Pocahontas

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pocahontas (Begriffsklärung) aufgeführt.
Pocahontas auf einem Kupferstich aus dem Jahre 1616

Prinzessin Pocahontas [ˈpɒkəˌhɒntəs], auch Matoaka („die Verspielte“, „die, die alles durcheinander bringt“; * um 1595 in Virginia; † 21. März 1617 in Gravesend, südöstlich von London) war Vermittlerin zwischen den Stämmen der Virginia-Algonkin und den englischen Kolonisten.

Leben[Bearbeiten]

Rettung des John Smith durch Pocahontas, Alonzo Chappel, circa 1865, wird zur Zeit im Art Museum of Western Virginia ausgestellt
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Pocahontas wurde als Tochter des Indianerhäuptlings Wahunsonacock, besser bekannt als Powhatan, dem Powhatan-Sachem, und einer seiner Frauen geboren und Amonute und auch Matoaka genannt. Pocahontas war ihr Kosename.[1] Sie wird als eine der Lieblingstöchter ihres Vaters beschrieben.[2]

Powhatan heiratete entsprechend der Tradition zahlreiche Frauen, wovon jede ihm nur ein Kind gebar und dann weggeschickt und von ihm materiell unterstützt wurde, bis sie einen Ehemann fand.[3]

Nach dem Bericht des Kapitäns John Smith soll Pocahontas diesen durch persönliches Eingreifen vor dem Tod gerettet haben, indem sie sich schützend vor ihn warf, als Pocahontas' Vater ihn töten wollte. In einem Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios und in dem US-Spielfilm The New World wird ihr eine Liebesgeschichte mit Smith angedichtet. Tatsächlich aber hat es diese Romanze nie gegeben.

Pocahontas hatte als eine der Lieblingstöchter des Häuptlings einen Einfluss auf diesen. Während er und die soziale Gruppe der Krieger die Anwesenheit der Weißen zunächst nicht dulden wollten, war Pocahontas der Meinung, dass eine friedliche Ko-Existenz und ein Austausch der Kulturen möglich sein müsse. Außerdem half sie den Europäern in Amerika ihre Ernährungssituation zu bessern, indem sie ihnen beibrachte, welche Pflanzen essbar waren. Auch brachte sie John Smith die Sprache ihres Stammes bei.[1]

1613 lockten die Engländer sie bei Stafford[4] auf ein Schiff. Dort wurde sie zunächst als Geisel gefangen gehalten. Während der Zeit ihrer Gefangenschaft wurde sie von Alexander Whitaker christlich unterwiesen, sie konvertierte zum Christentum und wurde Rebecca getauft. Unter Historikern herrscht Unklarheit darüber, ob die Taufe freiwillig oder erzwungermaßen erfolgte. Der Name Rebecca weist auf die biblische Rebecca, „Mutter zweier Nationen“ durch ihre Söhne Jacob und Esau, hin. So wurde auch Pocahontas teilweise von Zeitgenossen gesehen. 1614 heiratete sie den Virginia-Pflanzer John Rolfe. 1615 wurde ihr Sohn, Thomas Rolfe, geboren. Als Botschafterin ihres Vaters kam sie an den englischen Königshof. Dort wurde Pocahontas 1616 als einzige vom britischen Königshaus anerkannte „Indianerprinzessin“ und Botschafterin ihres „königlichen“ Vaters Powhatan bei Hofe empfangen. Aufgrund ihrer Anmut und ihres aufgeweckten Geistes war sie unter den Adeligen sehr beliebt, dennoch missbilligte der Hof Rolfes Heirat mit Pocahontas, da dieser im Gegensatz zu ihr nicht von königlichem Geblüt war. Pocahontas, jetzt Rebecca Rolfe genannt, verstarb kurz nach dem Antritt der Rückreise nach Virginia, in Gravesend (im Nordwesten der Grafschaft Kent). Als Ursache für ihren frühen Tod werden je nach Quelle Lungenentzündung, Tuberkulose, Typhus oder die Pocken genannt. Aus ihrer Zeit am Hof ist ein Kupferstich erhalten, der sie in der damaligen Hoftracht zeigt.

Der Kuppelraum des Kapitols in Washington ist mit einem Wandgemälde der Taufe der amerikanischen Ureinwohnerin geschmückt.

Familie[Bearbeiten]

Durch ihren Sohn Thomas Rolfe hatte Pocahontas zahlreiche Nachfahren, welche größtenteils Mitglieder der weißen Oberschicht waren. Viele der „ersten Familien Virginias“ (FFV), wie sich die reichen und prominenten Familien dort nennen, führen sich noch heute auf Pocahontas und Rolfe zurück.

Zu den Personen, welche von ihr abstammen, gehören Edith Bolling Galt Wilson, Frau von Woodrow Wilson, Anwalt und Brigardegeneral George Wythe Randolph, Admiral Richard Byrd, Virginias Gouverneur Harry F. Byrd, Mode-Designerin Pauline de Rothschild; die frühere First Lady Nancy Reagan, Schauspieler Glenn Strange und Mathematiker Percival Lowell.

