Ifo Institut für Wirtschaftsforschung

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ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
an der Universität München e. V.
ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.
Logo des ifo Instituts
Kategorie: Wirtschaftsforschungsinstitut
Träger: keiner (rechtlich selbstständiger eingetragener Verein)
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: München, Niederlassung in Dresden
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Wirtschaftswissenschaft
Leitung: Hans-Werner Sinn
Mitarbeiter: ca. 193 Mitarbeiter
Homepage: www.ifo.de
Das ifo Institut in der Poschinger Straße 5 in München.

Das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (abgekürzt ifo) ist eine Münchner Forschungseinrichtung, die sich als eines der größten Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands mit der Analyse der Wirtschaftspolitik beschäftigt und monatlich den ifo-Geschäftsklimaindex ermittelt.

Rechtsstellung und Finanzierung[Bearbeiten]

Das ifo Institut hat die Rechtsstellung eines eingetragenen Vereins. Es ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Dies bedeutet unter anderem, dass Zuwendungen an das Institut steuerlich abzugsfähig sind.[1]

Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand, der Verwaltungsrat, das Kuratorium und der Wissenschaftliche Beirat. Der Vorstand vertritt den Verein nach außen. Der Vorsitzende des Vorstandes wird von der Satzung auch als Präsident bezeichnet. Neben dem Präsidenten hat der Vorstand noch ein bis zwei weitere(s) Mitglied(er).[2] Der Verwaltungsrat übt gegenüber dem Vorstand die Aufsicht aus. Er besteht aus zwei Mitgliedern aus dem Kuratorium, zwei Mitgliedern aus der Ludwig-Maximilians-Universität München, einem Vertreter der Bundesregierung, einem Vertreter der Bayerischen Staatsregierung, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats und weiteren Mitgliedern, die von der Mitgliederversammlung gewählt werden. Satzungsgemässe Aufgabe des Kuratoriums ist es, den Vorstand bei der Erfüllung der Aufgaben des Vereins zu unterstützen. Dem Kuratorium sollen laut Satzung „mindestens 20 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Verwaltung“ angehören.

Finanziert wird das ifo Institut zurzeit zu etwa zwei Dritteln aus öffentlichen Mitteln (im Zuge der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern über die Leibniz-Gemeinschaft) und zu etwa einem Drittel aus den Erlösen für Drittmittelprojekte, die in der Regel ebenfalls von öffentlichen Auftraggebern stammen („wissenschaftliche Politikberatung“). Darüber hinaus unterstützt die sogenannte „Freundesgesellschaft“ das Institut finanziell. Die Freundesgesellschaft besteht laut Webseite des ifo-Instituts aus „Einzelpersonen, gewerbliche Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Körperschaften des In- und Auslandes“.[3]

Es ist als An-Institut mit der Ludwig-Maximilians-Universität München assoziiert.

Die Niederlassung Dresden finanziert sich überwiegend aus Zuwendungen des Freistaats Sachsen (sowie in geringem Umfang durch Drittmittel).

Aufgaben und Tätigkeiten[Bearbeiten]

Satzungsgemäßer Vereinszweck ist die empirische wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung sowie die Bereitstellung von Daten, Informationen und Forschungsergebnissen auf wirtschaftswissenschaftlichem und wirtschaftspolitischem Sektor. Die Ergebnisse der Arbeit werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und sollen – so die Satzung – der Entscheidungsfindung in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung dienen.

Um diesem Zweck nachzukommen, erledigt das Institut die folgenden Aufgaben:

