Telepolis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Telepolis
Telepolis logo.svg
www.heise.de/tp
Beschreibung Onlinemagazin
Registrierung Nein
Sprachen Deutsch
Eigentümer Verlag Heinz Heise
Erschienen 1996
Status Aktiv

Telepolis ist ein Onlinemagazin des Heise Zeitschriften Verlags. Das Netzmagazin, das bis 1998 auch als Printausgabe erschien, reflektiert nach eigener Darstellung „kritisch die gesellschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Aspekte des digitalen Zeitalters“.[1] Neben Büchern werden weiterhin auch gedruckte Sonderhefte unter diesem Titel vertrieben.

Thematisiert werden seit Anfang 1996 Netzpolitik, Netzkultur, Wissenschaft, Politik, Technik, Medien, Kulturkritik und digitale Kunst. Im April 2013 erreichte Telepolis 13.392.890 IVW-geprüfte Seitenabrufe.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet wurde Telepolis von den Redakteuren Armin Medosch und Florian Rötzer, nachdem sie 1995 gemeinsam die Veranstaltungsreihe Telepolis konzipiert und organisiert hatten.[3] 2001 wurde das Team um die Münchner Journalistin Michaela Simon erweitert.

2002 reduzierte der Verlag das Budget aus Betriebsgründen und Armin Medosch musste seine Redaktionsstelle in London schließen.[4] Danach spielten die klassischen netzpolitischen Themen, die Telepolis in der Internetszene bekannt machten, zeitweise eine etwas geringere Rolle.

Später wurde mit der Erwähnung von Netzproblemen wie den Abmahnwellen um Domains, Urheberrecht, Impressum etc. diese Thematik jedoch wieder aufgegriffen. 2004 wurde das Redaktionsteam um Wolf-Dieter Roth ergänzt, der 2007 das Magazin jedoch gemeinsam mit Michaela Simon und einigen weiteren Autoren wieder verließ.

Seit November 2012 veranstaltet Telepolis in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Amerika-Akademie in München eine Gesprächsreihe.[5]

Themen[Bearbeiten]

Auf Telepolis erscheinen sowohl Nachrichten- als auch Meinungs-Artikel. Das Magazin berichtet und kommentiert vor allem über das politische Zeitgeschehen sowie naturwissenschaftliche Themen und Aspekte der digitalen Kultur.

Das Magazin widmete sich unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 verstärkt geopolitischen Themen.[6][7][8] Daneben gibt es Reportagen und Kommentare zu neuen naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen mit Sonderberichten zu Weltraumfahrt und Astronomie,[9][10] Gentechnik[11][12][13] und alternativen Energien.[14][15][16]

Bekannt ist das Magazin durch seine Specials zum weltweiten Abhörsystem Echelon,[17] zu den Enfopol-Papieren[18] oder zum Urheberrecht.[19][20][21] Von Mathias Bröckers erschien ein Special zu Verschwörungstheorien rund um den 11. September 2001, welche ihm von Wolfgang Wippermann Antisemitismusvorwürfe einbrachte.[22] Telepolis bietet zu allen Artikeln Leserforen, in denen häufig kontroverse Diskussionen stattfinden.

Seit dem Jahr 2000 gibt der Heiseverlag die Bücherreihe Telepolis heraus. Die erfolgreichsten sind bislang der von Christiane Schulzki-Haddouti herausgegebene Band Vom Ende der Anonymität – Die Globalisierung der Überwachung,[23] sowie der von Armin Medosch und Janko Röttgers herausgegebene Band Netzpiraten.[24] Im November 2004 erschien das erste, von Harald Zaun herausgegebene Telepolis-Special als Hochglanzmagazin mit dem Titel Wie Forscher und Raumfahrer ALIENS aufspüren wollen[25] in einer Auflagenhöhe von 15.000 Exemplaren, welches inzwischen vergriffen ist.

Ukraine-Krise

2014 nahm Telepolis unter seinem Chefredakteur Rötzer während der Krise in der Ukraine eine medienkritische Haltung ein und veröffentlichte am 19. August den Beitrag eines freien Autors der behauptete, dass westliche Medien eine "offensichtliche Falschmeldung" verbreiteten und dies eine Kiewer Ente nannte.[26] Die Soldaten der von den Ukrainern als russischen identifizierten Einheit[27] wurden eine Woche später in Russland beigesetzt.[28]

