Kaltzeit

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Eisbohrkerndaten und die Kalt- und Warmzeiten des Quartärs

Eine Kaltzeit bezeichnet in der Klimageschichte und auch in der Geologie neutral einen Zeitraum mit im Durchschnitt tieferen Temperaturen zwischen zwei Zeitabschnitten mit durchschnittlich höheren Temperaturen, sogenannten Warmzeiten.[1] Ist ein Zeitraum mit im Durchschnitt tieferen Temperaturen innerhalb eines Eiszeitalters gemeint, so spricht man auch von einem Glazial.[2] In der quartärgeologischen Literatur ist daher Kaltzeit meist gleichbedeutend mit Glazial. Umgangssprachlich und in der älteren Literatur werden Kaltzeiten häufig ungenau auch als Eiszeiten bezeichnet. Selbst in der neueren wissenschaftlichen Literatur sind die Begriffe Eiszeit und Kaltzeit gelegentlich nicht eindeutig getrennt.[Anmerkung 1]

Dieselbe Kaltzeit wird in verschiedenen Regionen der Erde meist unterschiedlich benannt. So wird die Letzte Kaltzeit mit ihrem Maximum vor etwas mehr als 20.000 Jahren im nördlichen Mitteleuropa als Weichsel-, im nördlichen Alpenraum als Würm-, in Nordrussland als Waldai-, in Sibirien als Zyryanka-, auf den Britischen Inseln als Devensian-, auf Irland als Midlandian-, in Nordamerika als Wisconsin-, in Venezuela als Mérida-, in Chile als Llanquihue- und in Neuseeland als Otira-Kaltzeit bezeichnet.

Der Begriff Glazial[Bearbeiten]

Der Begriff Glazial ist mehrdeutig und wird deshalb häufig nicht eindeutig verwendet. Zur Verwirrung trägt bei, dass er als Substantiv (das Glazial) und als Adjektiv (glazial) gebraucht wird.

Der Begriff Glazial als Substantiv (von lateinisch glacies ‚Eis‘) steht für einen Zeitabschnitt, der durch Eis und Kälte stark beeinflusst ist. Häufig wird Glazial mit Kaltzeit gleichgesetzt, und die beiden Begriffe werden in der quartärgeologischen Literatur meist als Synonyme gebraucht. Die Gleichsetzung der beiden Begriffe trifft im Quartär meist zu, da die dortigen Kaltzeiten häufig tatsächlich durch Gletschervorstöße und/oder sehr kalte Klimaphasen charakterisiert sind. In der neueren Literatur wird inzwischen überwiegend der Begriff Kaltzeit benutzt, um damit zu verdeutlichen, dass häufig die eigentliche "Eiszeit" mit Gletscherablagerungen nur einen relativ kurzen Zeitraum der gesamten Kaltzeit einnimmt.

Das Adjektiv glazial wird für alle geomorphologischen und geologischen Erscheinungen benutzt, die während einer Vergletscherung direkt durch das Gletschereis entstanden sind. Ein genauerer Begriff für solche Erscheinungen ist glazigen, also durch die Aktion des Eises entstanden. Als Adjektiv wird glazial auch für geomorphologische Formen verwendet, die im Umkreis von Eis im weitesten Sinn auftreten. Hierfür gibt es den präziseren Begriff glaziär, wie zum Beispiel glaziäre Formen.

Sedimentablagerungen während Glazialen[Bearbeiten]

Material aus Gletscherbächen oder Schmelzwässern des Inlandeises wird zwar vom fließenden Wasser abgelagert; ihre Entstehung ist aber an das Vorkommen von Gletschern geknüpft. Diese Erscheinungen werden glazifluvial, glazifluviatil oder fluvioglazial genannt, je nachdem ob die Aktion des Eises oder des fliessenden Wasser im näheren Umfeld dominiert. Hierzu gehören die Übergangskegel in Gletschernähe, deren Gerölle im Allgemeinen noch wenig gerundet sind. Die Materialsortierung ist zwar bereits vorhanden aber undeutlich. Mit zunehmender Entfernung vom Gletscher sind die glazifluvialen Ablagerungen zwar rein fluviatil, jedoch ohne den Gletscher nicht zu erklären. Bekannt sind die Sander in Norddeutschland.

Die glaziäolischen Ablagerungen verdanken ihre Bildung dem Wind und dem Gletscher, aus dessen Vorland ihr Material stammt. In Mitteleuropa gehören dazu der Löss sowie Flugsandablagerungen (Düne).

Glaziolimnische Ablagerungen werden im Becken eines Sees abgelagert, der durch das Eis aufgestaut wird. Auch hier ist die Entstehung der Ablagerungen ohne den Gletscher nicht denkbar.

Material, das durch Gletscher und Gletscherflüsse im Meer abgelagert worden ist, bezeichnet man als glazimarin.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Jürgen Ehlers: Allgemeine und historische Quartärgeologie. Enke, Stuttgart 1994, ISBN 3432259115.
  2. Murawski, H., Meyer, W. (2004): Geologisches Wörterbuch. Spektrum Akademischer Verlag, 11. Auflage, 262 S. ISBN 3-8274-1445-8

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Ein gutes Beispiel für das Durcheinander der Begriffe ist das inzwischen etwas veraltete Standardwerk Das Quartär Deutschlands von Leopold Benda (Hrsg.), Verlag Bornsträger Stuttgart aus dem Jahr 1995. Als Beispiel sei der Saale-Komplex genannt, der in den Einzelartikeln in diesem Band als Saale-Kaltzeit, Saale-Glazial, Saale-Komplex und Saaleeiszeit bezeichnet wird.