Verbrannte Erde
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Verbrannte Erde bezeichnet eine Kriegstaktik, bei der eine Armee auf dem Rückzug vor dem Feind alles zerstört, was dem Gegner in irgendeiner Weise nützen könnte, also Schienen, Straßen, Brücken, liegengebliebene Fahrzeuge, Fabriken und manchmal auch komplette Städte. Im Mittelalter handelte es sich dabei meist um Getreidefelder, welche man anzündete (daher die verbrannte Erde), Wasserbrunnen, die vergiftet wurden, und Vieh, das getötet wurde. Beispielsweise haben Kelten in Frankreich im Kampf gegen die römischen Truppen teilweise ihre gesamte Ernte vernichtet. Die römischen Legionäre versorgten sich mit Nahrung durch die Einwohner in besetzten Gebieten, da aber immer mehr Felder durch die Kelten verbrannt wurden, hungerten sie.
Diese Taktik kommt dann zur Anwendung, wenn entweder die sich zurückziehende Armee nicht damit rechnen kann, in nächster Zeit das verlorene Gebiet zurückzuerobern, oder der Gegner Guerillataktik anwendet und auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen kann. In diesem zweiten Falle ist die 'Taktik der verbrannten Erde' eine Möglichkeit, den Gegner auf Kosten der Bevölkerung zu besiegen. Für letztere hat die Anwendung dieser Taktik oft schwerwiegende Auswirkungen wie Hungersnöte.
Kriege, in denen die Taktik der Verbrannten Erde angewandt wurde
- im Gallischen Krieg von den Kelten unter Vercingetorix gegen die Römer genutzt
- beim Ersten Kreuzzug von Sultan Kılıç Arslan I. gegen die Kreuzfahrer bei ihrem Marsch durch Anatolien
- der Mameluckensultan Baibars I. ließ bei der Verteibung der Kreuzfahrer sämtliche Küstenstädte der Levante vernichten
- im Napoleonischen Krieg in Russland; beim Rückzug der russischen Armee beteiligte sich die Bevölkerung an der Zerstörung und verließ mit den Truppen das Land.
- General William T. Sherman überzog während des Amerikanischen Bürgerkrieges die Landschaft auf dem Weg nach Atlanta mit Brandschatzungen und Zerstörungen
- Im Dezember 1941 erhielt Yasuji Okamura vom Kaiserlichen Hauptquartier (Daihon’ei) Befehl Nr. 575, der die Politik der dreifachen Auslöschung (chin. 三光政策, sānguāng zhèngcè, engl. Three Alls Policy „alles niederbrennen, niedermetzeln und ausplündern“, jap. 燼滅作戦, jinmetsu sakusen, „Operation Einäschern und Vernichten“) in Nordchina einführte und in erster Linie den Widerstand der Roten Armee brechen sollte. Die nun praktizierte Taktik der verbrannten Erde kostete nach Ansicht einiger Historiker die Leben von über 2,7 Millionen Chinesen.[1]
- im Burenkrieg von den Briten unter Kitchener genutzt
- im Philippinisch-Amerikanischen Krieg durch die USA
- von der deutschen Schutztruppe während des Maji-Maji-Aufstandes in der Deutsch-Ostafrikanischen Kolonie angewandt
- im Ersten Weltkrieg vergifteten Truppen beider Kriegsparteien beim Rückzug an der Ostfront Brunnen, verbrannten Dörfer und töteten Vieh
- nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg störte die Rote Armee mit der Taktik der Verbrannten Erde wirkungsvoll das Vorrücken der Wehrmachtsverbände
- die deutsche Wehrmacht wandte sie im Zweiten Weltkrieg beim Rückzug beispielsweise aus Russland, Norwegen und Finnland an
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Himeta, Mitsuyoshi (姫田光義) (日本軍による『三光政策・三光作戦をめぐって』) (Concerning the Three Alls Strategy/Three Alls Policy By the Japanese Forces), Iwanami Bukkuretto, 1996, Bix, Hirohito and the Making of Modern Japan, 2000

