Earls Court

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert den Londoner Stadtteil; zu anderen Bedeutungen von Earl's Court siehe Earl's Court.
Earls Court (Greater London)
Earls Court
Earls Court
Lage von Earls Court in Greater London

Earls Court ist ein Stadtteil im Londoner Bourough Kensington and Chelsea mit knapp 10.000 Einwohnern. Der Stadtteil liegt im Westen Londons rund um die Earl's Court Road. Ursprünglich außerhalb Londons gelegen, liegt Earls Court heute am Rande der Londoner Innenstadt: die U-Bahn-Station Earl's Court liegt an der Grenze der Tarifzonen 1 und 2, die westliche Grenze des von der London Congestion Charge betroffenen Innenstadtbereichs verläuft durch Earls Court.

Administrativ wird Earls Court durch den Wahlbezirk Earls Court abgebildet. Dieser ist klarer definiert als der Stadtteil, jedoch auch zeitlich größeren Veränderungen unterworfen als jener.

Name[Bearbeiten]

Schilder mit und ohne Apostroph im Stadtteil

Während der Stadtteil generell - und außer beim Ordnance Survey - ohne Apostroph als Earls Court geschrieben wird, beinhalten zahlreiche abgeleitete Schreibungen wie die der U-Bahn-Station Earl's Court oder die Earl's Court Road meistens ein Apostroph. Das Earls Court Exhibition Centre wiederum schreibt sich ohne Apostroph. Die ursprüngliche Schreibweise lautete Earl's Court.

Lage[Bearbeiten]

Das historische Earls Court Village liegt an der nordöstlichen Seite der Earls Court Road.[1] Der Wahlkreis Earls Court erstreckt sich von ihm nach Südwesten, über die Earls Court Road und die Warwick Road bis an den Borough of Hammersmith and Fulham, an dessen Grenze Gleise verlaufen.[2][3] Im Nordwesten grenzt Abingdon, im Nordosten Courtfield und im Südosten Redcliffe an Earls Court.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorschau auf Warwick Road und Philbeach Gardens, ca. 1875

Ursprünglich war Earls Court ein Manor Court, der um das Jahr 1700 dem Earl of Warwick and Holland gehörte.[4] Der Adlige hatte ihn durch Heirat bekommen und verpachtete ihn an einen bürgerlichen Landwirt. Das Manor House mit den üblichen Nebengebäuden stand an der südwestlichen Seite der Earls Court Road. Vor dem Jahr 1700 gab es kaum andere Gebäude in der Gegend.[1] Um das Jahr 1800 war das Grundstück noch über 190 acre groß, rund 130 acre verblieben im Jahr 1835.[4]

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren östlich der Earls Court Road gen Süden einige wenige Gebäude hinzugekommen, hinter denen sich große Gärten erstreckten.[5] Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam nördlich der Gärten eine Gruppe weiterer Gebäude hinzu.[6] Um das Jahr 1880 war das gesamte Village und eine vielfach größere Fläche auf der anderen Seite der Earls Court Road bebaut.[7]

Im Jahr 1871 wurde der ursprüngliche Bahnhof von Earls Court an der östlichen Seite der Earls Court Road eröffnet, der schon im Jahr 1875 niederbrannte.[1] Im Jahr 1875 wurde auch das Manor House samt der zugehörigen Nebengebäude abgerissen.[4] Seit dem Jahr 1878 ist der Bahnhof Earls Court an anderer Stelle.[1] Die Sackgasse neben dem Bahnhof heißt Old Manor Yard.

In den 1930er Jahren begannen die wohlhabenden Londoner weiter in die Vororte zu ziehen. Die großzügigen Wohnungen wurden aufgeteilt, die Bevölkerung ärmer und zahlreicher.

Earls Court Exhibition Centre

Seit den 1950ern begannen Jugendliche, Künstler, und Schwule das Stadtviertel zu entdecken. In den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit war Earls Court ein bekannter Treffpunkt der Londoner Schwulenszene.[8] Dort etablierten sich zeitweise zahlreiche Clubs und Veranstaltungsorte. The Troubadour war einer der einflussreichsten Clubs des Neofolk-Revibals, und existiert bis heute.

