Dilemma

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Dieser Artikel beschreibt die Situation; für Werke dieses Titels siehe Dilemma (Begriffsklärung).

Ein Dilemma (griechisch δί-λημμα ‚zweigliedrige Annahme‘, Plural Dilemmas oder Dilemmata), auch Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Es wird durch seine Ausweglosigkeit als paradox empfunden. Auch der Zwang zu einer Auswahl zwischen zwei positiven Möglichkeiten kann ein Dilemma sein. Bei drei Möglichkeiten spricht man von einem Trilemma, bei mehr als drei Möglichkeiten von einem Polylemma.

Typen[Bearbeiten]

Das positive Dilemma (auch konstruktives Dilemma) führt bei jeder gewählten Entscheidung zu demselben Ergebnis.

In der Schreibweise der Booleschen Algebra lässt sich dies wie folgt darstellen:

p \Rightarrow q;\, r \Rightarrow q;\qquad p \or r \Rightarrow q

(In Worten: p führt zu q; r führt zu q; p oder r führt zu q.)

Beispiel: Zwei verschiedene Behandlungsmethoden, die jeweils zur Genesung führen, für einen kranken Patienten. Egal welche Methode gewählt wird – Patient wird gesund.

Das negative Dilemma (auch destruktives Dilemma) zerstört sich durch die Unmöglichkeit einer Entscheidung selbst.

p \Rightarrow q;\, p \Rightarrow r;\qquad (\neg q) \or (\neg r) \Rightarrow \neg p

(In Worten: p führt zu q; p führt zu r; aus nicht-q oder nicht-r folgt nicht-p.)

Beispiel: Zwei Patienten und nur ein Gegenmittel für deren Krankheit. Jetzt ist die Frage bzw. das Dilemma: Wem gibt man das Gegenmittel und wen lässt man sterben? (Vgl. Triage.)

Beispiele[Bearbeiten]

Ein klassisches Dilemma: Johann Heinrich Füssli: Odysseus zwischen Skylla und Charybdis, um 1794/96, Aargauer Kunsthaus Aarau

Gefangenendilemma[Bearbeiten]

Ein klassisches Beispiel aus der Philosophiegeschichte ist das „Gefangenendilemma“ (Original: Prisoner’s dilemma): Ein Staatsanwalt schlägt zwei getrennt voneinander einsitzenden Untersuchungshäftlingen einen Handel vor. Ihnen wurde bereits eine kleinere Straftat nachgewiesen, aber eine weitere gemeinschaftlich verübte wird ihnen vorgeworfen. Schweigen beide, werden sie nur für die nachgewiesene Straftat bestraft (z. B. ein Jahr). Gesteht aber einer die bislang nicht nachweisbare Haupttat, so geht er zur Belohnung straffrei aus, während der andere eine weitaus höhere Strafe erhält (z. B. zehn Jahre). Gestehen beide, dann erhalten beide eine hohe Strafe (z. B. fünf Jahre).

Das Paradoxe ist die Divergenz zwischen individueller und sozialer Rationalität: Es ist sozial rational, wenn beide Gefangene schweigen (und nur je ein Jahr absitzen müssen). Individuell rational ist es dagegen für jeden der beiden Gefangenen, ein Geständnis abzulegen, unabhängig davon, wie der andere sich entscheidet. Wenn der andere gesteht, ist es besser, auch zu gestehen. Wenn der andere schweigt, ist es auch besser, zu gestehen. Aufsummiert erhalten beide zusammen eine Strafe von zehn Jahren.

Rational ist diese Strategie aber auch individuell nur bei einmaligem Aufeinandertreffen. Wenn die zwei Beteiligten voraussichtlich mehrmals in die gleiche Situation kommen, kann es sinnvoll sein, sich kooperativ zu verhalten und so dem Anderen einen Grund zu geben, dies ebenfalls zu tun. Das zeigte unter anderem eine Computersimulation, in der die Strategie Tit for Tat gewann.

Das Gefangenendilemma existiert in einer Vielzahl von Abwandlungen; die zugrundeliegende Systematik hat unter anderem auch in den Wirtschaftswissenschaften Bedeutung erlangt als Erklärungsmodell in der Dyopol- und Spieltheorie. Sie liefert dort einen Beitrag zu Verständnis und Vorhersage des Preissetzungsverhaltens von zwei (konkurrierenden) Anbietern.

Buridans Esel[Bearbeiten]

Ein Dilemma kann sich auch daraus ergeben, dass man bei der Wahl zwischen zwei positiven Möglichkeiten keine wählen kann, weil die Wahlnotwendigkeit ein Ergebnis unmöglich macht. Klassisches Beispiel ist dabei das Dilemma von Buridans Esel, der exakt zwischen den zwei gleichen Heuhaufen stand und verhungerte, da er sich mangels einleuchtenden Grundes, entweder vom linken oder vom rechten zu fressen, für keinen der beiden entscheiden konnte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Cohen: 99 moralische Zwickmühlen – Eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie des richtigen Handelns. Piper Verlag GmbH, München 2005, ISBN 3-492-24515-3.
  • William Poundstone: Prisoner's Dilemma: John Von Neumann, Game Theory and the Puzzle of the Bomb. Anchor Books, U.S.; Reprint (Februar 1993). ISBN 038541580X.

Weblinks[Bearbeiten]