:

Gelegentlich ebenfalls zu den Frühschriften gerechnet wird das mit Engels im Revolutionsjahr 1848 verfasste Manifest der Kommunistischen Partei (MEW 4), das durch seinen programmatischen Charakter jedoch eine Sonderstellung im marxschen Werk einnimmt.

Wichtige Werke des späteren Marx, in denen mehr und mehr ökonomische Fragestellungen ins Zentrum rückten, sind:

Weiterhin existieren einige Schriften, in denen Marx sich zu zeitgeschichtlichen Ereignissen äußerte:

Es gibt zwei Gesamtausgaben der Schriften von Marx und Engels. Die erste, unvollendete Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA1) wurde von David Rjasanow herausgegeben. Die seit 1975 erscheinende Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) ist auf insgesamt 114 Bände (122 Teilbände) ausgelegt. Diese historisch-kritische Gesamtausgabe umfasst auch Briefwechsel zwischen Marx und Engels und Briefe von dritten Personen an sie. Bisher ist etwa die Hälfte aller Bände erschienen.[50]

Außerdem gibt es die in deutscher Sprache erschienene Studien- und Leseausgabe Marx-Engels-Werke (MEW), die vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (1956–1990) in 43 Bänden (45 Teilbänden) herausgegeben wurde.

Rezeption

Karl Marx

Siehe auch: Abschnitt Geschichte im Artikel Marxismus

Marx’ Theorie wurde von späteren marxistischen Strömungen durchaus gegensätzlich interpretiert: Das reicht von der sozialreformerischen Politik der Sozialdemokratie über die dogmatischen Interpretationen des „Realsozialismus“ der ehemaligen Sowjetunion oder der Volksrepublik China u. a. m. (vergleiche auch Artikel Kommunistische Partei) bis hin zu undogmatischen Interpretationen von Vertretern der Kritischen Theorie und der Neuen Linken. Die schablonenhafte, ungeprüfte Übernahme isolierter marxscher Termini und Konzepte wird oft als „Vulgärmarxismus“ bezeichnet.

Marx-Kritiker

Eugen von Böhm-Bawerk, einer der Begründer der Österreichischen Schule, kritisierte bereits in Zum Abschluß des Marxschen Systems (1896) die seiner Ansicht nach widersprüchlichen Kapitaltheorien im 1. und 3. Band von Das Kapital.[51] Während Marx im ersten Band unterstellte, dass sich die Waren nach ihren Arbeitswerten austauschen, und nur kurz anmerkte, dass dies nicht die reale Wirtschaftsbewegung widerspiegle und noch unzählige Zwischenschritte zum Verständnis des Umstands vonnöten wären, wurde erst im dritten Band ausgeführt, weshalb es zu einer Allgemeinen Profitrate komme.[52] Böhm-Bawerk ging von der Annahme aus, dass sich die Veröffentlichung des 2. und 3. Bandes so lange verzögerte, weil Marx für die aufgeworfene Problematik keine mit seinen Theorien vereinbare Lösung fand.[52] Tatsächlich wurde das Manuskript, auf welchem der dritte Band basiert, noch vor Niederschrift des ersten Bandes des Kapitals verfasst. Marx’ Darstellungsweise der Zusammenhänge der kapitalistischen Produktion, der Konstitution von Werten und Preisen, ergab sich daher nicht aus einer Not heraus, sondern war bewusst intendiert. Nach Böhm-Bawerk steht die Allgemeine Profitrate und die Theorie der Produktionspreise im Widerspruch zum Wertgesetz des ersten Bandes. In diesem Sinne setzt er sich kritisch mit jenen Aussagen im Kapital auseinander, in dem Marx zu begründen versucht, weshalb sich die Produktionspreise im Rahmen des Wertgesetzes bewegen würden.[53] Die von Böhm-Bawerk aufgeworfene Kritik am marxschen Wertgesetz wurde später auch im Kontext des Transformationsproblems in veränderter Form fortgesetzt.

Zu den bekanntesten Marx-Kritikern zählt Karl Popper, der philosophische und v. a. wissenschaftstheoretische Aspekte bemängelt. Hierzu zählt insbesondere die Immunisierung gegen Kritik.

Marx wurde zuweilen eine antisemitische Haltung unterstellt, vor allem im Zusammenhang mit seiner Schrift Zur Judenfrage von 1843 und Passagen aus privaten Briefen Marx’ aus dem Jahr 1862, die gegen Ferdinand Lassalle gerichtet waren.[54] Eine gänzlich andere Auffassung vertritt Helmut Hirsch.[55]

In dem Text Zur Judenfrage forderte Marx die rechtliche Gleichstellung der Juden, vertritt also für seine Zeit eine progressive Position. Eingewandt wurde, dass Marx Begriffe wie „Schacher“ und „Wucher“ unkritisch übernahm und auf diese Weise mit seinen Schriften antisemitische Vorurteile und Klischees reproduziere. Marx hatte selbst jüdische Vorfahren und war in jungen Jahren protestantischen Glaubens. Als Vertreter einer materialistischen Philosophie kritisierte er an allen Religionen, dass sie eine Form der Ideologie und Selbsttäuschung darstellten (vgl. die Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1, S. 378 ff.).

