Gerhart Jander

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gerhart August Jander (* 26. Oktober 1892 in Altdöbern; † 8. Dezember 1961 in Berlin) war ein deutscher Chemiker.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Jander besuchte das altsprachliche Gymnasium Ernestinum in Rinteln, an dem er 1912 sein Abitur ablegte. Er studierte ab 1912 Chemie in München und Berlin. 1917 wurde er mit der Dissertation Über die Tellursäure und ihre Alkalisalze in ihrem Verhalten als Halbkolloide bei Ernst Otto Beckmann und Siegmund Gabriel in Berlin promoviert. Von 1918 bis 1922 war er Assistent bei Richard Zsigmondy und Adolf Windaus in Göttingen. 1921 habilitierte er sich und wurde 1922 Abteilungsvorsteher der anorganischen Chemie an der Universität Göttingen. 1925 wurde er dort zum außerordentlichen Professor ernannt. Im selben Jahr trat er der wieder zugelassenen NSDAP bei.[1] Am 25. April 1931 nahm er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Jahrestagung der Kampfstoffforscher zur Entwicklung neuer Giftgase teil.[1] Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er 1933 als Nachfolger des aus dem Amt gedrängten Fritz Haber kommissarischer Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie in Berlin (dem heutigen Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft).[1][2] 1935 wurde er ordentlicher Professor und Direktor an der Universität Greifswald, wo er bis zum Jahr 1951 blieb. Von 1951 bis zu seiner Emeritierung 1960 war er Direktor an der TU Berlin.

Jander war verheiratet und hatte zwei Kinder. Der Sohn studierte ebenfalls Chemie. Sein Bruder Wilhelm Jander war ebenfalls Chemieprofessor.

Wirken[Bearbeiten]

In den 1920er- und 1930er-Jahren befasste sich Jander mit der Entwicklung der Konduktometrie für quantitative Analysen. Er war maßgeblicher Wegbereiter dieser Methode in der Analytik. Wichtig sind seine konduktometrischen Arbeiten mit Schwefeldioxid. Jander forschte über Iso- und Hetero-Polysäuren und -Polybasen und nutzte viele physikochemische Verfahren (Konduktometrie, Bestimmung von Diffusionskoeffizienten, potentiometrische und thermometrische Titration). Er untersuchte die Umwandlung von Monoanionen zu Polyanionen (bei Aluminium-, Chrom- und Eisenionen). Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Bestimmung von Dialyse- und Diffusionskoeffizienten, Herstellung vom Membran-, Ultrafeinfiltern. Jander begründete ein Lehrbuch für die anorganische Chemie an, das nach mehreren Aktualisierungen noch heute unter dem Kürzel Jander/Blasius als Lehrbuch im Grundstudium der Chemie genutzt wird.

Schriften[Bearbeiten]

  • Gerhart Jander, Hans Spandau: Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie. Springer, Berlin 1940.
  • Gerhart Jander, Hildegard Wendt (Hrsg.): Einführung in das anorganisch-chemische Praktikum (einschliesslich der quantitativen Analyse). Hirzel, Leipzig 1950.
  • Gerhart Jander, Hildegard Wendt: Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie: Mit Ausnahme der quantitativen Analyse. Hirzel, Leipzig 1950.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2., aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 283.
  2. Machtergreifung 1933 im KWI