Ferdinand, der Stier (Kinderbuch)

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Ferdinand, der Stier, als Skulptur auf Helgö in Schweden, 2008.

Ferdinand, der Stier ist der deutsche Titel des 1936 erschienenen Kinderbuchs The Story of Ferdinand des amerikanischen Autors Munro Leaf (1905–1976).

Inhalt[Bearbeiten]

Die Hauptfigur des Buches, Ferdinand, ist ein junger spanischer Stier, der lieber an den Blumen auf seiner Weide riecht, als in der Stierkampfarena gegen Toreros anzutreten. Eines Tages aber wird er von einer Biene gestochen, und vor Schmerz gebärdet er sich wie wild. Als das die Manager der Stierkampfarena sehen, kaufen sie ihn sofort für den nächsten großen Stierkampf. In der Arena ist er jedoch friedfertig wie immer. Damit bringt er die Picadores und Toreros zur Verzweiflung, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ferdinand wieder in seine Heimat zu schaffen.

Entstehung und Rezeption[Bearbeiten]

Leaf soll 1935 das Büchlein in kürzester Zeit geschrieben haben, um seinem Freund Robert Lawson eine Gelegenheit zu geben, sein Talent als Illustrator zu beweisen. Es erschien 1936, als der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, und so wurde Ferdinands Geschichte als pazifistische oder gar kommunistische Propagandafabel verfemt.[1] Es wurde jedoch ein großer Erfolg und in viele Sprachen übersetzt.

Im Jahr 1938 adaptierte Walt Disney das Buch unter dem Titel Ferdinand, der Stier als kurzen Zeichentrickfilm ähnlich denen seiner Reihe Silly Symphonies. Im darauf folgenden Jahr erhielt dieser Film den Oscar in der Kategorie Best Short Subject (Cartoons).

Alle bisherigen deutschsprachigen Ausgaben verwenden die Übersetzung von Fritz Güttinger. Diese erschien unter Verwendung der Illustrationen Lawsons erstmals 1942 unter dem Titel Ferdinand, der Stier beim Verlag Amstutz, Herdeg und Co. mit Sitz in Zürich und Leipzig. Weite Verbreitung fand das Buch 1946 im kriegszerstörten Berlin, als die aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrte Jella Lepman (später Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek) tausende Exemplare unter den Kindern der Stadt verteilte.[2]

Ebenfalls unter diesem Titel veröffentlichte der Ost-Berliner Alfred Holz Verlag 1965 eine weitere Version, deren Bilder von Werner Klemke stammten. Diese Fassung wurde auch vom bundesdeutschen Parabel-Verlag München in Lizenz übernommen. Erst 1977 veröffentlichte der Schweizer Diogenes-Verlag unter dem Titel Ferdinand wieder eine Fassung mit den Originalzeichnungen Lawsons.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • The Story of Ferdinand. Mit Zeichnungen von Robert Lawson. Viking Press, New York 1936. (Amerikanische Erstausgabe)
  • Ferdinand. Aus dem Amerikanischen von Fritz Güttinger. Mit Zeichnungen von Robert Lawson. Diogenes, Zürich 1993, ISBN 3-257-00742-6

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • John Gall: A Physician's Take on Ferdinand. In: Elizabeth Goodenough und Andrea Immel (Hrsg.): Under Fire: Childhood in the Shadow of War. Wayne State University Press, Detroit 2008, S. 223-227, ISBN 9788143340405
  • Martin Grotjahn: Ferdinand the Bull: Psychoanalytic Remarks about a Modern Totem Animal. In: American Imago 1, 1940, S. 33-41.
  • Sharon McQueen: The Story of "The Story of Ferdinand": The Creation of a Cultural Icon. Ph.D.-Dissertation, University of Wisconsin-Madison 2012.
  • Jean Streufert Patrick: Robert Lawson's The Story of Ferdinand: Death in the Afternoon or Life Under the Cork Tree?. In: Perry Nodelman (Hrsg.): Touchstones: Reflections on the Best in Children's Literature, Bd. 3: Picture Books. Children's Literature Association, West Lafayette, IN 1989, S. 74-84, ISBN 0-937263-03-6
  • Michael Steig: Ferdinand and Wee Gillis at Half-Century. In: Children's Literature Association Quarterly 14:3, 1989, S. 118-123.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leonard S. Marcus: Minders of Make-believe: Idealists, Entrepreneurs, and the Shaping of American Children's Literature. Houghton Mifflin Harcourt, Boston 2008, S. 126-127.
  2. Anita Silvey: The Essential Guide to Children's Books and Their Creators, Houghton Mifflin Harcourt, Boston 2002, S. 351.