Füllungstherapie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Amalgamfüllung in einem Zahn

Die Füllungstherapie ist ein Teil der zahnärztlichen Tätigkeit und hat zum Ziel, kariöse Läsionen oder andersartige Defekte an Einzelzähnen zu beheben. Sie wird auch konservierende oder restaurierende Therapie genannt.

Füllungs-Typen[Bearbeiten]

Nach G.V. Black werden fünf Kavitätenklassen unterschieden:

I Grübchen und Fissuren in der Kaufläche (Seitenzähne okklusal)
II Berührungsflächen der Backenzähne (Seitenzähne approximal und ggf. okklusal)
III Berührungsflächen von Schneide- u. Eckzähnen, Schneidekante nicht beteiligt
IV wie III, jedoch Schneidekante beteiligt;
V Zahnhalsfläche

Außerdem werden die Füllungen nach Anzahl der betroffenen Zahnflächen in ein-, zwei-, drei- und mehrflächige Füllungen unterschieden.

Regeln der Füllungspräparation[Bearbeiten]

Bereits Black hat Kriterien festgelegt, nach denen eine Füllung geformt sein muss:

Retentionsform[Bearbeiten]

Die Füllung muss so geformt sein, dass sie Halt im Zahn findet. Bei Amalgamfüllungen geschieht das dadurch, dass die Kavität unten breiter als oben präpariert wird.

Bei adhäsiv befestigten Füllungen ist eine Retentionsform nicht notwendig, da diese Füllungen an der Kontaktfläche haften(vergleichbar wie bei Klebstoff). Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass die Kontaktfläche ausreichend groß ist.

Widerstandsform[Bearbeiten]

Die Füllung muss so geformt sein, dass sie dem Kaudruck standhält. Allerdings bezieht sich die Widerstandsform nicht nur auf die Füllung sondern auch auf den Zahn selbst. So soll nach der Präparation die Füllung und der Zahn einen ausreichenden „Widerstand“ bzw. Stabilität aufweisen.

Extensionsform[Bearbeiten]

Die Füllung soll so geformt sein, dass sie die Bereiche einschließt, an denen sich bevorzugt Karies bildet (Prädilektionsstellen). Das Schlagwort lautet: „Extension for prevention!“ („Ausdehnung zur Vorbeugung!“) Diese letzte Forderung wird heute differenzierter betrachtet.

Füllungsmaterialien[Bearbeiten]

Grundsätzlich ist zwischen plastischen und starren Füllmaterialien zu unterscheiden.

Plastische Füllmaterialien sind solche, die in verformbarem Zustand in den Zahn eingebracht werden und dort aushärten. Die übrigen Füllungen werden außerhalb des Mundes geformt und dann in den Zahn eingebracht.

Früher wurde diese Unterscheidung zwischen direkten und Einlagefüllungen getroffen, jedoch haben die CAD-CAM-Verfahren zu Therapieformen geführt, die ohne Abformung funktionieren, also eigentlich den direkten Füllungen zugerechnet werden müssten, aber eben keine plastischen Füllungen sind.

Klinische Leistungsfähigkeit[Bearbeiten]

Plastische Füllmaterialien, die durch Polymerisieren ausgehärtet werden, schrumpfen durch diesen Schritt. Dies kann zu Spannungen und zu sehr kleinen Lücken an den Randbereichen der Füllung führen. Durch die aufwändigeren und teureren Inlays soll dieses Problem umgangen werden.[1] Bei Inlayversorgungen ist zwischen Goldinlays, Keramikinlays und Compositinlays zu unterscheiden. Gegenüber Composite-Füllungen wurde in einer deutschen Studie über acht Jahre keine signifikanten Haltbarkeitsunterschiede zu Keramik-Inlays ermittelt[2], in einer dänischen Elf-Jahres-Studie eine gleichwertige Versorgung im Vergleich mit Composite-Inlays.[3] Eine schwedische Elf-Jahres-Studie bewertete eine nicht-signifikante, niedrigere Ausfallrate von Compositinlays als den größeren Aufwand nicht rechtfertigend.[4]

Plastische Füllmaterialien[Bearbeiten]

Zahn mit Approximalkaries (Karies am Zahnzwischenraum)
Alte Füllung entfernt, Karies liegt frei
Karies entfernt
Amalgamfüllung

Klassisches Beispiel ist die Amalgamfüllung, die schon seit Jahrhunderten[5] verwendet wird. Die Amalgamfüllung ist indiziert bei Füllungen der Kavitätenklassen I und II.

Weitere plastische Füllmaterialien sind Komposits, Compomere, Glasionomer- und andere Zemente sowie die Goldhämmerfüllung. Von diesen sind nur die Komposits bei adhäsiver Befestigung im kaubelasteten Bereich indiziert. Compomere und Glasionomerzemente können für definitive Füllungen im nicht kaubelasteten Bereich verwendet werden. Alle übrigen Zemente finden heute nur noch als provisorische Füllmaterialien Verwendung.

