Englische Powhatankriege

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Die Englischen Powhatankriege waren zwei Kriege zwischen englischen Siedlern in Jamestown und dem Indianerstamm der Powhatan in der Kolonie Virginia in Nordamerika.

Der Erste Englische Powhatankrieg[Bearbeiten]

1608 hatte der Wahunsonacock, der Häuptling der Powhatan, bereits beschlossen, die Engländer von seinem Land zu vertreiben, indem er ihnen die Nahrungszufuhr unterbrach. Im selben Jahr waren weitere Siedler angekommen, und Wahunsonacock war von anderen gewarnt worden, die Engländer kämen nicht des Handels wegen, sondern um sein Land zu besitzen.[1] Die Engländer waren auch zu dem Schluss gekommen, sie müssten Gewalt anwenden, da die Indianer die englische Herrschaft nicht freiwillig akzeptieren würden. Und so übertrug die Virginia Company ihrem Gouverneur beinahe absolute Machtfülle und begann mit der Anwerbung von Veteranen der Feldzüge in den Niederlanden und Irland. Nach der Ankunft von sechs Schiffen mit weiteren 250 Siedlern brachen die Feindseligkeiten aus. Die Engländer raubten Korn, brannten Häusern nieder und griffen die Indianer an. Diese gingen zum Gegenangriff über, fügten den Kolonisten schwere Verluste zu und zwangen sie, sich in Jamestown zu verschanzen. Die Indianer gingen nun zur Belagerung über. Während der Belagerung vom November bis Mai starb die Hälfte der Garnison an Unterernährung und Krankheiten oder kam bei Fluchtversuchen um. Die Bewohner Jamestowns waren gezwungen, Pferde, Hunde und Ratten zu essen. Es kam sogar zu Fällen von Kannibalismus, gegen den mit schweren Strafen vorgegangen wurde. Im Mai 1610 waren nur noch 60 Siedler am Leben.[2] Am 7. Juni 1610 verließen die Überlebenden Jamestown und segelten flussabwärts. Am folgenden Tag kam die Wende: Der neu ernannte Gouverneur Lord de la Warr erreichte mit drei Schiffen und 150 Mann (davon ungefähr 100 Soldaten) die Kolonie. Er änderte die Taktik der Siedler zu einer der Verbrannten Erde – von nun an überfielen sie die Felder und Dörfer der Powhatan und brannten sie nieder.[3] Zwischen April und August 1611 kamen weitere 600 Kolonisten mit Nahrung, Waffen und Munition an.

1614 stellten beide Seiten die Feindseligkeiten ein, ohne formell Frieden zu schließen. Den Engländern war es gelungen, sich in Virginia zu halten, und sie hatten Bündnisse mit Stämmen am Ostufer geschlossen. Die Chickahominies hatten sogar Jakob I. als ihren König anerkannt. Die Heirat der Tochter Wahunsonacocks, Pocahontas, mit dem Engländer John Rolfe im April des Jahres war ein Symbol für den neuen Frieden zwischen den beiden Völkern.

Am 22. März 1622 kam es zu einem Angriff Opechancanoughs (ein Sohn Wahunsonacocks), auf die Engländer, dem so genannten Jamestown-Massaker, bei dem 347 Siedler (ungefähr ein Viertel der Einwohnerschaft) getötet wurden. Dieser Angriff wurde später als moralische Legitimation für die Auslöschung der Indianer in Neuengland vorgeschoben.[4]

Der Zweite Englische Powhatankrieg[Bearbeiten]

Der Zweite Englische Powhatankrieg begann 1644 als letzter Versuch der Indianer, die englischen Siedler aus ihrer Kolonie Jamestown zu vertreiben. Die Siedler wollten die Indianer endgültig schlagen, nachdem sie sie bereits im Ersten Englischen Powhatankrieg dezimiert hatten. Der Krieg endete wiederum mit einer Niederlage der Indianer. Das Ergebnis war eine annähernde Ausrottung aller Indianer in der Tidewater Region Virginias. Der Friedensvertrag von 1646 machte allen Hoffnungen ein Ende, dass Siedler und Indianer friedlich zusammenleben könnten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horn: Conquest, S. 43
  2. Horn: Conquest, S. 45
  3. Horn: Conquest, S. 45
  4. Horn: Conquest, S. 46

Literatur[Bearbeiten]

  • James Horn: The Conquest of Eden. Possession and Dominion in Early Virginia. In: Robert Appelbaum, John Wood Sweet (Hrsg.): Envisioning an English Empire. Jamestown and the Making of the North Atlantic World. University of Pennsylvania Press, Philadelphia PA 2005, ISBN 0-8122-1903-1, S. 25–48 (Early American Studies).
  • Stephan Maninger: Die verlorene Wildnis. Die Eroberung des amerikanischen Nordostens im 17. Jahrhundert. Verlag für Amerikanistik, Wyk auf Foehr 2009, ISBN 978-3-89510-121-2, S. 36–69.