Fischernetz

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Fischernetz
Fischernetze in Port-Vendres, Südfrankreich

Ein Fischernetz ist ein engmaschiges, netzförmiges textiles Flächengebilde, das zum Fischfang genutzt wird. Das Netz besteht aus der „Verknotung einer Fadenreihe mit einer Fadenfolge“ und „besitzt die größte Unverschieblichkeit dadurch, dass sich die […] Knoten durch Zug in jeder der Fadenrichtungen fester schließen.“[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Herstellung

Bereits für das Mesolithikum sind Fischernetze und Seile aus Weidenbast nachgewiesen.[2] Bezeichnungen für bestimmte Fischernetzarten sind auch Tragŭla (mit Kork besetzt, welches durch das Wasser gezogen wurde[3]), Garnsack oder Garnschlauch (schlauchförmiges Fischernetz, welches an der Mündung aus zwei Wänden besteht und sehr weit, an dem spitzig zulaufenden Ende verschlossen und 3–6 m lang ist[4]), Raffle (besteht aus mehreren runden Säcken, welche durch Reusen ausgespannt und miteinander vereinigt sind; an den Seiten dieser Säcke sind Flügel angebracht. Das Netz wird mit Pfählen im Wasser befestigt und erst nach einem oder zwei Tagen herausgenommen[5]) und Zare (sackförmiges Fischernetz, oben und unten an einen langen Reif befestigt[6]).

Im Alten Ägypten war der Fischfang mit einem Schlepp- oder Zugnetz seit dem Alten Reich Bestandteil des Bildprogramms in privaten Grabanlagen. Abbildungen belegen, dass das Maschenwerk durch Flechten oder Knüpfen aus Flachsfäden entstand.[7]

Auch in der ägyptischen Mythologie spielte das Netz im Jenseitsglauben eine entscheidende Rolle, da die Seele des Toten in Gestalt eines Zugvogels oder Fisches in Gefahr geraten konnte, beim Übergang ins Jenseits in das Fangnetz zu geraten und so total ausgelöscht zu werden. Abwehrsprüche in den Sargtexten und im Totenbuch belegen, dass sich der Tote dagegen durch die Kenntnis der Einzelteile des Netzes wehren konnte.[8]

Im übertragenen Sinne diente das Netz in der Bibel - Petrus der Fischer - als Symbol für das "Einsammeln" des Menschen in den christlichen Glaubenskontext; verwendet wird das (Fischer)netz aber auch bei Gladiatorenkämpfen, anlässlich derer der Kämpfer, auch mit einem Dreizack ausgestattet, mit seinem Netz den Gegner bewegungsunfähig machen sollte.

Arten[Bearbeiten]

Man unterscheidet unter anderem:

Schleppnetz
Baumkurre

Maschenöffnung[Bearbeiten]

Die Maschenöffnung ist auf den zu fangenden Fisch abgestimmt. Damit weniger Jungfische gefangen werden, sind bestimmte Mindestmaschenöffnungen erforderlich. Diese werden in internationalen Abkommen vereinbart und gegenseitig kontrolliert (siehe hierzu Fischerei).

Der Begriff Maschenweite wird vielfach fälschlicherweise mit den Begriff Maschenöffnung vertauscht. Eine Maschenweite ist lediglich eine Länge zwischen zwei nebeneinander liegenden Knoten (siehe hierzu DIN 61250 Begriffe Netztuch).

Knüpftechnik[Bearbeiten]

Netznadeln

Beim Knüpfen werden mit einer Netznadel hunderte Knoten aneinandergereiht. Verwendet wird der Schotstek.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fischernetze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fischernetz - Zeno.org
  2. Almut Bick: Die Steinzeit. Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006. ISBN 3-8062-1996-6
  3. Tragŭla 2). In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 17, Altenburg 1863, S. 748 (online bei zeno.org).
  4. Garnsack 1). In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 6, Altenburg 1858, S. 932 (online bei zeno.org).
  5. Raffle. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 13, Altenburg 1861, S. 796 (online bei zeno.org).
  6. Zare. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 19, Altenburg 1865, S. 525 (online bei zeno.org).
  7. Waltraut Guglielmi, in: Lexikon der Ägyptologie Band IV, Stichwort Netz, Otto Harrassowitz Wiesbaden 1982, S. 464.
  8. Waltraut Guglielmi, in: Lexikon der Ägyptologie Band IV, Stichwort Netz, Otto Harrassowitz Wiesbaden 1982, S. 465.