Fugazi (Band)

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Fugazi
Fugazi live in "Emo’s" März 2002
Fugazi live in "Emo’s" März 2002
Allgemeine Informationen
Genre(s) Post-Hardcore
Art-Punk
Indie-Rock
Gründung 1987
Gründungsmitglieder
Ian MacKaye
Joe Lally
Brendan Canty
Aktuelle Besetzung
Gitarre, Gesang
Ian MacKaye
Gitarre, Gesang
Guy Picciotto
Bass
Joe Lally
Schlagzeug
Brendan Canty

Fugazi ist eine US-amerikanische Post-Hardcore Musikgruppe aus Washington, D.C.

Der Bandname leitet sich von der Abkürzung Fugazi her, die ein amerikanischer Slangbegriff aus dem Vietnamkrieg ist. Fugazi war hier ein Akronym für: „Fucked Up, Got Ambushed, Zipped In“ und bezog sich auf eine aussichtslose Gefechtssituation.

Hintergrund[Bearbeiten]

Fugazi entstammt der Washingtoner Punk- und Hardcore-Szene der 1980er Jahre. Veröffentlichungen erscheinen auf dem Plattenlabel Dischord, dessen Gründer Fugazi-Mitglied Ian MacKaye ist, der in früheren Zeiten schon bei diversen Washington-Punk-Bands (z. B. Minor Threat) an Bekanntheit gewann. Die durch das nicht kommerziell ausgerichtete Label vorhandene Handlungsfreiheit nutzt die Band, um gewisse Grundsätze zu bewahren, beispielsweise niedrige Konzertpreise, Konzerte ohne Altersbeschränkung und keine Massenveranstaltungen.[1] Diverse Gratisauftritte (z. B. Protestaktion zu Beginn des 2. Golfkrieges 1992 vor dem Weißen Haus in Washington, D.C.) sind auf diese Weise ebenfalls möglich.

Werbung und Reklame für Konzerte sind kein Merkmal für Fugazi. Die Band vertraut auf Mundpropaganda, Konzertkarten gab es anfangs nur an der Abendkasse und nicht im Vorverkauf. Auf der letzten Tour in den USA waren die Karten jedoch auch über Ticketmaster erhältlich. Möglich gemacht wurde dies, laut Guy Picciotto, um auch Fans, die nicht in der Nähe der Veranstaltungsorte leben, eine Möglichkeit zu geben, an Tickets zu kommen. Ticketmaster ging auf die Forderungen der Band ein, respektierte die niedrigen Eintrittspreise und verlangte nur moderate Gebühren.[2] Es wird auf sämtliche Arten von Merchandising-Artikeln verzichtet, es gibt etwa keine offiziellen T-Shirts. Auch das weitverbreitete T-Shirt mit dem Aufdruck „This is not a Fugazi-T-Shirt“, oft für ein offizielles gehalten, ist nicht autorisiert.[3] Trotz allem erfreut sich Fugazi eines hohen Bekanntheitsgrades in der Hardcore-Punk-Szene, nicht nur in den USA, sondern auf fast allen Kontinenten. Für viele andere Musikgruppen, darunter zum Beispiel Rise Against[4] und Box Car Racer, dieser Szene hat Fugazi Vorbildcharakter.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon bald nach der Auflösung der Band Embrace im Jahre 1987 beginnt Ian MacKaye zusammen mit Joe Lally und Brendan Canty damit, neue Lieder einzuspielen, das erste Fugazi-Konzert findet am 3. September 1987 im Wilson Center (Washington, D.C.) statt.

Während der ersten Liveauftritte gesellt sich dann oft ein gemeinsamer Freund, Guy Picciotto, zu der Band, der wie auch Schlagzeuger Brendan Canty zuvor bei Rites of Spring aktiv war. Zuerst singt er eher inoffiziell bei einigen Liedern mit, aber mit der Zeit wird er zum beständigen Mitglied.

Die beiden ersten EPs Fugazi (1988) und Margin Walker (1989) erscheinen später zusammen auf CD unter dem Namen 13 Songs.

Im Laufe der Zeit entfernt sich Fugazi immer mehr vom ursprünglichen Punk-Stil, die LPs werden experimenteller, teilweise langsamer und immer mehr „durchkonstruiert“. Erste allmähliche Veränderungen in diese Richtung kann man ab der LP In On The Kill Taker (1993) ausmachen. Von da an klingen Fugazi mit jeder weiteren Veröffentlichung „erwachsener“ und ernsthafter. Trotz allem bleiben wütende, politische und vor allem sehr sozialkritische Bestandteile erhalten, jedes Lied hat eigene markante Elemente. Die Einstellung der Bandmitglieder ändert sich nicht, man bleibt seinem „Hardcore“-Weg treu.

Handgemachte Karten für ein Fugazi-Konzert, das in Indianapolis stattfand, aus dem Jahr 2001.

Bei den darauffolgenden Alben Red Medicine (1995) und End Hits (1997) macht sich dann auch rein äußerlich eine Weiterentwicklung bemerkbar: Das Design der Plattencover wird anspruchsvoller. Es entstehen kleine „Kunstwerke“, Kollagen aus Fotos, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam haben; extreme Nahaufnahmen stehen neben augenscheinlichen Belanglosigkeiten, wie z. B. einem Fahrrad im Schnee ohne Sattel oder defekte Toilettenfliesen, die mit benutzten Kaugummis ausgekittet wurden.

