Hans Joachim Mallach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Joachim Mallach (* 23. September 1924 in Flatow/Grenzmark; † 18. Januar 2001 in Tübingen) war ein deutscher Gerichtsmediziner.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hans Joachim Mallach wurde in der Grenzmark Posen-Westpreußen geboren. Er wurde Mitglied der Hitlerjugend und der SS, bei der er sich freiwillig zur Leibstandarte Adolf Hitler meldete. Im Zweiten Weltkrieg wurde er leicht verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[1]

Ab 1946 studierte er Medizin und Chemie an den Universitäten Göttingen und Bonn. 1952 absolvierte Mallach das Staatsexamen. Er promovierte im gleichen Jahr mit einer Dissertation Über die Bestimmung der Atemgrössen bei angeborenen Herzfehlern unter besonderer Berücksichtigung der Fehlerbreite der Methodik. Als Assistent war er zunächst am Institut für gerichtliche Medizin der Universität Bonn und ab 1956 am Institut für gerichtliche und soziale Medizin der Freien Universität Berlin tätig. Hier habilitierte sich Mallach 1963. 1965 wechselte er an die Eberhard Karls Universität Tübingen an das am 1. April 1964 gegründete und von Georg Schmitt geleitete Institut für Gerichtliche Medizin. 1968 wurde Mallach die kommissarische Vertretung des Lehrstuhls übertragen. Ein Jahr später wurde er zum zweiten Ordinarius berufen und zum Direktor des Institutes für Gerichtliche Medizin ernannt.[2]

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte Hans Joachim Mallach lagen auf dem Gebiet der forensischen Alkohologie und Toxikologie, der Wechselwirkung zwischen Alkohol und Arzneimitteln, der Thanatologie und des Medizinrechts.[2]

In der Selbstverwaltung der Tübinger Universität war Mallach von 1969 bis 1974 Mitglied des Verwaltungsrates, von 1974 bis 1976 Vorsitzender des Großen Senates und von 1977 bis 1979 Dekan der Medizinischen Fakultät (Theoretische Medizin).[2]

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Mallach als Obduzent der Anführer der Rote Armee Fraktion Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe bekannt. Mallach hatte nach den Untersuchungen selbst ohne Genehmigung zusätzliche Totenmasken angefertigt. Diese hielt er lange Zeit versteckt, ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt.[1]

Hans Joachim Mallach leitete das Institut für Gerichtliche Medizin bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1989. 2001 verstarb er im Alter von 76 Jahren.[2] Mallach war zweimal verheiratet: In erster Ehe mit der Zahnärztin Gisela Doeschl (* 11. August 1926; † 28. Januar 1973) und in zweiter Ehe mit der Sekretärin Dürten Iris von Jutrzenka (* 18. Januar 1943). Er hatte zwei Söhne aus der ersten Ehe.[1]

Ehrungen[Bearbeiten]

Mallach war Ehrenmitglied der Polnischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin und Kriminologie sowie der Böhmisch-Slowakischen Purkinje-Gesellschaft und erhielt zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen[2], wie 1989 das Bundesverdienstkreuz[1] und 2000 den Konrad-Händel-Preis[3].

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hans Joachim Mallach: Über die Bestimmung der Atemgrössen bei angeborenen Herzfehlern unter besonderer Berücksichtigung der Fehlerbreite der Methodik. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1952
  • Hans Joachim Mallach: Über histochemisch nachweisbare Phosphatasen in den konktraktilen Elementen der Skelettmuskelfaser und ihre Veränderungen nach dem Tode. Habilitation, Freie Universität Berlin, 1963
  • Hans Joachim Mallach, Hanspeter Hartmann, Volker Schmidt: Alkoholwirkung beim Menschen: Pathophysiologie, Nachweis, Intoxikation, Wechselwirkungen. Thieme 1987, ISBN 3136971019
  • Hans Joachim Mallach: Der Stellenwert der Luftembolie in der modernen Medizin: Untersuchungen mit einer neuen Nachweistechnik. Springer 1987, ISBN 3540175091
  • Hans Joachim Mallach, Gerhard Schlenker, Alfons Weiser: Ärztliche Kunstfehler: eine Falldarstellung aus Praxis und Klinik sowie ihre rechtliche Wertung. Gustav Fischer 1993, ISBN 3437114727
  • Hans Joachim Mallach: Geschichte der gerichtlichen Medizin im deutschsprachigen Raum. Schmidt-Römhild 1996, ISBN 3795007216
  • Hans Joachim Mallach: Gerichtliche Medizin in Tübingen. Attempto 1998, ISBN 3893082913

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Jürgen Dahlkamp: Trophäen für den Panzerschrank In Der Spiegel. Nr 42 / 2002 vom 14. Oktober 2002, PDF-Dokument; 209 kB
  2. a b c d e Nachruf auf Prof. Dr. Hans Joachim Mallach der Universität Tübingen
  3. Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-715