Dieselmotorrad

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Dieselmotorräder sind Motorräder mit Dieselmotor. Im Vergleich zum Ottomotor hat ein Dieselmotor einen unruhigeren Lauf und – bei gleicher Leistung – ein höheres Gewicht. Insbesondere aufgrund dieser beiden Nachteile des Dieselmotors fristet er im Motorradbereich bislang nur ein Nischendasein. Er wird in Einzelstücken, individuellen Umbauten oder Kleinserien eingesetzt.[1]

Private Umbauten[Bearbeiten]

Speed-Triple und Flitzibitz

Private Enthusiasten haben über Jahre den Gedanken weiterverfolgt und teilweise hervorragende Lösungen unter Verwendung von Industrie- und Kleinwagenmotoren gefunden. Von kleinen Einzylinder-Industriedieseln in Oldtimer-Motorradrahmen bis zu modernen Fahrzeugmotoren in modifizierten Serienfahrzeugen oder gar komplett individuell gefertigten Rahmen haben Enthusiasten eine Vielzahl von fahrtauglichen Motorrädern auf die Räder gestellt. Die Leistung reicht hier von 4,5 bis 82 Kilowatt (6 bis 112 Pferdestärken).

Forschung im Hochschulbereich[Bearbeiten]

EDIMO auf dem Dieselmotorradtreffen 2005 in Hamm

In den Jahren 2000 bis 2005 entwickelten Studenten der Hochschule Esslingen einen Motorrad-Prototyp mit einem Smart-Dieselmotor. Das EDIMO (Esslinger Diesel-Motorrad) getaufte Projekt wurde im Jahre 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt, hat eine Straßenzulassung und es wurde abschließend an einem Partikelfilter gearbeitet.[2]

Einsatzbereich Militär[Bearbeiten]

Im Standardisierungsübereinkommen der NATO-Vertragsstaaten wurden neben vielen anderen Bereichen auch die Kraftstoffe geregelt. Das Motorrad war das letzte Fahrzeug beim Militär, das nicht der Single-Fuel-Policy-Direktive der NATO entsprach und in den meisten Fällen noch nicht entspricht.

Serien-/Kleinserienmodelle[Bearbeiten]

Sommer Motorradtechnik: Sommer Diesel 462[Bearbeiten]

Sommer-Hatz-Diesel

Die Sommer Motorradmanufaktur in Eppstein bietet ein Dieselmotorrad mit EU-Betriebserlaubnis an. Der Einzylinder-Dieselmotor des Herstellers Hatz wird in ein Royal-Enfield-Fahrgestell eingebaut. Er leistet 8 kW (11 PS) und erreicht eine Endgeschwindigkeit von 105 km/h, bei einem Verbrauch von ca. 2,5 l/100 km.[3]

Der Motorradhändler Beckedorf aus Reichelsheim bietet ebenfalls ein auf Royal Enfield basierendes Dieselmotorrad an, das einen Einzylinder der Firma Lombardini verwendet.[4] Die aktuellste Version ist mit einem 15LD440-Motor ausgestattet, der mit 442 cm³ 8 kW leistet und in dem nun auch Ausgleichswelle und Hydrostößel verbaut sind.

Ein weiteres Dieselmotorrad wird in Deutschland von der Firma Motorrad Leitner in Nittendorf unter dem Namen Dieselwiesel produziert und vertrieben. Die Nennleistung beträgt 7 kW (10 PS), die Höchstgeschwindigkeit wird mit ca. 110 km/h angegeben. Der Verbrauch soll bei 1,5 bis 2 l/100 km liegen.[5]

Daneben finden sich weitere Anbieter, die Umbauten auf der Basis von bereits zugelassenen Rahmen anbieten. Der älteste in Europa gefertigte Prototyp für ein Dieselmotorrad, das anschließend in Kleinserie produziert wurde, ist ungefähr 1980 von dem Engländer Ernie Dorsett realisiert worden. Aus seiner Matchless-Robin wurden nachher die Enfield-Robins, die in Deutschland von Gerd Engmann verkauft worden sind. Gerd Engmann ist inzwischen verstorben. Ob der Vertrieb fortgeführt wird, ist nicht bekannt.

E.V.A. Products: Track T-800 CDI[Bearbeiten]

Der niederländische Hersteller E.V.A. Products B.V. produzierte das Motorrad Track T-800 CDI. Das Motorrad hat einen turbogeladenen 3-Zylinder-Motor mit 800 cm³ Hubraum, der normalerweise in einem Smart eingesetzt wird. Im Jahr 2012 wurde die Produktion eingestellt.[6]

Track T-800CDI, dieselangetriebenes Motorrad aus Holland

Kawasaki: KLR 650[Bearbeiten]

M1030M1 – Die Diesel KLR

Nach einigen Jahren Forschung, Entwicklungs- und Erprobungszeit ist das erste moderne Dieselmotorrad als Enduro (die wegen der militärischen Ausrichtung alternativ auch mit Kerosin betrieben werden kann) auf Basis der Kawasaki KLR 650 mit einem 584-cm³-Dieselmotor, knapp 22 kW (30 PS) Leistung und einer Reisegeschwindigkeit von etwa 130 km/h auf dem Markt. Die erste Lieferung von offiziell 522 Stück geht an die US-Marineinfanterie. Zusätzlich wurde die M1030M1 bei der britischen „National Rally“ und bei den „International Speed Trials“ in Bonneville eingesetzt. Der Hersteller, das kalifornische Unternehmen Hayes Diversified Technologies (HDT), kündigte für das Jahr 2006 eine „street legal“ Variante der Maschine an, die den zivilen Markt unter der Bezeichnung „D650A1 Bulldog“ bereichern sollte. Diese wurde bislang (2012) jedoch nicht geliefert.[7] Ein Verbrauch von weniger als 3 l Diesel auf 100 km würden die Bulldogge als Reiseenduro für Fernreisen und andere Globetrotter geradezu prädestinieren. Laut Herstellerangaben ist der Motor vielstoffgeeignet (Diesel, Bio-Diesel, Kerosin).

Neander Motors AG: Neander 1400 Turbodiesel[Bearbeiten]

Prototyp der Neander 1400 TurboDiesel in einer Chopper-Version

Vom Hersteller Neander Motors AG aus Kiel kommt die Neander 1400 Zweizylinder-Turbodiesel.[8]
Daten laut Hersteller:
Hubraum: 1.340 cm³
Nennleistung: 82 kW (112 PS) bei 4.200 /min
Maximales Drehmoment: 214 Nm bei 2.600 /min
Beschleunigung: ca. 4,5 s (0 – 100 km/h)

Neander Motors entwickelt hierfür eine neuartige Motorengeneration: Niedrigzylindrige Hochleistungs-Dieselmotoren mit doppelter Kurbelwelle. Das Turbo-Dieselmotorrad ist mit einem Common-Rail-System ausgestattet.

Royal Enfield[Bearbeiten]

Taurus 325 Diesel

Royal Enfield war der einzige Hersteller, der jahrelang auf Basis des veralteten Konzeptes der „Enfield Bullet“ und unter Zuhilfenahme eines Einzylinder-Stationärmotors für die Landwirtschaft ein Diesel-Zweirad angeboten hat: die „Enfield Taurus“, die für den modernen Straßenverkehr mit dem nur 5 kW (7 PS) starken Aggregat jedoch nur sehr bedingt geeignet ist. Die Taurus war eine Notlösung für und unter indischen Verhältnissen. Es gibt mittlerweile keine importierten Taurus mehr.[9]

Shockster Turbo Diesel[Bearbeiten]

Die Shockster Turbo Diesel ist das erste und einzige in Österreich entwickelte und zugelassene Turbo-Dieselmotorrad, das voll alltagstauglich ist. Das Fahrzeug hat einen Hubraum von 1500 cm³, eine Leistung von ca. 59 kW und ein Drehmoment von ca. 150 Nm bei 2500/min.

Star Twin Motors: Thunder Star 1200 TDI[Bearbeiten]

Lange Zeit hat man sich im Dieselmotorradbau mit eher geringen Leistungssteigerungen auseinandergesetzt. Der indische Ursprung begann bei ca. 4,5 kW (6 PS), die ersten europäischen Prototypen hatten ca. 6 kW (8 PS). Heute haben die Einzylinder 8 kW (11 PS) und die Zweizylinder 15 kW (20 PS). Durch den Einsatz von Kleinwagenmotoren aus der Vorkammergeneration schwingen sich die Daihatsu-Treiber mit Hilfe eines Turboladers sogar auf über 22 kW (30 PS). Vom niederländischen Hersteller Star Twin Motors kommt die Thunder Star 1200 TDI.[10] In der Thunderstar arbeitet ein Motor, der normalerweise in einem VW Lupo 1.2l TDI verwendet wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieselmotorräder. (Version vom 18. Oktober 2013 im Internet Archive) Auf: dieselkrad.info. Abgerufen am 27. Juni 2012
  2. Hochschule Esslingen: Esslinger Diesel-Motorrad
  3. Europas Dieselmotorrad Nummer Eins. Auf: motorradmanufaktur.de.
  4. Das einzige Serien-Dieselmotorrad der Welt. Auf: enfield-diesel.com.
  5. Dieselwiesel DW 406. Auf: dieselwiesel.de.
  6. Dieselmotorfiets (Version vom 14. Februar 2009 im Internet Archive)
  7. Hayes Diesel Technology. Auf: dieselmotorcycles.com. Abgerufen am 3. Dezember 2014.
  8. Die Zeit ist reif für eine neue Generation Motorrad. Auf: neander-motorcycle.com.
  9. Royal Enfield Deutschland. (Version vom 22. Dezember 2013 im Internet Archive) Abgerufen am 17. September 2013.
  10. Thunderstar. Auf: startwin.com.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dieselmotorrad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien