Ernst Hiemer

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Ernst Ludwig Hiemer (* 5. Juli 1900 in Großweingarten bei Schwabach[1]; † 29. Juli 1974 in Altötting, Bayern) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Ernst Hiemer war von Beruf Lehrer. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Vertrauensmann der Reichspressekammer beim Landeskulturverwalter des Gaues Schwaben.[1] Er veröffentlichte die antisemitischen Kinder- und Jugendbücher Der Giftpilz (illustriert von Fips), der noch im Jahr seines Erscheinens eine Auflage von 70.000 erreichte,[2] und Der Pudelmopsdackelpinscher (illustriert von Willi Hofmann). Der Giftpilz galt als so exemplarisch für nationalsozialistische Jugendpropaganda, dass er 1938 in der Buchreihe der Friends of Europe Publications in englischer Übersetzung erschien, eine Reihe, die Propagandaschrifttum der Nazis in englischer Übersetzung verfügbar machen sollte. Das Vorwort der Übersetzung schrieb Herbert Hensley Henson, anglikanischer Bischof von Durham und kompromissloser Nazigegner.[3]

Von 1938 bis ca. 1942 war Hiemer Hauptschriftleiter der antisemitischen und volksverhetzenden Wochenzeitung Der Stürmer, in dem er antisemitische Leitartikel schrieb. In einem Leitartikel vom Mai 1942 rechtfertigte er beispielsweise den Holocaust, indem er das Judentum als „organisiertes Weltverbrechertum“ bezeichnete, das „erst dann beseitigt“ sei, „wenn das Judentum der ganzen Welt aufgehört hat zu bestehen“.[4]

In der Nachkriegszeit wurde er am 30. April 1946 im Rahmen der Nürnberger Prozesse zu seinem Vorgesetzten Julius Streicher vernommen. Hiemer wohnte auch anschließend weiter in Nürnberg.[1]

Hiemers sämtliche Buch-Veröffentlichungen wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5]

Schriften[Bearbeiten]

  • Der Giftpilz: ein Stürmerbuch für Jung und Alt. Verlag Der Stürmer, Nürnberg 1938. [6] Erstauflage: 60 000 Exemplare [7]
  • Der Pudelmopsdackelpinscher und andere besinnliche Erzählungen. Der-Stürmer-Buchverlag, Nürnberg 1940. [8]
  • Der Jude im Sprichwort der Völker. Der-Stürmer-Buchverlag, Nürnberg 1942.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 246.
  2. DNB-Eintrag
  3. The poisonous mushroom. London 1938. DNB-Eintrag
  4. Vollständiges Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 246.
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-h.html
  6. http://www.zdj.se/der_giftpilz_ernst_hiemer_1938_47_seiten_bfed_zdd.pdf
  7. http://www.jmberlin.de/typisch/an_die_nase_fassen.html
  8. http://www.students.uni-mainz.de/chrbecht/SFJS/Der%20Pudelmopsdackelpinscher.pdf