Post-Hardcore

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Post-Hardcore oder Postcore bezeichnet eine Entwicklung aus der amerikanischen Hardcore-Punk-Szene, die die Werte des Hardcores zwar weiter vertritt, sich musikalisch jedoch in andere Richtungen entwickelt hat. Der Begriff ist dem des Post-Punk verwandt, zum so genannten Post-Rock bestehen teilweise Überschneidungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1980er Jahre befand sich die „klassische“ Hardcore-Szene im Niedergang. Während sich viele der Begründer des US-Hardcore auflösten und sich viele neuere Bands Einflüssen aus dem Metal-Bereich öffneten, verlagerten andere Protagonisten der ursprünglichen Hardcoreszene ihr Interesse auf das Feld der experimentellen Musik. Aufbauend auf simplen Hardcore-Punk-Strukturen und dem DIY-Ethos der Bewegung ließen einige Bands Elemente aus dem Art Rock, Psychedelic Rock, Funk oder Jazz sowie später auch des Noise Rock in ihre Musik einfließen. Hierdurch entstand ein neuer, „verkopfter“ Musikstil, der die Härte des Hardcores mit ungewöhnlichen Songstrukturen verband.

Als Vorläufer können Gruppen wie No Means No oder Bands wie Hüsker Dü, Butthole Surfers oder Wipers genannt werden, die in ihrer Musik Hardcore, Post-Punk und Psychedelic verbanden. Als eigentliche Begründer gelten allerdings Bands aus Washington DC wie Embrace, Rites of Spring oder später Fugazi sowie das Label Dischord Records. Auch die Rollins Band, als Projekt des Black-Flag-Sängers Henry Rollins, setzte sich ab Mitte der 1980er Jahre mit der Vermischung von Hardcore mit Jazz und Funk-Einflüssen auseinander; so wie auch das ehemalige Black-Flag-Label SST Records frühe Postcore-Projekte unterstützte.

Bedeutende Postcore-Vertreter der frühen 1990er waren Gruppen wie Drive Like Jehu, Rapeman, Shellac und Quicksand, denen Bands wie At the Drive-in, boysetsfire oder Glassjaw nachfolgten.

Moderne Postcore-Gruppen wie etwa Sparta arbeiten verstärkt mit Elementen des Progressive Rock.

Musik[Bearbeiten]

Bezeichnend für viele Postcore-Gruppen sind improvisatorische Komponenten und dem Noise entlehnte dynamische Kontraste (etwa durch den Wechsel von melodischen und geschrienen Vocals oder von sanften, Bridge-artigen Passagen und explosiven, verwunderlichen, chaotischen Klanggebilden).

Direkte Entwicklungen aus dem Postcore-Umfeld stellen der Emocore, Screamo, Post-Grunge, Sludge, Jazzcore sowie der Mathcore und Math Rock dar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Büsser: If the kids are united. Von Punk zu Hardcore und zurück. (5., überarb. u. erw. Aufl.), 1995, ISBN 3-930559-19-6
  • Mark Anderson/Mark Jenkins:Dance of Days: Two Decades of Punk in the Nation's Capital.2003, ISBN 1-888451-44-0