Abriss (Bauwesen)

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Rückbau ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Rückbau im Bergbau siehe Rückbau (Bergbau).
Abriss eines Bürogebäudes

Der Abriss, Abbruch oder Rückbau, österreichisch auch Demolierung[1], bezeichnet im Bauwesen das komplette oder teilweise Zerstören und Entsorgen von Bauwerken aller Art. Der Abriss selbst erfolgt durch Verfahren wie Einreißen, Abtragen, Demontieren, Zerschlagen (Abrissbirne), oder den Einsatz von kontrollierten Sprengungen. Bei größeren Bauten wird die Sprengung bevorzugt, sofern es die örtlichen Gegebenheiten erlauben. Sollen nur Teile abgebrochen werden, so kommen eher „sanfte“ Abbruchgeräte wie Wandsägen und Kernbohrgeräte zum Einsatz.

Allgemeines[Bearbeiten]

Für die meisten Abbrucharbeiten sind besondere Abbruchgenehmigungen erforderlich, in denen das Abbruchverfahren genau beschrieben wird. Auch bei einem Teilabbruch innerhalb eines Hauses kann eine Abbruchgenehmigung erforderlich werden, insbesondere wenn tragende Bauteile entfernt werden sollen oder wenn brandschutzrelevante Bauteile von den Abbruchmaßnahmen betroffen sind.

Oft wird ein Abbruch vorgenommen, um auf der frei gewordenen Fläche ein neues Bauwerk zu errichten. Beim teilweisen Abbruch werden anschließend oft Veränderungen in Form und Qualität der Bausubstanz vorgenommen. Da nicht nur beim Abbruch, sondern auch bei einem zum Abbruch vorgesehenen Bauwerk oder Abbruchhaus besondere Gefahren auftreten, ist die Absicherung gegen unbefugtes Betreten besonders wichtig. Schwierige Abbruchvorhaben (z. B. Abbruch mit Großgerät, Sprengen, etc.) dürfen erst begonnen werden, wenn eine schriftliche Abbruchanweisung des Abbruchunternehmers auf der Baustelle vorliegt. Diese Arbeiten werden durch Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik durchgeführt. Die geplanten Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen sind mit dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator (SiGeKo) abzustimmen. Gerade bei Betonbauten kann der Abbruch ein Prozess von Monaten mit großer Lärm- und Staubentwicklung sein. Eines der bekanntesten Beispiele ist der von 2006 bis 2008 betriebene Abbruch des Palasts der Republik in Berlin.

Abrissverfahren[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Abbruchverfahren, die einzeln und kombiniert angewendet werden können, lauten wie folgt:

Bauwerke[Bearbeiten]

Abriss einer Hochhauskette in Ludwigshafen-Pfingstweide, 2009
Abriss eines DDR-Wohnhauses in Markneukirchen, 2010

Mit dem Abriss baulicher Anlagen ist sowohl der kontrollierte Abbruch kompletter Gebäude als auch von An- und Umbauten sowie von Etagen gemeint. Im Gegensatz zum früheren unkontrollierten Abbruch mit der Abrissbirne oder durch Sprengung erfolgt der Abriss von Gebäuden heute oft als planmäßiger Rückbau, mit weitgehender Sortentrennung der einzelnen Baustoffe und dem Schutz benachbarter Bauwerke oder Bauteile, sowie unter Berücksichtigung des Emissionsschutzes. Bauschutt wird weitgehend recycelt; die Entsorgung von Baumischabfällen ist teuer.

Der Abriss von Kraftwerken, insbesondere von Kernkraftwerken, und auch dessen Finanzierung galt lange Zeit als ungelöstes Problem - unter anderem deshalb, weil bei Planung und Bau der Anlagen offensichtlich niemand an einen Abriss nach der endgültigen Abschaltung dachte.[2]

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden in Europa viele tausend Kilometer Bahnstrecken abgerissen (man spricht auch von 'Gleisabbau'). Einige von ihnen wurden zu Radwanderwegen. Auch Gleisanschlüsse von Industriebetrieben ("Industriegleis") wurden abgerissen.

Städtebau und Landesplanung[Bearbeiten]

Umfangreiche, teilweise flächenhafte Rückbaumaßnahmen fanden in Frankreich in den Vororten großer Städte und im Osten Deutschlands nach der Wiedervereinigung statt. In Frankreich sollte der Abriss vor allem soziale Probleme beseitigen. In Deutschland ist in den neuen Bundesländern die demografische Entwicklung der ausschlaggebende Faktor für einen Stadtumbau. In den westlichen Bundesländern gab es, wie in Bremen - Osterholz - Tenever, den Abriss zunächst aus sozialen Gründen. Auch hier wird in einigen Regionen der Bevölkerungsrückgang an Bedeutung für den sogenannten Rückbau zunehmen. Der Abriss vormals gewerblich genutzter Flächen wird durchgeführt, um brachliegende Liegenschaften einer neuen Nutzung zuzuführen. Durch die Umnutzung bereits bebauter Areale werden städtebauliche Zusammenhänge erhalten oder wiedergewonnen und die Versiegelung unbebauter Flächen vermieden.

Die Bezeichnungen Abriss, Abbruch und Rückbau[Bearbeiten]

Die Bezeichnungen Abriss, Abbruch und Rückbau werden synonym verwendet.

Sie werden oft in Verbindung mit den Adjektiven 'geordnet', 'systematisch' oder 'selektiv' verwendet. Das kann man unglücklich finden (da es keinen unkontrollierten Rückbau gibt[3]); es ist eine Tautologie oder ein Pleonasmus.

In der Praxis hat sich der Begriff 'Rückbau' durchgesetzt, da er weniger brutal und politisch eleganter klingt[4] (siehe auch Politische Korrektheit).

Historische Abbruchmethoden[Bearbeiten]

Bevor man zur Beseitigung von Gebäuden auf schwere Baumaschinen zurückgreifen konnte, wurden Bauwerke in der Regel durch menschliche Muskelkraft mit Hammer oder Spitzhacke abgebrochen. Bereits im Mittelalter wurden nicht mehr benötigte Gebäude teilweise auch durch absichtlich gelegtes Feuer zerstört, was bei unvorsichtiger Vorgehensweise oft auch größere Brände als geplant hervorrief. Auch das zum Einsturz bringen von Wänden vermittels ziehen durch angelegte Taue war eine bereits früh angewandte Methode.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Abriß im Tiefbau; Lehrbrief TU Dresden, 1989

Quellen[Bearbeiten]

  1. Eintrag „demolieren“ auf Duden online, abgerufen am 4. August 2014
  2. Wolfgang Thielke: Am Ende der Ewigkeit. - Die Konstrukteure der 60er Jahre bauten ihre Kraftwerke für lange Laufzeiten. Jetzt werden die ersten Meiler abgerissen. Daraus erwächst eine neue Industrie. In: Focus Nr. 6 vom 5. Februar 1996
  3. Ulrich Schneider: Flächenrecycling durch kontrollierten Rückbau: Ressourcenschonender Abbruch von Gebäuden und Industrieanlagen ISBN 978-3540620808, Seite 3
  4. Sigrun Kabisch, Matthias Bernt, Andreas Peter: Stadtumbau unter Schrumpfungsbedingungen: Eine sozialwissenschaftliche Fallstudie, ISBN 978-3810041715, Seite 17

Weblinks[Bearbeiten]