Micha Brumlik schreibt unter Verweis auf Marx’ Briefe: „Marx war zeit seines Lebens – zumindest persönlich – ein glühender Antisemit.“ Diese Meinung steht jedoch im Widerspruch zu Marx Verhältnis z. B. zu Heinrich Graetz, Wilhelm Alexander Freund, Bernhard Kraus, Sigmund Schott und anderen. Jedoch fänden sich auch in seinem theoretischen Werk, so vor allem in Zur Judenfrage, antisemitische Thesen.[56] Kurt Flasch schreibt dazu: „Brumliks Buch ist keine verlässliche philosophiehistorische Untersuchung.“

Der Soziologe Detlev Claussen kritisiert den Text Zur Judenfrage als „unmaterialistisch und unwissenschaftlich“, weil er nicht den Unterschied zwischen vorbürgerlicher und bürgerlicher Gesellschaft anzugeben wisse und in einer Analyse der Waren- und Geldzirkulation verharre.[57] Dagegen hat Marx im Kapital nach Ansicht vieler Sozialwissenschaftler mit einer Kritik der historisch gewordenen ökonomischen Verhältnisse eine Perspektive zum Umgang mit dem Antisemitismus eröffnet, welche erst von Nachfolgern wie zum Beispiel Theodor W. Adorno und Max Horkheimer (Dialektik der Aufklärung, 1944) aufgegriffen wurde.[58]

Marxistische Diskussionen

Innerhalb des heutigen Marxismus, der in zahlreiche sich teilweise völlig widersprechende Richtungen geteilt ist, werden beinahe alle Elemente der marxschen Theorie kontrovers diskutiert. Besonders umstrittene Punkte sind zum Beispiel:

  • die Rolle der Arbeiterklasse und ihr Verhältnis zu anderen sozialen Bewegungen
  • die Definition (und Organisation) von „sozialistischer Demokratie“
  • die Voraussetzungen einer sozialistischen Umgestaltung einer Gesellschaft
  • verschiedene Fragen der Wertschöpfung
  • Verhältnis Basis und Überbau.

Zahlreiche Werke von Marx sind nicht vollendet (er starb dafür zu früh), und auch der Marxismus ist kein abgeschlossenes System. Dies ermöglicht sowohl verschiedenste Interpretationen der Werke von Marx und Engels als auch ein verschiedenes Maß an Einordnung der Theorie, bzw. einzelner Elemente, in einen historischen Kontext.

Auch haben Marx und Engels einige ihrer Ansichten mit der Zeit geändert. Zum Beispiel gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, ob eine sozialistische Revolution zwingend in einem hochentwickelten kapitalistischen Land stattfinden muss oder ob die Phase des Kapitalismus nicht sogar unter besonderen Umständen übersprungen werden kann, wie Marx in seinem Brief an Wera Sassulitsch schreibt.

Andenken

Deutsche Demokratische Republik

Marx-Engels-Forum
Büste am Strausberger Platz in Berlin

In der DDR nahm Karl Marx die Rolle einer politischen und weltanschaulichen Leitfigur ein.

Vom 10. Mai 1953 bis zum 31. Mai 1990 hieß Chemnitz Karl-Marx-Stadt, dort befindet sich das bekannte Karl-Marx-Monument.
Vom 1. Mai 1949 bis 31. Dezember 1990 hieß die Gemeinde Neuhardenberg Marxwalde.

An vielen Orten errichtete man ihm Denkmale (siehe Karl-Marx-Denkmal). Eine Statue von Marx und Engels befindet sich im Chemnitzer Park der Opfer des Faschismus vor dem Georgius-Agricola-Gymnasium, die 1923 vom Stadtrat an dieser Stelle im damaligen Karl-Marx-Platz errichtet wurde. In Berlin befindet sich eine Karl-Marx-Statue auf dem 1986 errichteten Marx-Engels-Forum.

Der 100-Mark-Schein der DDR war mit dem Marx-Porträt versehen. Die Deutsche Post gab von 1948 bis 1949 in der sowjetisch besetzten Zone bzw. in der DDR von 1949 bis 1983 rund ein Dutzend Briefmarken mit Darstellungen von Karl Marx heraus.[59] Die Leipziger Universität Alma mater lipsiensis hieß von 1953 bis 1991 Karl-Marx-Universität Leipzig.

Zahlreiche Straßen und Plätze waren nach Marx benannt (siehe Karl-Marx-Straße, Karl-Marx-Allee oder Karl-Marx-Platz). Der Karl-Marx-Orden war die höchste Auszeichnung der DDR.

Das Jahr des Hundertsten Todestages von Karl Marx, 1983, wurde als Karl-Marx-Jahr begangen.

Bundesrepublik Deutschland

Hermann Heinrich Becker und Karl Marx. Kölner Rathaus

In der französischen Besatzungszone wurde am 5. Mai 1947 eine Briefmarke mit dem Bild von Marx im Wert von 15 Pfennig herausgegeben.[60] Die Bundesrepublik Deutschland würdigte 1983 Marx als Philosophen zum 100. Todestag mit einer Gedenkmünze mit der Randprägung „WAHRHEIT ALS WIRKLICHKEIT UND MACHT“, ein Zitat nach der zweiten These über Feuerbach. In zahlreichen Städten und Gemeinden gab und gibt es nach Karl Marx benannte Straßen.

Briefmarke der Deutschen Bundespost (Bundesrepublik Deutschland) 1968

Am 29. April 1968 wurde eine Gedenkbriefmarke zum 150. Geburtstag von Karl Marx von der Deutschen Bundespost herausgegeben.

