Goliath (Funk)

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Goliath

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Basisdaten
Ort: Kalbe (Milde)
Land: Sachsen-Anhalt
Staat: Deutschland
Höhenlage: 28 m ü. NHN
Verwendung: Fernmeldeanlage, Militärische Nutzung
Abriss: 1947
Daten der Sendeanlage
Anzahl der Türme/Masten: 15
Höhe der Türme/Masten: 170 m
Bauzeit der Sendeanlage: 1941–1943
Betriebszeit der Sendeanlage: 1943–1945
Wellenbereich: Längstwelle (VLF)
Sendetypen: Richtfunk, Mobiler Seefunk
Positionskarte
Goliath (Sachsen-Anhalt)
Goliath
Goliath
52.66916711.421944Koordinaten: 52° 40′ 9″ N, 11° 25′ 19″ O

Goliath war ein Längstwellensender, der von 1943 bis 1945 von der Kriegsmarine betrieben wurde, um Verbindung mit getauchten U-Booten herzustellen. Der Goliath befand sich bei Calbe an der Milde (seit 1952: Kalbe (Milde)). Mit einer Sendeleistung von einem Megawatt war die Anlage seinerzeit der stärkste Sender der Welt.

Antennenschema des Goliath
-Zentraler Rohrmast (210 m)
Δ -Stahlfachwerkmast (170 m)

Der Standort in der Altmark am Fluss Milde wurde wegen des feuchten Untergrundes gewählt, da gute Erdungsbedingungen eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Reichweite der Sendeanlage darstellen.

Die Bauarbeiten auf dem 263 Hektar großen Areal begannen im Jahre 1941 unter der Leitung der C. Lorenz AG (Berlin-Tempelhof); nach einer Bauzeit von 27 Monaten konnte der Betrieb im Jahre 1943 aufgenommen werden. Als Sendeantenne verwendete der Goliath drei Schirmantennen, die radial um drei 210 Meter hohe, gegen Erde isolierte Stahlrohrmaste montiert waren und die an je sechs 170 Meter hohen geerdeten Stahlfachwerkmasten befestigt waren. Drei dieser Stahlfachwerkmaste trugen zwei Schirmantennen, so dass insgesamt 15 Stahlfachwerkmaste existierten.

Durch den Betrieb mit Längstwellen im Bereich 15 bis 60 kHz konnte erstmals bei Entfernungen über 10.000 km die Kommunikation auch zu getauchten U-Booten ermöglicht werden. Kurz vor Kriegsende wurden Teile des Senders vom Betriebspersonal zerstört. Am 11. April 1945 besetzten Truppen der US-Armee das Gelände und nutzten es wegen der vorhandenen hohen Umzäunung als Lager für ca. 85.000 Kriegsgefangene. Nach den Vereinbarungen der Konferenz von Jalta wurde Ende Juni 1945 die Anlage an die Rote Armee übergeben.

Der Goliath, der später Vorbild für viele ähnliche Anlagen war, wurde bis April 1947 demontiert und die Gebäude und Sendemasten gesprengt. Heute ist nur noch ein Fundament eines der 170 Meter hohen Maste erhalten (Koordinaten52.66916666666711.421944444444).

Die demontierte Sendeanlage wurde zunächst in der Nähe von Leningrad eingelagert und dann 1952 etwa 10 km südlich von Nischni Nowgorod (Koordinaten56.17194444444443.931666666667) wieder errichtet. Dieser Sender war damit der erste Längstwellensender der Sowjetunion. Die Sendeanlage ist dort bis heute nahezu unverändert in Betrieb und wird durch die russische Kriegsmarine, u.a. auch für den Zeitzeichendienst RJH99, betrieben.

Die Bezeichnung des Senders lautet am neuen Standort auf russisch Goliaf (Голиаф).

Die Antennenanlage des Längstwellensenders Wilejka ähnelt verblüffend stark der Anlage des Goliaths, allerdings sind alle Masten ziemlich genau 100 Meter höher.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gerd Klawitter: 100 Jahre Funktechnik in Deutschland - Funksendestellen rund um Berlin. Wiss.- und Technik-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-89685-500-X, S. 113–128.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goliath transmitter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien