Feuchtgebiet

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem ökologischen Lebensraum; der Roman von Charlotte Roche findet sich unter Feuchtgebiete.
Salzwiese East Chidham, südliches England
Feuchtgebiet in Marshall County, Indiana, USA

Ein Feuchtgebiet oder Feuchtbiotop ist ein Gebiet, das im Übergangsbereich von trockenen zu dauerhaft feuchten Ökosystemen liegt. Der Begriff des Feuchtgebiets umfasst verschiedene Lebensraumtypen der Flora und Fauna wie Aue, Bruchwald, Feuchtwiese, Moor, Ried, Sumpf, Sumpfgraben oder Marschland, die an den ganzjährigen Überschuss von Wasser angepasst sind.

Feuchtgebiete haben eine hohe Bedeutung für Ökologie, Klimaschutz und Hochwasserschutz. Die von der UNESCO vereinbarte Ramsar-Konvention strebt eine internationale Zusammenarbeit beim Schutz von Feuchtgebieten an. Bedeutende noch existierende Feuchtgebiete sind beispielsweise das Pantanal, Überschwemmungsebenen des Bhar Aouk und Salamat, die Everglades und das Wattenmeer.

Definitionen[Bearbeiten]

Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs „Feuchtgebiet“ existiert nicht. Der Begriff, bzw. seine anderssprachigen Entsprechungen (z. B. das engl. „wetland“) werden in den europäischen Ländern je nach nationaler Tradition unterschiedlich interpretiert.[1]

Die Definition in der Konvention von Ramsar lautet: „Feuchtgebiete im Sinne dieses Übereinkommens sind Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen.“[2]

Im deutschen Sprachraum wird die Definition traditionell enger gefasst. Meist werden hier marine Lebensräume nicht zu den Feuchtgebieten gerechnet. In Bezug auf das Wattenmeer ist der Sprachgebrauch uneinheitlich. Bezeichnungen des Wattenmeers als Feuchtgebiet erfolgen aber meist im Rahmen der Ramsar-Konvention.[3]

In der Vegetationskunde ist der Begriff im Allgemeinen nicht üblich. In den anerkannten Standardlehrbüchern (z. B. Ellenberg[4]) taucht der Begriff nicht auf.

Definitionen des Begriffs können von drei Blickwinkeln aus erfolgen:[5]

  1. Hydrologie: Sättigung des Terrains bis zur Landoberfläche mit Wasser über einen längeren Zeitraum des Jahres
  2. Substrat/Boden: Gebiet mit hydrischen Bodentypen (z. B. Gley)
  3. Vegetation: Gebiet mit nässegeprägten Vegetationstypen, z. B. Mooren, Röhricht, Naßgrünland/Feuchtwiesen.

Ob offene Gewässer „Feuchtgebiete“ darstellen, wird ebenfalls je nach Autoren unterschiedlich gehandhabt. In der breiten Definition der Ramsar-Konvention sind sie eingeschlossen. Die meisten deutschsprachigen Autoren rechnen nur Übergangsbereiche zwischen offenen Gewässern und Landlebensräumen zu den Feuchtgebieten. Kleinere Gewässer wie Tümpel und Weiher oder temporäre und periodische Gewässer werden jedoch üblicherweise mit eingeschlossen. Seen oder Flüsse und Bäche gelten allgemein nicht als zu den Feuchtgebieten gehörig, obwohl hier anerkanntermaßen bedeutsame Wechselwirkungen bestehen und diese Gewässer oft von Feuchtgebieten umschlossen werden.

Bedeutung für Ökologie und Klimaschutz[Bearbeiten]

Feuchtgebiete sind von großer ökologischer Bedeutung, da sie für Wasser- und Watvögel als Rast- und Überwinterungsplatz dienen. Feuchtgebiete bedecken rund sechs Prozent der Erdoberfläche und erbringen 24 Prozent der Nettoprimärproduktion – sie sind also hochproduktive Ökosysteme. Außerdem dienen sie als Grundwasserfilter und als Überschwemmungsschutz. Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung (zum Beispiel für den Vogelschutz) sind daher nach der Konvention von Ramsar unter Schutz gestellt.

Eine besondere Bedeutung haben Feuchtgebiete für den Klimaschutz, da sie als Kohlenstoffsenke wirken und weltweit große Mengen an Kohlenstoff speichern. Sie tragen damit zur Reduzierung des Treibhauseffektes bei.[6][7] Wenn Moore entwässert werden, emittieren sie Teile des gespeicherten Kohlenstoffs in Form von Kohlendioxid und Lachgas, was den Treibhauseffekt verstärkt.[8][9][10]

Bedeutung als Wasserspeicher[Bearbeiten]

Eine weitere Bedeutung der Feuchtgebiete liegt in ihrer Funktion als Wasserspeicher. Moore und Sümpfe können große Mengen Wasser aufnehmen und langsam und zeitversetzt wieder abgeben. Damit helfen sie, in unterliegenden Gebieten die Gefahr von Hochwassern zu reduzieren. Andererseits können sie den Niedrigwasserabfluss stützen und damit Austrocknungsphasen verhindern.

Außerdem dienen Feuchtgebiete als Senke für Schadstoffe und Nährstoffeinträge und können so unterliegende Gebiete und Gewässer entlasten. Durch die Nährstoff-Senkenfunktion sind viele Feuchtgebiete außergewöhnlich produktiv.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus-Peter Hutter (Hrsg.), Alois Kapfer, Peter Poschlod: Sümpfe und Moore. Biotope erkennen, bestimmen, schützen. Weitbrecht Verlag, Stuttgart, Wien, Bern 1997. ISBN 3-522-72060-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feuchtgebiet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kap. 2.1: Was ist ein Feuchtgebiet? im Leitfaden Feuchtgebiete der EU zur Wasserrahmenrichtlinie (PDF; 442 kB)
  2. Artikel 1.1 der Ramsar Convention. Siehe Text des Übereinkommens in der Fassung von 1987: PDF-Download der deutschen Übersetzung www.ramsar.org
  3. Beispiel: Wattenmeer ist Weltnaturerbe Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission, 26. Juni 2009
  4. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1996. ISBN 3-8252-8104-3
  5. Hannes Müller Schmied: Integrative Ableitung hydrologischer Funktionen von Feuchtgebieten am Beispiel des „Wipfragrund“, oberes Gera-Einzugsgebiet, Thüringen. Diplomarbeit am Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2008.
  6. Klimaretter Sumpf focus.de, 21. Juli 2008
  7. Feuchtgebiete (DOC)
  8. Michael Trepel (2008): Zur Bedeutung von Mooren in der Klimadebatte. Jahresberichte des Landesamtes für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein 2007/08, 12: S. 61–74.
  9. Umwelt im Unterricht: Feuchtgebiete und Moore sind wertvoll Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 1. Februar 2012
  10. Sind die Moore weg, ist’s fürs Klima schlecht Interview mit Gert Michael Steiner, wissenschaftlicher Beirat der Ramsar Convention, in: derstandard.at, 25. Juni 2007