Fiatgeld
Fiatgeld (auch englisch Fiat-Money) ist Geld, bei dem seitens des Emittenten (z. B. Zentralbank) keine Einlöseverpflichtung (z. B. in Gold, Silber oder Kurantgeld) besteht und dessen Akzeptanz durch gesetzliche Vorschriften – wie die Erklärung zum gesetzlichen Zahlungsmittel – erreicht und sichergestellt wird.[1] Heutiges Zentralbankgeld, wie beispielsweise Euro oder US-Dollar, ist Fiatgeld.
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Begriff[Bearbeiten]
Der lateinische Begriff fiat bedeutet so viel wie „es sei, es geschehe“. Der Begriff wird prominent zum Beispiel auch in der Genesis 1,3 beim lateinischen „Fiat lux!“, zu deutsch „Es werde Licht!“ verwendet. Der Begriff Fiatgeld weist damit auf die gleichsam uneingeschränkte, nicht unmittelbar an besondere Voraussetzungen geknüpfte Schaffung von Buchgeld durch Zentralbanken praktisch „aus dem Nichts“ bzw. „per Dekret“ über Zentralbankrat-Beschluss und Buchungssatz hin. Fiatgeld ist im Wortsinne damit zunächst als ungedeckt zu verstehen. Wird Buchgeld jedoch aus Buchungen durch Geschäfts- oder Zentralbanken aufgrund von Kreditverhältnissen und folgenden Ausgaben an Dritte erschaffen, entsteht Kreditgeld, welches genaugenommen von Fiatgeld abzugrenzen ist, da Kreditgeld mit Schulden (von Anderen in gleicher Höhe) als unterlegt verstanden werden kann.
Geschichte[Bearbeiten]
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts versuchte König Gaichatu von Persien die durch seinen extravaganten Lebensstil und eine durch Rinderpest entleerte Staatskasse durch die Emission von Fiatgeld wieder zu füllen. Am 13. August 1294 ließ er verkünden, dass jeder, der das neue Papiergeld nicht akzeptiere, mit dem Tode bestraft werde. Das Experiment hatte nur zwei Monate Bestand und war ein totaler Fehlschlag. Der Handel kam zum Erliegen und es brachen Unruhen auf den Basaren aus. Dem König blieb keine andere Wahl als seine Proklamation zu widerrufen. Er wurde kurz darauf ermordet.[2][3][4]
Die Assignaten waren während der Französischen Revolution in Umlauf gebrachtes Fiatgeld. Am 8. September 1793 erklärte der Nationalkonvent, jeder, der die Bezahlung mit Assignaten verweigere oder bei Bezahlung mit Assignaten einen höheren Preis verlange, werde mit dem Tode bestraft und sein Vermögen werde konfisziert. Es wurde dem eine Belohnung versprochen, der die Behörden über solche Transaktionen in Kenntnis setze. Im Mai 1794 kam es zu einer weiteren Verschärfung. Der Nationalkonvent erklärte, jeder, der sich vor dem Abschluss eines Geschäfts erkundige, mit welchem Geld der Geschäftspartner zu zahlen beabsichtige, werde mit dem Tode bestraft. Trotz dieser Maßnahmen verloren die Assignaten rapide an Wert.[5] Als Napoleon Bonaparte 1803 den Franc als neue Währung einführte, waren sie bereits praktisch wertlos.
Die auch mit dem Namen Greenbacks bezeichneten United States Notes waren Fiatgeld, welches vom Finanzministerium der Vereinigten Staaten erstmals während des Amerikanischen Bürgerkriegs in Umlauf gebracht wurde. Durch einen Kongressbeschluss war der Nennwert der zu emittierenden Noten auf etwas über 340 Millionen US-Dollar begrenzt. Im Gegensatz zu den ebenfalls als Geld verwendeten United States Gold Certificates war es nicht möglich, die Greenbacks auf Verlangen in Goldmünzen einzutauschen.
