Viterbo

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Dieser Artikel behandelt die italienische Stadt Viterbo. Für weitere Bedeutungen siehe Viterbo (Begriffsklärung).
Viterbo
Wappen
Viterbo (Italien)
Viterbo
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Viterbo (VT)
Koordinaten: 42° 25′ N, 12° 6′ O42.41694444444412.104722222222326Koordinaten: 42° 25′ 1″ N, 12° 6′ 17″ O
Höhe: 326 m s.l.m.
Fläche: 406 km²
Einwohner: 66.558 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 164 Einw./km²
Stadtviertel Fastello, Grotte Santo Stefano, Sant'Angelo, Monterazzano, Bagnaia, La Quercia, San Martino al Cimino
Angrenzende Gemeinden Bagnoregio, Bomarzo, Canepina, Caprarola, Celleno, Civitella d'Agliano, Graffignano, Marta, Monte Romano, Montefiascone, Ronciglione, Soriano nel Cimino, Tuscania, Vetralla, Vitorchiano
Postleitzahl: 01100
Vorwahl: 0761
ISTAT-Nummer: 056059
Volksbezeichnung: Viterbesi
Schutzpatron: Santa Rosa da Viterbo
Website: Viterbo

Viterbo ist eine Stadt in Mittelitalien. Sie ist Sitz der Verwaltung der Provinz Viterbo in der Region Latium sowie Sitz eines römisch-katholischen Bistums.

Name und Wappen[Bearbeiten]

Der etruskische Name der Stadt Surrena oder Surna ist unsicher. Die Römer nannten die Stadt Castrum Herculis. Der heutige Name, der im 8. Jahrhundert erstmals als Castrum Biterbi erwähnt wurde, leitet sich möglicherweise vom lateinischen Vetus Urbs (alte Stadt) her.[2]

Das Wappen von Viterbo zeigt einen blauen Schild mit Palme, davor ein schreitender, goldener Löwe mit goldener Krone und Fahne mit silbernem Kreuz auf rotem Grund, belegt mit vier silbernen Schlüsseln. Die Fahnenstange ist mit einem Doppeladler bekrönt. Ältester Bestandteil des Wappens ist der guelfische Löwe. Die Standarte mit dem Adler wurde der Stadt durch Friedrich Barbarossa verliehen. Die Palme wurde von der zerstörten Nachbarstadt Ferentium übernommen. Das Banner wurde Viterbo von Clemens III. als Dank für die Befreiung zweier Kardinäle aus der Gefangenschaft der Aldobrandini verliehen.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Viterbo liegt 77 km nördlich von Rom und 211 km südöstlich von Florenz. Es liegt im Hügelland Tusziens am Fuß der Monti Cimini zwischen dem Bolsenasee und dem Vicosee. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 86 m s.l.m. bis 896 m s.l.m.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 3 (wenig gefährdet).[4]

Zu Viterbo gehören die Ortsteile Bagnaia, Fastello, Grotte Santo Stefano, La Quercia, Magugnano, Montecalvello, Monterazzano, Ponte di Cetti, Roccalvecce, Sant’Angelo, San Martino al Cimino, Tobia und Vallebona.

Die Nachbargemeinden sind: Bagnoregio, Bomarzo, Canepina, Caprarola, Celleno, Civitella d'Agliano, Graffignano, Marta, Monte Romano, Montefiascone, Ronciglione, Soriano nel Cimino, Tuscania, Vetralla und Vitorchiano.

Verkehr[Bearbeiten]

Viterbo ist über die Superstrada SS 675 an die A1 Autostrada del Sole, Ausfahrt Orte, angebunden. Von Süden nach Norden wird es von der Staatsstraße SS 2 Via Cassia durchzogen, die von Rom über Siena nach Florenz führt. Die Stadt hat drei Bahnhöfe. Vom Bahnhof Porta Fiorentina geht die Bahnstrecke nach Orte ab, am Bahnhof Porta Romana endet die Bahnstrecke FL3 von Rom Ostiense über Bracciano und im Bahnhof Viterbo Met.Ro. endet die Bahnstrecke Roma Flaminio–Viterbo, die von der ATAC betrieben wird. Weiteren Haltepunkte gibt es in den Ortsteilen Bagnaia und Grotte Santo Stefano.

Drei Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums, an der Straße nach Tuscania, liegt der Flugplatz Tommaso Fabbri, der zur Zeit nur militärisch genutzt wird. Mit Beschluss des Verkehrsministeriums vom November 2007 wurde geplant, diesen Flughafen zum dritten Verkehrsflughafen Roms auszubauen.[5] Er sollte vor allem den Low-Cost-Verkehr aufnehmen. Kritisiert wird an dieser Entscheidung die schlechte Erreichbarkeit von Rom. Am 29. Januar 2013 wurde die Planung dieses Projekts endgültig beendet.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Papstpalast in Viterbo, 1255–1266 erbaut

Etruskische Mauerfunde im Bereich des Doms belegen die vorrömische Besiedlung. 310 v. Chr. wurde der Ort von den Römern erobert und errang dank der Lage an der Via Cassia bald Bedeutung.

773 baute Desiderius den Ort zur Grenzfestung der Langobarden aus. 852 wurde das Castrum Viterbii als Teil des Kirchenstaates erwähnt. 1092 wurde die erste Stadtmauer errichtet, die 1187, 1215 und 1268 erweitert wurde. 1167 erlangte Viterbo durch Friedrich Barbarossa das Stadtrecht. Mit der Eroberung und Zerstörung der Rivalin Ferentium 1172, weitete Viterbo als Freie Kommune seine Macht aus.

In der Stadt wurden mehrere Konzile abgehalten und zeitweise war es auch päpstliche Residenz; daher wird es auch die „Stadt der Päpste“ genannt. Von 1257 bis 1281 residierten insgesamt acht Päpste fast ohne Unterbrechung in Viterbo. Dazu trug das Angebot der Kommune bei, für die Päpste einen Palast als Kuriensitz zu errichten, es ist der heutige Bischofspalast.

Mit der Rückkehr der Päpste nach Rom begann der Abstieg und Viterbo wurde Teil des Kirchenstaates. 1871 wurde Viterbo Teil des Königreichs Italien und 1927 Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.[7]

In Viterbo fand das bisher längste Konklave statt. Im Jahre 1268, nach dem Tode von Papst Clemens IV. begann das Konklave, das insgesamt 1005 Tage (vom 30. November 1268 bis zum 1. September 1271) dauerte. Die Zahl der Kardinäle war anfangs 20 und am Ende nur noch 16, da 3 Kardinäle in dieser Zeit verstarben und einer das Konklave verließ. Auf Anraten von Bonaventura wurden die Kardinäle schließlich bei Wasser und Brot eingesperrt, bis ein neuer Papst gewählt war. Am 1. September 1271 wurde ein Nicht-Kardinal zum neuen Papst gewählt. Der Erwählte, Tebaldo Visconti, ein Italiener aus Piacenza, noch nicht einmal Priester, war zu diesem Zeitpunkt auf einer Pilgerreise im Heiligen Land (Akkon) unterwegs. Visconti, damals Archidiakon von Lüttich, traf am 10. Februar 1272 in Viterbo ein, nahm die Wahl an, wurde am 19. März 1272 zum Priester und Bischof geweiht und am 27. März 1272 in Rom als Papst Gregor X. gekrönt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1871 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 27.232 26.833 28.660 33.347 37.130 44.132 54.461 58.380 59.308

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten]

Giulio Marini (PdL) wurde im April 2008 zum Bürgermeister gewählt. Sein Mitte-rechts-Bündnis stellt auch mit 24 von 40 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.[8] Marini wurde ebenfalls im April 2008 in die italienische Abgeordnetenkammer gewählt.[9]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kathedrale San Lorenzo
„La Macchina“

Die historische Altstadt von Viterbo gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Mittelitaliens. Aus dem Mittelalter sind noch zahlreiche Paläste erhalten, so z. B. der Palazzo dei Papi (13. Jahrhundert) an der Piazza S. Lorenzo und der Palazzo dei Priori (begonnen im 13. Jahrhundert) an der Piazza del Plebiscito. Dort stehen auch der Palazzo Comunale (von 1460), der Palazzo del Podestà (1264) und der Palazzo della Prefettura (in der heutigen Form von 1771).

Die romanische Kathedrale San Lorenzo wurde über einem Herkulestempel errichtet. Sie wurde im 16. Jahrhundert verändert und erlitt schwere Schäden durch alliierte Bomber während des Zweiten Weltkriegs. Der gotische Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert und zeigt Einflüsse von Künstlern aus Siena.

Die Franziskanerkirche San Francesco beherbergt die berühmten Papstgräber von Papst Clemens IV. und Hadrian V.. In San Lorenzo liegt Johannes XXI. bestattet, allerdings ist das Grabmal nicht so bedeutsam wie die zwei anderen.

Die etruskische Nekropole Castel d'Asso liegt westlich der Stadt, die Ausgrabungen von Ferentium 9 km nördlich der Stadt. Die Nekropole von Norchia liegt etwa 15 km südwestlich.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Viterbo ist Sitz der Universität Tuscia sowie Lagerort der italienischen Goldreserven. Darüber hinaus befinden sich bei Viterbo bedeutende militärische Einrichtungen, darunter der wichtigste Stützpunkt der italienischen Heeresflieger und Schulen des Heeres und der Luftwaffe für Anwärter der höheren Unteroffizierslaufbahn (Maresciallo), die in Zusammenarbeit mit der örtlichen Universität ausgebildet werden.

Der Militärflugplatz von Viterbo soll einen zivilen Teil erhalten und damit neben Fiumicino und Ciampino zum dritten Verkehrsflughafen der italienischen Hauptstadt Rom werden. Der Flughafen Rom-Viterbo soll von Ciampino große Teile des Low-Cost-Verkehrs übernehmen.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Am 3. September findet alljährlich eine überregionale bekannte Prozession zu Ehren der heiligen Rosa statt. Bei dieser Gelegenheit wird die Macchina di Santa Rosa, ein 30 Meter hoher und 5 Tonnen schwerer, zeremonieller Turm von mehr als 100 Trägern durch die Stadt transportiert.

Sport[Bearbeiten]

Viterbo war am 27. Mai 1958, 23. Mai 1963 und am 21. Mai 1969 Etappenziel des Giro d’Italia.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Viterbo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Homepage von Viterbo zum Ursprung der Stadt
  3. Homepage von Viterbo zum Wappen
  4. Italienischer Zivilschutz
  5. Pressemitteilung der Region Latium vom 26. November 2007 abgerufen am 24. November 2010 (italienisch)
  6. Aeroporto Viterbo non si farà. ANSA, 29. Januar 2013, abgerufen am 30. Januar 2013.
  7. Homepage von Viterbo zur Geschichte der Stadt
  8. Italienisches Innenministerium
  9. italienische Abgeordnetenkammer
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