In seiner Heimatstadt Trier kann das Karl-Marx-Haus besichtigt werden, was im Sommer auch zahlreiche Touristen aus Asien anzieht. Dieses Geburtshaus, heute Museum, stand in der Brückergasse 664 (heute Brückenstraße 10); schon im Oktober 1819 zog die Familie in ein kleines Wohnhaus in der Simeongasse (heute Simeonstraße 8), wo heute eine Gedenktafel an den berühmten Bewohner erinnert. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs trug eine Straße in Elmshorn den Namen „Karl-Marx-Platz“. Im August 2005 beschloss die Mehrheit von CDU und FDP die Namensänderung, sodass der Platz jetzt „Buttermarkt“ heißt.

Im Berliner Stadtbezirk Neukölln wurden 1946 die Berliner Straße und die Bergstraße in Karl-Marx-Straße umbenannt. Seit infolge der Entstalinisierung 1961 Teile der Stalinallee in Ostberlin in Karl-Marx-Allee umbenannt wurden, hat Berlin zwei bedeutende Straßen, die Karl Marx gewidmet sind.

In Bonn erinnert seit 1989 in der Stockenstraße eine Gedenktafel[61] an Marx’ Studienzeit in Bonn 1835/36 von HP Schall.[62] Am Kölner Rathaus ist eine Skulptur von ihm angebracht.

Marx wurde unter anderem 2003 in der Sendung Unsere Besten auf Platz Drei der Rangliste der größten Deutschen gewählt.

International

In London erinnert in der Dean Street 28 im Stadtteil Soho eine Gedenktafel[63] an Marx, der dort eine Zeit lang mit seiner Familie wohnte. Auch die Marx Memorial Library, die zu seinem 50. Todestag 1933 eingeweiht wurde, gehört zu den Londoner Sehenswürdigkeiten.[64]

In der Wallfahrtskirche St. Vitus in Sankt Veit am Vogau (Österreich) ist Marx in einer Deckenmalerei (1921) von Felix Barazutti bei einer Ansprache vor Arbeitern abgebildet. In Karlsbad steht ein Denkmal für Karl Marx, der hier 1874,1875 und 1876 zur Kur weilte. Das Denkmal liegt nicht weit von der russisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul, auf der Straße Zamecky vrch.[65]

Benannt wurden in Tadschikistan der Berg Pik Karl Marx, in Russland die Stadt Marx, in der Ukraine die Ortschaften Karlo-Marxowe und Karla Marksa, ein heute als General Sherman Tree bekannter Riesenmammutbaum in den USA, und ein 1969 entdeckter Asteroid (2807 Karl Marx).

Auf dem Kim Il-sung-Platz in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang befanden sich an einer Hausfassade Porträts von Marx und Lenin in der Höhe einer Etage.[66] Diese Bilder wurden im April 2012 nach der Wahl Kim Jong-uns zum Ersten Sekretär der Partei der Arbeit und zum Ersten Vorsitzenden des nationalen Verteidigungskomitees abgehängt.[67]

Eintragung in das Confession book seiner Tochter Jenny

Im März 1865 füllte Karl Marx in englischer Sprache seinen Fragebogen im Bekenntnisalbum seiner Tochter Jenny Caroline aus.[68]

Marx Bekenntnisse im Album von Jenny Marx (Tochter).
Frage Antwort
Ihre Lieblingstugend (Your favourite virtue) Einfachheit (simplicity)
  • beim Mann (in man)
Kraft (strength)
  • bei der Frau (in woman)
Schwäche (weakness)
Hauptmerkmal (Chief characteristic) Zielstrebigkeit (singleness of purpose)
Auffassung vom Glück (Idea of happiness)
  • vom Unglück (misery)
Das Laster, das Sie entschuldigen (The vice you excuse) Leichtgläubigkeit (gullibility)
  • verabscheuen (deteste)
Kriecherei (servility)
Abneigung (Aversion) Martin Farquhar Tupper, Veilchenpuder (Martin Tupper, Violet powder)
Lieblingsbeschäftigung (Favourite occupation) in Büchern stöbern (bookworming)
  • Dichter (poet)
Dante Alighieri, Aischylos, William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe (Dante, Aeschylus, Shakespeare, Göthe)
  • Schriftsteller (Prose writer)
Denis Diderot, Gotthold Ephraim Lessing, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Honoré de Balzac (Diderot, Lessing, Hegel, Bal[zac])
  • Held (Hero)
Spartacus, Johannes Kepler (Spartacus, Keppler)
  • Heldin (Heroine)
Gretchen (Gretchen.)
  • Blume (Flower)
Seidelbast (Daphne.)[69]
  • Farbe (Colour)
Rot (Red.)
Lieblingsaugen- und -haarfarbe (Colour of eyes & hair) Schwarz (black.)
Namen (names) Jenny, Laura (Jenny, Laura)
Gericht (dish) Fisch (fish)
Die historischen Personen, welche Sie am wenigsten mögen (The characters in history you most dislike)
– Maxime (Maxim) Nihil humani a me alienum puto
(Deutsch: Nichts Menschliches ist mir fremd. – Wörtlich: Ich halte nichts Menschliches für mir fremd.)
– Motto (Motto) De omnibus dubitandum. (Deutsch: An allem ist zu zweifeln.)