Im 20. Jahrhundert wurden Fiatwährungen die Regel. US-Präsident Franklin D. Roosevelt entband die US-Zentralbank von der Verpflichtung, von Bürgern eingereichte US-Dollarnoten in Goldmünzen einzulösen. Privater Goldbesitz im Wert von mehr als 100 US-Dollar wurde von ihm 1933 als illegal erklärt und mit bis zu zehn Jahren Gefängnis sowie Beschlagnahme des Goldes bestraft (siehe Goldverbot). Das 1944 eingeführte, vom US-Dollar als Leitwährung geprägte Bretton-Woods-System brach 1973 zusammen, nachdem die Vereinigten Staaten der eingegangenen Verpflichtung, von Mitgliedsstaaten eingereichte US-Dollars in Gold einzulösen, nicht mehr nachkamen.
Funktionsweise[Bearbeiten]
Fiatgeld wird oft fälschlicherweise mit Kreditgeld gleichgesetzt, dabei ist Kreditgeld nur eine mögliche Form von Fiatgeld. Weder hat Fiatgeld inhärenten materiellen Wert noch ist diesem materieller Wert hinterlegt (ungedeckt). Im Gegensatz dazu ist Kreditgeld auf der anderen Seite (per Saldo) mit Geldschuld (diesbezüglichem „Rückleistungsdruck“, bzw. verpfändeten Sicherheiten) „gedeckt“.
Die Verwendung von Geld hängt von seiner Nützlichkeit bzw. von seinem Gebrauchswert ab. Die Nützlichkeit besteht in der Erfüllung der drei Geldfunktionen Tauschmittel-, Sparmittel- sowie Wertmess- bzw. Recheneinheitsfunktion, die jeweils an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Die Tauschmittelfunktion ist nur erfüllt, wenn das Geld allgemein von den Wirtschaftssubjekten als Zahlungsmittel anerkannt wird. Die Sparmittelfunktion ist nur erfüllt, wenn die Inflation gering ist und Vertrauen in den zukünftigen Gebrauchswert als Tauschmittel vorliegt (also Vertrauen darauf, dass das Geld auch in Zukunft als Tauschmittel anerkannt wird). Dieses Vertrauen und die Inflation sind wiederum abhängig vom Vertrauen in und den Erwartungen an die geldausgebende Institution – im Falle von Fiatgeld meistens eine Zentralbank. Die Recheneinheitsfunktion ist stark von den beiden anderen Funktionen abhängig.
Fiatgeld ist gekennzeichnet durch eine gesetzliche Verpflichtung, es als Zahlungsmittel zu akzeptieren, unabhängig davon, ob es die oben beschriebenen Geldfunktionen erfüllt oder nicht. Durch eine gesetzliche Festlegung als Zahlungsmittel alleine erlangt es nicht zwangsläufig die Eigenschaften von Geld[6], erst durch die allgemeine Akzeptanz von Handelspartnern (Zahlern, Beziehern) auch hinsichtlich Wert und Kurs.
Vorteile und Nachteile[Bearbeiten]
In vielen Ländern, die unter anderem Fiatgeld einsetzten, kam es zu Finanzkrisen und Hyperinflation. Die Ursachen sind meist im verfehlten Einsatz finanzpolitischer Instrumente oder auch in Währungssubstitution zu erkennen: In einer falschen Fixierung auf das Inflationsziel darf die Zentralbank weder ihre Rolle bei der Anregung der neuen Investitionen aus dem Auge verlieren, noch darf der Staat seine Verschuldungsstrategie unabhängig von der Verschuldungsmöglichkeit der anderen Sektoren festlegen.[7]
Die D-Mark gehörte zu den Fiatwährungen mit relativ geringem Kaufkraftverlust. So verringerte sich ihre Kaufkraft von der Einführung 1948 bis zur Ablösung durch den Euro Anfang 1999 nur auf etwa ein Viertel. Die jährliche Inflationsrate in Deutschland betrug in diesem Zeitraum durchschnittlich knapp drei Prozent.