In dem Stadtteil lebten zahlreiche Künstler und Prominente. Angefangen von Alfred Hitchcock über Freddie Mercury bis hin zu Diana Spencer. Spencer bekam im Juli 1979 zu ihrem 18. Geburtstag eine Wohnung in der Brompton Road von ihren Eltern geschenkt, in der sie bis zur offiziellen Verlobung mit Prinz Charles 1981 wohnte.[9]

Überregional bekannt ist der Stadtteil unter anderem durch das gleichnamige Earls Court Exhibition Centre, das zwei der größten Veranstaltungshallen Londons umfasst, und in seiner 80-jährigen Geschichte zahlreiche Ausstellungen internationaler Bedeutung beherbergte.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Earls Court 9659 Einwohner.[10]

Zwischen 1981 und 1991 veränderte kein anderer Stadtteil in Kensington und Chelsea so stark seine Zusammensetzung. Während Eigentumswohnungen und billige Mietwohnungen in diesem Jahrzehnt stark zurückgingen, hat sich der Anteil an zeitlich begrenzten Wohnraum - Hotels, Hostels, Bed and Breakfasts, stark vergrößert, so dass heute ein Großteil der Wohnenden im Stadtteil entweder Touristen sind, oder Obdachlose, die von der Stadt in einer preiswerten Herberge untergebracht sind. In Kensington und Earls Court finden sich heute die meisten Einwohner des Boroughs, die außerhalb des Vereinigten Königreichs geboren sind.[11]

Zeitweise war insbesondere der Zuzug von Australiern nach Earls Court besonders auffallend, so dass der Stadtteil den Namen Kangaroo Valley (Kängurutal) erhielt.[12]

Ende der 1970er war die Gegend um die U-Bahn-Station Earl's Court der dichtest besiedelte Quadratkilometer des Vereinigten Königreichs.[13] Dies hat sich durch den Bevölkerungswandel im Stadtteil geändert, da die mittlerweile zahlreichen Touristen nicht zur Wohnbevölkerung zählen. Zu dieser Zeit waren die Einwohner vor allem männlich, und mobil, das heißt sie zogen im Vergleich zu anderen Londonern sehr oft um.[14]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Veranstaltungshalle und Tourismus beeinflussen maßgeblich die Wirtschaft des Stadtteils. In Earls Court befinden sich zahlreiche Restaurants und Geschäfte, die auf die Besucher des Exhibition Centres zielen.[11] Die zahlreichen Bed and Breakfasts, Hostels und Hotel, so dass der Rough Guide bereits von einem "Backpacker-Ghetto" spricht.[15] Der geplante Abriss des Earls Court Exhibition Centers nach den Olympischen Spielen 2012 bedeutet eine große Unsicherheit für die lokale Wirtschaft.

Verkehr[Bearbeiten]

U-Bahn-Station Earl’s Court

Earls Court ist durch zwei U-Bahn-Stationen an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden. Earl’s Court liegt in der Mitte des Stadtteils, während die Station West Brompton am südwestlichen Rand des Stadtteils liegt.[16] 62 % der Haushalte gaben bei der Volkszählung 2001 an, über kein Auto zu verfügen. Damit liegt der Stadtteil weit über dem Schnitt von Borough und London.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Earls Court – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Kensington Square to Earl's Court (= Survey of London. Volume 42). 1986, Earl's Court Village and Earl's Court Gardens Area, S. 215–224 (Online, University of London, abgerufen am 5. Oktober 2014).
  2. Councillors. Borough of Kensington and Chelsea. Abgerufen am 3. Oktober 2014.
  3. Earl's Court Ward (PDF; 1,36 MB) Royal Borough of Kensington and Chelsea. 22. Mai 2014. Abgerufen am 4. Oktober 2014.
  4. a b c  Kensington Square to Earl's Court (= Survey of London. Volume 42). 1986, The Edwardes Estate: Introduction, S. 239-248 (Online, University of London, abgerufen am 5. Oktober 2014).
  5. The Kensington section from the Environs of London by John Rocque, 1741-1745. Borough of Kensington and Chelsea. Abgerufen am 5. Oktober 2014.
  6. Map of the Parish of Kensington, 1848. Borough of Kensington and Chelsea. Abgerufen am 5. Oktober 2014.
  7. Map of the parish of Kensington, 1879. Borough of Kensington and Chelsea. Abgerufen am 5. Oktober 2014.
  8. Matt Houlbrook: Queer London: perils and pleasures in the sexual metropolis, 1918-1957. University of Chicago Press, 2006, ISBN 0-226-35462-8, S. 117.
  9. No takers for Diana's flat. In: BBC News. 19. August 1998.
  10. a b Census 2001: Key Statistics Earls Court
  11. a b Kensington and Earls Court in: The Kensington and Chelsea Partnership: Towards a Neighbourhood Renewal Strategy. Area Profiles. Juli 2002, S. 48–65.
  12. Stephen Alomes: When London calls: the expatriation of Australian creative artists to Britain. Cambridge University Press, 1999, ISBN 0-521-62978-0, S. 16.
  13. B- Jarman: Medical Problems in Inner London (PDF; 841 kB)
  14. Dr. Bolden: Inner Cities (PDF; 2,8 MB).
  15. Rob Humphreys, Judith Bamber: The Rough Guide to London. Rough Guides, 2003, ISBN 1-84353-093-7, S. 452.
  16. The Royal Bourough of Kensington and Chelsea: Ward Boundaries.

51.4903-0.19275Koordinaten: 51° 29′ 25″ N, 0° 11′ 34″ W