Hedonische Methode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hedonisch)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Seiten Hedonischer Preis und Hedonische Methode überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. BerlinSight (Diskussion) 00:02, 9. Jan. 2014 (CET)
Dieser Artikel behandelt eine Bewertungsmethode zur Preisberechnung; zur Beurteilung eines Sinneseindruckes nach seiner Beliebtheit siehe Sensorik (Lebensmittelprüfung).

Als hedonisch (griechisch ἡ ἡδονή hē hēdonē, „Lust“, „Freude“) bezeichnet man eine Bewertungsmethode, die ein Objekt nach seinen intrinsischen (inneren) und extrinsischen (äußeren) Werten beurteilt. Das Wort leitet sich aus dem Griechischen kommenden englischen Wort hedonic ("Lust-") ab. Die hedonische Preisberechnung wird manchmal bei volkswirtschaftlichen Statistiken und auf Immobilien angewendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

In den USA (seit den 1990er Jahren), Großbritannien, Australien, Neuseeland und in Deutschland (seit der Euroeinführung im Jahr 2002) [1] werden die Inflation und das Wirtschaftswachstum hedonisch berechnet. Damit versucht man, angenommene Qualitätssteigerungen von Produkten zu quantifizieren. Dies führt zu niedrigeren Inflationsraten und je nach Land und Branche zu geschätzt bis zu 30 % höheren Wachstumszahlen.

In den USA wurde die Einführung der hedonischen Preisberechnung auch vom damaligen Chef der US-Zentralbank Alan Greenspan gefordert. Weil über Leitzinsen und Geldmenge die Inflation beeinflusst wird, können bei niedrigerer Inflation eher die Leitzinsen gesenkt sowie die Geldmenge durch die Zentralbank erhöht werden. Das Geldmengenwachstum orientiert sich neben der Inflation auch am erhöhten Wirtschaftswachstum. Dazu kommt, dass in den USA soziale Leistungen oft mit der Inflationsrate angepasst werden. Auch die Lohnpolitik richtet sich nach der Inflationsrate.

Bei der hedonischen Preisberechnung wird ein Gut gedanklich (subjektiv) in Qualitätseigenschaften zerlegt und dann mit Hilfe der so genannten Regressionsanalyse der Einfluss dieser Qualitätsmerkmale auf den Preis ermittelt. Dadurch können diejenigen Preisänderungen, die nur auf qualitativen Veränderungen bestimmter Eigenschaften beruhen, von den reinen Preisveränderungen rechnerisch getrennt und eliminiert werden.

Das Statistische Bundesamt versuchte schon immer, qualitative Veränderungen bei der Ermittlung von Veränderungen des Preisniveaus zu berücksichtigen. Durch hedonische Verfahren erfolgt dies jedoch inzwischen systematischer. Eine gewisse Willkür ergibt sich daraus, dass nur bei einigen wenigen Produkten in Deutschland hedonische Preismessung erfolgt. Außerdem, weil es immer eine subjektive Entscheidung ist, ob eine qualitative Verbesserung vorliegt. Streng genommen müsste man auch Qualitätsverschlechterungen berücksichtigen, was jedoch praktisch nie der Fall ist. Nehmen etwa im Eisenbahnverkehr Verspätungen zu oder werden Lebensmittel mit billigeren Zutaten zubereitet, wird dies nirgends als Qualitätsverschlechterung der entsprechenden Waren oder Dienstleistungen mit den entsprechend inflationsratenerhöhenden und wachstumsratenmindernden Wirkungen verbucht. Ebenso wenig wird die parallel zur Leistungssteigerung gewöhnlich abnehmende Nutzungsdauer der kurzlebiger werdenden Konsumartikel in der Methode berücksichtigt.

Beispiel[Bearbeiten]

Die Prozessor-Geschwindigkeit von Computern - hier werden vor allem hedonische Verfahren angewandt - hat im Jahr 2005 durch verbesserte Techniken von 2.000 MHz auf 3.000 MHz zugenommen. Im Jahresdurchschnitt sind die CPU-Preise jedoch konstant geblieben. Hier rechnen die Statistiker wie folgt: Die Erhöhung der Taktfrequenz von 2.000 MHz auf 3.000 MHz bei den Prozessoren stellt eine Leistungssteigerung um 50 Prozent dar. Damit fallen die Preise für CPUs unter Berücksichtigung der Leistungssteigerung im Verlauf des Jahres 2005 in der Verbraucherpreisstatistik um ein Drittel. Bei den Wachstums- und Produktivitätszahlen wird dieser Vorgang umgekehrt. Wenn die Prozessoren im Jahresverlauf bei gleichen Preisen um 50 Prozent schneller geworden sind, dann kann bei der Ermittlung des Wertes nicht von den realen Preisen ausgegangen werden, sondern dieser Wert ist entsprechend der Leistungssteigerung um 50 Prozent nach oben zu berichtigen. Obwohl es also im Jahresverlauf keine statistisch relevanten Veränderungen gab, nennt die Verbraucherpreisstatistik in unserem Beispiel für Prozessoren einen Preisrückgang von einem Drittel (Inflationsminderung) und das Wachstum weist 50 Prozent mehr als die realen Zahlen aus.

Ähnlich gehen die anderen Computerbestandteile in die Berechnung des Gesamtcomputerpreises ein. Bei neuen Funktionen wie z.B. TFT-Bildschirm anstatt Röhrenmonitor wird versucht, den qualitativen Bildschirmschärfegewinn zu quantifizieren. Ob ein qualitativer Fortschritt vorliegt, ist immer subjektive Ermessenentscheidung des Statistikers.

Die hedonische Preiskalkulation wird auch für die Berechnung von Immobilien angewendet. Dabei wird der Preis des Objekts ermittelt anhand seiner physischen Eigenschaften wie Größe, Zustand, Ausbaustandard sowie der Umgebung, vor allem deren Erholungswert und Infrastruktur (insbesondere: öffentliche Verkehrsmittel, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten).

Abgrenzung[Bearbeiten]

Das Adjektiv stammt zwar vom Begriff Hedonismus, dem Streben nach Sinnenlust und Genuss, hat aber in dieser Interpretation kaum etwas mit diesem gemeinsam. (Durch die hedonische Preisbestimmung soll sozusagen der steigende Lustgewinn, der mit Qualitätsverbesserungen einhergeht, erfasst und von der gemessenen Preissteigerung in Abzug gebracht werden.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Hedonischer Preis

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: hedonisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So tricksen die Statistiker bei der Geldentwertung. In: focus.de, S. 3.