Gore-Tex

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
GORE-TEX® Logo

Gore-Tex (Aussprache: ['go:ɐ̯tɛks], auf Deutsch verbreitet auch ['go:rɛtɛks]) ist der Handelsname der W. L. Gore & Associates, Newark, Delaware für eine aus Polytetrafluorethylen (PTFE bzw. Handelsname: Teflon) bestehende wasserundurchlässige, aber dampfdiffusionsoffene Membran, die zur Herstellung von Funktionstextilien verwendet wird.

Im Jahre 1969 entdeckte der US-Chemiker Robert W. Gore ein neuartiges Verfahren zur Verarbeitung von Polytetrafluorethylen. Dieses Verfahren bestand zum Teil darin, das PTFE mechanisch zu expandieren, um eine mikroporöse Membran, die ePTFE-Membran zu erhalten.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Schema von Gore-Tex für Outdoor-Bekleidung
SEM-Aufnahme von gestrecktem PTFE. Größe der Inseln ca. 10 µm

Es werden nur kleine Mengen des Polymers benötigt, um diese luftige, gitterartige Struktur zu schaffen. ePTFE wird in verschiedenen Formen für die Gas- und Flüssigkeitsfiltration, in der Dichtungstechnik sowie für medizinische Implantate eingesetzt. Am bekanntesten aber sind die Gore-Tex-Funktionstextilien.

Wasserdampfdurchlässigkeit[Bearbeiten]

Wassertropfen sind etwa 20.000-mal größer als die Poren in einer Gore-Tex-Membran. Deswegen ist die Membran sehr dicht gegen Wasser und Wind. Körperfeuchtigkeit wird jedoch als Wasserdampf durchgelassen, sie ist also atmungsaktiv. Gore-Tex-Textilien waren bei ihrer Markteinführung 1976 die ersten wasser- und winddichten Textilien, die dampfdurchlässig waren, und damit den Abtransport (Diffusion) des verdunsteten Schweißes zuließen, was für die Temperaturregulierung des Körpers enorm wichtig ist.

Bei einem Anwendungsbereich mit höheren Anforderungen hinsichtlich Haltbarkeit und Atmungsaktivität eignet sich Gore-Tex-XCR (extended comfort range), das im Jahre 2000 kommerziell eingeführt wurde. Im Gegensatz zu Gore-Tex Bekleidung kommen hier eine leistungsfähigere Membrantechnik sowie besonders haltbare Textilien zum Einsatz. Mittlerweile wurde XCR von Gore-Tex Pro Shell abgelöst.

Auch die Unterbekleidung muss die Membran unterstützen, indem sie ermöglicht, dass der Schweiß weitertransportiert wird, anstatt aufgesogen zu werden. Baumwolle ist daher nicht zu empfehlen, besser sind Kunstfasern oder feine Wolle wie z. B. Merino-Wolle.

Pflege[Bearbeiten]

Die Poren von Gore-Tex Bekleidung könnten durch Reste von pulverförmigem Waschmittel verschlossen werden. Deshalb wird empfohlen Flüssigwaschmittel zu verwenden. Gore-Tex Bekleidung kann empfindlich auf Wäschetrockner reagieren, weshalb unbedingt die Informationen der Textilpflegesymbole zu beachten sind.[1]

Produkte[Bearbeiten]

Momentan gibt es im Bereich Oberbekleidung fünf verschiedene Kategorien. Dabei sind alle gleichermaßen wind- und wasserdicht.

Gore-Tex Performance Shell
Die Membran und der Oberstoff sind fest miteinander verbunden, das (meist Netz-) Futter hängt lose im Innern. Performance Shell zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort aus.
Gore-Tex Paclite Shell
Statt eines Futters ist die Membran von Innen mit einer atmungsaktiven Schutzschicht versehen. Dadurch ist Paclite, wie der Name schon sagt, sehr leicht und klein packbar, dafür ist der Stoff sehr viel weniger abriebfest, wodurch es sich z.B. nicht für schwere Rucksäcke eignet.
Gore-Tex Pro Shell
Pro Shell ist für den Einsatz unter den widrigsten Bedingungen konzipiert. Die Membran ist mit dem sehr robusten Außenmaterial und einem ebenso unempfindlichen Innenfutter zu einer Schicht laminiert. Der Stoff wird dadurch etwas fest, wodurch das typische "Rascheln" einer Hardshell entsteht.
Gore-Tex Soft Shell
Auch bei Soft Shell handelt es sich um eine 3-Lagen-Konstruktion, das auflaminierte Innenfutter besteht hier aus einer dünnen Fleece- oder Flanellschicht. Der Hauptvorteil ist ein sehr hoher Tragekomfort durch das weiche Futter, sowie das geringere Rascheln gegenüber einer Hardshell. Daneben ist Gore-Tex® Soft Shell durch das Futter das einzige Gore-Tex Laminat, das wirklich wärmt. Dadurch ist es jedoch nur für kalte Jahreszeiten wirklich geeignet. Auch ist die Atmungsaktivität durch die eher dicke Konstruktion etwas eingeschränkt.
Gore-Tex Active Shell
Die neueste Kategorie aus dem Hause Gore bietet eine stark erhöhte Atmungsaktivität, die durch eine dünnere Membran und ein spezielles Verfahren, das das Innenfutter direkt in die Membran integriert, erreicht wird. Weitere Vorteile sind das dadurch erreichte geringe Gewicht und ein höherer Tragekomfort, wenn das Kleidungsstück direkt auf der Haut getragen wird ("Next-To-Skin-Komfort").

Herstellung[Bearbeiten]

Bei der Herstellung der mehrschichtigen Gore-Tex-Textillaminate wird die ePTFE-Membran mit Textilien, meist Polyester oder Polyamid, dauerhaft und flexibel verklebt („laminiert“). Diese Gore-Tex-Laminate werden dann zu Bekleidungsteilen (Jacken, Hosen, Schuhen, Handschuhen) verarbeitet. Die Nähte werden mit speziellen Schweißbändern abgedichtet. Da die Verarbeitung zu hochwertigen, haltbaren Bekleidungsteilen spezielles Know-how und Maschinen erfordert, werden Gore-Tex-Laminate nur an zertifizierte Verarbeitungsbetriebe verkauft.

Verwendung[Bearbeiten]

Gore-Tex-Membranen werden heutzutage in praktisch allen Arten von Oberbekleidungsteilen verarbeitet und ebenso in Schuhen, um die Teile einer Geländeausrüstung wasserfest zu machen.

In der Fahrradtechnik gibt es von der Firma Gore besonders wartungsarme Schalt- und Bremszüge, bei denen zwischen Bowdenzug und Außenhülle eine Gore-Tex-Lage aufgebracht wird, die einerseits das System gegen Spritzwasser schützt und außerdem die Züge besonders leichtgängig werden lässt.

In der Medizin werden Gore-Tex-Implantate und Patch-Materialien in der Herz- und Gefäßchirurgie für Gefäßprothesen, bei Bruchsackbildungen (Hernien) und in der Ophthalmochirurgie bei tiefen Hornhautgeschwüren eingesetzt.

Kritik[Bearbeiten]

Wie für alle Materialien, die halogenierte Kohlenwasserstoffe enthalten, ist auch bei Gore-Tex die Entsorgung problematisch.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Seite zu Gore-Tex in der Hauswirtschaft.
  2. Belastete Outdoor-Kleidung: Zurück zur Chemie - Spiegel Online vom 30. Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten]