Eidophor

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Eidophor
Eidophor Vorderansicht
Eidophor Rückansicht
Eidophor im NASA-Raumfahrtzentrum

Das Eidophor-System (Schweizer Patent) war das erste Verfahren zur großflächigen Projektion von Fernsehbildern. Es wurde 1939 von dem Schweizer Ingenieur Fritz Fischer an der ETHZ erfunden. Die Weiterentwicklung erfolgte zuerst bei der Dr. Edgar Gretener AG, welche später zur GRETAG AG umfirmiert wurde[1]. Eidophor wurde im professionellen Bereich noch bis in die späten 1980er Jahre angewandt. Der Name ist aus dem Griechischen entlehnt und kann etwa mit „Bildträger“ übersetzt werden.

Als Ablöseprodukte erschienen ab den 1990er-Jahren billigere LCD (Flüssigkristallanzeige)- und DLP (Digital Light Processing)- Videoprojektoren auf dem Markt, wobei in der Schweiz Vorarbeiten zur entsprechenden LCD-Technik geleistet wurden (vermutlich weltweit erste Projektorvorführung mit LCD-Matrixanzeige bescheidener Auflösung als Lichtmodulator durch Peter J. Wild, Brown, Boveri & Cie 1972)[2].

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Strahlengang[Bearbeiten]

Beim Eidophor-System wird das Licht einer Hochleistungs-Xenon-Gasentladungslampe über jalousienförmige Barrenspiegel in einen Hohlspiegel geleitet. Gegenüber dem Hohlspiegel befindet sich eine Sammellinse bzw. das Objektiv, welches alle durch die Schlitze des Barrenspiegels gelangenden Lichtstrahlen auf den Bildschirm projiziert. Da der Barrenspiegel symmetrisch ist und sich genau im Mittelpunkt des Hohlspiegels befindet, wird das gesamte Licht zurück in die Quelle reflektiert und der Bildschirm bleibt zunächst dunkel.

Bilderzeugung[Bearbeiten]

Um ein Bild entstehen zu lassen, muss das Licht im Strahlenverlauf abgelenkt werden, sodass es die Spiegelbarren passieren kann. Der Hohlspiegel ist hierzu Bestandteil bzw. Anode einer Kathodenstrahlröhre. Auf dem Hohlspiegel ist eine dünne Ölschicht (ca. 14 μm Dicke) aufgebracht, welche vom Elektronenstrahl gescannt und in Abhängigheit des Videosignals unterschiedlich stark mit Elektronen beschossen wird. Die Ölschicht deformiert sich dadurch lokal, was eine geringe Ablenkung des Lichts verursacht. Die reflektierten Lichtstrahlen treffen dann nicht mehr genau auf den Barrenspiegel, sondern gelangen daran vorbei und werden vom Objektiv (Sammellinse) als Punkt auf den Bildschirm projiziert.

Die Ablenkung am deformierten Ölfilm wird dabei durch die optische Beugung an einem Phasengitter bzw. durch Brechung ähnlich wie bei der Schlierenoptik verursacht.

Farbprojektionen können durch den Einsatz von drei parallelen Eidophor-Systemen mit entsprechenden Farbfiltern erreicht werden.

Ausgereifte Eidophor-Systeme zeichneten sich durch eine für damalige Verhältnisse ausgezeichnete Bildqualität aus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Thiemann: Fernsehbilder im Kino - Mit dem Eidophor beeindruckt die GRETAG Hollywoodgrössen. In: Franz Betschon et al. (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz – Technikgeschichte aus erster Hand, S. 439-445, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4
  2. [1]| Peter J. Wild: Schweizer Beiträge zur LCD-Entwicklung (engl.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Johannes: The History of the Eidophor Large Screen Television Projector. Gretag Aktiengesellschaft (Hrsg.). Regensdorf 1989.
  • Caroline Meyer: Der Eidophor: Ein Grossbildprojektionssystem zwischen Kino und Fernsehen 1939-1999. (Interferenzen - Studien zur Kulturgeschichte der Technik, 15). Chronos-Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-0340-0988-1.

Weblinks[Bearbeiten]