Guy de Montfort

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem englischen Adligen Guy de Montfort. Zu anderen Personen siehe Guido von Montfort.
Guy de Montfort

Guy de Montfort bzw. Guido von Montfort (* 1244; † um 1288) war ein Sohn des Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester, und der Eleanor Plantagenet, einer Tochter des Königs Johann von England.

Leben[Bearbeiten]

Guy nahm 1265 an der Schlacht von Evesham gegen die königliche Partei seines Onkels König Heinrich III. und Cousins Prinz Edward teil. Sowohl sein Vater wie auch sein ältererer Bruder, Henry, wurden in dieser Schlacht getötet, er selbst schwer verwundet und gefangen genommen. Als Gefangener blieb er in Windsor Castle bis ins Frühjahr 1266, wonach er durch Bestechung seiner Aufseher nach Frankreich entkommen konnte und sich dem Rest seiner Familie im dortigen Exil anschloss.

Schlacht bei Tagliacozzo

Mit seinem älteren Bruder Simon begleitete Guy den französischen Prinzen Karl von Anjou nach Süditalien zur Eroberung des Königreichs Sizilien. Mit einer Eskorte bestehend aus 1.500 Berittenen führte er dabei die Frau des Prinzen, Beatrix von Provence, im Juni 1265 über den Mont Cenis nach Rom. Karl selbst hatte den Seeweg bis Rom genommen.[1] 1268 zeichnete er sich in der entscheidenden Schlacht bei Tagliacozzo (früher auch Schlacht von Alba genannt) durch besondere Tapferkeit aus, wofür ihm von Anjou die Grafschaft Nola zugesprochen wurde. Im März 1270 wurde er zusätzlich von Anjou zu dessen Generalvikar in der Toskana und Podestà in Florenz ernannt. In diesem Amt gelang es ihm bereits im Sommer desselben Jahres das bis dahin ghibellinische Siena auf die Seite der Guelfen zu ziehen.

Im März 1271 erfuhren Guy und Simon vom Aufenthalt ihres Cousins Henry of Almain, dem Sohn des Richard von Cornwall, in Viterbo. Zu dieser Zeit befanden sich auch König Philipp III. von Frankreich und Karl von Anjou, König von Sizilien, in der Stadt um das dort abgehaltene Konzil zur Wahl eines neuen Papstes zu begleiten.[2] Gemeinsam mit Guys Schwiegervater überfielen die Brüder ihren Cousin am 13. März in der Kirche von San Silvestro (heute Chiesa del Gesù). Obwohl dieser sich an den Altar klammerte und vergeblich um Gnade bat töteten sie ihn aus Rache für den Tod ihres Vaters und Bruders bei Evesham.[3][4] Diese Tat hatte die sofortige Ächtung der Montfort-Brüder zur Folge, Simon starb noch im selben Jahr in Siena, „als Wanderer und Flüchtling, von Gott verflucht“. Guy wurden von Anjou Titel und Besitz aberkannt und war die nächsten Jahre gezwungen rastlos umherzuziehen. Zuflucht wurde ihm hauptsächlich auf den Burgen der Familie seiner Frau geboten. Als König Eduard I. von England, ein weiterer Cousin, auf seiner Heimreise vom Kreuzzug im Februar 1273 Orvieto erreichte faste er den Plan Guy zu ergreifen. Der Podestà des inzwischen wieder ghibellinisch gewordenen Siena sagte ihm dafür seine Unterstützung zu. Eduard erreichte bei einem Treffen mit Papst Gregor X. am 1. April 1273 die Exkommunikation Guys.

Guy überstand die Zeit der Verfolgung und wird erstmals 1281 wieder im Gefolge Karls von Anjou genannt, es ist aber nicht bekannt, ob er auch seine Besitzungen zurückerhielt. Nach dem Ausbruch der sizilianischen Vesper 1282 kämpfte er für Anjou gegen den König von Aragón. Nach der Gefangennahme des Prinzen von Salerno 1283 und dem Tod Karls von Anjou 1285 führte er an der Seite des Regenten Robert von Artois den Kampf fort. Dabei plante Guy 1287 eine Landung an der Küste Siziliens um diese Insel dem Haus Anjou zurückzuerobern. Allerdings wurde er mit seiner Flotte noch im Hafen von Neapel von dem aragónesischen Admiral Ruggiero di Lauria überfallen und gefangen genommen. Guy starb mehrere Jahre später in der Gefangenschaft.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Am 10. August 1270 heiratete Guy de Montfort in Viterbo die italienische Adlige Margherita Aldobranderschi, mit der er zwei Töchter hatte:

Fortleben in Literatur und Musik[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Robert Maddicott: Simon de Montfort. Cambridge University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-521-37636-X.
  • Frederick Maurice Powicke: Ways of medieval life and throught. Essays and addresses. Biblo & Tannen Publishers, New York 1949, ISBN 0-819-60137-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guy de Montfort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Giovanni Villani Nuova Cronica VII §3-4
  2. Henry of Almain wie auch der König von Frankreich befanden sich außerdem auf der Reise in ihre Heimat vom siebten Kreuzzug. Philipp III. von Frankreich führte zudem den Leichnam seines in Afrika gestorbenen Vaters, Ludwig IX., mit.
  3. Giovanni Villani Nuova Cronica VII §39; Guillaume de Nangis, Gesta Philippi Regis Franciæ, im Recueil des Historiens des Gaules et de la France (RHGF), Bd. XX (1840), S. 484-485
  4. Die Tat wurde ausführlicher in der Chronik des Guido di Corvaria überliefert, der als Abgesandter Pisas am Hof Karls von Anjou diente und an diesem Tag ebenfalls in Viterbo anwesend war.