Fritz Haber

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Dieser Artikel beschreibt den Chemiker Fritz Haber, für den Raumfahrtingenieur siehe Fritz Haber (Raumfahrtingenieur).
Fritz Haber, 1918

Fritz Haber (* 9. Dezember 1868 in Breslau; † 29. Januar 1934 in Basel) war ein deutscher Chemiker und Nobelpreisträger für Chemie. Er leitete als Gründungsdirektor 22 Jahre lang das heute nach ihm benannte Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin. Sein wissenschaftliches Werk umfasst Beiträge zur Thermochemie, der Organischen Chemie, der Elektrochemie und der Technischen Chemie.

Zusammen mit Max Born entwickelte Haber den Born-Haber-Kreisprozess zur quantitativen Ermittlung der Gitterenergie in Kristallen. Im Jahr 1919 wurde er mit dem Nobelpreis für Chemie des Jahres 1918 „für die katalytische Synthese von Ammoniak aus dessen Elementen Stickstoff und Wasserstoff“ ausgezeichnet. Ammoniak dient zusammen mit Salpetersäure zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoff. Das von Fritz Haber und Carl Bosch entwickelte Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniaksynthese ermöglichte die Massenproduktion von Stickstoffdünger und sichert heute die Ernährung eines großen Teils der Weltbevölkerung.

Habers Versuche mit Phosgen und Chlorgas kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs machten ihn zum „Vater des Gaskriegs“. Unter seiner Leitung wurde erstmals Giftgas als Massenvernichtungswaffe eingesetzt. Später erforschte er die Möglichkeiten zur Gewinnung von Gold aus Meerwasser, um die deutschen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg zu finanzieren. Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierte Fritz Haber 1933 nach England. Wenige Monate später starb er in einem Hotel in Basel.

Leben[Bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Fritz Haber im Alter von 23
Clara Immerwahr im Alter von 20
Nobelpreisurkunde
Haber Villa Berlin - Dahlem

Fritz Haber wurde als Sohn des jüdischen Ehepaares Paula und Siegfried Haber in Breslau geboren. Sein Vater führte ein Handelsgeschäft für Stoffe, Farben, Lacke und Drogen. Bei seiner Geburt traten schwere Komplikationen auf, und seine Mutter, eine entfernte Cousine des Vaters, verstarb drei Wochen später. Fritz wurde von der zweiten Frau Siegfried Habers, seiner Stiefmutter Hedwig Hamburger (1857–1912), zusammen mit den drei Halbschwestern Else, Helene und Frieda „liebevoll“ erzogen. Der Gegensatz der Temperamente von Vater und Sohn, „gänzlich phantasieloser Geschäftsmann“ der Vater und von „sprudelndem unbekümmerten Temperament“ der Sohn, führte im späteren Leben zu nie überbrückten Spannungen zwischen Vater und Sohn.[1]

Haber besuchte erst das humanistische Johannesgymnasium Breslau und bis zum Abitur das Gymnasium St. Elisabet altsprachlicher und mathematischer Ausrichtung, Chemie als eigenständiges Fach war nicht vorgesehen. Nach einer kaufmännischer Lehre studierte Fritz Haber ab 1886 in Heidelberg bei Robert Wilhelm Bunsen. In Heidelberg schloss er sich einer farbentragenden Studentenverbindung an, dem Naturwissenschaftlichen Verein Studierender, welcher kurz danach mit Karlsruhensia Heidelberg fusionierte.[2] Danach wechselte er an die Humboldt-Universität zu Berlin zu August Wilhelm von Hofmann. In Berlin wurde er beim Akademisch-naturwissenschaftlichen Verein aktiv.[3] Er wechselte in den Arbeitskreis Carl Liebermanns, wo er seine Dissertation in Organischer Chemie zum Thema Über einige Derivate des Piperonals anfertigte und im Jahr 1891 promoviert wurde.[4][5] Er setzte seine Studien zunächst an der ETH Zürich im Arbeitskreis von Georg Lunge, einem Freund der Familie Haber, und in Jena bei Ludwig Knorr fort. Seine Versuche, als Assistent im Arbeitskreis von Wilhelm Ostwald aufgenommen zu werden, scheiterten jedoch.[6]

Nach kurzen Tätigkeiten in der chemischen Industrie und an Hochschulen trat Haber im Jahr 1894 eine Assistentenstelle am Institut für Physikalische Chemie der Technischen Hochschule Karlsruhe an und habilitierte sich dort im Jahr 1896. Zwei Jahre später veröffentlichte er das Lehrbuch Grundriß der praktischen Elektrochemie und wurde im Jahr 1898 in Karlsruhe zum außerordentlichen Professor für Technische Chemie ernannt.

Haber heiratete 1901 Clara Immerwahr, die erste in Deutschland promovierte Chemikerin, die er bereits während seiner Abiturzeit[7] kennengelernt hatte. Aus der Ehe ging im folgenden Jahr der Sohn Hermann Haber hervor.

Ab dem Jahr 1904 befasste Haber sich mit der katalytischen Bildung von Ammoniak, die schließlich in der Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens gipfelte.[8] Für diese Erfindung wurde Haber im Jahr 1919 nachträglich der Nobelpreis für Chemie des Jahres 1918 zugesprochen, Carl Bosch erhielt den Chemie-Nobelpreis 1931.

Im Jahr 1905 erschien sein Lehrbuch Thermodynamik technischer Gasreaktionen, in dem die Grundlagen für die späteren thermochemischen Arbeiten stehen. Im Jahr 1906 erhielt er als Nachfolger von Max Le Blanc den Ruf auf den Lehrstuhl für Physikalische und Elektrochemie in Karlsruhe. 1911 wurde Haber zum Gründungsdirektor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem und zum ordentlichen Honorarprofessor für Physikalische Chemie an der Universität Berlin berufen. Das Institut erlangte unter Habers Leitung einen internationalen Ruf auf vielen Gebieten der Naturwissenschaft, an dem bedeutende Forschungsergebnisse wie zum Beispiel die Entdeckung und die Reindarstellung von para-Wasserstoff durch Karl Friedrich Bonhoeffer und Paul Harteck erzielt wurden.[9] Dieses Institut ist heute als Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft nach ihm benannt.

Planer des Gaskrieges im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Haber meldete sich bei Kriegsausbruch 1914 freiwillig[10] und war als wissenschaftlicher Berater im Kriegsministerium mit Forschungen zur Einsparung beziehungsweise Herstellung von Explosivstoffen sowie der Entwicklung neuer Produktionsverfahren zur Synthese von Ersatzstoffen kriegswichtiger Rohstoffe befasst, den sogenannten „Kriegschemikalien“ wie Salpeter, dessen Einfuhr aus Chile durch die Englische Seeblockade zum Stillstand gekommen war.[11]

Habers Forschungen ermöglichten den Einsatz der Giftgase Chlor und Phosgen als Kriegswaffen im Ersten Weltkrieg. War es ursprünglich um die Entwicklung eines Reizgases gegangen, das Nebenwirkung eines sonst voll funktionsfähigen Sprenggeschosses sein sollte, hatte der Chef des Generalstabes Erich von Falkenhayn im Dezember 1914 die Chemiker angewiesen, einen Stoff zu finden, der Menschen dauerhaft kampfunfähig machen würde. Haber wies die Oberste Heeresleitung auf Chlor hin, das aus Stahlflaschen auf den Feind abgeblasen werden sollte.[12] Er maß offenbar der Gaswaffe einen taktischen Wert bei, die Bewegung in den Stellungskrieg bringen, den Krieg verkürzen und damit Menschenleben retten sollte.[13] Nach seinem Plan und unter seiner Aufsicht wurde Anfang 1915 eine Spezialtruppe für den Gaskampf gebildet, aus der die Pionierregimenter Nr. 35 und 36 hervorgingen. In den Gastruppen dienten unter anderem James Franck, Otto Hahn, Gustav Hertz, Wilhelm Westphal, Erwin Madelung und Hans Geiger.[14]

Ab Februar 1915 überwachte Haber persönlich an vorderster Front die Vorbereitungen für den ersten deutschen Gasangriff bei Ypern. Er bestimmte selbst die Stellen, wo die Gasflaschen vergraben werden sollten. Am 22. April 1915 gegen 18 Uhr erfolgte der Angriff zum Auftakt der Zweiten Flandernschlacht. Insgesamt wurden 150 Tonnen Chlorgas nach dem sogenannten Haberschen Blasverfahren eingesetzt.[15] Haber wurde offenbar wenige Tage später zum Hauptmann befördert, als sich die OHL für den Ausbau der Gaswaffe entschied und Haber damit betraute.[16] Der Historikerin Margit Szöllösi-Janze zufolge erhielt die chemische Kriegführung mit Habers Engagement eine neue Qualität. „Mit dem ersten deutschen Chlorgasangriff […] eröffnete Haber […] ohne Zweifel die Geschichte der modernen C-Waffen. Gas wurde zum ersten Massenvernichtungsmittel der Weltgeschichte“.[17] Am 2. Mai, also wenige Tage nach diesem Einsatz, erschoss sich seine Frau Clara Immerwahr mit der Dienstwaffe Habers am Morgen nach der Siegesfeier im Garten des gemeinsamen Hauses.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Haber aufgrund des Verstoßes gegen die Haager Landkriegsordnung von den Alliierten zeitweilig als Kriegsverbrecher gesucht und floh vorübergehend in die Schweiz. Im Jahr 1917 heiratete Fritz Haber seine zweite Frau Charlotte Nathan, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft 1914. Aus dieser Ehe gingen eine Tochter, Eva Charlotte, und ein Sohn, Ludwig Fritz Haber, hervor. 1927 wurde die Ehe wieder geschieden.

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im April 1917 hatte Haber die Leitung eines Technischen Ausschusses für Schädlingsbekämpfung übernommen, im März 1919 wurde die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch) gegründet, deren Leitung Haber bis 1920 innehatte. Ab 1919 versuchte Haber sechs Jahre lang vergeblich, aus dem Meer Gold zu gewinnen, um die deutschen Reparationen zu bezahlen. Dazu nahm er im Juli 1923 an einer Hapag-Schiffsexpedition von Hamburg nach New York teil. Obwohl kein wirtschaftlicher Prozess zur Goldgewinnung gefunden wurde, konnten die Nachweismethoden extrem verbessert werden. Die Nachweisgrenze wurde auf 1 ng Gold pro Kilogramm verbessert.[18]

Fritz Haber war seit Gründung der I.G. Farben 1925 in deren Aufsichtsrat. Im Jahr 1926 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Nachdem er Japan bereist hatte, wirkte Fritz Haber im Jahr 1926 maßgebend an der Gründung des Japan-Instituts mit. Dieses sollte dem Aufbau und der Pflege der Beziehungen zwischen Deutschland und Japan im wissenschaftlichen und kulturellen Bereich dienen.

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an den Kaiser-Wilhelm-Instituten den Arierparagraphen durchgesetzt und die jüdischen Mitarbeiter entlassen hatten, was er nicht verhindern konnte, ließ sich Haber im Mai 1933 in den Ruhestand versetzen. Im Spätherbst 1933 emigrierte er nach Cambridge, nachdem er einen Ruf an die dortige Universität erhalten hatte. Bald darauf akzeptierte er ein Angebot von Chaim Weizmann, die Leitung des heutigen Weizmann-Institut in Rehovot, Israel, zu übernehmen. Auf der Reise dorthin starb Haber am 29. Januar 1934 im Alter von 65 Jahren in einem Hotel in Basel an Herzversagen.[19] Seine Urne wurde auf dem dortigen Hörnlifriedhof beigesetzt. 1937 wurde die Urne seiner ersten Frau Clara auf Veranlassung ihres Sohnes in das Grab von Fritz Haber umgebettet.

Werk[Bearbeiten]

Ammoniaksynthese[Bearbeiten]

Habers Ammoniakapparatur

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war bekannt, dass die Aufnahme von Stickstoff eine der Grundlagen für die Entwicklung von Nutzpflanzen ist. Es war auch bekannt, dass die Pflanze den elementaren Stickstoff nicht aus der Atmosphäre aufnimmt, sondern zum Beispiel aus Nitrat. [20] In einer Rede vor der British Association for the Advancement of Science im Jahre 1898 drückte deren Präsident, Sir William Crookes, die Besorgnis aus, dass die zivilisierten Nationen vor der Gefahr stünden, nicht genügend Nahrungsmittel produzieren zu können. Gleichzeitig zeigte er einen möglichen Lösungsweg auf, die damals sogenannte Fixierung des Stickstoffs aus der Luft. Er nannte dies eine der großen Entdeckungen, die auf den Einfallsreichtum der Chemiker warten.[21] Damals wurde ersichtlich, dass die natürlichen Vorkommen von Chilesalpeter den ständig steigenden Bedarf an Stickstoffdünger nicht ausgleichen konnten. So stieß die Rede von Crookes auf breite Zustimmung, und die Umwandlung des Luftstickstoffs in eine von Pflanzen aufnahmefähige Verbindung, griffig als „Brot aus Luft“ definiert, wurde einer der Forschungsschwerpunkte der damaligen Zeit.[22]

Fritz Haber begann im Jahr 1904 mit dem Studium der Ammoniaksynthese. Die gefundene Gleichgewichtskonstante für die Synthese aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff entsprach bei einer Temperatur von 1000 °C und Normaldruck einer Ausbeute von unter 0,01% und war damit zu niedrig für einen technischen Prozess. Erst bei Temperaturen von unter 300 °C und einem geeigneten Katalysator hielt er die Überführung in die Technik für möglich. [23] Auf Grund der zu erwartenden Schwierigkeiten stellte er die Arbeiten auf diesem Gebiet vorübergehend ein.

Der Forscher beantragte am 13. Oktober 1908 beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin Patentschutz für ein „Verfahren zur synthetischen Darstellung von Ammoniak aus den Elementen“, den dieses am 8. Juni 1911 mit Patent Nr. 235.421 gewährte.[24] Zwischenzeitlich hatte Haber einen Mitarbeitervertrag mit der BASF geschlossen und ihr das Patent zur wirtschaftlichen Verwertung überlassen.[25] In der Folge entwickelte er im Jahr 1909 zusammen mit Carl Bosch bei der BASF das Haber-Bosch-Verfahren, das 1910 zum Patent angemeldet wurde. Dieses Verfahren ermöglichte die synthetische Herstellung von Ammoniak als Grundstoff für die Herstellung von Salpeter zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoff. Im Jahr 1913 nahm die BASF erstmals eine Anlage nach dem Haber-Bosch-Verfahren im Werk Ludwigshafen-Oppau in Betrieb.

Born-Haber-Kreisprozess[Bearbeiten]

Nach dem Krieg widmete sich Haber einige Zeit der reinen Forschung zu, speziell der Entwicklung neuer Modelle für die Struktur von Feststoffen.[26] Der Physiker und spätere Physiknobelpreisträger Max Born, der James Franck am Institut öfter besuchte, stand Haber wegen seiner Beteiligung am Gaskrieg zunächst skeptisch gegenüber. Haber gewann aber sein Vertrauen und sie vereinbarten eine Zusammenarbeit, die schließlich zur Entwicklung des Born-Haber-Kreisprozesses führte. Born hatte bereits mit Alfred Landé über Kristallgitterenergie geforscht. Auch Haber hatte zu dieser Zeit erste Versuche zur Berechnung der makroskopischen Eigenschaften von Kristallen unternommen.[26]

Im Laufe ihrer Zusammenarbeit entwickelten Born und Haber einen Kreisprozess zur Analyse der Gesamtbildungsenthalpie eines Ionenkristalls aus der Summe der Energien der dazu notwendigen Teilschritte wie der Ionisationsenergie und der Verdampfungsenthalpie. Mit Hilfe des Born-Haber-Kreisprozesses ist es möglich, die nicht direkt bestimmbare Gitterenergie zu berechnen.[26] Der Kreisprozess in seiner ursprünglichen Form ist geeignet, um die Gitterenergie überwiegend ionischer Stoffe wie vieler Alkalihalogenide, bei denen ein kovalenter Bindungsanteil vernachlässigt werden kann, zu berechnen.[27]

Gold aus Meerwasser[Bearbeiten]

Fritz Haber, 1905

Im Jahr 1920 eröffnete Haber einem kleinen Kreis von Mitarbeitern, dass er umfangreiche Untersuchungen auf dem Gebiet der Goldgewinnung aus dem Meerwasser anstellen wollte.[28] Nach dem Ersten Weltkrieg sah Haber durch die Reparationsforderungen der Siegermächte von über 200 Milliarden Goldmark sowohl Deutschland bedroht als auch die Fortführung eines konstruktiven Wissenschaftsbetriebs an seinem Institut. Haber kannte einige Literatur über Goldgewinnungsverfahren. Er erörterte das Thema mit Svante Arrhenius, den er anlässlich der Nobelpreisverleihung in Stockholm besuchte.[28] Basierend auf den damals angenommenen Goldkonzentrationen von drei bis zehn Milligramm pro Kubikmeter Meerwasser berechnete Arrhenius einen Gesamtgehalt von bis zu acht Milliarden Tonnen Gold im Meerwasser.[28] Die gesamte Goldweltfördermenge des Jahres 1920 dagegen betrug nur 507 Tonnen. [29] Schon die Gewinnung eines sehr kleinen Teiles dieses Goldvorrates hätte ausgereicht, die deutschen Reparationskosten zu begleichen.

Nach umfangreichen Vorarbeiten im Labor beschloss Haber, das Verfahren der Kupellation zur Goldgewinnung zu nutzen. Zur Finanzierung seines Vorhabens gewann er die Degussa sowie die Frankfurter Metallbank. Da das Edelmetall bereits in gelöster Form vorlag, schienen die Voraussetzungen für eine Abtrennung aus dem Meerwasser günstig zu sein, denn bei den herkömmlichen Verfahren war der Aufschluss des Goldes das Teuerste.[28]

Im Zuge des Projekts wurden etwa 5.000 Proben von Meerwasser untersucht. Die gefundenen Konzentrationen lagen allerdings immer um den Faktor 100 bis 1.000 unter der erwarteten Konzentration. Eine wirtschaftliche Gewinnung von Gold war bei diesen geringen Konzentrationen nicht möglich. Im Jahr 1926 beendete Haber daher die Suche „nach der zweifelhaften Stecknadel im Heuhaufen“.[30]

Darstellung in den Medien[Bearbeiten]

Im Jahr 1969 veröffentlichte der Schriftsteller Hermann Heinz Wille den Roman Der Januskopf über das Leben Fritz Habers.[31]

Der Regisseur Daniel Ragussis drehte 2008 den Kurzfilm Haber mit Christian Berkel und Juliane Köhler in den Hauptrollen, der mehrere Preise gewann.[32][33]

2013 wurde am Staatstheater Darmstadt das Theaterstück Fritz Haber Deutsch oder Stimmt die Chemie? von Peter Schanz uraufgeführt.[34]

2014 erschien das TV-Drama Clara Immerwahr von Regisseur Harald Sicheritz mit Katharina Schüttler in der Titelrolle und Maximilian Brückner als Fritz Haber. Der Film beschreibt das Leben Clara Immerwahrs vom Abitur bis zu ihrem Selbstmord aufgrund der Entwicklungen des Weltkrieges und ihrer Ablehnung der Giftgas-Entwicklung ihres Mannes und Arbeitskollegen Haber.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nach Haber benannte Institute[Bearbeiten]

