Guillermo Cabrera Infante

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Guillermo Cabrera Infante (* 22. April 1929 in Gibara, Kuba; † 21. Februar 2005 in London) war ein bedeutender spanischsprachiger Schriftsteller und Filmkritiker. Er galt als Symbolfigur im Widerstand gegen das Regime des kubanischen Machthabers Fidel Castro.

Leben[Bearbeiten]

Cabrera Infante gründete im Jahr 1951 als begeisterter Cineast die Cinemathek in Kuba. Nachdem er 1952 anzügliche Erzählungen veröffentlichte, musste er eine Zeit lang ins Gefängnis.

Cabrera Infante war zunächst Anhänger des Revolutionsgedankens Fidel Castros. So war er 1957 an der Gründung der Untergrundzeitung Revolución beteiligt. Schon seine Eltern standen politisch links: Sie hatten in den 1930er Jahren in der Kleinstadt Gibara einen Ortsverein der Kommunistischen Partei Kubas mitgegründet und wurden als kommunistische Aktivisten zeitweise inhaftiert.

Nach Castros Sieg 1959 verantwortete Cabrera die wöchentliche Kulturbeilage Lunes de Revolución des Presseorgans der Bewegung des 26. Juli, der Tageszeitung Revolución, die von Carlos Franqui geleitet wurde. Bald wandte sich Cabrera jedoch gegen die von der Revolutionsregierung eingeführten wachsenden Einschränkungen künstlerischer Freiheit und gegen Literaturverbote. Das behördliche Verbot des von Cabreras Bruder Sabá gedrehten künstlerischen Dokumentarfilms P.M. war 1961 Auslöser von Kritik an Zensur, worauf Castro mit seinen „Worten an die Intellektuellen“ reagierte, in denen er die Künstler zur bedingungslosen Unterstützung seiner Politik verpflichtete. Lunes wurde daraufhin geschlossen und Castro schob Cabrera Infante 1962 auf den Posten des Kulturattachés nach Brüssel ab.

1965 wurden die Spannung größer und Cabrera Infante ging zunächst kurze Zeit nach Madrid, dann ins Londoner Exil. In seinen späteren Werken setzte er sich immer wieder mit der Entfremdung von der Heimat, aber auch mit dem Regime in Kuba auseinander. So beschrieb er Kuba später als „riesigen Kerker“.

Sein erster und wohl wichtigster Roman Tres tristes tigres (Drei traurige Tiger, 1967) wurde in Spanien 1964 mit dem Literaturpreis „Biblioteca Breve“ ausgezeichnet. Cabrera Infante beschreibt darin das Nachtleben in Havanna kurz vor der Revolution (1959) und integriert dabei zahlreiche Stilparodien.

In den folgenden Jahren war er, teilweise unter seinem Pseudonym Guillermo Cain, als Drehbuchautor an den US-amerikanischen Filmen Vanishing Point (BRD: Fluchtpunkt San Francisco, DDR: Grenzpunkt Null) und Wonderwall (Welt voller Wunder) beteiligt.

Er nahm schließlich im Jahr 1979 die britische Staatsangehörigkeit an.

Seine große Abrechnung mit dem Regime in Kuba erfolgte 1992 im Werk Mea Cuba.

1993 verlieh ihm die Florida International University in Miami die Ehrendoktorwürde.

Im Jahr 1997 erhielt er den in der spanischsprachigen Literatur wichtigsten Cervantespreis (Premio Cervantes).

Aus Protest gegen die Teilnahme einer 124-köpfigen Delegation aus Kuba an einer von der Florida International University mitveranstalteten wissenschaftlichen Konferenz gab Cabrera Infante im Jahr 2000 seine Auszeichnung an die Hochschule zurück. Zuvor hatte er bereits seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Miami Film Festival aus Protest gegen die Aufführung des Dokumentarfilms Buena Vista Social Club während der Ausgabe des Jahres 1999 beendet.[1]

Im August 2004 musste Cabrera Infante sich einer Bypassoperation unterziehen. Eine Woche vor seinem Tod verletzte er sich bei einem Sturz an der Hüfte. Zudem litt er an Diabetes und einer Lungenentzündung. Er erlag 2005 einer Blutvergiftung.

Cabrera Infante hinterließ zwei Kinder.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Así en la paz como en la guerra, Erzählungen, 1960,
  • Wie im Kriege also auch im Frieden, aus dem kubanischen Spanisch von Wilfried Böhringer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-39174-7
  • Tres tristes tigres, Seix Barral, Barcelona 1967
  • Drei traurige Tiger, aus dem kubanischen Spanisch von Wilfried Böhringer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-39970-5
  • Vista del amanecer en el trópico, Erzählungen, Seix Barral, Barcelona 1974
  • Ansicht der Tropen im Morgengrauen, aus dem kubanischen Spanisch von Wilfried Böhringer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-38949-1
  • O, Essays und Filmkritiken, Seix Barral, Barcelona 1975
  • Exorcismos de esti(l)o, 1976
  • La Habana para un infante difunto, Seix Barral, Barcelona 1979
  • Holy Smoke, 1985
  • Rauchzeichen, aus dem Englischen von Joachim Kalka, Insel, Frankfurt am Main und Leipzig 2009, ISBN 3-518-38250-0
  • Mea Cuba, Barcelona : Plaza & Janes : Cambio 16, 1993, politische Artikel, ISBN 8-478-63035-X
  • Delito por bailar el chachachá, 1995
  • Schandtat Chachachá, aus dem kubanischen Spanisch von Claudia Hammerschmidt, 2010 Septime Verlag, ISBN 978-3-902711-02-1
  • Ella cantaba boleros, Alfaguara, Madrid 1996
  • Vidas para leerlas, Alfaguara, Madrid 1998
  • El libro de las ciudades, Alfaguara, Madrid 1999
  • Todo está hecho con espejos, Erzählungen, Alfaguara, Madrid 1999
  • La ninfa inconstante, 2008
  • Cuerpos divinos, Autobiografie, 2010

Werke zum Kino[Bearbeiten]

  • Un oficio del siglo XX, Kinokritiken, erschienen in Carteles zwischen 1954 und 1960, Seix Barral, Barcelona 1973
  • Arcadia todas las noches, 1978
  • Cine o sardina, Alfaguara, Madrid 1997
  • Nichts als Kino, übersetzt von Claudia Hammerschmidt und Gerhard Poppenberg, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-41271-X

Drehbücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Enrique Fernandez: Writer's Wrong, Silent Treatment Won't Oust Castro, in: Sun Sentinel vom 20. März 2000, abgerufen am 11. Dezember 2012 (englisch)