Eventstratigraphie
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Die Eventstratigraphie bzw. -grafie (engl. Event „Ereignis“ und Stratigraphie „Schichtenkunde“) ist eine Unterdisziplin der Stratigraphie in den Geowissenschaften und beschäftigt sich mit der Identifizierung, der Beschreibung und den Ursachen von sich im Merkmalsinventar eines geologischen oder pedologischen Schichtenkörpers abbildenden äußeren Ereignissen.
[Bearbeiten] Inhalt
Thema der Eventstratigraphie sind – im geologischen Maßstab – kleinzeitige äußere Ereignisse wie Polumkehrungen, Sturmfluten, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Impakt-Ereignisse, Wechsel von Kalt- und Warmzeiten, die im Schichtenkörper erkennbar sind.
Entsprechungen in der Archäologie sind Brandschichten, mutmaßliche Erdbebenhorizonte oder kriegerische Zerstörungen, oder die bekannten Laven- und Aschenstrata von Pompeii und Herkulaneum.
Bedeutsam werden sie für die Eventstratigraphie, wenn deren Auswirkungen in mehreren stratigraphischen Profilen lokal, regional, überregional oder gar global erkennbar sind. Aufgrund der Art des Ereignisses kann die im Gesteins- oder Bodenkörper hinterlassene Spur einem zeitlichen Intervall von wenigen Stunden bis zu einigen Millionen Jahren entsprechen.
[Bearbeiten] Bedeutung
Die besondere Bedeutung liegt in der genauen zeitlichen Parallelisierung kleinster stratigraphischer Einheiten über eine große räumliche Distanz.
So bilden die in der Tephrostratigraphie untersuchten untermeerischen oder festländischen vulkanischen Aschenlagen Ablagerungen, die in einem Zeitraum von wenigen Stunden bis zu einigen Wochen sedimentiert sein können und manchmal über tausende von Kilometern identifizierbar sind. Die Genauigkeit der zeitlichen Parallelisierung solcher Lagen ist für viele Millionen Jahre zurück liegende Ereignisse mit keinem anderen Verfahren erreichbar. Im Falle des hier geschilderten Beispiels einer vulkanischen Aschenlage ist sogar unter günstigen Bedingungen durch eine radiometrische Altersbestimmung das absolute Alter bestimmbar. Mehrere solcher Ereignisse können als sichere Stützpunkte zur absoluten Datierung auch der zwischen ihnen befindlichen stratigraphischen Grenzen verwendet werden (Verfahren der „graphischen Korrelation“).
[Bearbeiten] Quellen
- H. Murawski & W. Meyer: Geologisches Wörterbuch. 10. Aufl.; Stuttgart (Enke), 1998. ISBN 3-432-84100-0
- P. M. Sadler & R. A. Cooper: Best-Fit Intervals and Consensus Sequences. In: P. J. Harries [Hrsg.], High-Resolution Approaches in Stratigraphic Paleontology. Topics in Geobiology, Bd. 21; Dordrecht (Kluwer), 2003. ISBN 1-4020-1443-0
- A. B. Shaw: Time in Stratigraphy. McGraw-Hill, 1964
- St. M. Stanley: Historische Geologie. 2. Aufl.; Heidelberg u. Berlin (Spektrum Akademischer Verlag), 2001. ISBN 3-8274-0569-6
- O. H. Walliser [Hrsg.]: Global Events and event stratigraphy in the Phanerozoic. Berlin (Springer), 1995. ISBN 3-5405-9056-0

