Helvetia

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Helvetia (Begriffsklärung) aufgeführt.
Helvetia auf dem Zweifrankenstück
Helvetia auf einer Briefmarke von 1881
Helvetia (rechts) mit Geneva (links)

Helvetia ist die vom Volksstamm der Helvetier abgeleitete neulateinische Bezeichnung für die Schweiz und eine allegorische Frauenfigur, welche die Schweiz versinnbildlicht.

Helvetia tauchte erstmals im 17. Jahrhundert als aus den Kantonsallegorien gebündelte Frauengestalt und Identifikationsfigur für die Eidgenossenschaft auf: 1672 brachte Johann Caspar Weissenbach sein Stück Eydtgenossisch Contrafeth Auff- und Abnemmender Jungfrawen Helvetiae auf die Bühne. Er und mehrere Künstler, die gleichzeitig Helvetia bildlich darstellten, schufen eine neue Identifikationsfigur für die Einheit der Eidgenossenschaft in Zeiten der Entzweiung vor allem durch konfessionelle Streitigkeiten. Diese zeugte auch vom gestiegenen Selbstbewusstsein, nachdem den eidgenössischen Orten im Westfälischen Frieden (1648) „Freiheit und Exemtion“ vom Heiligen Römischen Reich gewährt worden war.

Mit dem wachsenden Nationalbewusstsein im 19. Jahrhundert und der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 gewann Helvetia an Bedeutung. Sie erschien auf Münzen und Briefmarken und in politischen und patriotischen Darstellungen. Bis heute befindet sich das Bildnis der Helvetia auf den Münzen zu ½, 1 und 2 Franken (stehend). Das Porträt auf den Münzen zu 5, 10 und 20 Rappen bildet entgegen der landläufigen Meinung nicht die Helvetia, sondern die Libertas ab.

Auf Briefmarken und Münzen wird bis heute „Helvetia“ als Landesbezeichnung verwendet, weil damit keine der vier Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch) der Schweiz bevorzugt wird. Aus demselben Grund wurde das lateinische Landeskennzeichen CH gewählt, die Abkürzung für Confoederatio Helvetica, Schweizerische Eidgenossenschaft.

Trivia[Bearbeiten]

An der Mittleren Brücke in Basel (Kleinbasler Uferseite) befindet sich die Skulptur „Helvetia auf Reisen“, die 1980 von der Basler Künstlerin Bettina Eichin angefertigt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gianni Haver: Dame à l'antique avec lance et bouclier: Helvetia et ses Déclinaisons, in: Gonseth M.-O./Knodel B./Laville Y./Mayor G. (Hg.): Hors-champs. Eclats du patrimoine culturel immatériel, Musée d'ethnographie de Neuchâtel, 2013, S. 274-282.
  • Georg Kreis: Helvetia – im Wandel der Zeiten. Die Geschichte einer nationalen Repräsentationsfigur. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1991, ISBN 3-85823-316-1.
  • Thomas Lau: „Stiefbrüder“. Nation und Konfession in der Schweiz. Böhlau-Verlag, Köln u.a. 2008, ISBN 978-3-412-14906-2, S. 397–419. (Zugleich Habil-Schrift 2005)
  • Thomas Maissen: Von wackeren alten Eidgenossen und souveränen Jungfrauen. Zu Datierung und Deutung der frühesten „Helvetia“-Darstellungen, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 56 (1999), S. 265-302.
  • Thomas Maissen: Die Schöpfung der Helvetia in der bildenden Kunst und in der Dichtung, in: Stefan Hess/Tomas Lochman (Hg.): Basilea. Ein Beispiel städtischer Repräsentation in weiblicher Gestalt, Basel 2001, S. 84-101.
  • Thomas Maissen: Die Geburt der Republic. Staatsverständnis und Repräsentation in der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft (= Historische Semantik. Bd. 4). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-36706-6, S. 253–277 (Zugleich: Zürich, Univ., Habil.-Schr., 2001).
  • Angela Stercken, Enthüllung der Helvetia. Die Sprache der Staatspersonifikation im 19. Jahrhundert (= Historische Anthropologie. Bd. 29). Reimer, Berlin 1998, ISBN 3-496-02641-3 (Zugleich: Basel, Univ., Diss., 1996).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helvetia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien