Grigori Moissejewitsch Mairanowski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Grigori Moissejewitsch Mairanowski (russisch Григорий Моисеевич Майрановский; * 1899 in Batumi; † 1971) war ein sowjetischer Chemiker, Toxikologe und Experte für Hinrichtungen und der Erfinder eines sogenannten Giftstuhles.

Funktionen und Karriere[Bearbeiten]

Mairanowski leitete das Moskauer Laborinstitut des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten NKWD unter der Leitung von Lawrenti Beria. Das Labor „Nr. 12“ war der Lubjanka angeschlossen und befand sich in der Warsonofjewskijgasse 11. Bis zu Josef Stalins Tod (1953) wurden unter der Führung Mairanowskis Giftstoffe hergestellt und in Menschenversuchen ausprobiert. Täglich brachte man zu diesem Zweck Häftlinge in die Zellen des Labors. Es wurde mit Substanzen gearbeitet, die bei Obduktionen nach politischen Morden damals nicht nachzuweisen sein würden. Geheimaktionen sowjetischer Agenten im Ausland sollten auf diese Weise unterstützt werden. Die Entwicklung von Gegenständen mit verdeckter Giftnadel oder -spitze wurde hier begründet. Mairanowski leitete persönlich die Entwicklung eines Spazierstockes mit vergifteter Spitze. Auch dabei wurde an Häftlingen des NKWD experimentiert.[1] Der Historiker Michail Woslenski erwähnt Mairanowskis Mitteilung an Beria, er habe „mehrere Dutzend Erzfeinde der Sowjetunion vernichtet“.[1]

Waleri Alexandrowitsch Wolin, der Militäroberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, erklärte 1993 in einem Vortrag:

„Vor kurzem erst erfuhr ich bei meiner Arbeit in der Verwaltung für Rehabilitierung, dass in Moskau beim zentralen Apparat des KGB ein Geheimlabor eingerichtet worden war, um Versuche an zum Tode verurteilten Häftlingen durchzuführen. In diesem Todeslabor unter Leitung des Doktors der medizinischen Wissenschaften, Professor Grigori Mairanowski, wurden durch KGB-Angehörige Tausende von Menschen unterschiedlicher Nationalität umgebracht.“[2]

Mairanowski soll auch Experimente an deutschen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg durchgeführt haben, gemäß einem Artikel des Russland-Korrespondenten der Frankfurter Rundschau von 2006, der sich auf ein 2005 veröffentlichtes Buch des Ex-KGB'lers Alexander Kusminow bezieht.[3]

Mairanowski musste in den 1950er Jahren zur Zeit der sogenannten Ärzteverschwörung, einer fabrizierten Verdächtigung, ins Gefängnis, unter dem Vorwurf, ein „jüdischer Nationalist“ zu sein. Nach seiner Freilassung arbeitete er bis zu seinem Tod als Leiter eines biochemischen Laboratoriums.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

allesamt von 2006 zum Anlass der Vergiftung Alexander Walterowitsch Litwinenkos:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michail Sergejewitsch Woslenski Das Geheime wird offenbar. Moskauer Archive erzählen, S. 56-58, Langen Müller 1995, ISBN 3784425364
  2. 4. Bautzen-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 17.-18. Juni 1993: Der 17. Juni 1953. Der Anfang vom Ende des sowjetischen Imperiums (PDF-Datei; 712 kB), Dokumentation, S. 76.]
  3. Florian Hassel: „Geheimlabor entwickelt Gifte für spurlose Morde“, Kölner Stadt-Anzeiger vom 24. November 2006. "Russlands Geheimdienst unterhält seit 1922 ein Geheimlabor, das Gifte für spurlose, zumindest rätselhafte, Morde entwickelt. 2005 veröffentlichte Ex-Geheimdienstler Alexander Kusminow ein Buch, demzufolge das Labor immer noch existiert."