Diggers

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Eine Deklaration der Diggers aus dem Jahr 1649, verfasst von William Everard

Diggers (Buddler) war eine englische Gruppe, die von Gerrard Winstanley als True Levellers[1] im Jahr 1649 gegründet wurde.

Ihr ursprünglicher Name True Levellers entstammte ihrem Glauben an die wirtschaftliche Gleichberechtigung, der auf eine spezielle Passage in der Apostelgeschichte des Lukas zurückgeht (Apg 4,32 EU). Sie waren eine Splittergruppe der Levellers. Die Diggers versuchten, die bestehende gesellschaftliche Ordnung zu reformieren, die Besitzstände einzuebnen, indem sie eine agrarische Lebensweise anstrebten, die mit der Gründung kleiner, ländlicher Kommunen einherging. Sie waren eine der vielen englischen Dissenter-Gruppen jener Zeit.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Jahr 1649 lag in einer Zeit großer sozialer Unruhen in England. Dem Parlament als Sieger des englischen Bürgerkriegs gelang es nicht, eine Einigung mit König Charles I. herbeizuführen. So wurde dieser schließlich von Anhängern des Parlaments und der Armee getötet. Die Regierung wurde durch eine neue Institution, den „Council of State“, ersetzt, das nach fundamentalen Meinungsverschiedenheiten mit dem geschwächten Parlament schließlich durch die Armee kontrolliert wurde. Viele Menschen wurden politisch aktiv und schlugen andere Regierungsformen vor, die die alte Ordnung ersetzen sollten. Diese reichten von Royalisten, die sich wünschten, König Charles I. zu beerben, über Levellers, welche die Wahl des Parlaments durch jeden männlichen Haushaltsvorstand erreichen wollten, bis zu den True Levellers die eine radikalere Lösung forderten.

Winstanley und fünfzehn andere veröffentlichten ein Pamphlet, in dem sie sich True Levellers nannten, um sich von den Levellers unterscheidbar zu machen. Als schließlich ihre Idee des „öffentlichen Landes“ teilweise in die Tat umgesetzt wurde, wurden sie bei Unterstützern wie Gegnern als Diggers bekannt. Am wichtigsten war der demokratische, ja manchmal auch anarchistische Aspekt im Glaube der Diggers. Sie gingen davon aus, dass es nur dann keine herrschende Klasse mehr geben konnte, wenn alle Engländer sich in unabhängigen Kommunen zusammentun. So würde die herrschende Klasse gezwungen, sich entweder den Kommunen anzuschließen oder zu untergeben, so dass es niemanden mehr geben würde, an den man Steuern zahlen müsse.

Bewertung aus heutiger Sicht[Bearbeiten]

Diggers besetzten und bearbeiteten öffentliche Ländereien und verteilten die Erträge an Bedürftige, um für eine umfassende Landreform und das Gemeineigentum zu werben; in einem Buch über die Revolutionen Englands im 17. Jahrhundert schreibt Hans-Christoph Schröder deshalb, die Diggers hätten "Systemkrtitik im umfassenden, die sozialökonomische Grundlage der Gesellschaft miteinbeziehenden Sinn betrieben, indem sie die Institution des Privateigentums und das System des 'Kaufens und Verkaufens' als Wurzel aller Übel bezeichneten und zur Zielscheibe ihrer Angriffe machten."[2] Der Autor Matthias Rude schreibt: "Innerhalb der Dissenter-Bewegungen kursieren die fortschrittlichsten Ideen der Zeit - neben dem Vegetarismus sind das in einigen Gemeinschaften auch die Gleichstellung der Frauen sowie eine Nacktkultur. Unter den True Levellers gebe es, so ihr Anführer Gerrard Winstanley (1609-1676) im Jahr 1649, 'tender hearts', die es schmerze zu sehen, wie etwa Kühe von den Verwaltern der Gutsbesitzer geschlagen würden. Diese Art der Solidarität mit Tieren und der daraus hervorgehende Vegetarismus ist [...] im England des 17. Jahrhunderts ein Ausdruck politischen und religiösen Dissidententums, und in einigen Strömungen ein fester Bestandteil der revolutionären Bestrebungen."[3]

Ende der Bewegung[Bearbeiten]

Die Digger-Kommunen, die sich überall in England gebildet hatten, wurden 1651 endgültig zerschlagen. Meistens waren dafür die lokalen Landbesitzer verantwortlich, die durch das „Council of State“ darin bestärkt wurden, diese Kommunen zu zerschlagen, wo immer sie auftauchten.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Lewis Henry Berens: The Digger Movement in the Days of the Commonwealth. Online verfügbar, Project Gutenberg.
  • H. Klenner (Hrsg.), Gerrad Winstanley: Gleichheit im Reiche der Freiheit. Sozialphilosophische Pamphlete und Traktate. Leipzig 1983, 1986.
  • H.J. Goertz (Hrsg.), K. Deppermann: Das Freie Gemeinwesen der Wahren Gleichmacher. Gerrard Winstanley und die Landkommunen der Digger. In: „Alles gehört allen“. Das Experiment Gütergemeinschaft vom 16. Jahrhundert bis heute. München 1984, S. 71 – 91.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1642−1652: The Diggers and the Levellers
  2. Hans-Christoph Schröder: Die Revolutionen Englands im 17. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 1986, S. 213.
  3. Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken, Stuttgart 2013, S. 36.