Gerschom ben Jehuda

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Gerschom ben Jehuda (oder: Juda[h]), bekannt auch als Rabbeinu Gerschom (hebräisch ‏רבנו גרשום‎ „unser Lehrer Gerschom)“ oder Rabbeinu Gerschom Me'Or Hagolah „unser Lehrer Gerschom, Leuchte des Exils“ (* um 960 vermutlich in Metz, daher zur Vermeidung von Missverständnissen oft auch als Gershom ben Jehuda Mettensis bezeichnet; † 1028 oder 1040 in Mainz) war ein jüdischer Talmudgelehrter. Er ist unter Juden besonders für den ihm zugeschriebenen Erlass (takkanah, Plural takkanot) bekannt, mit dem die Polygamie im aschkenasischen Judentum abgeschafft wurde.[1]

Gerschom war ein Schüler Yehuda ben Meirs. Nach seinem Talmudstudium eröffnete er eine Talmudakademie in Mainz, die Schüler aus vielen Ländern anzog. Mainz wurde dadurch zum religiös-kulturellen Mittelpunkt der sogenannten SCHUM-Städte Speyer (Schin (SCH) für Spira), Worms (Waw (U) für Warmaisa) und Mainz (Mem (M) für Magenza),[1] die als Geburtsstätten der deutsch-askenasischen religiösen Kultur gelten. Das Lehrhaus in Mainz ebenso wie das in Worms wurden bei den Massakern an den Juden während des ersten Kreuzzuges 1096 und bei späteren Verfolgungen zerstört. Dieser Verfolgungen wird in der jüdischen Liturgie als Gezerot Tatnu gedacht.

Nach allgemeiner Auffassung, die auf Meir von Rothenburg zurückgeht, hat Gerschom ums Jahr 1000 in einem Erlass die Polygamie abgeschafft, die den Voraussetzungen in den christlichen Ländern nicht mehr entsprach und sie mit dem Bann belegt. Ebenso soll er verfügt haben, dass sich ein Ehemann nicht ohne Zustimmung seiner Ehefrau von ihr scheiden lassen kann. Andere Quellen bezeichnen die Erlasse als Verfügungen der Gemeinde. Möglicherweise wurden sie Gerschom zugeschrieben wegen des hohen Ansehens, das er genoss. Die Kontroverse geht darauf zurück, dass keine Originaltexte der Erlasse überliefert sind; und sie werden von den Gelehrten seiner Generation auch nicht zitiert. Die Verfügungen wurden in den askenasischen Gemeinden Europas allgemein anerkannt und größtenteils befolgt.[1]

Gerschom ben Jehuda starb 1028 oder 1040 in Mainz. Auf dem alten jüdischen Friedhof in Mainz, dem Judensand, befindet sich ein Grabstein, der die Worte in memoriam: R. Gerschom ben R enthält, der als sein Grabstein gilt und oft besucht wird.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Shlomo Eidelberg, David Derovan: Gershom ben Judah Me'or Ha-Golah. In: Encyclopaedia Judaica. Band 7, Macmillan Reference USA, Detroit 2007, S. 551-552.