Funktionalismus (Design)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Türknauf und Türklinke, entworfen von Ferdinand Kramer

In Architektur und Design versteht man unter Funktionalismus das Zurücktreten rein ästhetischer Gestaltungsprinzipien hinter den die Form bestimmenden Verwendungszweck des Gebäudes oder des Geräts. Daher stammt der berühmte Ausspruch „Form follows function“ („die Funktion bestimmt die Form“) von Louis Sullivan, der der populären Auffassung entsprang, eine zeitgemäße Schönheit in Architektur und Design ergebe sich bereits aus deren Funktionalität.

Die Anfänge dieser Auffassung reichen zu den ästhetischen Theoretikern des 19. Jahrhunderts zurück (Lotze, Semper, Greenough), werden in Deutschland jedoch erst mit der Gründung des Deutschen Werkbundes unter den Schlagworten Sachlichkeit und Zweckform in den Rang einer künstlerisch ernstzunehmenden Gestaltungsweise erhoben.

Der Funktionalismus erlangte nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Zwischenspiel des Expressionismus unter dem Begriff Neues Bauen, Bauhausstil oder Neue Sachlichkeit als gestalterisches Prinzip erneut größere Beachtung. In Schweden setzte sich der Funktionalismus u.a. infolge der Stockholmer Ausstellung von 1930 und des Manifests acceptera ab den 1930er Jahren durch.

Zum wirklich allgemeinverbindlichen Inbegriff modernen Bauens wurde der Funktionalismus in Deutschland jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg und hat auf diese Weise die Architektursprache des Wiederaufbaus weitestgehend geprägt. Seit Beginn der 1970er Jahre gerät die formale Armut und Unwirtlichkeit der funktionalistischen Planungen (der „Zweckbau“) zunehmend in das Feld öffentlicher Kritik, weshalb die Postmoderne in den 1980er Jahren dem Funktionalismus schließlich völlig neue Gestaltungsprinzipien entgegenzusetzen versuchte. In der gewerblichen und Industriearchitektur wie auch bei öffentlicher Infrastruktur ist Funktionalismus – allein aus Finanzierungsfragen heraus – aber immer vertreten geblieben.

Eine erneute Aktualität als Gestaltungsprinzip erlangt der Funktionalismus in der Architektur in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, nach dem Abebben des sogenannten Dekonstruktivismus. In der Architektur abseits der Repräsentationsbauten wird der Ansatz im Laufe der letzten Jahrzehnte wieder dominierend. Strömungen wie Nachhaltiges Bauen sind über das Streben nach minimalem Ressourcen-Einsatz einem funktionalistischen Grundzug ebenso zugeneigt wie Energieeffizientes Bauen, in dem die Formgebungen technischen Maßgaben von Wärmeisolierung, Besonnung und ähnlichem folgt. Dasselbe gilt für materialbezogene Fachrichtungen wie den modernen Holzbau oder Lehmbau, oder Standortalternativen wie Bauen am Wasser.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sebastian Müller: Kunst und Industrie. Ideologie und Organisation des Funktionalismus in der Architektur. Carl Hanser, München 1974.
  • U. Poerschke: Funktion als Gestaltungsbegriff. Dissertation BTU Cottbus 2005.
  • Julius Posener: Die Anfänge des Funktionalismus. Von Arts and Crafts zum Deutschen Werkbund. Ullstein, Frankfurt a. Main/Wien 1964.
  • Robert Venturi, Denise Scott Brown, Steven Izenour: Lernen von Las Vegas. Zur Ikonographie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt. Vieweg, Braunschweig 1979, ISBN 3-528-08753-6, (Bauwelt-Fundamente, 53) (Funktionalismuskritik)
  • Adolf Behne: Der moderne Zweckbau. Ullstein, Berlin/Frankfurt a. M./Wien/Berlin 1964.
  • Jan Michl: Form follows WHAT? The modernist notion of function as a carte blanche 1995.