Theoretisch erlaubt Fiatgeld Geldschöpfung in beliebiger Höhe und kann daher einem Staat, bzw. seiner Zentralbank auch große geldpolitische Flexibilität ermöglichen. Üblicherweise wird wie beim derzeitigen System des Kreditgeldes über Auflagen – wie beispielsweise Erhöhung oder Senkung von Kreditzinsen – auf die Höhe der Geldschöpfung (über Kreditgewährungen) indirekt Einfluss genommen.
Geringe Auflagen zu Kreditgewährungen führen tendenziell zu konjunkturellen Boomphasen und damit zu inflationärer Tendenz. Zu hohe Auflagen führen tendenziell zu Boom-Rückläufigkeiten, bzw. zu Stagnation (da aufgrund nicht weiter gewährter Kredite und jener fehlenden Gelder die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt) - zu deflationärer Tendenz. An mancher Stelle wird/wurde diesem System zur Geldschöpfung vorgeworfen, dass es nicht möglich ist dieses Geldsystem aufrechtzuerhalten, da niemals die zu begleichenden Kreditzinsen mitgeschöpft würden (weiters Zinsen und Zinseszinsen einem exponentiellen Anstieg unterliegen), gesamtwirtschaftlich also fehlten. Da die Banken ihre Zinseinnahmen aus Kreditgewährung jedoch teilsweise wieder in Umlauf bringen (können), indem Angestellte oder die Bank selbst Ausgaben tätigen und außerdem über weitere Möglichkeiten zu Geldschöpfung verfügen, ist rein rechnerisch[8] (derzeit) zu privaten Kredittilgungen „genug“ Geld im System, solange Einnahmen aus privaten Kreditvergaben sowie aus staatlichen Defiziten[9] nicht verknappt werden.
Die ökonomische Disziplin der Geldpolitik und Geldtheorie sowie aus wissenschaftlicher Sicht die Wirtschaftsgeschichte beschäftigen sich ausführlicher mit diesen Aspekten.
Zitate[Bearbeiten]
„Geld ist, was Geldfunktionen erfüllt.“
– Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank: Rede vom 18. September 2012, Frankfurt am Main[10]
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Jens Berger, 23. August 2011: Kritik an der Zinskritik Abgerufen am 14. Februar 2013.
- Stephan Schulmeister, 14. Dezember 2011: Das Zinseszinssystem ist nicht Schuld an der Finanzkrise Abgerufen am 14. Februar 2013.
- Waldner/Brandstetter, 14. Februar 2013: Geldsystem und Konjunktur mittels Saldenmechanik Abgerufen am 14. Februar 2013.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Paul Terres: Die Logik einer wettbewerblichen Geldordnung, Mohr Siebeck 1999, S. 42f.
- ↑ Glyn Davies, A history of money: from ancient times to the present day, University of Wales Press, 2002, S.183
- ↑ Ashtor 1976, S. 257
- ↑ Rene Grousset: Empire of the Steppes: A History of Central Asia, 1939, S. 377
- ↑ Sudha Shenoy, A Note on Government Monopoly of Money in Theory and History, In: F.A. Hayek, Choice in Currency, Institute of Economic Affairs, 1976, S. 36ff
- ↑ „Fiat money, such as paper dollars, is money without intrinsic value: It would be worthless if it were not used as money.“ Gregory Mankiw (2008): Principles of Economics. South-Western College Publications. 5. Auflage. ISBN 978-0324589979. Seite 659. Online-Version. Abgerufen am 24. Juli 2010.
- ↑ Heiner Flassbeck, 28. August 2012: Das Geld aus der Druckmaschine und die Marktwirtschaft (PDF, 2 Seiten; 30 kB) S. 2
- ↑ Tobias Deiters und Axel Grimm: Der fehlende Zins und das Sparen (Abgerufen am 4. Januar 2012).
- ↑ Heiner Flassback, 20. November 2012:Flassbeck: Exportjunkie Deutschland: Zu Außenbeitrag und Inlandsnachfrage (PDF, 2 Seiten; 29 kB)
- ↑ Geld ist, was Geldfunktionen erfüllt. [1]. Abgerufen am 5. November 2012.