Exemtion

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Exemtion (lateinisch für „Ausgliederung“, korrekt eigentlich Exemption von lat. exemptio) ist ein vorwiegend rechtlicher Begriff. Im eigentlichen engeren Sinne versteht man darunter die gänzliche Herauslösung von Personen, Institutionen oder Orten aus dem Gerichtsverband (Gerichtsfreiheit) und die Zuerkennung einer eigenen Gerichtsbarkeit. Im weiteren Sinne ist die Exemtion jede Befreiung aus der ordentlichen Gerichtsbarkeit und die Zuerkennung eines eigenen Gerichtsstandes (Privilegium [electionis] fori), → Immunität. Diese Exemtion war im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ein Reservatrecht des Kaisers. Geläufiger als das Substantiv ist das zugehörige Adjektiv exemt oder auch eximiert in Begriffen wie: exemtes Kloster und exemtes Bistum. Die Exemtion ist auch als Befreiung vom Militärdienst im 18. und 19. Jahrhundert bekannt.

Exemtion in der katholischen Kirche[Bearbeiten]

'Exemtion' ist ein kirchenrechtlicher Begriff. In der katholischen Kirche versteht man unter Exemtion die in der Vergangenheit häufiger angewandte und in der Kirchengeschichte oft umstrittene Ausgliederung bestimmter Personen, Institutionen oder Orte aus der kirchenrechtlichen Zuständigkeit eigentlich zuständiger kirchlicher Vorgesetzter und ihre Unterstellung unter eine höhere Obrigkeit, zumeist den Papst. Man unterscheidet in der Rechtsgeschichte die teilweise Exemtion (exemptio partialis) und die völlige Befreiung (exemptio totalis) von der Unterordnung unter die Iurisdiktion des regulären nächsten Oberen (→ Ordinarius (Kirche)).

Im Mittelalter erlangten viele Bistümer, Orden, Universitäten und Abteien die Exemtion. Besondere Bedeutung hatte die Exemtion für Orden und Klöster, die durch diesen Status eine gewisse rechtliche Eigenständigkeit gegenüber den jeweiligen lokalen und regionalen kirchlichen Amtsträgern erhalten konnten.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Die Exemtion des Bistums Pavia aus dem Metropolitanverband und die direkte Unterstellung unter den Papst im 7. Jahrhundert ist die erste geschichtlich fassbare Exemtion in der Kirche des Westens.
  • Die ersten Klöster, die im Zusammenhang mit der Exemtion genannt werden, sind das columbanische Kloster Bobbio in Norditalien und Luxeuil in Frankreich. Beide erhielten dieses päpstliche Privileg bereits 628. Es garantierte ihnen neben der Bischofsfreiheit auch die direkte Unterstellung unter den Papst.
  • In Deutschland findet sich die Exemtion zuerst beim Kloster Fulda. Bonifatius konnte sie 751 von Papst Zacharias erwirken.
  • Die Abtei Cluny wurde schon bei ihrer Gründung 910 exemt. Seither wurde die Exemtion besonders im Zeitalter der Gregorianischen Reform auch ganzen Klosterverbänden, dann im 12. und 13. Jahrhundert sogar Gesamtorden verliehen (Ritter- und Bettelorden).

Ab dem späten Mittelalter wird die Exemtion zunehmend als Hindernis für Reformversuche betrachtet und auf dem Trienter Konzil deutlich eingeschränkt.

Die Exemtion wurde auf Antrag an den Heiligen Stuhl durch päpstliches Indult (Gnadenerweis) gewährt. Häufig wurde solchen Ansinnen jedoch nicht stattgegeben. So strebte das Bistum Passau jahrhundertelang vergeblich eine Exemtion gegenüber dem Erzbistum Salzburg an. Im Codex Iuris Canonici von 1983 wird die Exemtion kaum mehr erwähnt. Gewohnheitsrechtlich kann sie aber Bestand haben und auch im diözesanen Recht geregelt sein. Gegenwärtige exemte Bistümer sind häufig in kleinen Staaten (mit nur einem Bistum) oder politisch zumindest etwas umstrittenen Gebieten zu finden; heute sind etwa die Erzbistümer Luxemburg, Vaduz und Straßburg und die Bistümer Metz, Gibraltar, Skopje, Oslo usw. exemt. Eine echte Ausnahme stellt die Schweiz dar, in der alle sechs Bistümer exemt sind.

Exemtion von Ständelisten[Bearbeiten]

In diesem Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Der Begriff wurde im Heiligen Römischen Reich bei Streichung von der Reichmatrikel und von Ständelisten benutzt

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Literatur[Bearbeiten]