Sie ist durch die Heirat ihrer Ur-Ur-Enkelin Jane Bolling mit Richard Randolph mit der Randolph-Familie, einer einflussreichen Oberschichtsfamilie in den USA, verschwägert.[5]

George W. Bush ist ein Verwandter der Pocahontas.[6]

Rezeption[Bearbeiten]

Darstellung der Pocahontas aus dem 19. Jh.

Ortsnamen[Bearbeiten]

Zahlreiche Orte in den USA sind nach Pocahontas benannt. Dazu zählen unter anderem:

Außerdem:

Weitere Benennungen[Bearbeiten]

Pocahontas war außerdem Namenspatin für eines der ergiebigsten Steinkohlevorkommen in West Virginia. Von 1930 bis 1960 wurde einer der Luxus-Züge von Norfolk and Western Railway's Pocahontas genannt. Vier Schiffe der United States Navy wurden USS Pocahontas genannt und eines USS Princess Matoika. Diese posthume Namensgebung war umstritten, da Pocahontas zeitlebens Pazifistin gewesen ist.

Literatur[Bearbeiten]

Arno Schmidt bezieht sich in seiner frühen Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas (1955) in Titel und handelnder Person auf die berühmte Indianerprinzessin sowie wahrscheinlich auch auf die Biographie von John Esten Cooke My Lady Pocahontas.

Sozialwissenschaften[Bearbeiten]

Der Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit macht Pocahontas zur Namensgeberin seiner These, dass Eroberer ihre Landnahme und Kolonisation vielfach durch Erzählungen von Königstöchtern rechtfertigten. Nach dieser Behauptung würde die Frau den Fremden bewundern, ihre Kultur und die traditionellen Besitzansprüche verraten und mit ihrem Körper das Land übergeben.[7] Als Beispiele dienen ihm außer Pocahontas Medea, Dido, Kleopatra und Malinche.

Musik[Bearbeiten]

Ein besonders populäres musikalisches Denkmal wurde Pocahontas und Captain Smith in einer Textzeile des Songs Fever von Otis Blackwell (Pseudonym: John Davenport) und Eddie Cooley zuteil. Der Titel wurde durch Interpreten wie Peggy Lee (1958) und Elvis Presley (1960) berühmt gemacht und wird bis heute immer wieder von namhaften Künstlern gecovert.

1979 veröffentlichte Neil Young auf dem Album Rust Never Sleeps seinen Song Pocahontas , der u.a. von Johnny Cash gecovert wurde.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tobias Döring, Pocahontas/Rebecca, in: Figuren der/des Dritten. Erkundungen kultureller Zwischenräume (Internationale Forschungen zur allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft Bd. 30). Amsterdam 1998. S. 179-209.
  • Paula G. Allen: Pocahontas. Medicine woman, spy, entrepreneur, diplomat. Harper, San Francisco 2003, ISBN 0-06-053687-X
  • Philip L. Barbour: Pocahontas and her world. A chronicle of America's first settlement in which is related the story of the indians and the englishmen. Hale, London 1970 u. ö.
  • Stuart E. Brown: Pocahontas' descentants. Genealogical Publications, Baltimore 2003
  • Linwood Custalow, Angela L. Daniel: The true story of Pocahontas. The other side of history. Fulcrum, Golden (Colorado), USA 2007, ISBN 978-1-55591-632-9
  • Klaus Theweleit: Pocahontas 1. Pocahontas in Wonderland. Shakespeare on Tour. Stroemfeld, Frankfurt 1999, ISBN 3-87877-751-5
    • dsb., Pocahontas 2. Buch der Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen. Mythenbildung, vorhomerisch, amerikanisch. Stroemfeld, Frankfurt 2013 ISBN 3878777523[11]
  • Helen C. Rountree: Pocahontas, Powhatan, Opechancanough. Three Indian Lives Changed by Jamestown. University of Virginia Press, Charlottesville 2005
  • Barbara Bartos-Höppner: Pocahontas Häuptlingstochter. Esslinger Verlag, Esslingen 1996, Illustr.: Gerlinde Mader. ISBN 3-215-13086-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pocahontas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Historic Jamestown – Pocahontas: Her Life and Legend. Eine Broschüre des National Park Service der USA
  2. Hamor, Ralph. A True Discourse of the Present Estate of Virginia. 1615. Repr. in Jamestown Narratives, ed. Edward Wright Haile. Champlain, VA: Roundhouse, 1998, S. 802
  3. Spelman, Henry. A Relation of Virginia. 1609. Repr. in Jamestown Narratives, ed. Edward Wright Haile. Champlain, VA: Roundhouse, 1998.
  4. Kidnapping of Pocahontas Highway Marker
  5. Tilton, Robert S. (1994). „Pocahontas: The Evolution of an American Narrativ“. Cambridge University Press. S. 191. ISBN 9780521469593
  6. Suzi Parker. 31 März 2000. We are family. Salon Magazin
  7. taz: "Früher Götter, heute Menschen", 5. Oktober 2013
  8. Pocahontas – Die Legende auf film-lexikon.de
  9. Pocahontas: The Legend in der Internet Movie Database (englisch)
  10. auch als Hörspielfassung bei Disky NL
  11. Alle 4 Bände der Tetralogie tragen den Titel Pocahontas (1 - 4), da sie Theleweit als exemplarisch gilt