Harvey Friedman (Mathematiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Harvey Friedman (Mathematiker)

Harvey Martin Friedman (* 23. September 1948) ist ein US-amerikanischer Mathematiker und Philosoph, der sich mit mathematischer Logik und den Grundlagen der Mathematik beschäftigt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Friedman promovierte 1967 in Mathematik bei Gerald E. Sacks am Massachusetts Institute of Technology (Subsystems of Analysis). Danach war er Assistant Professor (was ihm einen Eintrag ins Guinness Book of World Records als jüngster Professor eintrug) und ab 1969 Associate Professor für Philosophie an der Stanford University. 1970 wurde er Associate Professor für Mathematik an der University of Wisconsin-Madison und ab 1973 Professor an der State University of New York at Buffalo.

Seit 1977 ist er Mathematik-Professor an der Ohio State University. Ab 1985 war er dort Professor für Philosophie und Informatik und ab 1991 auch Professor für Musik. 1987 wurde er zum Distinguished Professor ernannt.

Er war unter anderem Gastwissenschaftler und Berater bei IBM und bei den Bell Laboratories. Er war unter anderem Gastprofessor an der University of Pennsylvania, der University of Minnesota und der Princeton University.

Friedman beschäftigte sich mit axiomatischer Mengenlehre, Modelltheorie (wo er die Borelsche Modelltheorie begründete), Beweistheorie, Intuitionismus, Informatik und Berechenbarkeitstheorie. Er ist bekannt als Vertreter der von ihm begründeten Reversen Mathematik[1], die aus den für nötig erachteten Theoremen auf die zum Beweis erforderlichen Axiome schließt (zum Beispiel auch Axiome großer Kardinalzahlen). Seine Arbeiten führten schon Anfang der 1970er Jahre zu völlig neuartigen Unabhängigkeits-Sätzen viel konkreterer Natur, als zum Beispiel in den klassischen Arbeiten von Kurt Gödel oder Paul Cohen, zunächst in der Theorie Borel-messbarer Funktionen, dann auch in der diskreten Mathematik (Sätze, die nicht mit ZFC allein bewiesen werden konnten, aber etwa mit Axiomen großer Kardinalzahlen).[2] Um 2000 fasste er seine diesbezüglichen Untersuchungen in seiner Boolean Relation Theory zusammen.

In den 1980er Jahren zeigte er, dass eine Variante des Satzes von Joseph Kruskal über die Anordnung von Mengen von Bäumen nicht in der Peano-Arithmetik entscheidbar ist.

Er zeigte, dass Borel-Determiniertheit nicht in Systemen mit nur abzählbar unendlich vielen Iterationen von Potenzmengenbildung bewiesen werden kann.[3]

1984 erhielt er den Alan T. Waterman Award der National Science Foundation. 1986/87 war er Guggenheim Fellow. 2002 war er Gödel-Lecturer und 2007 hielt er die Tarski Lectures an der University of California, Berkeley. 1974 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Vancouver (Some systems of second order arithmetic and their use).

Er ist der Bruder des Mathematikers Sy Friedman.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zuerst auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Vancouver 1974 Some Systems of Second Order Arithmetic and Their Use. Weiter zum Beispiel: Friedman, Stephen G. Simpson: Issues and problems in reverse mathematics. In: Cholak, Lempp, Lerman, Shore (Hrsg.): Computability theory and its applications. AMS 2000, S. 127–144, oder Simpson: Subsystems of second order logic. Cambridge University Press 2009
  2. Harrington, Nerode Harvey Friedman, Notices AMS, Bd.31, 1984, S.563
  3. Friedman: Higher set theory and mathematical practice. In: Annals of Mathematical Logic. Band 2, 1971, S. 326