François Fénelon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
François Fénelon

François de Salignac de La Mothe-Fénelon (* 6. August 1651 auf Schloss Fénelon im Périgord; † 7. Januar 1715 in Cambrai) war ein französischer Erzbischof und Schriftsteller.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Fénelon stammte aus einer alten Adelsfamilie des Périgord. Da er jüngerer Sohn war (zweitjüngstes von insgesamt 14 Kindern seines Vaters aus zwei Ehen) und die Familie schon mehrere Bischöfe hervorgebracht hatte, wurde er früh für die kirchliche Laufbahn bestimmt. Er ging erst in Cahors, später in Paris bei den Jesuiten zur Schule und studierte dann Theologie im elitären, von den Sulpizianern geleiteten und zuvor von Jean Jacques Olier gegründeten Pariser Priesterseminar St-Sulpice.

Nachdem er als junger Priester durch schöne Predigten auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde Fénelon 1678 zum Direktor des Institut des Nouvelles Catholiques ernannt, einer Pariser Internatsschule zur Erziehung junger Mädchen aus guter Familie, deren Eltern zum Katholizismus konvertiert waren. 1681 reflektierte er seine pädagogische Praxis im Traité de l’éducation des filles (= Traktat über die Mädchenerziehung, publiziert erst 1687). Ende 1685, nach der Aufhebung des 1598 von Heinrich IV. erlassenen Toleranzedikts, unternahm er eine erste von mehreren Missionsreisen in damals protestantische Regionen Südwestfrankreichs, war offenbar aber nur mäßig erfolgreich.

Kurz zuvor (1685) war er mit einer ersten theologischen Schrift hervorgetreten, dem anti-jansenistischen Traité de l’existence de Dieu et de la réfutation du système de Malebranche sur la nature et sur la Grâce (= Traktat über die Existenz Gottes zwecks Widerlegung von M.s System der Natur und der Gnade); zugleich äußerte er sich zur Rhetorik in seinen Dialogues sur l’éloquence (= Dialoge über die Beredsamkeit, 1685).

Fénelon zählte in diesen Jahren zum Kreis um Jacques Bénigne Bossuet, dem streitbaren Primus der französischen Bischöfe. 1688 wurde er Madame de Maintenon vorgestellt, der morganatisch angetrauten zweiten Gattin von Ludwigs XIV. Diese verkehrte zu jener Zeit noch mit der mystisch-frommen Madame de Guyon und sympathisierte mit deren „Quietismus“, der offenbar vielen Franzosen als eine Art Evasionsmöglichkeit erschien angesichts einer innen- und außenpolitisch zunehmend unfriedlichen Realität. Auch Fénelon war von Madame Guyon tief beeindruckt, als er sie im Winter 1688/89 kennenlernte.

Im Sommer 1689 wurde er wohl auch auf Vorschlag von Madame de Maintenon, deren geistlicher Berater er inzwischen geworden war, von Ludwig XIV. zum Erzieher seines 7-jährigen Enkels und eventuellen Thronfolgers, des Duc de Bourgogne, berufen. Dies verschaffte ihm eine einflussreiche Position am Hof und war sicherlich ausschlaggebend für seine Aufnahme in die Académie française (1693) sowie für seine Ernennung zum Erzbischof von Cambrai, Cambrai (1695). Allerdings scheint er mit dieser Ernennung nicht völlig zufrieden gewesen zu sein. Zumindest behauptet der bekannte Memoiren-Autor Saint-Simon in seinen Erinnerungen, dass Fénelon eher auf das vakante Erzbistum Paris spekuliert hatte.

Für seinen fürstlichen Zögling schrieb Fénelon (wie schon so häufig Fürstenerzieher vor ihm, beispielsweise Bossuet) mehrere unterhaltende und zugleich belehrende Werke: zunächst eine Sammlung von Fabeln, sodann die Aventures d’Astinoüs (= die Abenteuer A.s) und die Dialogues de morts (= Totendialoge), vor allem aber den umfänglichen, 1694–96 verfassten Abenteuer-, Reise- und Bildungsroman Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse (1733 in Deutsch erschienen als Die seltsamen Begebenheiten des Telemach).

In diesem pseudo-historischen und zugleich utopischen Roman führt der Autor den jungen Odysseus-Sohn Telemachos und dessen Lehrer Mentor (in dem sich Minerva alias Athene verbirgt und der sichtlich Sprachrohr Fénelons ist) durch diverse antike Staaten, die meist durch Schuld ihrer von Schmeichlern und falschen Ratgebern umgebenen Herrscher ähnliche Probleme haben wie das in Kriege verstrickte und verarmende Frankreich der 1690er Jahre. Er zeigt aber an einem Paradefall, wie sich diese Probleme dank der Ratschläge Mentors lösen lassen durch friedlichen Ausgleich mit den Nachbarn und durch Wachstum stimulierende Reformen, insbesondere die Förderung der Landwirtschaft und die Zurückdrängung der Luxusgüterproduktion.

Der Télémaque, der ab 1698 in Abschriften am Hof zirkulierte, wurde sofort interpretiert als kaum verschlüsselte Kritik am autoritären, zunehmend abgehobenen Regierungsstil Ludwigs XIV. sowie an seiner aggressiven, kriegerischen Außenpolitik und seiner exportorientierten merkantilistischen Wirtschaftslenkung, die die Produktion und den Export von Luxusgütern unterstützte. Fénelons größter Gegner am Hof, sein einstiger Förderer Bossuet, gewann nun die Oberhand, nachdem er ihn schon seit 1694 in scheinbar theologisch motivierte Querelen über den Quietismus gezogen und 1697 versucht hatte, vom Papst eine Verteidigungsschrift verurteilen zu lassen, die Fénelon für Madame Guyon verfasst hatte, die nach und nach zum Quasi-Staatsfeind avanciert war (und 1698 inhaftiert wurde).

Grabmonument in der Kathedrale von Cambrai

Anfang 1699 verlor Fénelon seinen Erzieherposten, und als im April sein Télémaque, zunächst anonym und ohne seine Zustimmung, im Druck erschien, wurde er vom Hof verbannt.

Er zog sich zurück in sein Bistum Cambrai, wo er sich weiterhin als theologischer und politischer Autor betätigte und ein exemplarisches Regiment gemäß den Lehren seiner Figur Mentor zu führen versuchte.

Nach seinem Tod wurde er in der alten Kathedrale von Cambrai bestattet. Nach deren Zerstörung in der Revolution kamen seine sterblichen Überreste in die neue Kathedrale von Cambrai, wo 1823/26 ein aufwendiges Grabmonument für ihn entstand.

Fénelons Télémaque war im Frankreich des 18. und des 19. Jahrhunderts ein vielgelesenes Jugendbuch und gilt als ein wichtiger Markstein der beginnenden Aufklärung. Noch z. B. der junge Sartre muss es gelesen haben, denn in seinem Stück Les Mouches (Die Fliegen) legt er der Figur Jupiter eine Anspielung darauf in den Mund.

Übersetzungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andrew Michael Ramsay (Chevalier de Ramsay): Histoire de da vie et des ouvrages de Messire François De Salignac de la Mothe-Fénelon, Archevêque de Cambray. François L’Honoré, Amsterdam 1727.
  •  Louis-Francois de Bausset: Histoire de Fénelon, archevêque de Cambrai, composée sur les manuscrits originaux. Giguet & Michaud, Paris 1808.
  •  Emanuel de Broglie: Fénelon à Cambrai. D’après sa Correspondance 1699–1715. Plon, Paris 1884.
  •  Johannes Kraus, Josef Calvet (Hrsg.): Fénelon. Persönlichkeit und Werk. Verlag für Kunst und Wissenschaft, Baden-Baden 1953 (Festschrift zur 300. Wiederkehr seines Geburtstages).
  •  Robert Spaemann: Reflexion und Spontaneität. Studien über Fénelon. Kohlhammer, Stuttgart 1963 (2. Auflage: 1990).
  • Matthias Claudius: Fenelon. Die Geschichte eines Mannes der ein Christ war. Mosella-Verlag, Düsseldorf o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Fénelon – Quellen und Volltexte (französisch)
 Commons: François Fénelon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Jacques-Théodore de Bryas Erzbischof von Cambrai
16951715
Jean d’Estrées