Dolly (Kamerawagen)

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Dolly auf Schienen
Dolly auf Schienen mit einer Arriflex D-21 Kamera auf einem Filmset an der Technischen Universität München

Ein Dolly (engl. für Transportwagen) ist ein Wagen, mit dem sich ruckfreie weiche Kamerafahrten selbst auf unebenen Untergründen realisieren lassen. Allen Dollys gemein sind drei oder vier Räder und die Möglichkeit, eine Kamera zu befestigen. Ansonsten gibt es unterschiedliche technische Ansätze.

Der Western Dolly[Bearbeiten]

Dies ist die einfachste Variante, sie besteht aus vier Reifen, die eine Plattform tragen, auf der ein Euromount montiert ist. Der Lenkmodus kann je nach Modell verstellt werden, so dass man Zwei- oder Vierräder bewegen kann. So kann der Dolly gezogen bzw. geschoben und wie bei einem Auto bewegt werden. Die gewünschte Höhe für die Kamera wird mit Hilfe sogenannten Bazookas (engl. Riser) auf dem Euromount befestigt. Der Kameramann und sein Assistent stehen in der Regel mit auf der Plattform.

Dieser Dolly eignet sich vor allem für Fahrten auf ohnehin ebenem Untergrund mit nur leichten Unebenheiten und wird wegen seiner Unkompliziertheit geschätzt. Allerdings werden Westerndollies nur noch selten verwendet.

Der Hydraulikdolly[Bearbeiten]

Diese Variante wird vor allem in nordamerikanischen Produktionen eingesetzt. Er ist mit verschiedener Bereifung sowohl auf Schienen wie auch ohne einsetzbar und zeichnet sich durch ein scherenartiges hydraulisches Hubsystem aus. Der Dolly Grip (deutsch: Kamerabühnenmann) bedient dieses mittels eines Ventils. Die Räder sind in verschiedenen Kombinationen lenkbar: Zweiradlenkung, Vierradlenkung - alle Räder zeigen in die gleiche Richtung - und Vierradlenkung - vordere und hintere Räder lenken entgegengesetzt. Die Vorteile (zum Hubsäulendolly) sind die enorme Geschwindigkeit der Hubvorrichtung, die Unabhängigkeit vom Stromnetz und der maximale Höhenunterschied. Scherendollys sind in der Regel von der Firma Chapman-Leonard Studio Equipment oder J. L. Fisher. Nachteilig sind seine Sperrigkeit und sein Gewicht.

Der Hubsäulendolly[Bearbeiten]

Dies ist die verbreitetste Variante in Europa. Er hat eine quadratische Grundfläche und eine elektrische Teleskop-Hubsäule in der Mitte. Die Räder sind einzeln zwischen fixiert, lenkbar und frei umschaltbar. Er kann ebenfalls auf Schienen oder auf ebenem Untergrund eingesetzt werden. Im Unterschied zum Scherendolly kann für den Kameramann ein Sitz an der Säule befestigt werden, so dass dieser bei Höhenänderungen mitfährt. Die elektrische Steuerung ermöglicht punktgenaue Programmierung von vertikalen Fahrten.

Der geringere maximale Hub gegenüber dem Scherendolly kann durch einen sog. Jib-Arm ausgeglichen werden, eine Art Mini-Kamerakran, der auf den Dolly aufgebaut wird.

Der Mini-Dolly[Bearbeiten]

Diese Skaterdolly genannte Variante basiert auf drei Skate-Rollen, ist extrem flach und kommt ohne aufwendiges Schienensystem aus. Als kleiner, transportabler und universell einsetzbarer Dolly ermöglicht er Kamerafahrten auch in extrem eingeschränktem Raum. Da man mit diesem Dolly nicht nur sehr niedrige, sondern auch präzise kreisförmige Kamerafahrten machen kann, z.B. um ein Objekt herum, wird er häufig im Werbefilmbereich für Produktaufnahmen verwendet.

Erfunden hat den Mini-Dolly der Regisseur und Kameramann Sebastian Kramer, in Kooperation mit dem Film-Equipment-Hersteller P+S Technik wurde er dann bis zur Serienreife entwickelt und patentiert. Der Mini-Dolly wird in zwei unterschiedlich aufwendigen Varianten hergestellt und vertrieben: als Skater Mini und als Skater Junior, der wesentlich kostengünstiger ist. Erfinder und Hersteller wurden für die Skater Produktfamilie, die u.a. verschiedene Aufbauten und eine Motorisierung mit einschließt, mit dem sog. Technik-Oscar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und mit der Emmy Engineering Plaque ausgezeichnet.

Geschichte der Dollys[Bearbeiten]

Zu Beginn der Filmgeschichte wurden fast ausschließlich „theaterartige“ Aufnahmen gemacht. Totale oder Halbtotale wechselten sich ab, Schnitte waren selten, alle Kameraeinstellungen waren statisch. Die erste Kamerafahrt wurde von den Brüdern Lumière eingesetzt, wobei sie Kameramann samt Kamera einfach auf einem Eisenbahnwaggon platzierten. 1896 stellte Alexandre Promio für den Dokumentarfilm „Panorama du Grand Canal vu d'un bateau“ die Kamera auf ein Vaporetto.

Der erste Dolly, der vertikale Kamerafahrten erlaubte, war der Chapman, der bekannteste Scherendolly. Ursprünglich war es eine Entwicklung der US-Luftwaffe, die im Zweiten Weltkrieg einen Wagen mit Hubvorrichtung benutzten, um die Bomben unten an den Tragflächen von Kampfflugzeugen zu befestigen. Zunächst wurden diese Dollys eins zu eins übernommen, erst später wurden sie speziell für Filmarbeiten weiterentwickelt. Der erste elektro-mechanische Dolly war der Super Panther, ein Hubsäulendolly, der 1990 mit dem technischen Oscar Scientific and Engineering Award ausgezeichnet wurde. [1]

Die europäischen Dollys gingen von Anfang an eigene Wege, indem sie auf die Hubsäule setzten, zunächst noch – ebenfalls hydraulisch – mit einer Fußpumpe. Durch ihre leichtere und kompaktere Bauweise eigneten sie sich für die meist an Originalschauplätzen gedrehten Filme besser als die großen und schweren amerikanischen.

Heute ist die Kamerafahrt ein zentraler Bestandteil fast jeder Film- oder Fernsehproduktion, oft auch vom Publikum nicht bewusst wahrgenommen, da sie Einstellungen nur „natürlicher“ erscheinen lassen. Eine aktuelle Entwicklung ist die Motion Control, das heißt, Kamera- und Dollybewegungen werden komplett programmiert und sind exakt gleich wiederholbar, was Effekte wie Morphing in der Kamerabewegung möglich macht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dolly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oscar für Roboter Panther, Der Spiegel, Ausgabe 15/1990