Vorgehen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zahnkaries#Therapie

Ist die Karies entfernt, muss die Dentinwunde verschlossen werden. Bei flachen Kavitäten kann dies durch eine Lackierung (beispielsweise mit Copalharz) geschehen, bei tieferen Kavitäten geschieht es durch eine Zementunterfüllung (meist Zinkoxid-Phosphat-Zement). Bei adhäsiv befestigten Füllungen geschieht die Versorgung der Dentinwunde durch Bonding.

Wenn die Karies so tief geht, dass sie in unmittelbare Nähe der Pulpa vordringt, muss vor dem Legen der Unterfüllung durch ein Calciumhydroxid-haltiges Medikament die Dentin-Neubildung angeregt werden. Diese Abdeckung der Pulpa durch das Medikament nennt man Überkappung; wenn die Dentinschicht über der Pulpa noch erhalten ist, spricht man von indirekter Überkappung, ist sie eröffnet, spricht man von direkter Überkappung. Für die direkte Überkappung hat sich nach verschiedenen Studien Mineral Trioxid Aggregat (MTA) als dem Calciumhydroxid überlegen erwiesen.[6]

Zur Formgebung der Füllung werden Matrizen, Keilchen und andere Hilfsmittel verwendet.

Dann wird frisch angemischtes Silberamalgam portionsweise eingebracht und kondensiert. Die Kavität wird dabei überfüllt und der Überschuss anschließend in Zahnform wieder ausgeschnitzt.

Frühestens nach vierundzwanzig Stunden ist die Amalgamfüllung vollständig durchgehärtet und sollte poliert werden. Die Politur führt nicht nur zu einer Vergütung der Oberfläche, sondern verkleinert die Oberfläche um mehrere Zehnerpotenzen, was etwaige Schadstoffabgaben im gleichen Maße verringert (Diffusionsgesetze).

Bei Kavitäten der Klassen I und II wird auch bei der Versorgung mit Komposits oder Compomeren das Material im leichten Überschuss eingebracht, um beim Ausarbeiten die Sauerstoffinhibitionsschicht abtragen zu können. Alternativ kann die Bildung der Sauerstoffinhibitionsschicht durch das Verwenden von Glyceringel vor dem Aushärten verhindert werden. Bei den übrigen Füllungsklassen kann durch Aushärtung gegen die Matrize das Entstehen einer Sauerstoffinhibitionsschicht verhindert werden.

Einlagefüllungen und Teilkronen[Bearbeiten]

Inlays[Bearbeiten]

Hauptartikel: Inlay

Ein Inlay (auch Einlagefüllung genannt) ist eine nach einer Abformung der Zähne im Zahntechniklabor hergestellte Füllung, die genau in die Kavität passt. Beispiele sind Goldguss-Füllungen (Gold-Inlays) und Keramik-Inlays. Alternativ wird ein optischer Abdruck genommen und in einem Keramikfräsgerät computergesteuert ein Keramikinlay aus einem Rohling gefräst.

Onlays[Bearbeiten]

Ein Onlay (auch Kuppelfüllung genannt) ist der Ersatz der defekten, geschwächten Zahnwände durch Übergreifen des Onlays über die Höcker des Zahns, die die Kaukraft tragen.

Die Übergänge vom Inlay über das Onlay über das Overlay bis hin zur Teilkrone sind fließend.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Shrinkage Stresses Generated during Resin-Composite Applications: A Review.; Schneider LF, Cavalcante LM, Silikas N.; J Dent Biomech. 2010 (open access) doi:10.4061/2010/131630
  2. Clinical evaluation of ceramic inlays compared to composite restorations.; (2009); RT Lange, P Pfeiffer; Oper Dent. May-Jun;34(3):263-72. doi:10.2341/08-95.
  3. U. Pallesen, V. Qvist: Composite resin fillings and inlays. An 11-year evaluation. In: Clinical Oral Investigations. Band 7, Nummer 2, Juni 2003, S. 71–79, ISSN 1432-6981. doi:10.1007/s00784-003-0201-z. PMID 12740693.
  4. J. W. van Dijken: Direct resin composite inlays/onlays: an 11 year follow-up. In: Journal of Dentistry. Band 28, Nummer 5, Juli 2000, S. 299–306, ISSN 0300-5712. PMID 10785294.
  5. Bengel, Wolfgang, Dr.: Amalgam- Werkstoff und Klinik, in: Quintessenz Die, Berlin , 41.Jhg., Juli 1990 Heft 7 S.1130
  6.  Kathrin Schönenberger Göhring, Birgit Lehnert, Matthias Zehnder: Indikationsbereiche von MTA, eine Übersicht – Teil 2: Klinische Anwendung. In: Schweizerische Monatsschrift für Zahnmedizin. Vol. 114, Nr. 3, 2004, S. 223 ff.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!