Hauptgüterbahnhof Hannover

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frontseite des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs mit Parkplatz

Der Hauptgüterbahnhof Hannover war der zentrale Güterbahnhof in Hannover, der 1877 als Kopfbahnhof in Betrieb genommen wurde. Seit der Schließung 1997 ist das Bahnhofsgelände im Stadtteil Nordstadt mit großflächigen Hallenbauten nahezu ungenutzt. Eine Revitalisierung der Industriebrache wird angestrebt.

Lage[Bearbeiten]

Das Gelände liegt parallel zur Straße Weidendamm. Es steht im Eigentum eines Tochterunternehmens der Deutschen Bahn. Von dem großflächigem Gebäudekomplex wird lediglich ein Teil einer großen Entladehalle seit 2008 von der Deutschen Post genutzt. Der Zugang erfolgt von einem großen Parkplatz an der Frontseite zur Arndtstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf die Hallendächer des Bahnhofs, dahinter rote Backsteinbauten der Conti

Der Güterbahnhof für Stückgut am Weidendamm wurde 1877 in Betrieb genommen.[1] In der Verlängerung nach stadtauswärts entstand der Produkten-Bahnhof Möringsberg für Massengüter. Bei einem Großbrand 1930 in beiden Bahnhofsanlagen wurden etwa 20.000 m² Lagerfläche und 175 Güterwaggons zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurden beide Bahnhöfe 1931 zum Hauptgüterbahnhof Hannover zusammengefasst. Damit entstanden die größten und modernsten Güterhallen in Europa, in denen täglich bis zu 2000 Tonnen Stückgut umgeschlagen wurden.

Bei den Luftangriffen auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs trug der Bahnhof schwere Schäden davon. Kurz vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Hannover im April 1945 kam es in den letzten Kriegstagen in den Bahnanlagen zu Plünderungen durch die Bevölkerung.[2]

Der Wiederaufbau des Bahnhofs dauerte von 1950 bis 1958. Dann war die Anlage mit etwa 40.000 m² Hallenfläche eine der größten Güterbahnhöfe der Deutschen Bundesbahn[3], in der täglich bis zu 390 Güterwaggons be- und entladen wurden. Von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre diente der Güterbahnhof als zentrale Umschlagstelle für alle mit der Bahn angelieferten Güter. Sie wurden von Lastwagen und Transportfahrzeugen weiterbefördert. In den 1980er Jahren schloss der Massengutbahnhof Möringsberg und 1997 der gesamte Hauptgüterbahnhof. Während der EXPO 2000 wurde das ungenutzte Gelände zum Kunstbahnhof. Eine umfangreiche Lichtgestaltung von Gerhard Merz ließ die Schauseite in gleißendem Licht erscheinen.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Die Gleisanlagen des Bahnhofs sind bereits abgebaut. Im Inneren sind die hochliegenden Bahnsteige und eine Fußgängerbrücke erhalten. Längs der Hallen mit ihrer ehemaligen Ladezone und den Toren für die Lagerzugänge verläuft eine gepflasterte, teils überteerte ehemalige Fahrstraße. Das weitgehend abgesperrte Bahnhofsgelände mit seinen Gebäuden wird vereinzelt von Obdachlosen, Menschen aus der Drogenszene und Graffiti-Sprühern aufgesucht.[4]

In den öffentlichen Diskussionen zu innerstädtischen Umnutzungsplänen durch Hannover City 2020 + wurde eine Verlagerung des Wochenmarktes vom Klagesmarkt in die Bahnhofshallen erwägt. Mehrere Nachnutzungspläne für die Industriebrache, unter anderem als Gewerbeflächen, scheiterten. Seitens der Stadt Hannover ist eine freizeitorientierte oder kulturelle Nutzung vorgegeben worden.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waldemar R. Röhrbein, Klaus Mlynek (Hrsg.): 1877, in: Hannover Chronik, S. 135; online:
  2. dieselben: Die letzten Tage des Krieges, S. 567
  3. Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.), Dieter Brosius (Mitarb.): Geschichte der Stadt Hannover / Band 2 - Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, Schlütersche, Hannover 1994, ISBN 3-87706-364-0, S. 712, online:
  4. Beschreibung der Verwahrlosung in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 28. August 2010

52.3841599.731902Koordinaten: 52° 23′ 3″ N, 9° 43′ 55″ O