Siehe auch

 Portal: Marxismus – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Marxismus

Literatur

Werkverzeichnis

Siehe Werkverzeichnis und Briefeditionen

Bibliografien

Biographien

  • Gustav Groß: Karl Marx. Eine Studie. Leipzig 1885. (Digitalisat)
  • John Spargo: Karl Marx. Leben und Werk. Mit vielen Porträts aus der Geschichte des Sozialismus. Autorisierte deutsche Ausgabe. Felix Meiner, Leipzig 1912.
  • Klara Zetkin: Karl Marx und sein Lebenswerk! Molkenbuhr & Co., Elberfeld 1913.
  • Franz Mehring: Karl Marx – Geschichte seines Lebens. Berlin 1918 (In: ML-Werke)
  • Gustav Mayer: Karl Marx’ Lebensweg. In: Sozialistische Monatshefte. 24 (1918), Heft 8, Ausgabe vom 1. Mai 1918, S. 416–422.
  • R. Wilbrandt: Versuch einer Einführung. B. G. Teubner, Leipzig/Berlin 1918.
  • Otto Rühle: Karl Marx. Leben und Werk. Avalun-Verlag, Hellerau bei Dresden 1926.
  • Siegfried Landshut: Karl Marx. Charles Coleman, Lübeck 1932.
  • Siegfried Landshut: Karl Marx. Ein Leben für eine Idee! Anläßlich seines 50. Todestages. Verlag des Bildungsausschusses der Sozialdemokratischen Partei, Landesorganisation Hamburg, Hamburg 1933.
  • Ernst Böse: Karl Marx. Sein Leben und sein Werk. Friedrich Oetinger 1948.
  • Karl Marx heute. Ein Erinnerungsbuch an den 70. Todestag. Verlagsbuchhandlung J. H. W. Dietz, Hannover 1953.
  • J. A. Stepanowa: Karl Marx. Dietz Verlag, Berlin 1956.
  • Isaiah Berlin: Karl Marx. Sein Leben und sein Werk. R. Piper & Co, München 1959.
  • Werner Blumenberg: Karl Marx in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1962.
  • B. Nicolaevsky, O. Maenchen-Helfen: Karl Marx. Eine Biographie. Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Berlin/Bonn-Bad Godesberg 1975, ISBN 3-8012-1086-3.
  • Heinz Monz: Karl Marx und Trier. Verhältnisse Beziehungen Einflüsse. Verlag Neu, Trier 1964.
  • Peter Stadler: Karl Marx. Ideologie und Politik. Musterschmidt-Verlag, Göttingen/Frankfurt am Main/Zürich 1966
  • Arnold Künzli: Karl Marx. Eine Psychographie. Europa Verlag, Wien/Frankfurt am Main/Zürich 1966.
  • Willem Banning: Karl Marx. Leben, Lehre und Bedeutung. Siebenstern, München/Hamburg 1966.
  • Karl Korsch: Karl Marx. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main/Wien 1967.
  • John Lewis: Karl Marx. Leben und Lehre. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1968.
  • Heinrich Gemkow u. a.: Karl Marx. Eine Biographie. Dietz Verlag, Berlin 1968.
  • Maximilien Rubel: Marx-Chronik. Daten zu Leben und Werk. Hanser, München 1968.
  • Manfred Kliem: Karl Marx. Dokumente seines Lebens. 1818–1883. Philipp Reclam jun., Leipzig 1970.
  • Karl Marx. Chronik seines Lebens in Einzeldaten. makol, Frankfurt am Main 1971.
  • Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen zu Leben und Werk. NCO-Verlag, Trier 1973.
  • David McLellan: Karl Marx. Leben und Werk. Edition Praeger, München 1974, ISBN 3-7796-4006-6.
  • Fritz J. Raddatz: Karl Marx. Eine politische Biographie. Hoffmann und Campe, Hamburg 1975, ISBN 3-455-06010-2.
  • Heinrich Gemkow: Karl Marx und Edgar von Westphalen – Studiengefährten in Berlin. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung, Heft 1 und Heft 3, Marx-Engels-Abteilung im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1977 und 1978.
  • Erich Fromm: Das Menschenbild bei Karl Marx – Marx als Mensch. 11. Auflage. 1980, Europäische Verlagsanstalt Frankfurt am Main, 1963, ISBN 3-434-00421-1.
  • Richard Friedenthal: Karl Marx. Sein Leben und seine Zeit. Piper Verlag, München 1981, ISBN 3-492-02713-X.
  • Heinrich Gemkow: Unser Leben. Eine Biographie über Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1981.
  • Francis Wheen: Karl Marx. Bertelsmann Stiftung, München 2001, ISBN 3-570-00495-3.
  • Familie Marx privat. Die Foto- und Fragebogen-Alben von Marx’ Töchtern Laura und Jenny. Eine kommentierte Faksimileausgabe. Hrsg. v. Izumi Omura, Valerij Fomičev, Rolf Hecker und Shun-ichi Kubo. Mit einem Essay von Iring Fetscher, Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004118-8.
  • Michael Berger (Hrsg.): absolute Karl Marx. orange press, Freiburg 2005, ISBN 3-936086-23-0.
  • Klaus Körner: Karl Marx. Deutscher Taschenbuchverlag dtv, München 2008, ISBN 978-3-423-31089-5.
  • Rolf Hosfeld: Die Geister, die er rief. Eine neue Karl-Marx-Biografie. Piper, München 2009, ISBN 978-3-492-05221-4.
  • Jonathan Sperber: Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert. C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-64096-4.

siehe auch biografische Literatur zu einzelnen Lebensabschnitten

Biografie- und Lexikaeinträge

Bildbände

  • Karl Marx Album. Hrsg. vom Marx-Engels-Lenin-Stalin Institut bei Zentralkomitee der SED. Dietz Verlag, Berlin 1953.
  • Karl Marx und Friedrich Engels. Ihr Leben und ihre Zeit. Hrsg. Museum für Deutsche Geschichte, Berlin, Dietz Verlag Berlin, Marx/Engels-Lektorat. Dietz Verlag, Berlin 1978

Belletristik

  • Willy Cohn: Ein Lebensbild von Karl Marx. Der Jugend erzählt. Robert Hermann, Breslau 1923
  • Walther Victor: Der Mann, der die Welt veränderte. Karl Marx, sein Leben und sein Werk. Mit Zeichnungen von N. N. Shukow. (Die Welt in der Tasche, 17). Kinderbuchverlag, Berlin 1953. (7. Aufl. 1964. Illustrationen von Helmut Kloss)
  • Vilmos und Ilse Korn: Mohr und die Raben von London. Mit Illustrationen von Kurt Zimmermann. Kinderbuchverlag, Berlin 1964. (13. Aufl. 1979)
  • Vilmos und Ilse Korn: Meister Hans Röckle und Mister Flammfuß. Illustrationen von Erich Gürtzig. Kinderbuchverlag, Berlin 1968. (4. Aufl. 1976)
  • Günter Radczun: Prometheus aus Trier. Karl Marx, aus seinem Leben, seinem Forschen, seiner Lehre. Kinderbuchverlag, Berlin 1968. (3. Aufl. 1969)
  • Helmut Meyer: Franziska und der Student aus Trier. Illustrationen von Paul Rosié. Kinderbuchverlag, Berlin 1973. (6. Aufl. 1979)
  • Rius: Marx für Anfänger. Comic. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1979, ISBN 3-499-17531-2.
  • Winfried Schwarz: Aufbruch. Aus dem Leben des Karl Marx. Roman. Weltkreis Verlag, Dortmund 1982, ISBN 3-88142-273-0.
  • Gudrun Schulz, Wilfried Bütow: Mohr. Auskünfte über Karl Marx. Junge Welt, Berlin 1983, DNB 830779841.
  • Stefan Siegert: Karl Marx geht um …. Comic. Weltkreis Verlag, Dortmund 1983, ISBN 3-88142-274-9.

Weitere Literatur

  • Louis Althusser: Für Marx. Suhrkamp, Berlin 1968, DNB 454567790. (Neuausgabe 2011) (Original: Pour Marx. 1965).
  • Andreas Arndt: Karl Marx. Versuch über den Zusammenhang seiner Theorie. Bochum 1985, ISBN 3-88663-507-4.
  • Hans-Georg Backhaus: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik. Freiburg i. Br. 1997.
  • Birger P. Priddat: Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung: Produktion von Humankapital. Metropolis, Marburg 2008, ISBN 978-3-89518-712-4.
  • Erwin Bader: Staat und Religion bei Karl Marx. Absterben oder Veränderung? Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-3146-8.
  • Ingrid Bodsch (Hrsg.): Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena. Mit Beiträgen von Joachim Bauer, Ingrid Bodsch, Klaus Dicke, Margit Hartleb, Thomas Pester und Rita Seifert. Verlag des StadtMuseum Bonn, Bonn 2013, ISBN 978-3-931878-36-8.
  • Michael Brie: Die Bildungselemente einer neuen Gesellschaft in Marx’ „Kapital“. Blendungseffekte im Verhältnis von Kapitalismusanalyse und kommunistischer Prognose (PDF; 292 kB); in: Marx’ Kritik der politischen Ökonomie und die Linke heute. Beiträge eines internationalen Workshops. Pankower Vorträge, hrsg. von der Hellen Panke e. V., Heft 135 (2009), S. 43–51.
  • Heinz Bude, Ralf M. Damitz, André Koch (Hrsg.): Marx. Ein toter Hund? Gesellschaftstheorie reloaded. Hamburg 2010.
  • Alex Callinicos: Die revolutionären Ideen von Karl Marx. ISP-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-89900-114-1.
  • Terry Eagleton: Warum Marx recht hat. Ullstein Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-550-08856-8.
  • Iring Fetscher: Marx. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1999, ISBN 3-451-04728-4.
  • Erich Fromm: Das Menschenbild bei Marx. Mit den wichtigsten Frühschriften von Karl Marx. Europäische Verlagsanstalt Frankfurt am Main, Frankfurt 1963, ISBN 3-434-00421-1.
  • Helmut Fleischer: Marx und Engels. Die philosophischen Grundlinien ihres Denkens. 2. Auflage. K. Alber, Freiburg/München 1974.
  • Heinrich Gemkow: Aus dem Leben einer rheinischen Familie im 19. Jahrhundert. Archivalische Funde zu den Familien von Westphalen und Marx. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 34. Jg. 2008, Sonderdruck, S. 497–524.
  • Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.): Historisch-Kritisches Wörterbuch des Marxismus in 15 Bänden. Argument Verlag, Hamburg 1994 ff. (Band 1: Abbau des Staates bis Avantgarde)
  • Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Zweite durchgesehene und erweiterte Auflage. Schmetterling Verlag, Stuttgart, ISBN 3-89657-588-0.
  • Michael Heinrich: Die Wissenschaft vom Wert: die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition. 4. Auflage. Westfälisches Dampfboot, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89691-454-5.
  • Joachim Hirsch/John Kannankulam/Jens Wissel: Der Staat der Bürgerlichen Gesellschaft: Zum Staatsverständnis von Karl Marx. Baden-Baden 2008.
  • Christian Iber: Grundzüge der Marxschen Kapitalismustheorie. Berlin 2005.
  • Robert Kurz: Marx lesen – Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2000.
  • Ernest Mandel: Entstehung und Entwicklung der ökonomischen Lehre von Karl Marx. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1983.
  • Hans G. Nutzinger: „Was bleibt von Marx’ ökonomischer Theorie?“ In: Fritz Helmedag und Norbert Reuter (Hrsg.): Der Wohlstand der Personen: Festschrift zum 60. Geburtstag von Karl Georg Zinn. Marburg: Metropolis, 1999, 69-99
  • Helmut Reichelt: Neue Marx-Lektüre. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik. Hamburg 2008, 384 S., ISBN 978-3-89965-287-1. (Inhaltsverzeichnis und Einleitung, Klappentext)
  • Roman Rosdolsky: Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen „Kapital“, 3 Bde., EVA, Frankfurt a.M. 1973/74.
  • Alfred Schmidt: Der Begriff der Natur in der Lehre von Karl Marx, 4. überarb. und erw. Auflage, mit einem neuen Vorwort von Alfred Schmidt. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1993, ISBN 3-434-46209-0.
  • Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Die Dialektik der gesellschaftlichen Praxis. Zur Genesis und Kernstruktur der Marxschen Theorie, Alber, Freiburg/München 1981.
  • Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Das dialektische Verhältnis des Menschen zur Natur. Philosophiegeschichtliche Studien zur Naturproblematik bei Marx, Alber, Freiburg/München 1984.
  • Thomas T. Sekine: The Dialectic of Capital. A Study of the Inner Logic of Capitalism, 2 Bde. Tokio 1986.
  • Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974
  • Dieter Wolf: Der dialektische Widerspruch im Kapital. Ein Beitrag zur Marxschen Werttheorie. Hamburg 2002, ISBN 3-87975-889-1.
  • Hans Immler und Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Marx und die Naturfrage. Ein Wissenschaftsstreit um die Kritik der politischen Ökonomie, 3. überarb. und erw. Auflage (Kasseler Philosophische Schriften - Neue Folge 4), kassel university press, Kassel 2011 [1].
  • Urs Lindner: Marx und die Philosophie. Wissenschaftlicher Realismus, ethischer Perfektionismus und kritische Sozialtheorie., Stuttgart 2013.