  • Bereitstellung von Wirtschaftsdaten für die interessierte Öffentlichkeit. Hierzu organisiert das Institut auch Seminare und Vorträge eigener und anderer Wirtschaftswissenschaftler. Als prominenteste Wirtschaftsanalyse gilt der renommierte ifo Geschäftsklimaindex. Mit der Datenbank DICE stellt das ifo Institut darüber hinaus ländervergleichende, systematische Informationen zu Institutionen und Regeln zur Verfügung. Zusätzlich gibt das ifo Institut mehrere wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften heraus.
  • Erhebung dieser Daten (z. B. ifo Geschäftsklimaindex) durch Befragungen von Unternehmen.
  • Beratung der die Wirtschaftspolitik beeinflussenden Organe in Deutschland, insbesondere Bundes- und Landesministerien
  • Entwicklung von Modellen zur Simulation der Effekte von Eingriffen in die deutsche Wirtschaft.
  • Wirtschaftswissenschaftliche Forschung: Die Forschung des Instituts war bis 1999 sehr auf seine Beraterfunktion zugeschnitten. Auf Empfehlung des Wissenschaftsrats wurde ab 1999 eine stärker universitäre Ausrichtung implementiert. Das ifo-Institut arbeitet als Forschungseinrichtung mit vielen deutschen Universitäten zusammen, insbesondere mit der Universität München, sowie mit zahlreichen Forschungsinstituten im In-und Ausland.
  • Das Institut unterhält eine Niederlassung in Dresden, die insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen und den übrigen neuen Ländern analysiert

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Präsidenten des ifo-Instituts
Name Zeitraum
Karl Wagner 1949–1955
Hans Langelütke 1955–1965
Karl Maria Hettlage 1965–1976
Karl Heinrich Oppenländer 1976–1999
Hans-Werner Sinn seit 1999

Das ifo Institut hat derzeit ungefähr 193 Mitarbeiter,[4] etwa die Hälfte davon sind wissenschaftliche Mitarbeiter. Der Leiter ist Hans-Werner Sinn.

Geschichte[Bearbeiten]

Das ifo Institut wurde im Jahr 1949 als Informations- und Forschungsstelle (Ifo) für Wirtschaftsbeobachtung mit Mitteln des Bayerischen Innenministeriums gegründet. Zur Gründergeneration gehörten Wilhelm Marquart und Hans Langelütke. Beide waren im Planungsamt des nationalsozialistischen Vierjahresplanes für Wirtschaftsstatistik zuständig.[5] Zur Analyse des Zusammenwachsens der beiden Teile Deutschlands wurde 1993 eine Zweigstelle in Dresden eröffnet. Unter der Präsidentschaft Hans-Werner Sinns wurde es zu einem sogenannten „An-Institut“ der Ludwig-Maximilians-Universität München, was auch durch die Namensergänzung „an der Universität München“ und die enge Kooperation mit dem ebenfalls von Sinn geleiteten CES deutlich wurde.

Aufgabenbereiche[Bearbeiten]

Kritik und Evaluierung[Bearbeiten]

Die Arbeit des ifo-Instituts wird von Beauftragten der Leibniz-Gemeinschaft überprüft und bewertet. Von der Einschätzung dieser Evaluierungskommission hängt die Finanzierung des Instituts durch den Staat ab. 1998 bemängelten sie die Arbeit des Instituts und stuften es auf den Rang einer „forschungsbasierten Serviceeinrichtung“ ab.[6]

2006 bezeichnete die Evaluierungskommission die CESifo GmbH, die gemeinsame Tochtergesellschaft von LMU und ifo Institut, in ihrem Bericht als „großartige Institution für den Wissenstransfer und die internationale Zusammenarbeit“ („great institution for knowledge transfer and international cooperation“).[7] Gleichzeitig kritisierte sie allerdings erneut die Forschungsleistung des ifo-Instituts selbst. Sie bezweifelte, „ob alle politischen Ratschläge des Ifo-Instituts auf ausreichend rigoroser, empirischer Forschung basieren“. Auch die Qualität der Ökonometrie wurde kritisiert, die nach Meinung der Gutachter nicht dem internationalen Standard entspreche.[6] Insgesamt lobte die Leibniz-Gemeinschaft die Fortschritte des Instituts jedoch. Der im Jahr 1999 an das ifo berufene Präsident, Hans-Werner Sinn, habe das Institut grundlegend reorganisiert und als Zentrum moderner anwendungsorientierter wirtschaftswissenschaftlicher Forschung und wissenschaftlicher Politikberatung profiliert. Das Ifo Institut wurde als „forschungsbasierten Serviceeinrichtung“ eingestuft, doch stellte der Senat dem Institut in Aussicht, zur Riege der Forschungseinrichtungen zurückzukehren, wenn es ein kohärentes Arbeitsprogramm vorlege, das die Beiträge der einzelnen Abteilungen zur Mission des Instituts deutlich macht“.[8]

