Gore-Tex

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Gore-Tex (Aussprache: ['go:ɐ̯tɛks], auf Deutsch verbreitet auch ['go:rɛtɛks]) ist der Handelsname der W. L. Gore & Associates für eine mikroporöse Membran aus gerecktem (expandiertem) Polytetrafluorethylen (ePTFE), die winddicht, wasserdicht, aber wasserdampfdurchlässig und damit atmungsaktiv ist. Diese Membran besitzt ca. 1,3 Milliarden Poren/cm2, deren Durchmesser ca. 20.000-mal kleiner als ein Wassertropfen, aber etwa 770-mal größer als ein Wasserdampfmolekül ist. Wegen dieser Eigenschaftsmerkmale eignet sie sich für die Verarbeitung in Funktionstextilien, wie z. B. Sport-, Freizeit- und Arbeitsschutzkleidung.[1]

Herstellung der Membran[Bearbeiten]

Nach Angaben der W. L. Gore & Associates entdeckte Robert W. Gore im Jahr 1969, dass PTFE bei einer rasch ausgeführten Reckung nicht zerstört wurde, sondern das gereckte (expandierte) ePTFE fest und hochporös war. Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt für zahlreiche Produktentwicklungen des Unternehmens auf ePTFE- Basis.[2] Die Herstellung der Membran kann nur durch eine Pastenextrusion erfolgen. Dazu ist eine Mischung des PTFE-Granulats mit einem Schmier- bzw. Gleitmittel (z. B. hochsiedende aliphatische Kohlenwasserstoffe) notwendig. Durch Erhitzen bis höchstens 327°C (Schmelzpunkt des PTFE) wird das Gleitmittel aus dem PTFE-Film entfernt. Anschließend wird der Film uni- oder biaxial gereckt, wodurch die mikroporöse Struktur entsteht.[3] Die grundlegenden Produkt- und Verfahrensentwicklungen für mikroporöse PTFE-Produkte durch den Erfinder Robert W. Gore wurden durch die W. L. Gore & Associates in den US-Patenten 3953566 und 3962153 niedergelegt.[4][5]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Schema von Gore-Tex für Outdoor-Bekleidung
REM-Aufnahme von gestrecktem PTFE. Größe der Inseln ca. 10µm

Es werden nur kleine Mengen des Polymers benötigt, um diese luftige, gitterartige Struktur zu schaffen. ePTFE wird in verschiedenen Formen für die Gas- und Flüssigkeitsfiltration, in der Dichtungstechnik sowie für medizinische Implantate eingesetzt. Am bekanntesten aber sind die Gore-Tex-Funktionstextilien.

Wassertropfen sind etwa 20.000-mal größer als die Poren in einer Gore-Tex-Membran. Deswegen ist die Membran sehr dicht gegen flüssiges Wasser und Wind. Körperfeuchtigkeit wird jedoch als Wasserdampf durchgelassen (Atmungsaktivität). Gore-Tex-Textilien waren bei ihrer Markteinführung 1976 die ersten wasser- und winddichten Textilien, die dampfdurchlässig waren und damit den für die Temperaturregulierung des Körpers wichtigen Abtransport des verdunsteten Schweißes zuließen.

Bei einem Anwendungsbereich mit höheren Anforderungen hinsichtlich Haltbarkeit und Atmungsaktivität eignet sich Gore-Tex-XCR (extended comfort range), das im Jahre 2000 kommerziell eingeführt wurde. Im Gegensatz zu Gore-Tex Bekleidung kommen hier eine leistungsfähigere Membrantechnik sowie besonders haltbare Textilien zum Einsatz. Mittlerweile wurde XCR von Gore-Tex Pro Shell abgelöst.

Auch die Unterbekleidung muss die Membran unterstützen, indem sie ermöglicht, dass der Schweiß weitertransportiert wird, anstatt aufgesogen zu werden. Baumwolle ist daher nicht zu empfehlen, besser sind Kunstfasern oder feine Wolle wie z. B. Merino-Wolle.

Herstellung der Laminate[Bearbeiten]

Bei der Herstellung der mehrschichtigen Gore-Tex-Textillaminate wird die ePTFE-Membran mit Textilien, meist Polyester oder Polyamid, dauerhaft und flexibel verklebt („laminiert“). Diese Gore-Tex-Laminate werden dann zu Bekleidungsteilen verarbeitet. Die Nähte werden mit speziellen Schweißbändern abgedichtet. Die Gore-Tex-Laminate werden nur an zertifizierte Verarbeitungsbetriebe verkauft.

Gore-Tex-Produkte und deren Pflege[Bearbeiten]

Momentan gibt es im Bereich Oberbekleidung fünf verschiedene Kategorien. Dabei sind alle gleichermaßen wind- und wasserdicht.

Gore-Tex Performance Shell[Bearbeiten]

Die Membran und der Oberstoff sind fest miteinander verbunden, das (meist Netz-) Futter hängt lose im Innern. Performance Shell zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort aus.

Gore-Tex Paclite Shell[Bearbeiten]

Statt eines Futters ist die Membran von innen mit einer atmungsaktiven Schutzschicht versehen. Dadurch ist Paclite, wie der Name schon sagt, sehr leicht und klein packbar, dafür ist der Stoff sehr viel weniger abriebfest, wodurch es sich z.B. nicht für schwere Rucksäcke eignet.

Gore-Tex Pro Shell[Bearbeiten]

Die Membran ist mit dem Außenmaterial und dem Innenfutter zu einer Schicht laminiert. Der Stoff wird dadurch etwas fest, wodurch das typische „Rascheln“ einer Hardshell entsteht.

Gore-Tex Soft Shell[Bearbeiten]

Auch bei Soft Shell handelt es sich um eine 3-Lagen-Konstruktion. Das auflaminierte Innenfutter besteht hier aus einer dünnen Fleece- oder Flanellschicht. Der Hauptvorteil ist ein sehr hoher Tragekomfort durch das weiche Futter, sowie das geringere Rascheln gegenüber einer Hardshell. Daneben ist Soft Shell durch das Futter das einzige Gore-Tex-Laminat, das wirklich wärmt. Dadurch ist es jedoch nur für kalte Jahreszeiten wirklich geeignet. Auch ist die Atmungsaktivität durch die eher dicke Konstruktion etwas eingeschränkt.

Gore-Tex Active Shell[Bearbeiten]

Durch eine Integration des Innenfutters in die Membran wird eine erhöhte Atmungsaktivität erreicht. Die Membran ist dünner, wodurch sich das Gewicht verringert. Ein weiterer Vorteil ist der höhere Tragekomfort, wenn das Kleidungsstück direkt auf der Haut getragen wird („Next-To-Skin-Komfort“).

Pflege[Bearbeiten]

Die Poren von Gore-Tex-Bekleidung könnten durch Reste von pulverförmigem Waschmittel verschlossen werden. Deshalb wird empfohlen, Flüssigwaschmittel zu verwenden. Gore-Tex Bekleidung kann empfindlich auf Wäschetrockner reagieren.[6]

Andere Verwendungen[Bearbeiten]

In der Fahrradtechnik gibt es von der Firma Gore besonders wartungsarme Schalt- und Bremszüge, bei denen zwischen Bowdenzug und Außenhülle eine Gore-Tex-Lage aufgebracht wird, die einerseits das System gegen Spritzwasser schützt und außerdem die Züge besonders leichtgängig werden lässt.

In der Medizin werden Gore-Tex-Implantate und Patch-Materialien in der Herz- und Gefäßchirurgie für Gefäßprothesen, bei Bruchsackbildungen (Hernien) und in der Ophthalmochirurgie bei tiefen Hornhautgeschwüren eingesetzt.

Kritik[Bearbeiten]

Wie für alle Materialien, die halogenierte Kohlenwasserstoffe enthalten, ist auch bei Gore-Tex die Entsorgung problematisch.[7]

Die Eigenschaften von Gore-Tex zeigen sich nur, wenn es außen deutlich kälter oder trockener als in der Kleidung ist, wenn also ein ausreichendes Dampfdruckgefälle besteht. Das ist beispielsweise unter Rucksackgurten oder bei hoher Luftfeuchtigkeit oder -temperatur nicht der Fall. [8]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Petra Knecht (Hrsg.): Funktionstextilien. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-87150-833-0, S. 287
  2. Vgl. 1969 auf der Zeittafel des Unternehmens W. L. Gore & Associates [1]. Abgerufen am 18. November 2014
  3. Klaus Ohlrogge, Katrin Ebert (Hrsg.): Membranen – Grundlagen, Verfahren und industrielle Anwendungen. WILEY-VCH Verlag, Weinheim 2006, ISBN 3-527-30979-9, S. 16/17
  4. US-Patent 3953566 „Process for producing porous products“. Abgerufen am 18. November 2014
  5. US-Patent 3962153 „Very Highly stretched Polytetraflouroethylene and process therefor“. Abgerufen am 18. November 2014
  6. Seite zu Gore-Tex in der Hauswirtschaft.
  7. Belastete Outdoor-Kleidung: Zurück zur Chemie - Spiegel Online vom 30. Oktober 2012.
  8. "Outdoorseiten.net"

Weblinks[Bearbeiten]