Zu seinen Ehren wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft umbenannt. Die Bibliothek des Weizmann-Instituts ist nach Haber benannt, an der Hebräischen Universität Jerusalem wurde 1981 das Fritz Haber Center for Molecular Dynamics gegründet.[35]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fritz Haber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, Verlag C.H. Beck, 1998, ISBN 978-3406435485, S. 26 f. Der sofortige Wegzug aus Breslau nach Volljährigkeit und die Konvertierung zum protestantischen Glauben, so Szöllösi-Janze, sind als Zeichen der Distanzierung des Sohnes vom Vater interpretierbar.
  2. Liste berühmter Korporierter. In: www.frankfurter-verbindungen.de. Abgerufen am 5. Juli 2014.
  3. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 44.
  4. Biografie Fritz Habers. In: Nobelprize.org. Abgerufen am 5. Juli 2014.
  5. F. Haber: Ueber einige Derivate des Piperonals. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 24, 1891, S. 617–626, doi:10.1002/cber.189102401115.
  6. Bretislav Friedrich: Fritz Haber: Chemist, Nobel Laureate, German, Jew. By Dietrich Stoltzenberg.. In: Angewandte Chemie International Edition. 44, 2005, S. 3957–3961, doi:10.1002/anie.200485206.
  7. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 124 f.: „Nach Charlotte Haber, gefolgt von Leitner, wollte schon der Abiturient seine frühere Tanzstundenliebe heiraten und verfolgte daraufhin zäh diesen Plan, gegen den heftigen Widerstand des Vaters.“
  8. F. Haber, R. Le Rossignol: Über das Ammoniak-Gleichgewicht. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 40, 1907, S. 2144–2154, doi:10.1002/cber.190704002129.
  9. Die Entdeckung des para-Wasserstoffs. In: mpibpc.mpg.de. Abgerufen am 16. November 2014.
  10. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 257
  11. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 268–271
  12. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 324.
  13. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 327.
  14. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 328.
  15. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 329 f.
  16. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 329–331.
  17. Margit Szöllösi-Janze: Fritz Haber 1868–1934: Eine Biographie, 1998, S. 317.
  18. F. Haber: Das Gold im Meerwasser. In: Zeitschrift für Angewandte Chemie. 40, 1927, S. 303–314, doi:10.1002/ange.19270401103.
  19. Max von Laue: Fritz Haber. In: Die Naturwissenschaften. 22, 1934, S. 97–97, doi:10.1007/BF01495380.
  20. F. Haber, G. van Oordt: Über die Bildung von Ammoniak den Elementen. In: Zeitschrift für anorganische Chemie. 44, 1905, S. 341–378, doi:10.1002/zaac.19050440122.
  21. William Crookes: "The Report of the 68th Meeting of the British Association for the Advancement of Science.", London/Bristol (1898).
  22. Gerhard Ertl: „Brot aus Luft“ – Zum Mechanismus des Haber-Bosch-Verfahrens. In: Akademie-Journal 1/2003. Abgerufen am 17. Juli 2014.
  23. Bretislav Friedrich: Fritz Haber: Chemist, Nobel Laureate, German, Jew. By Dietrich Stoltzenberg.. In: Angewandte Chemie International Edition. 44, 2005, S. 3957–3961, doi:10.1002/anie.200485206.
  24. Patent DE235421: Verfahren zur synthetischen Darstellung von Ammoniak aus den Elementen. Angemeldet am 13. Oktober 1908, veröffentlicht am 8. Juni 1911., Anmelder: Badische Anilin- und Sodafabrik, Erfinder: Badische Anilin- und Sodafabrik
  25. Günther Luxbacher: Brot und Sprengstoff. In: EXTRA Lexikon, Wiener Zeitung. (Version vom 2. Februar 2009 im Internet Archive)
  26. a b c Bretislav Friedrich, Dieter Hoffmann, Jeremiah James: One Hundred Years of the Fritz Haber Institute. In: Angewandte Chemie International Edition. 50, 2011, S. 10022–10049, doi:10.1002/anie.201104792.
  27. Erwin Riedel: Anorganische Chemie. de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-018168-1, S. 91
  28. a b c d Johannes Jaenicke: Habers Forschungen über das Goldvorkommen im Meerwasser. In: Die Naturwissenschaften. 23, 1935, S. 57–63, doi:10.1007/BF01497020.
  29. United States Geological Survey: World Production (PDF; 38 kB)
  30. Fritz Haber: Das Gold im Meerwasser. In: Zeitschrift für Angewandte Chemie. 40, 1927, S. 303–314, doi:10.1002/ange.19270401103.
  31. Siehe Datensatz in der Deutschen Nationalbibliothek: DNB 458655910
  32. Haber (2008). In: The Internet Movie Database. 2008. Abgerufen am 27. Juni 2014.
  33. Trailer zum Kurzfilm Haber bei YouTube (2:20 Min.), ganzer Film bei Vimeo (33:50 Min.)
  34. Angaben zu dem Theakterstück von Peter Schanz Staatstheater Darmstadt
  35. Bretislav Friedrich: Fritz Haber: Chemist, Nobel Laureate, German, Jew. By Dietrich Stoltzenberg.. In: Angewandte Chemie International Edition. 44, 2005, S. 3957–3961, doi:10.1002/anie.200485206.
  36. Book of Members, 1780–2010: Chapter B. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 15. November 2014.
  37. Frank Colby: The New International Year Book: A Compendium of the World's Progress for the year 1918, Dodd, Mead and Company, 1919