Das ifo Institut erhielt bis 2009 die gemeinsame Förderung durch Bund und Länder als „Einrichtung, die überwiegend wissenschaftliche Infrastrukturaufgaben wahrnimmt“ (Serviceeinrichtung). Nach Vorlage des neuen Arbeitsprogramms und erneuter Prüfung durch die Evaluierungskommission beschloss die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) auf ihrer Sitzung am 2. November 2009, das ifo Institut ab Januar 2010 wieder als „überwiegend forschende Einrichtung“ zu fördern. Die GWK folgte mit Ihrer Entscheidung der Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft vom 4. März 2009.[9]

Die im Jahr 2012 eingeleitete Regelevaluierung des ifo Instituts durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft wurde am 17. Juli 2013 abgeschlossen. Die Forschungsleistungen des ifo Instituts seinen "sehr gut, in Teilen sogar exzellent", heißt es in der Stellungnahme der Leibniz-Gemeinschaft.[10] Die Leibniz-Gemeinschaft anerkannte die Leistung des Vorstandes und hob insbesondere die Arbeit des Präsidenten, Hans-Werner Sinn hervor, dem es immer wieder gelungen sei, wichtige öffentliche Debatten zu den verschiedenartigsten Themen anzustoßen. Insgesamt wurde die positive Entwicklung der „Forschungs-, Dienstleistungs- und Beratungsarbeiten“ erneut betont[11]

Mittlerweile zähle das ifo Institut nach Meinung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft zu den führenden europäischen Wirtschaftsforschungsinstituten. Es nehme eine wichtige Brückenfunktion zwischen akademischer Forschung und Politikberatung“ wahr.[10][11]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Buchreihen

  • ifo Beiträge zur Wirtschaftsforschung
  • ifo Forschungsberichte
  • ifo Dresden Studien
  • EEAG Report
  • Ifo Economic Policy (Verlag Edward Elgar)
  • CES Munich Lectures Series (Verlag MIT Press)
  • CESifo Seminar Series (Verlag MIT Press)
  • CESifo Book Series (Verlag MIT Press)

Zeitschriften

  • CESifo Economic Studies (Verlag Oxford University Press)
  • ifo Schnelldienst
  • CESifo Forum
  • CESifo DICE Report
  • CESifo World Economic Survey
  • ifo Konjunkturperspektiven
  • ifo Dresden berichtet

Working Papers

  • Ifo Working Papers
  • CESifo Working Papers

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite des Ifo-Instituts: Informationen zur Vereinsmitgliedschaft (deutsch, abgerufen am 1. Juli 2013)
  2. ifo Institut – aktuelle Satzung
  3. Webseite des ifo-Instituts: Informationen zur Freundesgesellschaft (deutsch, abgerufen am 1. Juli 2013)
  4. Jahresbericht 2011
  5. Götz Aly, Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung,Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, S. 54.
  6. a b Wirtschaftswoche: Bericht über die Kritik am ifo-Institut (deutsch, abgerufen am 1. Juli)
  7. Leibniz Gemeinschaft Referat Evaluierung (Hrsg.): "Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), Evaluation Report vom 14. Juni 2006, S. B2, als PDF-Datei aufzurufen auf der Webseite der Leibniz-Gesellschaft: Senatsstellungnahmen (PDF; 748 kB).
  8. Leibniz Gemeinschaft Referat Evaluierung (Hrsg.): "Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), Evaluation Report vom 14. Juni 2006, S. 2, als PDF-Datei aufzurufen auf der Webseite der Leibniz-Gesellschaft: Senatsstellungnahmen (PDF; 748 kB).
  9. Leibniz Gemeinschaft Referat Evaluierung (Hrsg.): "Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), Stellungnahme des Senats vom 4. März 2009, S. 2, als PDF-Datei aufzurufen auf der WGL-Seite Senatsstellungnahmen (PDF; 81 kB).
  10. a b leibniz-gemeinschaft.de: Stellungnahme des Leibniz-Senats zum ifo Institut vom 17. Juli 2013, S. 3. (PDF; 1,3 MB)
  11. a b Einmischung erwünscht, WirtschaftsWoche (Printausgabe), Nr. 31, 29. Juli 2013, S. 34.