Diskontgeschäft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Diskontgeschäft (Diskontkredit) versteht man im Bankwesen den Ankauf von noch nicht fälligen Wechseln durch Kreditinstitute. Die Wechsel werden diskontiert, wobei die Zinsen (Diskontsatz) bis zum Fälligkeitstag vom Nominalwert des Wechselbetrages abgezogen werden. Der jeweils von den Banken berechnete Diskontsatz richtet sich dabei nach dem aktuellen Diskontsatz der Zentralbank.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Politik der Bundesbank zielte im Wesentlichen darauf ab, das Kreditangebotsverhalten der Banken und die Geld- und Kreditnachfrage der Wirtschaft mittelbar über Veränderungen der Bankenliquidität und der Zinsen am Geldmarkt zu steuern.[1] Das leitete sich aus § 15 BBankG a. F. ab, der der Bundesbank das Recht einräumte, zur Beeinflussung des Geldumlaufs und der Kreditgewährung den Diskontsatz festzulegen. Das (Re-)Diskontgeschäft der Bundesbank ergab sich entsprechend aus § 19 BBankG a. F. Der Wechsel als Kredit- und Zahlungsmittel spielte in der deutschen Wirtschaft lange Zeit eine zentrale Rolle. Das (Re-)Diskontvolumen erreichte deshalb 1979/1980 seinen Höhepunkt und wurde zur entscheidenden Quelle der Zentralbankgeldversorgung.[2]

Der Diskontsatz spielte bis 1986 die entscheidende Rolle bei der Refinanzierung der Kreditinstitute durch die Bundesbank und als Leitzins, denn die Banken konnten sich durch Verkauf von bundesbankfähigen Wechseln Liquidität zum Diskontsatz beschaffen. Im Dezember 1986 war der Anteil der Diskontkredite an der Mittelaufnahme auf 60 % gesunken.[3] Seit 1987 hatte die Diskontierung von Wechseln an Bedeutung verloren, so dass der Lombardsatz in den Vordergrund trat.[4] Die Wechselrefinanzierung trat im Vergleich zu den neuen offenmarktpolitischen Instrumenten der Bundesbank sukzessive in den Hintergrund; ihr Anteil an den gesamten Notenbankkrediten belief sich 1994 nur noch auf 29,5 % gegenüber 83,5 % im Jahre 1980.[5] An ihre Stelle waren die Wertpapierpensionsgeschäfte getreten. Betrug deren Anteil an der Gesamtrefinanzierung 1980 lediglich 6 %, so machten sie 1994 bereits 69,7 % aus.

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten]

Rechtsgrundlagen des Diskontgeschäfts sind das Wechselgesetz, das Bundesbankgesetz sowie die jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kreditinstitute. Die Diskontierung ist rechtlich ein Kaufvertrag nach § 433 BGB und gilt als Bankgeschäft nach § 1 Abs. 1 Nr. 3 Kreditwesengesetz.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Das Diskontgeschäft war bis 1986 ein wichtiges Aktivgeschäft der Banken und galt aufgrund von Wechselstrenge und der Indossantenhaftung als ein besonders sicheres Kreditgeschäft. Um die Sicherheit von Diskontgeschäften noch weiter zu erhöhen, diskontierten Banken die Wechsel nur bis zur Höhe des dem Kunden gewährten Diskontkreditrahmens. Im Regelfall werden nur Handelswechsel mit einer verbleibenden Restlaufzeit von höchstens drei Monaten angekauft. Bei ihrem Diskontgeschäft richteten sich die Banken nach dem Rediskontgeschäft der Bundesbank, weil sie die von ihren Bankkunden diskontierten Wechsel meist bei der Bundesbank rediskontierten. Dieses Diskontgeschäft wurde bis Dezember 1998 nach Maßgabe des § 19 Abs. 1 Nr. 1 BBankG a. F. im Rahmen der Diskontpolitik praktiziert.[6] Die Bundesbank räumte den Geschäftsbanken Rediskont-Kontingente ein, also individuell für jedes Kreditinstitut festgelegte Limite. Die Bundesbank akzeptierte lediglich Handelswechsel mit maximal dreimonatiger Restlaufzeit und Wechsel mit mindestens drei als zahlungsfähig bekannten Wechselbeteiligten.

Der Wechsel und damit das Diskontgeschäft hat im täglichen Kreditgeschäft heute keine Bedeutung mehr, da er aufgrund seiner Urkundeneigenschaft nicht „maschinen- bzw. computerfähig“ und damit relativ personal- und kostenaufwendig ist und zudem auch seine Funktion als Kredit- und Zahlungsmittel in der deutschen Wirtschaft weitgehend eingebüßt hat. Daneben hat das Diskontgeschäft aufgrund des Wegfalls der Rediskontierungsmöglichkeit von Handelswechseln bei der deutschen Bundesbank an Attraktivität für Kreditinstitute verloren. Die Europäische Zentralbank rediskontiert keine Wechsel. Handelswechsel sind nur noch als Pfand refinanzierungsfähig.[7]

Einteilung[Bearbeiten]

  • Wirtschaft-auf-Wirtschaft-Ziehungen, der sogenannte gezogene Wechsel
  • Bank-auf-Wirtschaft-Ziehungen, i. d. R. Finanzwechsel
  • Bank-auf-Bank-Ziehungen, meist Finanzwechsel
  • Einteilung nach der Bonität in
    • gute, aber nicht zentralbankdiskontfähige Wechsel
    • zentralbankdiskontfähige Wechsel
    • bankgirierte Wechsel
    • Privatdiskont

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Bundesbank, Die Geldpolitik der Bundesbank, Oktober 1995, S. 98 (PDF; 3,2 MB)
  2. Otmar Issing/Bernd Rudolph, Der Rediskontkredit, 1988, S. 41 f. (PDF; 6,8 MB)
  3. Otmar Issing/Bernd Rudolph, a.a.O., S. 42
  4. Werner Ehrlicher/Diethard B. Simmert, Wandlungen des geldpolitischen Instrumentariums der Deutschen Bundesbank, 1988, S. 134
  5. Deutsche Bundesbank, a.a.O., Oktober 1995, S. 109
  6. Peter Bülow, WechselG, ScheckG, AGB, 2004, S. 75
  7. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank November 1998, S. 24