Im Jahr 1999 findet die Veröffentlichung des Dokumentarfilms Instrument statt, produziert von Jem Cohen, der gewissermaßen der Fugazi-Familie angehört und die Gruppe von Anbeginn an begleitet hat. Das Werk besteht aus Konzertmitschnitten, Interviews, Privat-, Studioaufnahmen und Ähnlichem. Die Musik zum Film liefert Fugazi selbst, erschienen auf der gleichnamigen LP.

Auf dem 2001 produzierten Album The Argument scheint es, die Band habe sich erneut weiterentwickelt. Acht der zehn Titel werden mit Jerry Busher am zusätzlichen zweiten Schlagzeug bzw. Percussion eingespielt, was dieser LP einen eigenen Sound verleiht. Die Cello-Einspielungen im Intro und bei zwei weiteren Liedern stammen von Amy Domingues. Die ebenfalls im Jahre 2001 erschienene Single Furniture + 2 enthält drei Lieder, die nicht auf The Argument zu finden sind.

Anfang 2004 verbreitete sich das Gerücht, Fugazi habe sich aufgelöst, was aber von der Gruppe selbst dementiert wurde. Eigenen Angaben zufolge befindet sie sich lediglich in einer Ruhephase, was Studioprojekte betrifft. Dies rührt unter anderem daher, dass zwei Bandmitglieder mittlerweile eine eigene Familie haben.

Noch im selben Jahr beginnt Bassist Joe Lally damit, zwanzig verschiedene Live-Mitschnitte aus den Jahren 1987 bis 1999 auf CD zu brennen und über eine eigene Internet-Seite zu vertreiben. Diese CDs sind im regulären Handel nicht erhältlich, da es sich um nicht nachträglich im Studio bearbeitete Aufnahmen handelt. Dadurch bleibt die ursprüngliche Live-Version so erhalten, wie sie im Moment der Aufnahme mitgeschnitten wurde; trotzdem haben sie durchgehend eine relativ gute Klangqualität. Manchmal ist allerdings in den ersten drei bis fünf Liedern die Abmischung noch nicht perfekt eingestellt, dadurch kann es vorkommen, dass ein Instrument oder der Gesang kurzzeitig extrem laut oder leise ertönt. Nach diesen ersten Liedern ist die Qualität aber durchgehend gut.

Diskografie[Bearbeiten]

Studioaufnahmen[Bearbeiten]

(in Klammern das Aufnahmedatum)

Cover von „13 Songs“
EP Fugazi (Juni 1988)
EP Margin Walker (Dezember 1988)
CD 13 Songs (1989) – beinhaltet die EPs Fugazi und Margin Walker
Single 3 Songs (Juli 1989)
LP Repeater (September 1989)
CD Repeater + 3 Songs (1990) – beinhaltet die LP Repeater und die Single 3 Songs
LP/CD Steady Diet of Nothing (Januar 1991)
LP/CD In On The Kill Taker (Dezember 1992)
LP/CD Red Medicine (Januar 1995)
LP/CD End Hits (März + September 1997)
Video/DVD Instrument (1987–1998)
LP/CD Instrument Soundtrack (1988–1998)
LP/CD The Argument (Januar + Februar 2001)
Single Furniture + 2 (Januar + Februar 2001)

Darüber hinaus ist Fugazi auf den folgenden Compilations vertreten:

CD State of the Union (1985–1989)
2LP International Pop Underground Convention (20.–25. August 1991)
3CD 20 Years of Dischord (1980–2000)

Live-Mitschnitte[Bearbeiten]

CD Wilson Center (First Show), Washington, D.C. (USA), 3. September 1987
CD DC Space, Washington, D.C. (USA), 28. Dezember 1987
CD PC 69, Bielefeld (Deutschland), 8. Oktober 1990
2CD Terminal Export, Nancy (Frankreich), 6. November 1990
CD MacKewen Hall, Calgary (Kanada), 17. August 1991
2CD Tempodrom, Berlin (Deutschland), 28. Juni 1992
CD The Edge, Fort Lauderdale (USA), 14. Februar 1993
2CD Washington Monument, Washington, D.C., (USA), 7. August 1993
CD Plaza Amphitheater, Pontiac (Michigan, USA), 4. September 1993
2CD Anu Bar, Canberra (Australien), 17. November 1993
2CD 92 Degrees, Curitiba (Brasilien), 26. August 1994
2CD Expo Center, Peoria (Illinois, USA), 9. Oktober 1995
2CD DV8, Seattle (Washington, USA), 27. Oktober 1995
CD Counteraction, Sapporo (Japan), 30. Oktober 1996
CD South Island School Hall, Hongkong (China), 2. November 1996
2CD NYU Loeb Center, New York (USA), 2. Mai 1997
2CD The Room, Dunedin (Neuseeland), 1. Juli 1997
2CD Wilson Center (10th Anniversary Show), Washington, D.C. (USA), 3. September 1997
2CD New Maryland Recreation Center, Fredericton (Kanada), 24. Juli 1998
2CD Friary Hall Kilkenny (Irland), 7. Mai 1999

Darüber hinaus existiert eine große Anzahl illegaler Konzertmitschnitte (Bootlegs) auf dem Schwarzmarkt, die oft eine sehr gute Aufnahme- und Klangqualität aufweisen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alan O'Connor (2002): Local Scenes and Dangerous Crossroads: Punk and Theories of Cultural Hybridity; in: Popular Music, Vol. 21, No. 2, S. 228
  2. Guy Picciotto FAQ`s http://www.worldoffugazi.orgy
  3. Guy Picciotto FAQ`s http://www.worldoffugazi.orgy
  4. Visions 250 S. 124