Kritik

Weblinks

 Wikisource: Karl Marx – Quellen und Volltexte
 Wikiquote: Karl Marx – Zitate
 Commons: Karl Marx – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Soziologische Klassiker/ Marx, Karl – Lern- und Lehrmaterialien

Werk

Weiteres

Einzelnachweise

  1. Die in verschiedenen Lexika benutzte Namensform „Karl Heinrich Marx“ beruht auf einem Irrtum. In der Geburtsurkunde steht „Carl Marx“ und in den Aufgeboten und der Heiratsurkunde „Karl Marx“, nur in seinen Gedichtsammlungen und der Abschrift seiner Dissertation „K. H. Marx“. Weil Marx seinen Vater, der 1838 gestorben war, ehren wollte, nannte er sich in drei Dokumenten „Karl Heinrich“. Auch der Artikel von Friedrich Engels „Marx, Heinrich Karl“ im Handwörterbuch der Staatswissenschaften (Jena 1892, Spalte 1130-1133 siehe MEW Band 22, S. 337-345) rechtfertigt nicht, Marx einen zweiten Vornamen zuzuordnen. Siehe dazu Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen zu Leben und Werk. NCO-Verlag, Trier 1973, S. 214 und 354.
  2. Heinz Monz: Karl Marx, Grundlagen zu Leben und Werk. Trier 1973, S. 217 und 221.
  3. Der Orden Brie Briss, Mitteilungen der Großloge für Deutschland, VIII U.C.B.B. (= United Order B’nai B’rith). Sammelbl. jüd. Wiss., S. 167.
  4. Siehe den Eintrag Grabsteine der Vorfahren von Karl Marx.
  5. Nikolaus Sandmann: Heinrich Marx, Jude, Freimaurer und Vater von Karl Marx. In: Humanität, Zeitschrift für Gesellschaft, Kultur und Geistesleben, Hamburg; Heft 5/1992, S. 13–15.
  6. Der Militärpfarrer Mühlenhoff hatte das Taufbuch nur unvollständig geführt und war 1821 nach Berlin versetzt worden. Dies ist das späteste Datum. Noch 1819 ließ Heinrich Marx seinen Sohn Mauritz David Marx auf dem jüdischen Friedhof beerdigen. Gleichzeitig wurde er als Jurist mit Fragen der Tilgung der Judentilgungskommission befasst.
  7. Diese Angabe stammt von Johann Joseph Friedrich Schneider (gest. 1902), der 1890 diese Angabe machte. Er konnte Marx nicht kennen, da er erst in Bonn studierte, als Marx schon in Berlin war! (Manfred Schöncke: „Ein fröhliches Jahr in Bonn“? Was wir über Karl Marx’ erstes Studienjahr wissen. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge. Hamburg 1994, S. 239–255, hier S. 243–246).
  8. Später (1896) umbenannt in Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.
  9. Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen der Entwicklung zu Leben und Werk. Trier 1973, S. 315.
  10. Manfred Schöncke: „Ein fröhliches Jahr in Bonn“? Was wir über Karl Marx’ erstes Studienjahr wissen. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1994, Hamburg 1994, S. 239–255.
  11. Ingrid Bodsch (Hrsg.): Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena. Mit Beiträgen von Joachim Bauer, Ingrid Bodsch, Klaus Dicke, Margit Hartleb, Thomas Pester und Rita Seifert. Verlag des StadtMuseum Bonn, Bonn 2013, ISBN 978-3-931878-36-8, S. 9–28.
  12. Abgangszeugnis Karl Marx; Universitätsakten; Manfred Schöncke, S. 245 ff.
  13. Moriz Carrière: Lebenserinnerungen. Hrsg. von W. Diehl. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Neue Folge. Bd. X (1914), S. 165.
  14. Kritisch dazu siehe Ingrid Bodsch (Hrsg.): Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena. S. 21 ff.
  15. Nachlassaufnahme Heinrich Marx (Landeshauptarchiv Koblenz Abt. 587,40 Nr. 533. (Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Pahl-Rugenstein, Bonn 1993, S. 287 f.)
  16. Druckdatum der Promotionsurkunde.
  17. Die Dissertation ist abgedruckt in MEW Ergänzungsband I, S. 257–373.
  18. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Band 1, Berlin 1975, S. 768–770.
  19. Friedrich Engels an Franz Mehring. Ende April 1895 (Marx-Engels-Werke, Band 39, S. 475).
  20. Gustav Mayer: Friedrich Engels. Eine Biographie. Julius Springer, Berlin 1920, S. 123.
  21. MEGA2, Band 1, 1975, S. 1124.
  22. Da die Kreuznacher Pauluskirche zu jener Zeit renoviert wurde (vgl. Albert Rosenkranz: Geschichte der evangelischen Gemeinde Kreuznach, Bad Kreuznach 1951, S. 166), fand die Trauung vermutlich in der Wilhelmskirche statt.
  23. Jacques Grandjonc: Zu Marx’ Aufenthalt in Paris: 12. Oktober 1843 bis 1. Februar 1845. In: Studien zu Marx’ erstem Paris-Aufenthalt und zur Entstehung der Deutschen Ideologie. Trier 1990 (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Trier Heft 43), S. 163–212.
  24. Friedrich Engels: Marx, Heinrich Karl. In: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Band 4, Sp. 1130–1133, Jena 1892, nach: MEW, Bd. 22, S. 337–345., Dietz, Berlin 1972.
  25. Marx-Engels Gesamtausgabe. Abteilung I. Bd. 2, Berlin 1982, S. 541–553.
  26. Marx an Franz Damian Görtz am 17. Oktober 1845; Marx an denselben am 10. November 1845; Auswanderungskonsens vom 1. Dezember 1845 (Hubert Schiel: Die Umwelt des jungen Karl Marx. Ein unbekanntes Auswanderungsgesuch von Karl Marx. Trier 1954, S. 29 ff., und Marx-Engels-Gesamtausgabe, Abteilung III, Bd. 1, S. 279–280).
  27. Karl Marx an die Polizeidirektion in Köln, 13. April 1848; Zustimmung des Gemeinderates Köln, 2. Juni 1848; Friedrich von Kühlwetter an den Gemeinderat in Köln, 12. September 1848 (Faksimiles in: Heinrich Billstein, Karl Obermann: Marx in Köln. Pahl-Rugenstein, Köln 1983, ISBN 3-7609-0766-0, S. 130–132) und Marx an Constantin von Zedlitz-Neukirch, 19. März 1861 (MEW Bd. 15, S. 623); Constantin von Zedlitz-Neukirch an Marx, 21. März 1861 (Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung III, Bd. 11, Brief 259).
  28. Deutsch: Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons „Philosophie des Elends“, 1885.
  29. Der Bund der Kommunisten. Bd. 2, Berlin 1982, S. 266 ff.
  30. Der Bund der Kommunisten. Bd. 2, Berlin 1982, S. 271.
  31. „Die Amnestie hat bis jetzt nur sehr Wenige zur Rückkehr in die Heimath veranlaßt. Außer den nur Berlinischen Celebritäten, Aktuar Stein und 'Lindenmüller’, hat sich hier bis jetzt erst ein Flüchtling bekannteren Namens und zwar, wie man hört, mit der Absicht eines bleibenden Aufenthaltes, eingefunden: der durch seine literarische Thätigkeit auf nationalökonomischem Gebiete bekannte Carl Marx“. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Nr. 69 vom 22. März 1861.
  32. Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Hannover Chronik, S. 130, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  33. Helmut Elsner: museum 66. Karl-Marx-Haus Trier. Westermann, Braunschweig 1983 ISSN 0341-8634, S. 37. Übersetzung: „… notorischer Agitator, Führer der Internationalen Gesellschaft und Anwalt kommunistischer Prinzipien. Dieser Mann war nicht loyal seinem König und seinem Land gegenüber.“
  34. Egon Erwin Kisch: Karl Marx in Karlsbad. 3. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin/ Weimar 1983.
  35. Heinrich Gemkow: Karl Marx’ letzter Aufenthalt in Deutschland. Als Kurgast in Bad Neuenahr 1877. Hrsg. Marx-Engels-Stiftung, Wuppertal. Plambeck, Neuss 1986, ISBN 3-88501-063-1.
  36. Wilhelm Liebknecht. In: Karl Marx zum Gedächtnis. (Mohr und General.) Berlin 1965, S. 155.
  37. Der Sozialdemokrat. Nr. 14 vom 29. März 1883. (Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Berlin 1983, S. 114.).
  38. Asa Briggs: Marx in London. An illustrated guide. British Broadcasting Corporation, London 1982, ISBN 0-563-20076-6, S. 80.
  39. „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
  40. Name nicht bekannt, da es am 6. Juli 1857 geboren wurde und am gleichen Tag verstarb.
  41. Karl Marx is my father. The documentation of Frederick Demuthś parentage (Karl Marx ist mein Vater. Eine Dokumentation zur Herkunft von Frederick Demuth). Ed. by Izumi Omura, Shunichi Kubo, Rolf Hecker and Valerij Vormiec. Far Eastern booksellers, Tokyo 2011.
  42. Einer präzisen Terminologie zufolge ist von kapitalistischen Produktionsverhältnissen, aber von einer industriellen Produktionsweise zu sprechen. Bei Marx kommen beide Formulierungen vor.
  43. Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik. Malik, Berlin 1923, S. 186.
  44. Karl Marx: Abschweifung über produktive Arbeit. MEW 26.1: „Ein Philosoph produziert Ideen, ein Poet Gedichte, ein Pastor Predigten, ein Professor Kompendien und so weiter“
  45. Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1:378.
  46. Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1:379.
  47. So wird geschrieben: „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“ In: Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. MEW 3, S. 35, 1846/1932.
