Hirschfänger

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Hirschfänger mit Gehänge, Rufhorn und diversen Schnüren um 1675

Der Hirschfänger ist eine rund 40 bis 70 cm lange Stichwaffe, die für die Jagd verwendet wird. Jägerbataillone nutzten Hirschfänger teilweise auch als militärische Blankwaffe.[1] Der Hirschfänger ähnelt dem Saufänger.

Mit ihm konnten Rot- und Damwild, aber auch kleinere Wildschweine abgefangen werden. Während Jagdschwert, Jagddegen und Jagdsäbel vorwiegend vom Pferd aus Verwendung fanden, wurde der Hirschfänger ausschließlich zu Fuß eingesetzt. Mit einem Stich von vorn in das Herz tötete der Jäger das Tier, welches gestellt und/oder verwundet war. Eine Gefährdung des Hundes durch einen weiteren Schuss wurde so vermieden.

Der Hirschfänger entwickelte sich aus dem Jagddegen, ist aber kürzer als dieser. Am Anfang rein jagdlich verwendet und später nur noch für die Repräsentation und als Uniformbestandteil getragen, zeigte sich dies auch in seinen unterschiedlichen Ausführungen. Die Entwicklung begann mit dem „eisernen Hirschfänger“, welcher ganz aus Eisen und wie beim Degen noch mit einem Griffbügel gefertigt wurde. Die Klinge wurde am Anfang wie bei einem Dolch zweiseitig geschliffen, später nur noch an der Spitze. Ab dem Barock ersetzten die Handwerker mehr und mehr die Eisenteile des Gefäßes durch Messing- oder Silberteile, die teilweise vergoldet waren. Als Material für den Griff kam auch Hirschhorn und gelegentlich Elfenbein in Frage. Im Rokoko war der Hirschfänger – mit aufwändig gearbeiteten Gefäßen – oft ein repräsentativer Bestandteil der Kleidung. Im Übrigen sind Hirschfänger heute oft nur noch Bestandteil der Jagd- und Forstuniformen.

Der Hirschfänger wird heute nur noch selten eingesetzt, und Jäger werden hierfür auch nicht ausgebildet. Im Jagdbetrieb werden heute für den Fangschuss bei der Nachsuche in der Regel Faustfeuerwaffen (Pistolen oder Revolver) mit entsprechenden Munitionskalibern verwendet.

Von vielen Praktikern wird der Hirschfänger in seiner klassischen Form abgelehnt: Grundsätzlich ist die Waffe auf Grund ihrer Konstruktion für das Abfangen geeignet, bemängelt wird aber die (zu) schmale Klinge, die im Brustkorb, an Herz Lunge, großen Blutgefäßen zu wenig Verletzungspotential aufweist, um schnellstes Verenden des Tieres sicherzustellen. Aus gleichem Grunde werden auch Bajonette als "Hirschfängerersatz" abgelehnt.

Ein modernes Abfangmesser hat eine über 20 cm lange, auffällig breite Klinge und ist symmetrisch zweischneidig geschliffen. Ausgeführt wird der so genannte Blattfang.

Trotz Gesagtem ist das Abfangen von Wild mit einem Messer oft gefordert: Nicht immer steht eine geeignete Schusswaffe zur Verfügung oder kann eingesetzt werden. Schusswaffeneinsatz kann durch Fremdgefährdung (Abpraller) oder Gefährdung beteiligter Hunde unmöglich werden, ebenso können Geländeverhältnisse den Griff zum Messer verlangen.

Ein Abfangmesser für Niederwild und Kleinwild ist der Nicker.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Seifert, Der Hirschfänger, Schwäbisch Hall, 1973, Journal-Verlag
  • Martin Stiegler, Europäische Hirschfänger, Berching, 1994
  • Rolf Selzer, Die frühen königlich sächsischen Infanterie-Faschinenmesser M/1845, 2006 Online-PDF

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Maier “Preuß. Blankwaffen”, Seite 629 - 634

Weblinks[Bearbeiten]