Natriumnitrit

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Strukturformel
NatriumionNitrition
Allgemeines
Name Natriumnitrit
Andere Namen
  • salpetrigsaures Natrium
  • E 250
Summenformel NaNO2
CAS-Nummer 7632-00-0
PubChem 23668193
ATC-Code

V03AB08

Kurzbeschreibung

weißer Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 68,99 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,17 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

271 °C[1]

Siedepunkt

ab 320 °C (Zersetzung)[1]

Löslichkeit

gut in Wasser (820 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
03 – Brandfördernd 06 – Giftig oder sehr giftig 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 272​‐​301​‐​400
P: 273​‐​309+310 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
Brandfördernd Giftig Umweltgefährlich
Brand-
fördernd
Giftig Umwelt-
gefährlich
(O) (T) (N)
R- und S-Sätze R: 8​‐​25​‐​50
S: (1/2)​‐​45​‐​61
Toxikologische Daten

85 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Natriumnitrit, NaNO2, ist das Natriumsalz der Salpetrigen Säure HNO2.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Natriumnitrit bildet farblose bis leicht gelbliche Kristalle, die sich in Wasser unter starker Abkühlung lösen, die Lösung reagiert alkalisch. Die Kristalle haben einen Schmelzpunkt von 271 °C und zersetzen sich ab 320 °C. Natriumnitrit ist brandfördernd (vor allem bei höheren Temperaturen) und reagiert heftig mit Aluminium (vor allem Pulver), trockenen Ammoniumverbindungen (wie beispielsweise Ammoniumsulfat), Cyaniden und vielen organischen Verbindungen. Es ist ein Reduktionsmittel und wird an der Luft langsam zu Natriumnitrat NaNO3 oxidiert.

Natriumnitrit ist giftig (tödliche Dosis etwa 4 g); im Allgemeinen können Nitrite mit bestimmten Aminen bei geeigneten Bedingungen zu krebserregenden Nitrosaminen reagieren. Nitrit kann mit Eisen(II)-sulfat durch Braunfärbung nachgewiesen werden.

Vorkommen und Herstellung[Bearbeiten]

In der Natur kommen Nitrite als Zwischenstufen im Stickstoffkreislauf vor – sowohl bei der Nitrifikation (Stickstoffbindung) als auch bei der Denitrifikation (Stickstoff-Freisetzung).

Technisch gewinnt man Natriumnitrit durch Einwirkung von Stickoxiden auf Natriumhydroxidlösung. Im Labor kann Natriumnitrit durch die Reduktion von Natriumnitrat mittels Blei oder anderen Reduktionsmitteln gewonnen werden. Aufgrund des niedrigen Preises von Natriumnitrit wird diese Herstellungsmöglichkeit jedoch nur selten angewendet.

Verwendung[Bearbeiten]

Unter bestimmten Auflagen ist Natriumnitrit als Lebensmittelzusatzstoff E 250 in der Funktion eines Konservierungsmittels zugelassen.[5] Im Gemisch mit Natriumchlorid verleiht es als Nitritpökelsalz (Natriumchlorid mit 0,4 bis 0,5 % Natriumnitrit) dem Fleisch durch Bildung von Nitrosomyoglobin eine bleibende rote Farbe und verhindert das Wachstum von Bakterien (Pökeln).

In der chemischen und pharmazeutischen Industrie dient es zur Synthese von Diazoniumverbindungen für Azofarbstoffe sowie Nitroso- und Isonitrosoverbindungen und als Zusatzstoff in Galvanikbädern und Rostschutzmitteln.

Zulässigkeit[Bearbeiten]

Seit den 1980er-Jahren darf der Natriumnitritgehalt von Pökelsalz 0,5 % nicht überschreiten und nur gemischt mit Kochsalz in den Handel gelangen.[6]

Gesundheitliche Auswirkungen[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren wurden die ersten Vergiftungen durch Pökelsalze mit Natriumnitritgehalten über 5 % berichtet.[6] Eine Dosierung oberhalb von etwa 0,5 g führt zu Vergiftungen.[7] In den 1970er-Jahren wurde entdeckt, dass die Nitrosamine, die aus Natriumnitrit entstehen, krebserregend sind.[6] Auch die zulässigen Beimischungen gelten als geringfügig krebserregend. Nitrosamine entstehen beispielsweise beim Grillen oder Braten von gepökeltem Fleisch; Gepökeltes Fleisch sollte daher möglichst nicht gegrillt oder gebraten werden.[7]

Nitrite haben eine blutdrucksenkende und gefäßerweiternde Wirkung.[7] Säuglinge unter sechs Monaten sind wegen fehlenden Enzymen besonders empfindlich für die Auswirkungen von Nitriten auf das Hämoglobin im Blut; Nitrite aus nitratreichem Wasser oder Gemüse können daher bei Säuglingen zu innerem Ersticken führen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Eintrag zu CAS-Nr. 7632-00-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 02.01.2008 (JavaScript erforderlich)
  2. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 7632-00-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Datenblatt Natriumnitrit bei Merck, abgerufen am 18. Januar 2011.
  5. ZZulV Anlage 5 (zu § 5 Abs. 1 und § 7) Zusatzstoffe, die für Lebensmittel zur Konservierung oder als Antioxidationsmittel zugelassen sind
  6. a b c Universität Bayreuth Wurst und Chemie:Pökeln
  7. a b c d Natriumnitrit (zusatzstoffe-online.de)