Eisriegel

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Schemazeichnung aus dem Patent von Christian Kent Nelson (1922).

Ein Eisriegel, auch Riegeleis oder Speiseeisriegel, ist eine Süßspeise auf Speiseeisbasis, bei der das Eis von einem Schokoladenüberzug umgeben ist.

Erfindung[Bearbeiten]

Die Erfindung des Eisriegels beansprucht der in die Vereinigten Staaten immigrierte dänischstämmige Lehrer und Süßwarenladeninhaber Christian Kent Nelson (1893–1992). Er gab an, die Idee für sein Produkt Eskimo Pie im Jahr 1920 gehabt zu haben, als ein Junge in seinem Laden sich nicht entscheiden konnte, ob er Eiscrème oder einen Schokoladenriegel kaufen solle.[1] Im Dezember 1921 reichte Nelson beim Patenamt der Vereinigten Staaten einen Patentantrag für seinen Eisriegel ein, dem am 24. Januar 1922 stattgegeben wurde.[2] Später entschieden Gerichte allerdings, dass das Eintauchen von Eiscreme in Schokolade schon lange geübte Praxis war, und verwarfen alle Patentansprüche Nelsons.[3]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Nelson nannte seinen Riegel zuerst lautmalerisch I-Scream Bar. Dazu schuf er den noch heute in den USA bekannten Werbespruch I scream! You scream! Everybody screams for Ice cream![3] Erst als er eine Geschäftspartnerschaft mit dem amerikanischen Eiscremefabrikanten Russel Stover eingegangen war, nannten sie das Produkt in Eskimo Pie um. Der Eisriegel war ausschlaggebend für die Erfindung des Stieleises, das Anfang 1928 zuerst als Eisriegel mit Stiel auf den Markt kam.[4]

Obwohl das Konzept ein großer Erfolg war, und Stover/Nelson bereits im Frühjahr 1922 eine Million Eisriegel täglich verkauften, konnten sie keinen geschäftlichen Erfolg erringen. Zahlreiche Nachahmer erschienen, die beiden verstrickten sich in langwierige Patentprozesse. 1923 war ihr Unternehmen kurz vor der Insolvenz, sie verkauften es an die United States Foil Company, die ursprünglich die Verpackungen des Eskimo Pies herstellte. Diese wiederum konnte das Produkt am Markt halten, 1927 war der Eskimo Pie das erste Speiseeis, das im Automaten erhältlich war, ab 1930 war der Eskimo Pie eine der ersten Eiscremes, die es im normalen Lebensmitteleinzelhandel gab. Da es dort zu dieser Zeit noch keine Tiefkühltruhen gab, stellte die Firma extra Container her, die mit gekühlten Kohlendioxid gefüllt waren, und in denen das Eis im Lebensmittelladen gelagert wurde.[3]

Ein anderer erfolgreiche Mitbewerber jener Zeit waren der 1922 eingeführte[5] Klondike Bar der Familie Isaly aus Ohio[3] oder der Good Humor Eisriegel, der den Stiel einführte.[6]

In Österreich erzeugte die Milchindustrie AG (heute Teil von Unilever) ab 1927 Eisriegel und andere Eissorten unter dem Markennamen Eskimo.[7]

In der Sowjetunion[Bearbeiten]

In der Sowjetunion erlebte der Eisriegel, Eskimo genannt, eine Blüte in den 1960ern. Der Eskimo-Generator (benannt nach dem Eskimo Pie), war 1959 die erste Maschine innerhalb der Sowjetunion, mit der sich Eiscreme im industriellen Maßstab vollautomatisch herstellen ließ. Auch wenn die Kunden andere Formen der Eiscreme bevorzugten, ließen sich diese nur halbautomatisch produzieren, und machten den Einsatz zahlreicher Arbeitskräfte erforderlich, weswegen die sowjetischen Planer den Eisriegel bevorzugten.[8]

Heutige Zeit[Bearbeiten]

Während das Verbreitungsgebiet des Klondika Bars von 1922 bis 1982 auf Ohio, Pennsylvania und West Viginia begrenzt war, begann in diesem Jahr eine Investorengruppe eine US-weite Werbekampagne für das Produkt, und erreichte kurz darauf die Marktführerschaft im amerikanischen Eisriegelmarkt. 1993 kaufte Unilever das Unternehmen auf.[9]

Das amerikanische Unternehmen Häagen-Dazs führte Eisriegel 1986 in das Sortiment ein.[10] Der Dove Bar stammt aus den 1960ern, und wurde ein weltweites Produkt, nachdem Mars das Produkt 1985 kaufte, ein Jahr nachdem es bereits den Snickers-Eisriegel einführte.[6] Mars Inc. führte 1989 auch einen Mars-Eisriegel ein, um die schwachen Sommerverkäufe seiner Schokolade anzukurbeln, worauf Nestlé (Milky Way, Kitkat) und Unilever (Cadbury) mit jeweils eigenen globalen Angeboten reagierten.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maurita Baldock: The Eskimo Pie Corporation Records, 1921–1996. Archives Center des National Museum of American History. Abgerufen am 2. Juli 2010.
  2. Specification of Letters Patent #1404539. United States Patent Office. Hier über Google patents, abgerufen am 2. Juli 2010.
  3. a b c d Eskimo Pie In: Andrew F. Smith: Encyclopedia of junk food and fast food. Greenwood Publishing Group, 2006, ISBN 0-313-33527-3, S. 91.
  4. Robert T. Marshal u.a.: Ice cream. Springer, 2003, ISBN 0-306-47700-9, S. 5.
  5. Brian A. Butko: Klondikes, chipped ham & skyscraper cones: the story of Isaly's. Stackpole Books, 2001, ISBN 0-8117-2844-7, S. 9.
  6. a b Ice cream. In: Andrew F. Smith: Encyclopedia of junk food and fast food Greenwood Publishing Group, 2006, ISBN 0-313-33527-3, S. 140.
  7. Franz Mathis: Big Business in Österreich. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1987, ISBN 3-486-53771-7.
  8. Warren James Belasco, Roger Horowitz: Food chains: from farmyard to shopping cart. University of Pennsylvania Press, 2009, ISBN 978-0-8122-4128-0, S. 151.
  9. Klondike Bar. In: Andrew F. Smith: Encyclopedia of junk food and fast food. Greenwood Publishing Group, 2006, ISBN 0-313-33527-3, S. 151.
  10. Andrew F. Smith Häagen-Dazs in: ders. Encyclopedia of junk food and fast food. Greenwood Publishing Group, 2006, ISBN 0-313-33527-3 S. 123.
  11. David Needham, Robert Dransfield: Business studies. Nelson Thornes, 1994, ISBN 0-7487-1876-1, S. 228.