Fluvisol

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Bodenprofil eines Calcaric Fluvisol

Fluvisol (FL) (von lat.: fluvius = Fluss) ist eine der 32 Referenzbodengruppen der FAO-WRB (World Reference Base for Soil Resources). Die Gruppe umfasst junge Böden aus geschichteten, fluviatilen, marinen oder lakustrinen Ablagerungen. Nach der deutschen Bodensystematik fallen Auenböden, Marschen und Wattböden in diese Gruppe.

Diagnostische Merkmale[Bearbeiten]

Fluvisole werden durch das Vorhandensein von "fluvic Material" definiert.

„Fluvic Material (von lat. fluvius, Fluss) umfasst fluviatile, marine und lakustrine Sedimente, denen in regelmäßigen Abständen frisches Material zugeführt wird oder in jüngster Vergangenheit zugeführt wurde.“

– IUSS Working Group WRB (2007): World Reference Base for Soil Resources 2006. Erstes Update 2007. Deutsche Ausgabe.

Dabei ist entscheidend, dass über mindestens 25 % des Bodenvolumens eine Schichtung zu erkennen ist. Mit der Tiefe unregelmäßig abnehmende Gehalte an organischem Kohlenstoff reichen dabei als Indikator für eine vorhandene Schichtung aus.

Horizonte[Bearbeiten]

Fluvisole besitzen in der Regel nur eine schwach ausgeprägte Profildiferenzierung mit vorwiegend A- und C-Horizonten, die teilweise Kalk-, Salz- und Sulfidanreicherungen aufweisen können. Durch die Wasserbeeinflussung der Böden sind häufig hydromorphe Merkmale (Rostflecken) vorhanden.

Verbreitung[Bearbeiten]

Fluvisole sind azonale Böden und kommen daher auf allen Kontinenten und in allen Klimaten vor. Sie sind an die Überschwemmungsbereiche der Küsten, Flüsse und Seen gebunden, in denen Sedimentation vorherrscht. Die Bodenreferenzgruppe der Fluvisole nimmt weltweit eine Fläche von 350 Millionen Hektar ein, wobei über die Hälfte davon in den Tropen liegt.

Eigenschaften und Nutzung[Bearbeiten]

Die meisten Fluvisole besitzen eine hohe natürliche Fruchtbarkeit, da regelmäßig Nährstoffe nachgeliefert werden; aber je nach Standort, angeliefertem Material und Grundwasserstand besitzen Fluvisole unterschiedlichste Eigenschaften, dadurch variiert das Nutzungspotenzial stark. Reisanbau ist dabei eine klassische Nutzungsform auf Fluvisolen. Auf salzreichen Standorten (z.B. Küstenbereiche) sind häufig Mangrovenwälder oder andere salztolerante Pflanzen anzutreffen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Scheffer: Lehrbuch der Bodenkunde / Scheffer/Schachtschabel. neubearb. und erw. von Hans-Peter Blume u.a.,. 15. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg – Berlin 2002, ISBN 3-8274-1324-9.
  • W. Zech, G. Hintermaier-Erhard: Böden der Welt. Spektrum Akademischer Verlag 2002, ISBN 3-8274-1348-6