  48. Siehe zum Beispiel: Karl Marx, Allgemeine Statuten der Internationalen Arbeiter-Assoziation. Wie vom Londoner Kongress 1871 beschlossen (Resolution IX); Art. 7a beschlossen vom Haager Kongress 1872: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu den allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerläßlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, die Aufhebung der Klassen, zu sichern. Die durch den ökonomischen Kampf bereits erreichte Vereinigung der Kräfte der Arbeiterklasse muß in den Händen dieser Klasse auch als Hebel in ihrem Kampf gegen die politische Macht ihrer Ausbeuter dienen. Da die Herren des Bodens und des Kapitals sich ihrer politischen Privilegien stets bedienen, um ihre ökonomischen Monopole zu verteidigen und zu verewigen und die Arbeit zu unterjochen, wird die Eroberung der politischen Macht zur großen Pflicht des Proletariats.“ Londoner Konferenz der Internationalen Arbeiter-Assoziation, MEW 17, S. 422.
  49. Siehe auch Erster Entwurf zum Bürgerkrieg in Frankreich und Zweiter Entwurf zum Bürgerkrieg in Frankreich.
  50. Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. MEGA Arbeitsgruppe.
  51. „Ich kann mir nicht helfen, ich sehe hier nichts von einer Erklärung und Versöhnung eines Widerstreites, sondern den nackten Widerspruch selbst.“ In:  Eugen von Böhm-Bawerk: Zum Abschluss des Marxschen Systems. In: Horst Meixner und Manfred Turban (Hrsg.): Etappen Bürgerlicher Marx-Kritik. Band 1, Andreas Achenbach, Gießen, S. 65 (online).
  52. a b  Eugen von Böhm-Bawerk: Zum Abschluss des Marxschen Systems. In: Horst Meixner und Manfred Turban (Hrsg.): Etappen Bürgerlicher Marx-Kritik. Band 1, Andreas Achenbach, Gießen, S. 48 ff. (online).
  53.  Eugen von Böhm-Bawerk: Zum Abschluss des Marxschen Systems. In: Horst Meixner und Manfred Turban (Hrsg.): Etappen Bürgerlicher Marx-Kritik. Band 1, Andreas Achenbach, Gießen, S. 66 ff. (online).
  54. Edmund Silberner: Sozialisten zur Judenfrage. Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialismus vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1914. Aus d. engl.übers. von Arthur Mandel. Colloquium Verlag, Berlin 1962.
  55. Marx und Moses. Karl Marx zur „Judenfrage“ und zu den Juden. Peter Lang, Frankfurt a. M. 1980, ISBN 3-8204-6041-1.
  56.  Micha Brumlik: Deutscher Geist und Judenhass – Das Verhältnis des philosophischen Idealismus zum Judentum. Luchterhand, München 2000, S. 285. Siehe dazu auch Kurt Flasch: Die Euthanasie des Judentums (Rezension). Berliner Zeitung, 16. Dezember 2000.
  57.  Wolfgang Frindte: Inszenierter Antisemitismus. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 85.
  58.  Wolfgang Frindte: Inszenierter Antisemitismus. VS Verlag, Wiesbaden 2006, S. 84–85.
  59. Gotthard Feustel: Karl Marx auf den Briefmarken der Welt. Dietz Verlag, Berlin 1990.
  60. Gotthard Feustel, S. 96 f.
  61. „Karl Marx – Politiker und Philosoph – wohnte während seines Bonner Studiums in den Jahren 1835/36 in der Josefstraße 29/31 und in der Stockenstraße 12.“
  62. Eberhard Gockel: Karl Marx in Bonn. Alte Adressen neu entdeckt. Ein Beitrag zum 2000jährigen Bonn-Jubiläum sowie zum Bicentenaire der Französischen Revolution. University Press, Bonn 1989, ISBN 3-924953-06-6.
  63. „Greater London Council. Karl Marx 1818–1883 lived here 1851–1856“.
  64. Asea Briggs: Marx in London. An illustrated guide. British Broadcasting Corporation, London 1982, ISBN 0-563-20076-6.
  65. Karlovy Vary
  66.  Arno Maierbrugger: Nordkorea-Handbuch. Unterwegs in einem geheimnisvollen Land. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Trescher, Berlin 2007, ISBN 978-3-89794-114-4, S. 45 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  67. Choe Sang-Hun: North Korean Leader Stresses Need for Strong Military, New York Times, 15. April 2012.
  68. Familie Marx privat. Akademie Verlag, Berlin 2005,, Abb. 1 und S. 234–235.
  69. * Familie Marx privat. Die Foto- und Fragebogen-Alben von Marx’ Töchtern Laura und Jenny. Eine kommentierte Faksimileausgabe. Hrsg. v. Izumi Omura, Valerij Fomičev, Rolf Hecker und Shun-ichi Kubo. Mit einem Essay von Iring Fetscher, Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004118-8, S. 234.
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Dieser Artikel wurde am 19. November 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.