Grande Peur

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Die Grande Peur (französisch: Große Furcht) ist ein Phänomen der Französischen Revolution, das sich zwischen dem 20. Juli und 6. August 1789 im ländlichen Frankreich ereignete. Als Reaktion auf Gerüchte eines Komplottes der Aristokratie griff die Landbevölkerung zu den Waffen und es kam zu gewalttätigen Bauernaufständen. Sie hatten zur Folge, dass die Konstituante unter Druck dieser Ereignisse in der Nacht vom 4./5. August 1789 zahlreiche Vorrechte der privilegierten Stände abschaffte.

Verlauf[Bearbeiten]

Im Sommer 1789 weigerten sich viele Bauern, Steuern zu zahlen oder Abgaben an ihre Lehnsherren zu entrichten. Zusätzlich war die Landbevölkerung durch die Vorgänge in Paris beängstigt und erregt. Sie hatte Angst vor der Rache des Adels, und es gab Gerüchte, welche besagten, dass Bettelhorden, Räuber und Intriganten das ganze Land überziehen würden. Die Bauern griffen aufgrund dieser angeblichen Gefahr zu den Waffen. Als sie feststellten, dass die Räuberbanden nicht kommen würden, richtete sich die aufgestaute Aggression gegen den Adel und dessen Besitz. Die Bauern stürmten Schlösser und setzten sie in Brand, brachen das Jagdrecht und griffen Taubenverschläge der Adligen an. Insbesondere vernichteten sie die Akten, welche die Abgabenverpflichtungen und Adelsvorrechte enthielten. „Dieser außerordentliche, urtümliche Ausbruch kollektiver Ängste und Gewaltreaktionen wurde als Grande Peur bekannt“ (Thamer, 2004).

Die Nationalversammlung in Versailles reagierte auf die ländlichen Bauernaufstände. Um ihre Handlungsfähigkeit zu beweisen, schaffte sie an ihrer Sitzung vom 4./5. August 1789 einige Privilegien für den 1. und 2. Stand ab. Während zum Beispiel Vorrechte wie Steuerprivilegien und Frondienst abgeschafft wurden, blieben allerdings Rechte, die an das Grundeigentum gebunden waren, bestehen. Den Bauern verblieb einzig die Möglichkeit sich von diesen Abgaben freizukaufen. Trotz dieses Kompromisses waren die Bauernaufstände ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Überwindung der Feudalordnung im Agrarbereich. Mit dem Ende der konstitutionellen Monarchie wurde die Feudalordnung dann vollständig aufgehoben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georges Lefèbvre: La Grande Peur de 1789. Paris 1932.
  • Wolfgang Kruse: Die Französische Revolution. Paderborn 2005.
  • Hans-Ulrich Thamer: Die Französische Revolution. München 2004.