Feldschlange
Die Feldschlange, auch Kolubrine (von lat. colubrinus - „schlangenartig“; franz. Couleuvrine, engl. Culverine, türk. Kolomborna), war ein Kanonentyp des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
Feldschlangen hatten ein im Vergleich zu Belagerungsgeschützen relativ kleines Kaliber zwischen 14 cm (ganze Feldschlangen) bis ca. 5 cm (Falkonetts). Der Lauf war dagegen mit normalerweise zwischen 30 und 40 Kaliberlängen sehr lang, wodurch Treffergenauigkeit, Reichweite und Durchschlagswirkung der Geschosse erhöht wurden, da in dem längeren Lauf die Kugeln nachhaltiger dem Explosionsdruck der Treibladung ausgesetzt waren. Geschütze mit noch größerer Kaliberlänge bezeichnete man auch als Bastard-Feldschlangen (von frz. Batarde).
Die Entwicklung des Kanonengusses im 16. Jahrhundert beruhte auf der Kombination mehrerer Durchbrüche in den beteiligten Handwerken:
- der Entwicklung von Brennöfen mit höheren Temperaturen,
- der Entdeckung besonders zäher Bronzelegierungen,
- der dadurch möglichen Gewichtsersparnis (der geringere Metallverbrauch pro Stück senkte auch die Kosten),
- den scharf gehüteten Geheimnissen, wie sich vom Modell über die Gussform bis zum Guss selbst überhaupt dermaßen lange und präzise Rohre herstellen ließen.
Die verschossenen Eisenkugeln variierten im Gewicht zwischen etwa 20 Pfund bei den größten Geschützen und einem Pfund bei den kleinsten. Feldschlangen waren gewöhnlich auf einer zweirädrigen Lafette montiert, die von einem Pferd gezogen werden konnte.
Besondere Bedeutung hatten die Feldschlangen in der Seekriegsführung des 16. Jahrhunderts. Vermutlich ist der Sieg der englischen Flotte gegen die spanische Armada im Jahre 1588 vor allem darauf zurückzuführen, dass die Engländer ihre starke zahlenmäßige Unterlegenheit an Schiffen und Mannschaften durch die größere Reichweite und Genauigkeit ihrer mit diesem neuen Kanonentyp ausgerüsteten Schiffe wettmachen konnten.
Dieser Kanonentyp wurde von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert verwendet. Er ging später in der Feldkanone auf.
Der Name Feldschlange kommt in Deutschland erstmals um 1440 vor und stammt von der anfangs als Schlangen- oder Drachenkopf gestalteten Mündung, die auf den Gegner furchteinflößend wirken sollte. Möglich ist aber auch, dass der Begriff aus der Machart der Feldschlange selbst kommt, deren Rohr häufig mit einem korkenzieherförmigen Eisenband umschmiedet war (vgl. Schrumpfringe bei heutigen Kanonen).
Die mittleren Feldschlangen hießen auch Falken oder Falkaunen, die leichteren Falkonetts.
Kuriosum: Die Rohre ausgedienter Feldschlangen wurden gelegentlich an belebten Straßenecken zum Schutz der Hauskanten als Prellstein eingemauert (so beschrieben von Wilhelm Raabe in Die Chronik der Sperlingsgasse).
Götz von Berlichingen verlor seine rechte Hand durch eine Feldschlange,[1] Tilly verstarb infolge der Verwundung durch eine Falkonettkugel an Tetanus und Giovanni dalle Bande Nere verlor durch einen Falkonettschuss zuerst sein Bein und dann, aufgrund der Infektion, sein Leben.
[Bearbeiten] Literatur
- Thomas Meyer: Die Evolution der europäischen Waffentechnik. ISBN 978-3-8370-8676-8
- Erich Egg: Der Tiroler Geschützguss 1400–1600. Tiroler Wirtschaftsstudien, Innsbruck 1962
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Engelbert Hegaur: Leben, Fehden und Handlungen des Ritters Götz von Berlichingen. Melchior-Verlag, Wolfenbüttel 1. Juni 2006, ISBN 978-3939102915.