Medienkritik

Telepolis krisiert häufig die Berichterstattung der "Leitmedien" als tendenziös und einseitig. Im September 2014 veröffentlichte telepolis ein internes Resümee eines Protokolls des Programmbeirats der ARD vom Juni 2014,[29] in dem die Berichterstattung der ARD über den Ukraine-Konflikt im Zeitraum Dezember 2013 bis Juni 2014 als einseitig, undifferenziert und lückenhaft gerügt wurde. Die Sendungen der ARD erweckten teilweise den "Eindruck der Voreingenommenheit" und seien "tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen" gerichtet. Im Protokoll werden zehn Punkte, darunter die Zentrierung auf die Person Putins, die Ausblendung der Beteiligung rechter Kräfte, die Nichtberücksichtigung der Strategien des Westens, die mangelnde Analyse des Assoziierungsabkommens und der russischen Position als Einseitigkeit und Mangel an Hintergrundinformation gerügt. Besonders für den Beginn der Berichterstattung wird eine oberflächliche und einseitig Partei ergreifende "Schwarz-Weiß-Zeichnung" festgestellt.[30] Der Chefredakteur der ARD, Thomas Baumann, wies die Kritik des Programmbeirats "energisch" zurück.[31] Sarah Wagenknecht (Die Linke) beurteilte den Bericht des Programmbeirats als „vernichtend". Er bestätige, was seit Monaten überdeutlich sei: "Die ARD berichtet unausgewogen und tendenziös und positioniert sich in ihren Sendungen über den Ukraine-Konflikt einseitig gegen Russland“. Der AFD-Vize-Vorsitzende Alexander Gauland urteilte: „Dieser Fall ist ein schönes Beispiel dafür, wie unser Rundfunkbeitrag für politische Zwecke missbraucht wird.“[32]

Der Spiegel veröffentlichte kurze Zeit später eine Darstellung, in der die Kritik des Programmbeirats ebenso wie die Art der Bekanntmachung durch telepolis als ungewöhnlich bezeichnet wurden: "Sowohl Form und Schärfe der Kritik und die Art und Weise, wie sie öffentlich wurde, sind aber ohne Beispiel in der Geschichte der ARD. Durchgestochen an die Öffentlichkeit wurde nur ein vierseitiges und aus dem Zusammenhang gerissenes "Resümee""[33]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2002 wurde das Magazin mit einem Grimme Online Award geehrt.[34] Die Jury begründete den Preis in der Kategorie Medienjournalismus: „Unbestechlich, unabhängig von den großen Verlagshäusern und deren kommerziellen Interessen, fachmännisch und auf hohem Niveau werden hier wichtige Themen schon diskutiert, wenn sie für die meisten Webangebote noch nicht einmal in der Themen-Planung sind. Ob Lauschangriffe der Geheimdienste, topologische Effekte der Quantenmechanik, eine Übersicht über die Verschwörungstheorien zum Anschlag auf das WorldTradeCenter oder die neuesten Vorstöße aus der Brüsseler Kommission zu Copyright oder Cookies: schwierige, wichtige, kontroverse Themen aus Wissenschaft, Technik, Politik, Kunst sind das alltägliche Brot des Angebots aus dem Heise-Verlag […].“[35]

2004 erreichte Telepolis den dritten Platz in der Kategorie Special-Interest-Onlinemagazin des LeadAwards.[36][37]

Autoren[Bearbeiten]

Bekannte ehemalige und aktuelle Telepolis-Autoren sind:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mediadaten Telepolis
  2. Mediadaten heise online
  3. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22136/1.html
  4. http://www.foebud.org/pd/telepolis-wird-10/
  5. Heise: Telepolis-Gespräch
  6. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28544/1.html
  7. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28060/1.html
  8. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24769/1.html
  9. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29048/1.html
  10. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28908/1.html
  11. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28305/1.html
  12. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28034/1.html
  13. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27894/1.html
  14. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28971/1.html
  15. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28280/1.html
  16. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27062/1.html
  17. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11586/1.html
  18. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11818/1.html
  19. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28819/1.html
  20. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27583/1.html
  21. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25728/1.html
  22. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute, be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 134–140.
  23. Christiane Schulzki-Haddouti (Hrsg.): Vom Ende der Anonymität – die Globalisierung der Überwachung. Telepolis. H. Heise, Hannover 2001, ISBN 3-88229-192-3
  24. * Armin Medosch, Janko Röttgers (Hrsg.): Netzpiraten – die Kultur des elektronischen Verbrechens. Telepolis. H. Heise, Hannover 2001, ISBN 3-88229-188-5
  25. Harald Zaun (Hrsg.): Aliens. Telepolis special. Heise, Hannover 2005,1 (auch als E-Paper – CD-ROM)
  26. Telepolis (19. August 2014) Kriegspropaganda: Eine Kiewer Ente im deutschen Blätterwald abgerufen am 20. August 2014
  27. Ukraine gets new evidence of Russian soldiers fighting on its turf Kyiv Post, 21. August 2014
  28. Fotografien aus dem Ort, der Beerdigung der Pskow Fallschirmjäger,slon.ru, 25. August 2014, abgerufen am 26. August 2014
  29. http://www.nachdenkseiten.de/?p=23381
  30. http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html
  31. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ruege-des-programmbeirats-berichtet-die-ard-zu-russlandkritisch/10722250.html
  32. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ruege-des-programmbeirats-berichtet-die-ard-zu-russlandkritisch/10722250.html
  33. http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-streit-um-ukraine-berichterstattung-a-993304.html
  34. http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=160
  35. Grimme Online Award 2002 vom Adolf-Grimme-Institut.
  36. http://www.leadacademy.de/preistraeger.html
  37. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22136/1.html